Nachwuchsförderung
2006-12-05, von Gernot Tripcke
Heute möchte ich gerne eine von Stefanie in Ihrem Kommentar aufgeworfene Frage behandeln, nämlich die Nachwuchsförderung im Eishockey und im deutschen Sport im Allgemeinen.
Hierzu muss man zunächst einmal nüchtern feststellen, dass der Staat sich zunehmend aus dieser Aufgabe herauszieht, sei es bei dem Bau und Betrieb der Sportstätten selber oder der Förderung der Vereine. Wenn man mal von den politisch motivierten Miliardeninvestitionen in die Stadien und Infrastruktur der Fußball-WM absieht, nimmt die öffentliche Hand diese Aufgabe praktisch kaum noch wahr. So ist der überwältigende Anteil unsere Arenaneubauten der letzten Jahre privat finanziert worden, genau wie die Nebenbauten und Trainingsflächen, die dem Nachwuchs zur Verfügung stehen.
Die Finanzierung der sportlichen Ausbildung in den Vereinen obliegt immer mehr den Eltern. Gerade Eishockey ist durch die beschränkte Verfügbarkeit der Eishallen und deren hohe Betriebskosten, verbunden mit der teuren Ausrüstung, auf dem gefährlichen Weg, an Attraktivität und “Erreichbarkeit” für Jugendliche zu verlieren.
Deshalb sind hier natürlich auch die Profi-Clubs der DEL gefragt, auch wenn sie eigentlich gewinnorientierte Kapitalgesellschaften sind. So unterstützen die DEL-Clubs den Deutschen Eishockey Bund e.V. jährlich mit einem hohen sechsstelligen Betrag für dessen Nachwuchsprogramme. Ferner werden die von den Clubs bezahlten Nationalspieler kostenlos für Länderspiele abgestellt, deren Einnahmen auch wieder in den Nachwuchs fließen sollen. Darüber hinaus gibt es einen Betrag in Höhe von 280.000 Euro jährlich, der zielgerichtet den Vereinen zufließt, die Juniorennationalspieler ausbilden.
Letztlich muß jeder DEL-Club einen Verein unterstützen, der mindestens 5 Jugendmannschaften unterhält. Zwar ist diese Unterstützung nicht genau definiert, sie reicht aber zB in Mannheim und Berlin bis hin zu Programmen mit Internaten und Berufsausbildung, deren Jahresetats sich im siebenstelligen Bereich bewegen. Möglich ist so etwas aber nur, wenn private Gönner (sprich die Clubeigentümer) dies finanzieren. Öffentliche Hilfe gibt es hierfür leider kaum.























Dienstag 5. Dezember 2006 um 23:34
Lieber Herr Tripcke,
obwohl dieses Blog von den Partnern des Business-Clubs gestaltet wird, fühle ich mich dafür natürlich auch verantwortlich. Ihre Beiträge sind informativ und gut geschrieben- trotzdem ist die Resonanz zu gering, finde ich.
Das tut mir leid, aber vielleicht gibt es bei uns tatsächlich zu wenige Eishockey Fans (was ich nicht erwartet hätte) oder aber einige holt bereits jetzt der Weihnachtstress ein – offen gestanden, weiß ich es nicht. Hat jemand eine Idee, was los ist?
Dienstag 5. Dezember 2006 um 23:53
Hallo Elita, Hallo Herr Tripcke,
also ich kann da nur für mich sprechen. Es ist der Weihnachtsstress und nicht die mangelnde Begeisterung fürs Eishockey.
Und ich finde auch die Beiträge interessant. Nur die Zeit fehlt eben, sachlich und korrekt darauf einzugehen. Vielleicht wäre die Chefblogwoche am Jahresanfang günstiger gewesen. Wer weiß ???
