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Einkaufen bis 22 Uhr – oh du fröhliche!

Ludger Freese 20 Oktober 2006 8 Kommentare

UhrJetzt ist es «endlich» perfekt – wir dürfen bis 22 Uhr einkaufen. Schon sehr bald werden wir keine Arbeitslose mehr haben, weil jedes Kaufhaus, jeder Discounter und Supermarkt Tausende von Leuten einstellen muss. Deutschland wird in Europa wieder die Nr. 1 – die Nachbarländer platzen vor Neid! Wir können dann am Samstag in aller Ruhe, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, bis 22 Uhr shoppen gehen.

Deutschland ist gerettet – manchmal kann alles ganz einfach sein.

Ok, ich habe jetzt etwas überzogen –aber ich denke z.B. an die Verkäuferin, die dann um 22:30 Uhr nach Hause kommen wird. Nur mit Freizeit lassen sich unattraktive Arbeitszeiten auch nicht ausgleichen. Der Freundeskreis wird sich sehr schnell verändern. Ich denke an die Familien – die sich völlig neu ausrichten müssen. Ich denke an die kleinen Dörfer und Städte, für die eine solche Entwicklung tödlich sein wird. Ich denke an die älteren Menschen, die nicht mobil sind. Wie sollen sie in Zukunft versorgt werden?

Wie denkt Ihr darüber?


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8 Kommentare »

  • Uwe Keim (benötigt) sagte:

    Fight Polemik with Polemik.

    Da werden wir bestimmt sang- und klanglos untergehen, wenn die letzte gesetzlich geschützte Berufsgruppe der Verkäufer nun auch in der Realität angekommen sind.

    Die dann gegründeten Selbsthilfegruppen können sich Experten aus dem Umfeld der Polizisten, Feuerwehrmänner, Wirte, Tankstellenbetreiber, Taxifahrer oder Industriearbeiter besorgen.

    Denn, oh Wunder, es gibt schon Personen die Nachts arbeiten.

    Aber, psssssst, nicht weitersagen.

  • Wolfgang Horbach sagte:

    Zunächst eine sachliche Frage: wo und wann ist das mit dem Einkauf bis 22 Uhr von wem beschlossen worden. Ab wann gilt das? Ich habe das irgendwie nicht mitbekommen.

    Was das Einkaufen bis 22 Uhr angeht, schlagen ach zwei Herzen in meiner Brust.

    Das Einkäufer- und Freiheitslieber-Herz: Ich finde es gut, dass endlich die staatlichen Restriktionen gelockert werden. Wir haben in unserem Land eine totale Überregulierung. Fast alles wird vorgeschrieben oder verboten. Das schränkt Kreativität und vor allem die Eigenverantwortung ein. Ich habe es in den USA und in Schweden erlebt, wie entspannt Einkaufen sein kann. Ich hatte dort nicht den Eindruck, dass die VerkäuferInnen gequält wurden.

    Das Sozial-Herz: Ich sehe auch die Gefahr, dass alles dem Konsum untergeordnet wird. Die Zersplitterung der Familienzeit ist nicht ohne.

    Ich glaube, wir brauchen neue Ideen, wie wir mit diesen Anforderungen umgehen. Ich bin davon überzeugt, dass diese Probleme irgendwo anders schon gelöst sind. Schweden ist als ein Land mit sehr hohen Sozialstandards. Trotzdem kann man dort fast rund um die Uhr einkaufen. Vielleicht liegt es daran, dass das dort Arbeiten und Leben mehr integriert sind. Bei uns höre ich oft: Ich muss bis … arbeiten (=Qual, Belastung, unangenehm). Dann habe ich endlich Freizeit (=Vergnügen, Freiheit, angenehm). Wenn wir es schaffen, Sinn + Erfüllung in allem zu finden, was wir gerade tun, dann ist es nicht mehr so wichtig, ob wir gerade am Arbeitsplatz sind oder zu Hause.

