Verlieren wir unsere Werte durch Globalisierung?
Arbeitplätze
Wir im «Westen» verbinden Arbeit mit den Aspekten Arbeitsplatzgarantie, Arbeitschutz und soziale Sicherung. Diese sozialen Errungenschaften der westlichen Wirtschaftswelt gelten für die Konkurrenz aus Asien nicht. Die Arbeitskosten gelten als wesentlicher Faktor bei der Preisbildung.
Der Faktor Arbeit unterliegt heute nahezu im globalen Wertbewerb keiner Bestimmung. Die mit den Produkten eingeführte Arbeit kann so billig sein wie sie will, sie kann unter menschenverachtenden Bedingungen erbracht werden, sie darf alle zu Hause geltenden Standards – von der Arbeitshygiene über die Frauengleichberechtigung bis zum Verbot der Kinderarbeit – großzügig unterbieten, und niemand im Zollamt interessiert sich dafür. Die Arbeitskraft ist von allen handelbaren Gütern die freieste; sie reist unbehelligt ein, unsere Wert- und Preisvorstellungen sind für sie suspendiert.
Können wir hier mit den Produkten aus Fern-Ost tatsächlich auf Dauer konkurieren?
Zerstören wir unsere Arbeitplätze, wenn wir nur nach dem Aspekt kaufen: “Hauptsache billig”?
«Der Westen muss sich Wehren oder er scheitert.»
Spiegel Bericht von Gabor Steingart
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Ob es im Buch bessere Inhalte gibt als im Beitrag? Was ist neu an den Inhalten? Die Probleme kennen wir doch längst. Lösungen wären gefragt, aber ob Abwehrbündnisse, Drohungen mit Handelsschranken und Panikmache der richtige Weg sind?
Falls jemand das Buch liest: Würde mich interessieren, ob sich die Negativdokumentation durchs ganze Werk zieht, oder ob auch aufgezeigt wird, wie Europa und Amerika vom Aufstieg Asiens profitieren.
Lassen wir China keine Schuhe mehr exportieren – 70% der Europäer und Amerikaner müssten dann eben (zumindest mittelfristig) auf Schuhe so ziemlich aller Marken verzichten. – Oder produzieren wir eben mal schnell zig Millionen Paar mehr?
Amüsiert hat mich der vorletzte Absatz, in dem Hr. Gabor die Kulturen Asiens als kapitalistische Urgesellschaft bezeichnet. Ist es nicht das konfuzianische Wertedenken, das unserem kapitalistischen überlegen ist?
Leider fällt mir eine konsistente Kritik am Beitrag ohnehin schwer, denn es wird mit keinem Wort erwähnt, um welches Land es geht, um welche Kultur – oder sind ‘dort’ alle gleich? Wahrscheinlich – gefährlich sind sie laut dem Beitrag alle.
Das Buch von Gabor Steingart ist wesentlich unfassender und aus meiner Sicht sehr lesenswert. Er schildert die Folgen der Globalisierung in einer Klarheit, wie sie nicht allzuoft zu lesen ist.
Michael Fromm
Ohne Zweifel, die Globalisierung bringt Chancen und Risiken. In der globalisierten Wirtschaftswelt besteht keine Waffengleichheit, wenn es um die Verteilung der Märkte und Wirtschaftsfaktoren geht. Mann sollte hier nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Ist der Preis, den wir offensichtlich zahlen, langfristig gedacht, nicht zu hoch? Ein Festhalten an den erreichten sozialen Errungenschaften wie “Die Starken tragen die Schwachen” wird schwierig, wenn es die Starken im Sozialgefüge immer weniger gibt.
Es gibt keine Blockaden gegen Produkte, an denen das Blut der Arbeiter/innen klebt. Es gibt keine Blockaden gegen Produkte, die eindeutig aus dem Diebstahl unter Mißachtung von Lizenzrechten eingeführt werden. Für die Eintrittskarte in den Wirtschaftstandort Asien, wird jeder Preis gezahlt. Auch hier sind unsere europäischen Politiker gefordert Regelungen zum Schutz unserer sozialen und wirtschaftlichen Errungenschaften zu treffen, die sich lieber damit beschäftigen Regelungen zu treffen, wie krumm eine Banane nach europäischer Norm sein muss.
Die Frage ist nicht, ob wir unsere Werte verlieren, sondern was wir bereit sind, für unsere Werte zu tun.
Wenn ich für eine saubere Umwelt bin, gegen miese Arbeitsbedingungen und gegen Kinderarbeit, dann aber aber bei dem T-Shirt für 5 Euro zugreife, ist das höchst doppelmoralisch. Ich unterstütze mit dem Kauf das, was ich “eigentlich” ablehne. Jeder Käufer kann hier etwas zur Erhaltung “unserer Werte” tun. Das ist aber nicht ganz einfach. Schon Brecht erkannte: Erst kommt das Fressen, dann die Moral.
Ich denke die Argumentation von Gabor Steingart ist nicht ganz von der Hand zu weisen (obwohl mir die Sichtweise insgesamt zu negativ erscheint). Wir sollten uns als EU schon wehrhaft zeigen. Ich bin zwar gegen jede Form von Protetionismus und für freien Handel. Nur wenn der freie Handel hier die Arbeitsplätze zerstört und auf der anderen Seite des Globus die Umwelt, dann müßte irgendwann Schluss mit lustig sein. Wir müssen unsere Werte einklagen und notfalls kraftvoll verteidigen!
Ich bin auch gegen jede Form von Gewalt. Aber wenn mich jemand angreift, würde ich mich zu verteidigen zu wissen. Das sollten wir als Handelsnation auch.