Liebe Grüße und Gute N8,
Jürgen Heinz
Dienstag 5. Dezember 2006 um 23:56
aber eine Frage hätte ich da noch. Gibt es bei anderen Sportarten Förderung vom Staat? Wenn ja welche sind das?
Mittwoch 6. Dezember 2006 um 00:27
@Hallo Jürgen,
bin ich aber froh, dass sich wenigstens einer meldet. Ich dachte schon, die Blog-Community wäre vielleicht mit dem Nikolaus versackt:-)
Tja, Weihnachten scheint ein Grund zu sein…
Ich hatte auch mit verschiedenen Readakteuren von Sportzeitungen darüber gesprochen, dass Herr Tripcke bei uns bloggt, aber die meisten Zeitungen sind immer noch auf dem Ohr “Blog” taub…
Vielleicht hilft Ihnen ein kleiner Tipp weiter, Herr Tripcke. Wir wäre es, wenn Sie sich bei Heinz Jürgen am Teno Blog am Advents-Gewinnspiel beteiligen. Heute am Nikolaustag gibt es sogar Schmuck für Männer zu gewinnen-  schauen Sie doch einfach mal im TeNo Blog rein und vielleicht haben Sie sogar Glück und die Woche hat sich dann wenigstens gelohnt…
Mittwoch 6. Dezember 2006 um 12:12
Hallo Frau Wiegand!
– interessant sein. Kreativität und etwas Eigendynamik hat Herr Tripke hier ja schon bewiesen, so dass es sicher nicht langweilig wird!
Ich würde sie bitten, den Kopf noch nicht in den Sand zu stecken! Als Eishockeyfan und Redaktionsmitglied des Eishockey-Onlineportals http://www.hockeyweb.de finde ich diesen Blog interessant.
Mit der wenigen Resonanz – anhand der Kommentare? – haben sie sicher recht, aber trotzdem wird dieser Blog in der Gesamtheit (wenn vollendet) vor Allem für uns Eishockeybeobachter, wie sicher auch vielen Fans – vll. bedingt durch den human touch
Meine Frage an Herrn Tripke ist, wie er denn mit der Kritik an seine Person (WM in Amiens bsplsw.) umgeht? Dabei ging es ja, grob umschrieben, um die “Schließung” der DEL für weitere Klubs, um dadurch Planungssicherheit für die bereits beteiligten Teams zu garantieren.
Persönliche Anmerkung meinerseits:
Ich stehe da etwas im Zwiespalt: Einerseits sehe ich den sportlichen Sinn im Eishockey, weiß aber auch andererseits, dass dieser Sport schwer zu finanzieren ist und nur auf einem tragfähigen Fundament langfristig erhalten werden kann. Ansonsten kann ich bestätigen, dass sich die Deutsche Eishockeyliga immer attraktiver gestaltet und zum größten Teil ein gesundes Gleichgewicht zwischen Sport und Entertainment hat.
Mittwoch 6. Dezember 2006 um 13:36
@ Frau Wiegand, Jürgen und Herrn Koch
Erstmal danke für die Aufmunterung, bin aber gar nicht frustriert oder so, zumindest kann ich so in Ruhe auf die Kommentare antworten
@ Oliver Koch
Persönliche Anfeindungen wie in Amiens oder auch allgemein in Zusammenhang mit der Entscheidung der DEL Clubs zur Abschaffung des Abstiegs sind sicher nichts, was man gerne hat. Dies um so mehr, als man ja keine eigene Entscheidung, sondern die einer Gesellschafterversammlung, die zudem intern auch lange diskutiert wurde, vertreten muss. Andererseits hat jeder Job so seine Schattenseiten und auch ich als Repräsentant des Eishockeys stehe natürlich bei solchen Dingen in der Öffentlichkeit stellvertretend für die Clubs und muss mir dann die Prügel für diese abholen
. Aber das Verhalten der Eishockeyfans im Vergleich zum Fußball ist doch deutlich “zivilisierter” und man kann, wie zB in Amiens geschehen, durch direkte persönliche Gespräche viel klären. Auge in Auge bin ich eigentlich noch nie angepöbelt oder gar körperlich attackiert worden. Die Hemmschwelle für ein Plakat oder Sprechchor ist bei den Fans eben doch deutlich geringer, als ein wirklicher persönlicher “Angriff”.
