Pioniere usw…
Liebe Leser,
wie heute Mittag angeregt lasse ich Sie teilhaben an den großen und kleinen Sorgen eines Kleinbetriebes wie der unsere. Von Problemen spreche ich eigentlich ungern, denn Probleme sind von schwerwiegender Natur als die unseren. Was ich hier sagen will – achten Sie nicht nur auf Zahlen. Auch das Wie ist wichtig. Achten Sie auch auf sich.
Wir haben unsere Firma im Jahre 1999 von einer anonymen Herstellerfirma zu einem modernen Markenschmuckproduzenten umstrukturiert. Zum heutigen Zeitpunkt ist TeNo in insgesamt 21 Ländern präsent. Bedingt durch den zügigen Aufbau der internationalen Präsenz befindet sich das flächendeckende Vertriebsnetz in allen Ländern noch im stetigen Aufbau. Ein Markenaufbau ist ein fortlaufender und nicht endender Prozess, der viel, und manchmal auch zuviel persönliches Engagement fordert.Â
Unser Wachstum seit der Umstrukturierung macht uns teilweise zu schaffen. So haben wir den Umsatz im Jahr 2002 um 60 % gesteigert. In den Folgejahren lag das Wachstum jeweils zwischen 20 – 35 % per anno. In diesem Jahr werden wir mit so + 15 % abschliessen.
Alles, was in den vergangenen Jahren einfach war, muss inzwischen auf allen Ebenen hart erkämpft werden. Vom No Name Produzenten zu einem, wenn auch kleinen, Markenartikler heranzuwachsen, ist schon ein sehr spannendes Unterfangen. Damals waren wir noch Pioniere, wenn auch nur für uns selbst. Wir waren stolz und froh dabei zu sein, auf dem internationalen Schmuckparkett. Unabhängig von den konservativen Häusern, die sich Großhändler nennen, aber keine großen Stückzahlen mehr eingekauft hatten. Alles in allem war das ein Schlag der Befreiung.Â
Heute nur ein paar Jahre später ist vieles dieser anfänglichen Begeisterung zur Routine geworden. Natürlich macht es immer noch großen Spaß, aber es gibt eben ein ABER. Mit steigendem Erfolg wächst auch der Druck. Der Druck, immer noch ein Stückchen besser zu werden. Eigentlich reicht ein Stückchen überhaupt nicht mehr aus. Egal ob es Kunden, Mitarbeiter, Lieferanten, Presse und Banken sind, jede Gruppe für sich wird anspruchsvoller und fordernder. Nicht im ursprünglich negativen Sinne. Dennoch scheint es mir mehr und mehr, dass wir in einer zunehmenden Wegwerfgesellschaft leben. Alles was gestern war, zählt nicht mehr und man muss sich und sein Tun immer wieder neu und noch viel besser unter Beweis stellen.
Das macht mir für die Zukunft etwas Sorge. Nicht für heute und auch nicht für morgen. Aber für die Zukunft eben. Denn die Frage muss lauten: Wo wollen wir hin – wo wollen unsere Kunden und Geschäftspartner mit uns hin und letztendlich – wo will ich als verantwortungsvoller Geschäftsführer hin.
Und ich denke wir alle müssen uns fragen, die da irgendwo da draußen Geschäftsführer, Inhaber, Abteilungsleiter oder Direktoren sind, wo wir hinwollen und welchen Preis wir letztendlich dafür bezahlen müssen, um unsere Ziele zu erreichen. Denn wer ehrlich zu sich selbst ist, weiß: Der Preis ist hoch – auf jeder Ebene und in jeder Branche.
Einen schönen Abend wünscht,
Jürgen HeinzÂ
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Lieber Jürgen Heinz,
danke für den Einblick in Ihre Gedanken, worüber wir alle uns in der Tat Gedanken machen sollten, müssen – und sicher sehr oft auch tun. Aber mit welchem Ergebnis?!
Ja, es gibt sie, die Grenzen des (äußeren) Wachstums (sonst säh der Planet ja aus, wie eine Amöbe und würde sich ständig vergößernd durch den Weltraum quabern – rrrrrgggg).
Ja, und es gibt viel, sehr viel, zu bedenken für verantwortungsvolle Unternehmer. Egal in welcher Branche oder Position.
Ja, der Preis ist oft sehr hoch. Glücklicherweise verkaufen sich dabei nicht alle (sonst wäre o.g. Amöbe auch noch ein einziger Rotlichtbezirk – hach, da hab ich jetzt aber ein ganz schön häßliches Gegensatz-Bild zu TeNos supertollgestyltem Schmuck entworfen
).
Aber es gibt ja auch das Wachstum nach Innen. Das grenzt erst bei der Erleuchtung. (Da die dann das All-Eine ans Licht bringt, wirds grad wieder hell im Universum.. gerettet..).
