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Wie bekämpft man besten Bürokraten?

Wolff Horbach 14 November 2006 2 Kommentare

Vor vielen Jahren las ich am schwarzen Brett des Rechenzentrums des Forschungszentrums Jülich einen witzigen Spruch: “Bürokraten bekämpft man am besten damit, indem man ihre Vorschriften einhält.” Mittlerweile finde ich das gar nicht mehr lustig, sondern habe das Gefühl, dass die Bürokratie uns zunehmend erstickt. Zwei Beispiele:

Am Sonntag wurde im WDR-Fernsehen das Thema diskutiert, ob wegen der zunehmenden Verschmutzung in Bussen und Bahnen darin der Verzehr von Lebensmitteln verboten werden soll. Bei einer TED-Umfrage sprachen sich fast 90% (!) für ein Verbot aus. Sind wir ein Land von Masochisten? Bitten und betteln wir für weitere Verbote? Mir fiel da eine Formulierung ein, die kurz und knapp alles regeln könnte: Wer etwas beschädigt oder verschmutzt, kommt für den entstandenen Schaden auf. Punkt. Das Leben könnte so einfach sein. Aber …

Aber da kam ich auf die verrückte Idee, mir einmal die Beförderungsbedingungen der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) anzusehen. Dank Google ist das einfach zu finden. Die KVB gehören zum Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) und daher gilt der VRS-Gemeinschaftstarif. Aber Achtung: Das Machwerk ist 132 Seiten lang! Außer Juristen hat das wahrscheinlich noch keiner vollständig gelesen. Ich finde, man sollte die Verantwortlichen so lange in ihren Büros oder Tagungsstätten einschließen und nicht eher herauslassen, bis sie das in ein Form von wenigen Seiten gebracht haben, die auch von Fahrgästen gelesen und verstanden werden können!

Beispiel 2: Seit einiger Zeit haben wir die Deutsche Nationalbibliothek. Diese hat, ganz grob gesagt, die Aufgabe, das Deutsche Schriftgut zu sammeln. Damit das gut funktioniert, gibt es natürlich ein Gesetz dazu. Jeder, der etwas veröffentlich, ist verpflichtet, zwei Exemplare bei der Deutschen Nationalbibliothek abzuliefern. Das ist ja noch ok, wenn ein Verlag ein Buch herausbringt und zwei Exemplare davon in Frankfurt für die Nachwelt hinterlegt. Aber jetzt kommt der Hammer: Auch wenn einer von euch eine kleine Festschrift für seine Firma oder seinen Verein verteilt, unterliegt er der Ablieferungsfrist. Bei Nichtbefolgen wird ein Bußgeld bis zu 10.000 Euro angedroht! Habt Ihr schon eureren Flyer in Frankfurt abgeliefert? Den Firmenkatalog? Die Einladung zur Weihnachtsfeier?

Und jetzt der Oberhammer: Auch Internetseiten fallen unter das Gesetz. Jeder der eine Internetsite betreibt, muss die Inhalte bei der Deutschen Nationalstiftung abliefern oder zur Ablieferung bereitstellen!!!! Notfalls mit Zugangsbeschränkungen wie Kennwort usw. Das ist kein Aprilscherz! Der Sammelauftrag ist zu finden unter: http://info-deposit.d-nb.de/. Siehe auch den Beitrag von Computerclub-Veteran Wolfgang Rudolph.

Ich frage mich allen Ernstes, welche Idioten solche Gesetze erlassen. Sind die jetzt komplett verrückt geworden? Haben die auch nur den Hauch eines Schimmers, was die da anrichten?

Ich bin der Meinung, Bürokraten bekämpft man am besten dadurch, dass man ihnen auf die Zehen tritt. Und zwar kräftig. Bitte trampelt alle mit.


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2 Kommentare »

  • Ludger Freese sagte:

    Hallo Herr Horbach!
    Bitte leiten Sie diese Mail umgehend an die Stasi, äh pardon – an die Deutsche Nationalbibliothek weiter!
    Bürokraten bekämpft man am besten damit, wenn man sie mit Arbeit und Anfragen “zumüllt” Wenn wir alle täglich eine schriftliche Anfrage stellen würden, über eine Aktion die wir nicht verstehen, (und davon gibt es sehr viele!!!)wären die Damen und Herren über Jahre mit sich selber beschäftigt. Wir sollten einen Blog ins Leben rufen: “Schachsinn-Blog” oder “Bürokraten-Krampf-Blog”. Das wird ein sehr lustiger Blog werden. Wetten dass dieser Blog in Berlin täglich abgerufen wird!

  • Neno sagte:

    oder wie im Steuerrecht, so komplizierte Vorschriften zu schaffen, dass sie selbst von den Beamten nicht mehr verstanden werden

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