Nachdem Elita sich heute Diskussion wünschte:
@Johannes: ‘Auch hier sind unsere europäischen Politiker gefordert Regelungen zum Schutz unserer sozialen und wirtschaftlichen Errungenschaften zu treffen… Stimmt! Noch können die Regelungen getroffen werden, denn noch wäre die europäische Wirtschaft größtenteils in eigener Hand. Chinesen haben längst damit begonnen Paris aufzukaufen… und dann werden die Regelungen wohl etwas schwieriger.
@Wolfgang: Jeder Käufer kann hier etwas zur Erhaltung “unserer Werte†tun. Stimmt noch mehr, und ein kleiner Hoffnungsschimmer sind die vielen sehr erfolgreichen kleinen regionalen Marken … so könnte Europa eine Chance haben.
Die Realität: Welchen deutschen/österreichischen Konsumenten kümmert es denn wirklich, ob sein T-Shirt in Portugal, Spanien oder China hergestellt wurde. Und die perverse Doppelmoral wurde ja bereits diskutiert: Wir wollen ‘billig’ einkaufen, arbeiten bei Konzernen und investieren über tolle Fonds auch viel Geld in jene, die uns das alles durch asiatische Produktionen ermöglichen – und gefährden dabei gleichzeitig unseren eigenen Arbeitsplatz.
Gordischen Knoten nennt man das, oder? Und ob der durch oben zitierte Gewalt oder ‘wie von selbst’ gelöst hat, darüber gibt es mehrere Geschichten.
Ist Alles nicht so einfach!
A: Wer auf den asiatischen Markt (z.B. China) seine Produkte vertreiben möchte, kann sich nur dann erfolgreich bewerben, wenn die hiesigen Regierungen den Chinesen freien Zutritt zum Deutschen Markt gewähren. Gleichzeitig sichert sich China durch Jointventure Vereinbarungen, dass eine vollständige Offenlegung der technischen Produktionspläne erfolgt.
B: Waren aller Art, können auf dem europäischem Markt eingeführt und vermarktet werden, wenn der europäische Qualitätsstandart (leider oft auch dieser nicht)eingehalten wird.
Ergebnis: Es wurde offensichtlich versäumt, Auflagen zur Sicherung des geistigen Eigentums und der sozialen Arbeitplatznormen bei der Freigabe des europäischen Marktes festzulegen.
Ich glaube nicht, dass die Globalisierung nur unter diesem Billig-Lohn-Aspekt geführt werden sollte.
http://www.brandeins.de/home/inhalt_detail.asp?id=2093&MenuID=8&MagID=78&sid=su84134511542099539
Wolf Lotter hat in seinem Artikel den ich extra ausgeduckt und als Bettlektüre mitgenommen habe einen Umfassenderen Blick gefordert. Zu Recht, wie ich finde.
Wenn Wolf Lotter meint:
“Gegen Globalisierung, heißt es, gibt es nur zwei Mittel:
mitmachen oder abdichten, seine Identität verlieren oder sein Geschäft.
Besser klappt es umgekehrt: Die Welt erschließt sich durch
Unterschied und Wettbewerb. Auf kleinstem Raum. In der Region.” hat er sicherlich Recht,
ABER
Ist es richtig, dass sich die Menschen nur noch der Steuerung der Mächtigen der Wirtschaft, gesteuert vom Profitdenken um jeden Preis, unterwerfen müssen? Wer profitiert den wirklich von der Globalisierung? Der bisherige Bettler in China hat jetzt die Möglichkeit sich als Wanderarbeiter gegen Billiglohn zu verkaufen. Ja, er hat jetzt mehr und aus dem vorherigen Nichts eine Chance zu überleben. Vielen der bisherige Siemensmitarbeiter in Deutschland bleibt jetzt die Wahl zu Harz IV. Gut, denen geht es immer noch besser, als dem bisherigen Bettler in China. Mit seinem geringeren Einkommen kann der ehemalige Siemensmitarbeiter jetzt die billigeren Waren aus Fernost kaufen. Aber ist dass der richtige Weg?
Besser geht es letztendlich nur dem Aktionär.
Der Staat bekommt seine Beteiligung in Form von Abgaben. Verlegen wir doch den Betriebsitz dahin, wo der Staat nur einen geringeren Anteil an Abgaben bekommt.
Besser geht es letztendlich nur dem Aktionär.
Also werden wir einfach Aktionäre, dann gehören auch wir zu den Gewinnern.
Ist doch ganz einfach! Oder?
Globalisierung mag seine Vorteile haben, aber wir sollten mal an unsere Arbeitslosen denken. Ein Hartzempfaänger würde liebend gerne Waren kaufen(wenn er denn einen Arbeitsplatz hätte!), die bei uns hergestellt werden.Zumal die Markenwaren,die teilweise in China, Bangladesch usw. hergestellt sind, auch nicht weniger kosten, als das gleiche Produkt bei uns in Germany hergestellte.
Wir müssen halt einfach mal beißen und wieder mehr bei uns produzieren. Fakt wären weniger Arbeitslose und somit mehr Kaufkraft! Also ich vermeide größtenteils Waren zu kaufen, die in den Billiglohnstaaten hergestellt werden, und so sollten Alle denken. Nur so haben wir wieder eine Chance, dass es uns wieder besser geht. Ich bin selbst Unternehmerin uns kaufe auch nur die benötigten Produkte aus deutscher Herstellung.
Wer sich sein T-Shirt für dreißig Euro und sein Gemüse von Alnatura leisten kann, mein Glückwunsch. Man kann nicht alles so einfach erklären. Der Zug, unsere Werte zu erhalten ist bereits abgefahren. Da hätten wir uns vor unserer Multikultigeilheit Gedanken machen sollen über mögliche Folgen
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