Ein “blauer Brief” für den Umweltminister
Da haben sich viele Zeitungsleser doch kürzlich gewundert: die EU hat Deutschland vorgeworfen, seine Klimaschutzziele nicht zu erfüllen. 12 Millionen Tonnen CO2 müsse Deutschland mehr einsparen als Umweltminister Gabriel bislang nach Brüssel gemeldet hat. Viele Deutsche erliegen gerne dem Irrtum, dass unser Land Weltmeister beim Umweltschutz sei oder zumindest “Vorreiter” – wie Politiker das so gerne formulieren.
Deutschland ist stattdessen der größte Klimasünder in der EU. Und es wird so bleiben, wenn lediglich Gabriels Pläne realisiert werden.Die konservative Regierung Kohl hatte 1997 mit Umweltministerin Angela Merkel angekündigt, bis 2005 gegenüber 1990 mindestens 25 Prozent CO2 einzusparen. Tatsächlich wurden nur 17 Prozent erreicht und davon 11 Prozent wegen des Zusammenbruchs der DDR-Wirtschaft – also “Wall-Fall-Profit” wie die Amerikaner gerne und zu Recht lästern.
Berlins Klimapläne sind vorerst in Brüssel durchgefallen. Übrigens: ebenso durchgefallen sind die Klimaschutz-Pläne von weiteren neun EU-Staaten. Ein schwacher Trost für ein Land, das sich ständig selbst zum “Umwelt-Weltmeister” erklärt.
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Vielleicht hat die mangelnde Umsetzung der Klimaschutzziele mit der Lahmarschigkeit unserer Behörden zu tun.
Dazu ein Beispiel: Ich war im letzten Jahr an einem Projekt beteiligt, bei dem es darum ging, durch moderne Technologie große Mengen Strom – und damit auch CO2 – bei Beleuchtungen einzusparen. Wir waren im Gespräch mit einer sehr großen Bundesbehörde. Wir haben anhand eines Musterbüros nachgewiesen, dass bei gleicher Beleuchtungsstärke ca. 50% Strom eingespart werden konnten. Durch sogenanntes “Beleuchtungs-Contracting” hätte eine Industriefirma die Umrüstung kostenlos übernommen und im Laufe der Zeit durch die Stromeinsparungen finanziert. Dem Betreiber wären keine Kosten entstanden, sondern er hätte im Gegenteil noch ab dem Zeitpunkt der Umrüstung Geld rausbekommen. Und die CO2-Emissionen wäre sofort reduziert worden.
Seit dem positiven Nachweis der erheblichen Stromeinsparung ist es fast 1 1/2 Jahre her. Eine Entscheidung ist bis heute nicht getroffen worden! Das ganze erstickt in Bürokratie! Unsere Steuergelder werden weiter verbraten und das CO2 weiter munter in die Luft gepustet. Jeden Euro, den wir jetzt nicht in Klimaschutz investieren, werden wir in einigen Jahren mehrfach aufwenden müssen, um die katastrophalen Schäden zu mildern oder zu beheben. Siehe den Bericht von Nicholas Stern.
Lieber Michael,
dass wie die Klimaschutzpläne nicht erfüllen, ist zweifellos tragisch, zumal wir uns ja tatsächlich gerne mit dem Umwelt-Mäntelchen schmücken. Jetzt weiß ich durch einen Bericht, dass wir die größten Klimasünder in der EU sind. Ich frage bewusst provozierend “Ja und?”
Ich mag keine “globalen Schuldzuweisungen”, denn leztlich trägt jede Einzelne von uns Verantwortung – also finde ich die Frage wichtiger, was ich konkret verändern kann, um Energie und Kohlendioxid einzusparen. Best-Practice-Beispiele von Unternehmen sind wertvoll, Firmen, die sich aktiv für die Verringerung des CO2 Gehaltes einsetzen und, und, und… Motzen hilft keinem weiter.
Herr Gabriel sollte sich unbedingt den Al Gore Film “Eine unbequeme Wahrheit” ansehen, der derzeit deutschlandweit mit großem Erfolg in den Kinos läuft..