Mittwoch 6. Dezember 2006 um 14:06
Umgedreht hat es ja auch was positives, wenn viele Fans emotional bei der Sache sind. Nur leider fällt es denen auch ziemlich schwer, sich mit der Kommerzialisierung des Sports abzufinden. Ich selber sehe einiges allerdings positiv. Um mal weiterzudenken: Selbstverständlich verliert der Klub beim Fan etwas an Identität, wenn auf einmal ein großer Firmenname im Klubnamen auftaucht (Beispielsweise wurden aus den Nürnberg Ice Igers die Sinupret Ice Tigers), langfristig wird der Fan aber bemerken, dass gerade jene Firmen das Überleben im Eishockey auf höherem Niveau – von der finanziellen Seite her – sicher können.
Wenn ich an die Anfangsjahre (ab 1995) der DEL denke, sehe ich die Liga definitiv viele Schritte weiter.
Auch wenn die Saisoneröffnungspressekonferenz im September in Berlin zum Teil einer – ich nenn es mal ganz drastisch – Werbeveranstaltung glich, so ist es sicher nötig, wichtige Partner zu haben.
Vielleicht können Sie, Herr Tripke, uns ja mal näher definieren, wie wichtig denn die Partner in der DEL sind. Dürfen die Schiedsrichter nur ein bestimmtes Auto fahren und in einem bestimmten Hotel schlafen? Müssen Sie sich ihren Handwerker aus einem besonderen Branchenbuch suchen?
Mittwoch 6. Dezember 2006 um 15:08
Den Aspekt des Umgangs mit Öffentlichkeit finde ich sehr spannend. Da sind Sie, Herr Tripke, als Repräsentant einer nicht gänzlich unbedeutenden
Organisation ja geradezu prädestiniert für die Frage, welche Strategien und Taktiken Sie dafür haben. Vielleicht haben Sie ja Lust, uns in den nächsten Tagen einige Erfahrungen dazu zu schreiben? Würde mich sehr interessieren.
Mittwoch 6. Dezember 2006 um 15:12
Es wird ja offensichtlich ne Menge für den Nachwuchs getan. Besonders die Kombination aus Sport und (Berufs-)Ausbildung halte ich für sehr wertvoll. Gibts denn schöne Erfolgsgeschichten zur Nachwuchsförderung? Ums noch plastischer zu machen.
Mittwoch 6. Dezember 2006 um 17:12
Ich möchte mich noch einmal kurz in der Form entschuldigen, dass ich Ihren Namen bisher falsch geschrieben habe, Herr Tripcke!
Mittwoch 6. Dezember 2006 um 20:16
Ui. Da schließe ich mich doch gleich mal an die Entschuldigung an, Herr Tripcke.
Marker: Erst gucken, dann schreiben.
Mittwoch 6. Dezember 2006 um 21:26
Die Mundpropaganda wirkt wie Sie sehen, Frau Wiegand!
Durch meinen Hockeyweb-Kollegen Oliver Koch erfuhr ich gerade eben von Ihrem Blog und dem Gastspiel von Gernot Tripcke. Ich würde mir in der Tat wünschen, man hätte öfter die Gelegenheit, mit Offiziellen aller möglichen Bereiche in solch einem Medium wie dem Ihren zu kommunizieren! Zudem erfüllt Herr Tripcke diesen Job als Gastblogger trotz vielerlei Vorurteile in der Eishockeyfangemeinde in sehr sympathischer Weise.