Nein, und TeNo muß nicht “besser” werden. Geht doch gar nicht. TeNo ist doch schon Spitzenklasse. Jetzt sind Sie auf dem besten Weg, auch anders ein bißchen anders zu werden:
Ich finde es klasse, daß es bei Ihnen die tolle Musik gibt (siehe mein Kommentar zum Abend von “innovativ-in” bei IBM). Das nährt die Seele. Und der TeNo Hund ist eine Klasse für sich (schade, daß Ihnen ein findiger Konkurrent die Idee des Ringes “IN DOG WE TRUST” schon vorweg genommen hat
)
Und das finde ich innovativ an TeNo: den cool-stylischen Schmuck einzubetten in das, wonach sich die Meisten heute sehnen. Authentische “ambiance”, Atmosphäre. Musik und Tiere, Klang und Gefühl.
Vielleicht kreieren Sie ja den Ring mit implementierten mp3-Chip. 3xdrehen und schon tönt des Liebsten Stimme?! Ihnen fallen da bestimmt viel bessere Sachen ein.
Sonst fragen Sie halt den Hund – Hunde wissen,was Menschen brauchen
à propos: die Organisation und soziale Kompetenz eines Wolfsrudels hat für mich grad in diesen rauhen Zeiten des “höher-besser-weiter” immer mehr positiven Modellcharakter. Bis auf meine Labradore in Bezug aufs Fressen wissen die immer, wenn´s genug ist.
Bis morgen – freu mich schon!
Sarah Schons
Lieber Jürgen Heinz,
WOW, was für ein Unterschied zu Ihrem Beitrag von heute Morgen! Ich habe mich heute Morgen noch enttäuscht gezeigt und jetzt bin ich begeistert! Ich war bis Mitternacht unterwegs, habe eben noch lange telefoniert und mich dazu hinreißen lassen, in das Blog zu schauen.
Ich finde Ihre Gedanken sehr interessant. Sarah hat ja schon einige originelle Gedanken zum Thema Wachstum gemacht. Alleine darüber könnten wir lange philosophieren (Wie wäre es mit einem Abend zu dem Thema?). Die Politiker beten das “Wachstum, Wachstum” immer wie ein Mantra herunter, als wenn es nichts anderes gäbe. Tatsache ist, dass in der gesamten Natur, die sich im Laufe der Evolution optimiert hat, kein Lebewesen und kein System auf Dauer nur wachsen kann. Babies wachsen in den ersten Lebensjahren sehr schnell, werden “Heranwachsende” und sind im Alter von 20 bis 25 “erwachsen” bzw. “aus-gewachsen”. Im Alter schrumpfen die Menschen sogar etwas und sterben dann irgendwann. Dass scheint ein sinnvoller Zyklus zu sein.
Auch eine Eiche wächst in den ersten Jahren stark. Irgendwann ist aus einer Eichel ein stolzer, starker Baum geworden, der vielleicht Jahrhunderte überdauert. Während der längsten Phase des Lebens wächst der Baum nicht mehr.
Wenn wir uns das am besten erprobte und bewährte System – die Natur – als Beispiel für Unternehmen vornehmen, dann befinden Sie sich wahrscheinlich gerade im Zeitalter des Erwachsenwerdens. Da macht das Wachstum keinen Sinn mehr, sondern mehr das Konsolidieren und Reifen. Die “#1″-Manie der meisten Unternehmen, das ewige Gerangel um Marktanteile ist einfach lächerlich. In wirklichen Biotopen haben viele höchst unterschiedliche Lebewesen ihr Auskommen. Sie haben sich dank der Evolution in eine Nische entwickelt.
Machen Sie sich keine Sorgen um die Zukunft. Erstens kommt die anders als Sie erwarten. Zweitens gilt ein Satz von Alan Kay, der zu meinen Lieblingsmetaphern gehört: “The best way to predict the future is to invent it.” – „Der beste Weg, die Zukunft vorherzusagen, ist, sie zu erfinden.“
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen weiterhin viele innovative Ideen.
good morning Frau Schons und Herr Horbach,
ich habe erstmal bewußt abgewartet, bevor ich mich
- lesen wollen.
bei diesem Beitragzu Ihren Kommentaren zurück melde. Ich fand es spannend zu sehen, wieviele Leser sich zu diesem Thema melden. Und wie man sieht waren es bis dato nicht viele. Da gibt es bei leichterer Kost dann doch schon mehr Kommentare. Vielleicht wäre auch das ein Diskussionspunkt. Aber es kann auch wirklich daran liegen, dass die Leute hier einfach den normal langweiligen Tagesablauf eines “Chefs” – ich benutze dieses Wort sehr ungern und nur im Notfalleinen wunderschönen Tag wünscht Ihnen,
Jürgen Heinz
[...] Pioniere usw. ( 3 Kommentare) [...]
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