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Wow, was für eine Firma!

Wolff Horbach 15 September 2006 4 Kommentare

Ich bin noch ganz fasziniert von unserer gestrigen Veranstaltung Innovation Insight bei der Firma Lemken in Alpen am Niederrhein. Welch ein Genuss: der Landmaschinenhersteller strotzt vor Optimismus. Von der sonst so üblichen Jammerei über ungünstige Standortbedingungen, zu höhen Löhnen, Lohnnebenkosten oder Steuern keine Spur.

Um es salopp auszudrücken: Die Firma brummt. Wachstumsraten von durchschnittlich 9% in den letzten Jahren. Tendenz steigend. Zufriedene Mitarbeiter. Zufriedene Unternehmensleitung. Arbeit ohne Ende.

Lemken Wwerksleiter Rudolf Vervoorst

Um so bemerkenswerter, dass sich bei der vielen Arbeit die Gesellschafterin Nicola Lemken und der Werks- und Einkaufsleiter Rudolf Vervoorst (siehe Foto) über drei Stunden Zeit nahmen, um das Unternehmen vorzustellen, eine ausgiebige Werksführung durchzuführen und zu allen Fragen Rede und Antwort zu stehen. Und das alles ohne irgendeine Spur von Hektik, sondern in angenehmer Ruhe und Gelassenheit. Keine einzige Unterbrechung durch ein Telefonat oder Mitarbeiter, die um “dringende” Informationen oder Entscheidungen ersuchen. Am Schluss gab es dann auch noch ein liebevoll zubereitetes Bufett. Perfekte Gastfreundschaft!

Die Erfolgsfaktoren von Lemken sind bemerkenswert und würden vielen Unternehmen bestens stehen:

Offenheit: Lemken veröffentlich regelmäßig und detailliert einen Geschäftsbericht mit Kennzahlen wie Exportanteil, EBIT, Cashflow, Bilanzsumme, Investionen, Abschreibungen usw. Dies ist weder vom Gesetzgeber verlangt noch in dieser Detailfülle üblich. Intern werden die Mitarbeiter durch Aushänge stets aktuell über die Entwicklung von Umsatz und Ertrag informiert. Jeder Mitarbeiter weiss stets wie es um das (sein) Unternehmen bestellt ist. Das schafft

Vertrauen: Mitarbeiter haben Vertrauen in ihre berufliche Zukunft und können sich rechtzeitig auf Veränderungen einstellen. Kunden haben Vertrauen in einen wichtigen Geschäftspartner. Lieferanten gewinnen Vertrauen in einen treuen und zuverlässigen Kunden. Vertrauen schafft

Identifikation: Alle Beteiligten identifizieren sich mit dem Unternehmen und sind stolz darauf, dort zu arbeiten oder mit diesem gesunden Unternehmen zu kooperieren. Das Unternehmen gewinnt dadurch an

Attraktivität: Kunden sind stolz, die Produkte eines erfolgreichen Unternehmens einzusetzen und empfehlen sie gerne weiter. Lemken zieht bestens qualifizierte Arbeitskräfte an. Die besten Zulieferer treten auf den Plan. Dies führt zu einer intensiven

Beteiligung: Mitarbeiter werden am Erfolg des Unternehmens beteiligt. Sie werden intensiv an Entscheidungsprozessen beteiligt. Motto: der Mitarbeiter vor Ort weiss am allerbesten, was er braucht und was zu tun ist. Zulieferer und Kunden werden an Entwicklungsprozessen beteiligt.

Permanentes Lernen: Das Unternehmen und alle Beteiligten befinden sich in einem kontinuierlichen Lernprozess. Das läuft völlig undogmatisch ab. Mitarbeiter stellen selbst oder mit den Managern den Lernbedarf fest und wählen die beste Lernmethode. Lemken bildet mehr junge Menschen aus, als es dem eigenen Bedarf entspricht. Das ist nicht nur gesellschaftlich vorbildlich, sondern auch sehr klug: Sie haben stets einen Pool von hervorragenden Fachkräften. Besonders talentierte Fachkräfte werden dazu angehalten und aktiv unterstützt sich extern – z.B. in einem Studium – fortzubilden. Davon profitieren beide Seiten: Mitarbeiter bereichern ihr Leben durch Nutzung der Talente, interessantere Arbeit und höheres Einkommen. Das Unternehmen bekommt stets die neuesten Erkenntnisse aus den Hochschulen.

Qualität: Obwohl Qualität heute kein besonderes Merkmal ist, sondern eher eine Grundvoraussetzung, arbeitet Lemken unablässig in enger Zusammenarbeit mit Kunden an permanenten Qualitätssteigerungen.