Meine Patienten habe ich schon alle dazu motiviert.
Der Film, das Buch zum Film und die website (http://www.climatecrisis.net) beinhalten viele tips. Nicht nur für Herrn Gabriel und die trantütigen Behörden.
Wenn ich diverse Regierungen betrachte, frage ich mich, wie lange der Planet Erde sich solche Polit-Systeme noch leisten kann. Was Umwelt -die Welt in der wir leben!- betrifft, sind die Grenzen des Wachstums schon lange überschritten.
Anfang der 70er warnte der Club of Rome vor genau den Zuständen, die jetzt erreicht sind.
@ Wolfgang: ein Jammer, daß das tolle Stromspar-Projekt noch “hängt”!!! Was können wir hier tun, um das nach vorn zu bringen?!
Ich versuche “im Kleinen” meinen Beitrag zu leisten und mich umweltbewußt zu verhalten: ich bin bei einem Öko-Strom-Anbieter, spare im Haushalt und der Praxis konsequent Strom und Heizenergie, fliege nicht mehr, fahre mit dem Auto nur noch die notwendigsten Strecken, versuche, nur das zu konsumieren, was ich wirklich brauche.
Da mag die hiesige Politik mich gerne als Wirtschafts-Wachstums-Verhinderer verachten.. Wenn dieser Planet noch weiter zerstört wird, gibt´s auch nichts mehr zu bewirtschaften oder verwalten. Dann sind auch die Politiker arbeitslos. Vermutlich ist denen das nicht ganz klar
@ Elita: genau! Recht hast Du!
Meine Tochter hat zufällig einen Text von Herbert Grönemeyer ausgedruckt – Titel. “Zeit das sich was dreht!”
Darin heißt es u.a
…Leg die Welt an den Punkt,
Geduld ist ungesund!
Es wird Zeit, dass sich was dreht…
(Vielleicht als Aufmunterung an Wolfgang Horbach, meine Unterstützung haben Sie!)
Solange ein Umweltminister mit einem 12-Zylinder durch Deutschland braust, solange der Staat (..das sind auch wir!) am Öl viel Geld verdient, solange werden wir nie “Umwelt-Weltmeister” werden. Klimaschutz in der jetzigen Form scheitert schon am System. Schade!
Liebe Elita,
natürlich hast Du Recht – Motzen alleine genügt nicht und ich belasse es auch nicht dabei. Was jeder tun kann? Hier ein paar Beispiele:
- Energiesparlampen statt herkömmlicher Glühbirnen
- Fahrgemeinschaften bilden
- Recycling intensivieren
- Geräte nicht im Standby-Modus belassen
- Warmwasserverbrauch reduzieren
- Heizthermostat um 2 Grad niedriger stellen
- unbenutzte Ladegeräte aus der Steckdose nehmen
- Einen Baum pflanzen…
Es gibt noch viele andere Möglichkeiten, was jeder von uns tun kann…und ein paar schöne Beispiele aus Unternehmen wären an dieser Stelle ganz sicher wunderbar.
Liebe Grüße
Michael
Wie Michael Fromm deutlich schreibt, jede(r) kann beitragen, in einen Umweltfreunlicheren Welt zu leben. Jede kleine Schritte zählt.
Es ist vieles gemacht worden, aber ist noch viel mehr was noch zu tun ist.
Aber so lange die “Kopplung” von Ökologie und Ökonomie nicht transversal in alle Bereich des Lebens (und in alle Köpfe) sich durchsetzt, wird schwierig voran zu kommen. Schauen Sie sich mal dazu den Bericht von Herr Stern über Klimawandeln… http://www.hm-treasury.gov.uk/independent_reviews/stern_review_economics_climate_change/stern_review_report.cfm
Wir engagieren uns schon durch ÖKOPROFIT® in der Sache!
Schöne Adventszeit und danke für die interessante Kommentare! (und sorry, wenn irgendwelche grammatikalische Fehler sich eingeschliechen haben – Deutsch ist nicht mein Muttersprache)
Dr. Natalia Balcazar
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