Wobei gerade diese Vorurteile seitens der Fans meines Erachtens überwiegend auf der Unkenntnis über die Organisationsstukturen der DEL und der Aufgaben des Geschäftsführers basieren. Aber gut, Herr Tripcke ist selbst Anwalt…
Daher schließe ich mich sogleich der Fragestellung von Alexander Greisle an, da ich finde, dass gerade auf diesem Sektor noch einiger Nachholbedarf für die DEL besteht.
Donnerstag 7. Dezember 2006 um 16:48
@ Oliver Koch wg. Sponsoren
Die Partnerschaften mit unseren Sponsoren (das gilt gleichermaßen auf Club- und Ligaebene) sind für uns nicht nur aus finanziellen Gründen überaus wichtig (die Clubs erzielen bis zu 70% ihrer Erlösen auf diesem Gebiet)sondern auch bei der Positionierung der Marke DEL als verläßlich und solide (was man bis vor 10 Jahren vom Eishockey nicht immer behaupten konnte). Hier findet ein wichtiger Imagetransfer statt, wenn man sieht, welche renommierten Unternehmen sich mit Liga und Clubs identifizieren. Gerade für die DEL bedeuten ihre Partnerschaften auch sehr wertvollen “Flankenschutz” in der Öffentlichkeitsarbeit, denn es hilft schon beträchtlich einen Eihockeybericht zu platzieren, wenn der Partner eine Annonce im Umfeld schaltet…
Ach so, die Schiedsrichter und Ligamitarbeiter schlafen auf Dienstreisen tatsächlich in NH Hotels. Unsere Dienstwagen und die der Profi-Schiedsrichter kommen von Dodge, die anderen kriegen gute Preise
Donnerstag 7. Dezember 2006 um 16:57
@ Alexander Greisle & Matthias Eckart wg. PR
? Auf der einen Seite möchte man natürlich jede Meldung beeinflussen bzw. “richtig” stellen, auf der anderen Seite halte ich nichts davon, zu jedem Thema meinen Senf abzugeben. Unser Problem liegt eher darin, dass den Clubs bewußt gemacht wird, dass Ihre PR in weiten Teilen dem Marketing und Vertrieb eines normalen Unternehmens entspricht. Hier gibt es noch größere quantitative und qualitative Defizite. Die PR muß hauptsächlich von den Clubs gemacht werden, die sportlichen Protagonisten müssen mehr, gerne auch mal kontrovers, zu Wort kommen. Was der “Verwalter” in Köln denkt, sollte in der Regel nicht Thema sein. Ich sehe ja auch praktisch keine Interviews meines Kollegen bei der DFL.
Was soll ich dazu sagen
Donnerstag 7. Dezember 2006 um 18:53
Da gebe ich Herrn Tripcke absolut recht, in der Tat liegen die Defizie in Sachen Öffentlichkeitsarbeit vor allem auf Seiten der DEL-Klubs. Für mich als Berichterstatter werden die Unterschiede deutlich spürbar, wenn ich von Auswärtsspielen der Eisbären berichte. Und dabei denke ich weniger an die Verpflegung
, sondern an die Zurverfügungstellung von eigentlich unerlässlichen Arbeitsmaterialien wie Line up (Mannschaftsaufstellung), Spielberichtbogen und Stadionheft (so weit überhaupt existent). Das klappt bei Weitem nicht überall gleich gut.
Wirklich lobend hervorheben möchte ich dbzgl. aber den Pressesprecher der Kölner Haie, Philipp Walter, der jedesmal aufs Neue Klasse Arbeitsbedingungen auch für die auswärtige schreibende Zunft schafft! Auch bietet er den längst nicht überall gängigen Service der Übersetzung der Statements englischsprachiger Trainer in der Pressekonferenz nach dem Spiel.
Im übrigen begrüße ich die Festlegung der DEL, die Pressekonferenzen z.B. nicht mehr in VIP-Bereichen o.ä. stattfinden zu lassen, sondern in geeigneten seperaten Räumlichkeiten.
Sonntag 10. Dezember 2006 um 13:10
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