Kundennähe: Ein enges Vertriebs- und Servicenetz kennt die Anforderungen des Kunden genauestens (Slogan: “Wir verkaufen auf dem Acker”). Der Kunde wird in Entwicklungsprozesse einbezogen. Bei der hohen Beanspruchung der Geräte und trotzt bester Qualität kann trotzdem etwas kaputt gehen. Spätestens 24h später hat der Kunde das notwendige Ersatzteil und kann seine dringende Arbeit fortsetzen.

Flexibilität: Lemken liefert extrem kundenspezifische Maschinen. In der Fertigung findet man kaum zwei genau identische Maschinen. Die Bedürfnisse des Kunden können exakt erfüllt werden. Diese Fertigung erfordert mit der stark saisonal bedingten Schwankung der Aufträge eine hohe Flexibilität an Arbeitszeiten. In Boomzeiten (wie zurzeit) wird in Einzelbereichen an sieben Tagen in drei Schichten gearbeitet. Bei schwächerer Auslastung  können Arbeitszeiten und damit auch Lohnkosten gesenkt werden. Die Mitarbeiter sind bereit weniger zu arbeiten und gleichzeitig weniger Lohn zu verdienen. Dafür sichern sie ihren Arbeitsplatz und wissen, dass sie zu anderen Zeiten ein gutes Zubrot verdienen können.

Flache Hierachie und Vor-Ort-Präsenz: Früher übliche Hierachiestufen wurden abgebaut. Dies zahlt sich durch Produktivitätssteigerungen aus. Manager und Einkäufer sitzen in Fertigungsnähe und nicht entfernt in der Verwaltung. Die Probleme werden direkt vor Ort gelöst. Dadurch entfallen Missverständnisse und ganze Kommunikationsketten.
Die Liste der Erfolgsfaktoren ist damit bestimmt noch nicht erschöpft. Sollte ich etwas Wesentliches vergessen haben, so bitte ich die anderen Teilnehmer in den Kommentaren um Ergänzungen.

Ich möchte mich auf diesem Wege noch einmal herzlich bei Nicola Lemken und Rudolf Vervoorst für die Inspiration bedanken. Ich wünsche dem Unternehmen und allen Beteiligten weiterhin gutes Gelingen.

Siehe auch früheren Bericht über Lemken auf der innovativ.in Website.


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4 Kommentare »

  • Ludger Freese sagte:

    Das ließt sich ja gut, Herr Horbach! Solche Firmen brauchen wir! Mut zu neuen Wegen, die Mitarbeiter mit ins Boot nehmen, den Kunden achten und ehren und (natürlich!) Geld verdienen.
    Toller Bericht von Ihnen, bin mächtig begeistert! Ich überlege schon, wie ich das auf meinen kleinen Betrieb umsetzen kann…ist bestimmt möglich!
    Es ist wie in der Schule: Wir lernen immer von den Guten!

  • Willibald Keil sagte:

    Der Besuch bei Fa. Lemken war echt Klasse. Die Präsentation und anschließende Werksbesichtigung haben das Unternehmen im besten Licht gezeigt. Die Offenheit und Transparenz sind sicher eine der wesentlichen Erfolgsfaktoren. Dabei stellt sich aus meiner Sicht das Marktumfeld, besonders in den osteuropäischen Absatzgebieten bei gestiegenen Stahlpreisen sicherlich nicht einfach dar. Hier zeigt sich, dass das Management der Fa. Lemken mit einem Erfolgskonzept, wie von Herrn Horbach beschrieben, auch in diesem Umfeld eine reiche Ernte einfahren kann. Ich bin sicher, dass davon viele Unternehmen lernen können.
    Bedanken möchte ich mich bei Frau Nicola Lemken und Herrn Rudolf Vervoorst für die gelungene Präsentation und bei Frau Elita Wiegand für die Organisation der Veranstaltung.

  • Elita Wiegand sagte:

    Lieber Herr Keil,
    bin auch total begeistert von der innovativen Unternehmenskultur der Firma Lemken. Ein Beispiel, von dem viele Firmen lernen können. Danke für Ihren Kommentar.

  • innovativ.in - Business Blog » Blog Archiv » Gruppenfoto mit Unternehmern sagte:

    [...] Jetzt hat Nicola Lemken ausgeholfen und uns ein Foto gemailt. Eben eine kleine Erinnerung für alle, die bei dem interessanten Abend mit dabei waren. Wer lieber über unsere Veranstaltung liest, findet dazu hier im Blog einen Beitrag. [...]

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