  • Uwe Keim (benötigt) sagte:

    In Baden-Würrtemberg kannst Du ab Januar 2007 von Montag bis Samstag rund um die Uhr Dein Geschäft öffnen, laut unserer Zeitung.

  • Alexander Greisle sagte:

    Ich finde es gut, es wird flexibel. Niemand ist gezwungen, das zu tun. Jeder kann wenn er den Bedarf sieht und das möchte.

    Klar sehe ich die Herausforderung, dass Familien sich umstellen müssen. Aber könnte das nicht die Chance zu neuen Familienmodellen sein? Man wird ja mal drüber nachdenken dürfen ;-)

  • Elita Wiegand sagte:

    Ehrlich gestanden habe ich die Diskussionen um die Öffnungszeiten in Deutschland nie verstanden. Da ich früher sehr oft in den Staaten war, habe ich es geliebt, auch noch spätabends shoppen zu gehen. Was in vielen anderen Ländern reibungslos funktioniert, wurde und wird bei uns zerredet. Soll doch jeder öffnen, wann er will. Natürlich garantieren längere Öffnungszeiten nicht mehr Umsatz, aber ich kaufe zum Beispiel gerne in dem türkischen Geschäft an der Ecke, die mich auch dann noch freundlich bedienen, wenn eigentlich längst Feierabend ist.

  • Daniela Mohr sagte:

    Wenn die Zeiten gelockert werden bzw. je nach Bundesland von Mo-Fr ganz aufgehoben, heisst das doch nicht gleich, dass jedes Geschäft rund um die Uhr aufhaben muss. Es ist ein Schritt in unternehmerische Freiheit, den wir wirklich brauchen. Und das “Horrorszenario” über die vermeintlichen Auswirkungen auf Familien kann ich auch nicht teilen. Oder haben die o.g. Berufsgruppen alle ein “verkorkstes” Familienleben und fristen ein Dasein so ganz ohne Freunde?

  • Sarah Schons sagte:

    Glücklicherweise habe ich die meiste Zeit meines Lebens nicht in Deutschland verbracht. Glücklicherweise in sehr vielerlei Hinsicht. Bezogen auf Öffnungszeiten: ich habe zwei Berufe, die mich völlig aus dem “bundesdeutschen” Zeitplan hebeln, der sich scheints an verheirateten Beamten oder Handwerkern orientiert, deren Frauen tagsüber vollschichtig den Haushalt versorgen. Wie unmodern.
    Ich freue mich, wenn ich auch in dieser Republik endlich Gelegenheit habe, einzukaufen ohne mir dafür Urlaub nehmen zu müssen oder mit hängender Zunge zu Aldi zu rasen und alles andere via Internet kaufen zu müssen. In New York, Madrid, London und Paris funktioniert das wunderbar.

  • inGO sagte:

    22 Uhr NEIN DANKE! Nach der anfänglichen Euphorie und “huRRa”-Stimmung ist hier in der Provinz Siegen gottseidank wieder die Vernunpft eingekehrt. Die großen Lebensmittel-Supermärkte haben absolute Dumping-Aktionen und Happy-Hours gefahren und so reichlich Schnäppchen-Jäger angelockt … aber die Kaufen auch NUR die Schnäppchen. ERNÜCHTERUNG. Und nun bald wieder 20 Uhr. Tzz. Für wen sollen die Geschäfte geöffnet haben? Für die Jugendlichen die sich die X-te Kiste Beer holen, für gelangweilte HartzVierler die sich aufwärmen, oder jemand der vergessen hat Milch zu kaufen? Wer soviel arbeitet oder wasauchimmer, das er 6 Tage die Woche 8-20 Uhr keine Zeit findet Einkäufe zu erledigen, der konsumiert eh zu wenig und hat zuwenig Lebenqualität, das Fachgeschäfte, wie meins, dafür auflassen können. Soll sie/er zum Discounter oder Tankstelle gehn, da braucht auch keiner freundlich zu sein.

    Vielleicht funktioniert ZehnUhr in Metropolen oder Mega-Citys aber flächendeckend für mich undenkbar.

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