Was war einfacher als du jünger warst?
Diese Frage stellte Ramit Sethi vor einiger Zeit seinem ehemaligen Boss (und einem meiner persönlichen Lieblings-Blogger) Seth Godin. Seths Antwort:
‘Träumen war einfacher. [...] Visionen und Ideen lagen vor dir am Boden. Ich träume immer noch, ich treibe mich selbst an, ich arbeite daran und es zahlt sich aus. Aber als ich Mitte 20 war, passierte es einfach. Und ich schrieb alles nieder. Seine Träume niederzuschreiben, ist eine großartige Idee.’
Mir gefällt die Auseinandersetzung mit dieser Frage. Sie erfordert Disziplin und ehrliche Reflexion, denn zu leicht schwenkt man in eine Analyse sozio-technologischer und soziokultureller Veränderungen über. – Dabei geht es nur um die eigene Person.
Ich glaube, Fehler machen war einfacher. Der Mut zum unbekümmerten Risiko war ungleich größer, als die Angst vermeintlichen Scheiterns. Statt erzwungener Krankrederei stand Umsetzung im Vordergrund.
‘Was war einfacher als DU jünger warst?’ Auf Kommentare bin ich gespannt…
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Als ich mich 1983 selbständig machte, hatte ich schon vor dem offiziellen Start die ersten beiden Kunden. So ging es dann die nächsten Jahre weiter. Ca. 10 Jahre später fragte mich Peter Trauth wie ich denn “Aquise” betreibe. Ich kannte das Wort “Akquisition” gar nicht!
Ich habe fast alle Aufträge auf Kundenanfrage erhalten. Meistens gab es kein Angebot von Mitbewerbern. Oft habe ich mein Angebot nur mündlich abgegeben oder auf Aufwandsbasis gearbeitet. Aufträge zu erhalten war die einfachste Sache der Welt! Der Aufwand dazu war nur minimal.
Danke für die Anregung, über diesen Punkt zu reflektieren. Natürlich könnte ich jetzt viele Beispiele anführen, was sich seit dem alles beim Kunden geändert hat. Das würde aber nur dazu führen, die Schuld und die Verantwortung abzuschieben.
Ein Punkt ist mir bereits vor einiger Zeit klar geworden. Ich habe früher Null Zweifel daran gehabt, das Projektziel 100%ig zu erreichen. Daher habe ich über so etwas wie Risiken gar nicht erst nachgedacht. Ich habe die Dinge einfach angepackt und erledigt. Punkt. Einmal hat eine Kunde nach einem äußerst erfolgreichen Projektabschluss zu mir gesagt: “Was wir da gemacht haben, war bodenloser Leichtsinn!”. Wir steuerten mit dem allerersten IBM-PC und dem gerade erst erschienenen Betriebssystem Concurrent DOS 1.0 mehrere Kraftwerke einer norddeutschen Stadt. Heute weis ich, dass wir das Projekt erst gar nicht angepackt hätten, wenn wir alle Risiken betracht hätten.
Fazit: Erfahrung kann auch Ballast bedeuteten. Vielleicht ist es besser, bei jeder Aufgabe mit dem Geist eines Anfängers ranzugehen.
Eine interessante Frage, aber mir fällt nun wirklich nichts ein was früher einfacher war, denn meine Erfahrung ist, dass viele viele Dinge deutlich einfacher geworden sind. Alleine die technischen Hilfsmittel, die wir bei der Arbeit einsetzten können, Mobiltelefon, UMTS, WLAN, Freisprechanlage, email, chat etc. etc. Die möchte ich alle nicht mehr missen. Selbst in der Interaktion ist es leichter geworden, wir sind aufgeklärter und haben über die Jahre viel Erfahrung sammeln können, die wir jetzt einsetzen. Also, was war früher leichter? Vielleicht einfach nur innerlich leichter, unbefangener, naiver? Weniger abgebrüht und noch voller Illusionen?! Aber warum zurückschauen, die Zukunft ist doch interessanter.
Eine gute Frage…, danke für die Inspiration, Hannes! Vor kurzem habe ich ein uraltes Tagebuch von mir gefunden. Damals habe ich meine Träume aufgeschrieben und kaum zu glauben, aber wahr: Ich habe mir all meine beruflichen Wünsche erfüllt, außer einem: Ein Buch zu schreiben. (Werde ich aber bald tun…)
Was war früher eigentlich einfacher? Das Gefühl noch unendlich viel Zeit zu haben, fehlt mir.Gerade deshalb, weil ich die Zeit, in der wir leben, irre spannend finde und ich wahnsinnig viel Lust habe, die Zukunft mitzugestalten.
Aber sonst? Ich finde mein Leben heute viel einfacher als früher, weil ich zu mir stehe, authentischer, selbstbewusster und mutiger bin. Und: ich akzeptiere mich heute mit meinen Stärken, aber auch mit meinen Macken und Fehlern. Kurz: Ich habe gelernt, mich zu lieben – und das ist einfach wunderbar!
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