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Vollendete Geborgenheit

Elita Wiegand 9 Januar 2007 5 Kommentare

Es war immer so und deshalb haben wir ein genaues Bild von einem Sarg: Der besteht aus einer eckigen Truhenform und ist zu 99,9 Prozent aus Holz gefertigt. Wenig innovativ. Hannes Treichl hat vor kurzem einen überraschenden Beitrag zur Innovationskraft von Bestattern und Friedhöfen geschrieben: Eigentlich eine Branche, die als traditionell und konservativ gilt, aber auch hier tut sich einiges. Andreas Spiegel hat das Sargmodell COCOON entwickelt und damit die Bestattungsbranche revolutioniert. 

cocoosarg.jpgTod und Geborgenheit? “Wir verbinden den Tod immer mit Trauer,” sagt der Jungunternehmer. Sein Kokon symbolisiert den Übergang zu etwas Neuem. Mit seinem Sargkonzept wehrt sich der Kölner Querdenker auch gegen die «Entsorgungsmentalität” und richtet sich an Menschen, die sich bewusst mit dem Verlust durch den Tod auseinander setzen möchten.

Auslöser für seine ungewöhnliche Idee war der Tod seines Vaters. Für den Kunst- und Designliebhaber fand die Familie keinen passenden Sarg und seitdem beschäftigt sich Andreas Spiegel damit, ein Konzept zu kreieren, das Zuversicht und Hoffung vermittelt. Nicht nur die Form ist einmalig, auch die Materialen sind ungewöhnlich. Der Sarg wird aus Naturprodukten hergestellt, lässt sich frei formen und das neu entwickelte Material baut sich innerhalb der vorgeschriebenen Ruhezeiten im Boden ohne giftige Rückstände ab. Alle Särge werden in Deutschland produziert, sind in verschiedenen Farben erhältlich und kosten ca. 3000 Euro. «Die Nachfrage ist groß, weil sich das Bewusstsein für den Tod ändert,” sagt er. In den letzten 18 Monaten hat die Sargmanufaktur UONO über 100 Särge verkauft. Der Unternehmer wurde bereits beim Innovationspreis der Stadt Köln vorgestellt und hat den Botttom Line Design Award 2006 noch vor Apple’s i-Pod Nano gewonnen. Zudem wurde COCOON mit dem Silver Award, dem weltweit renommiertesten Designpreis, dem Industrial Design Excellence Award 2006 (IDEA) und dem Funeral Award ausgezeichnet.

Innovativ bis in den Tod also… in diesem Sarg möchte ich begraben werden.


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5 Kommentare »

  • Michael Fromm sagte:

    …vielleicht kann das Modell ja auch bei einer Neuverfilmung von “Dracula” oder “Tanz der Vampire” zum Einsatz kommen…

    Nein – allen Ernstes – gibt es auf diesem Globus nicht wichtigeres als “Designer-Särge”? Gar unter dem Slogan: “Hier ruhen Sie besser!”

  • Elita Wiegand (author) sagte:

    Lieber Michael,
    natürlich gibt es Wichtigeres, aber mir gefallt der Sarg, weil die Idee innovativ und damit anders ist. (Die Materialen sind außerdem umweltfreundlich!!!) Keine Ahnung, ob Dir über deinen Tod Gedanken machst – ich möchte jedenfalls nicht in so einer Holzkiste liegen. Schön sterben… das hat was, finde ich!

  • Ludger Freese sagte:

    Ha, das Ding sieht ja toll aus! Klasse gemacht!
    Ich sehe schon meine Kumpels vor Neid platzen: “Der Freese denkt auch an alles. Woher er nur den Sarg hat?”
    @ Michael Fromm: Zum Sarg fällt mir der Spruch ein: “Wir geben Ihrer Zukunft ein Zuhause…!”

  • Michael Fromm sagte:

    Liebe Elita,
    Du hast recht…schön sterben hat was – aber wenn das vorbei ist und Du bist auf dem Weg “nach oben” – dann ist es ziemlich egal, in welcher Kiste der Körper, der einst den Namen Elita (oder Michael) trug, liegt.

    Lieber Herr Freese,
    …Sie haben mich zum Lachen gebracht…vielen Dank – das konnte ich gerade gut gebrauchen…;-)))

  • Doc Sarah Schons sagte:

    Ist der g-EI-l ! Sieht aus wie Pilles Konstruktion für Spocks letzte Reise im “Startreck” (die ja dann doch nicht die letzte war… wie gut, daß er so schön transportiert wurde..).
    Aber auch für Nicht-Trekkies eine schöne Idee – wobei ich eher ein Fan von Urnen und sowieso der Feuerbestattung bin..

    Dieses umweltunfreundliche Herumrotten ist nämlich gar nicht mein Fall: zB auf dem legendären Nürnberger Johannisfriedhof ist der Boden inzwischen derart mit Leichenfett gesättigt, daß die Leichen nicht mehr “natürlich” abgebaut werden, sondern über Dekaden langsam verfaulen. Mit allen Konsequenzen fürs Grundwasser etc. Nicht gerade ökologisch. Nicht gerade platzsparend, nicht gerade innovativ. Glücklicherweise hat das Friedhofsamt entsprechende Restriktionen erlassen.

    Die alten “Kisten” sind so überkommen, wie der alte europäische Brauch. Eigentlich braucht es nicht neue Särge, sondern guten Umgang mit Tod und Sterben. Aber wenn schon Särge, dann bitte lieber solche..

    Schön sterben finde ich wichtig. Da ist bei uns noch jede Menge Handlungsbedarf – fängt mit der eigenen Auseinandersetzung mit dem Tod an und hört bei gesellschafts- und gesundheitpolitischen Umwälzungen nicht auf (Euthanasiedebatte, Hospize etc.). Schön STERBEN – das tut man besser im Bett und an der Hand eines Menschen, als im Sarg. ;-)
    Schön TOT sein ist eher was für die Hinterbliebenen – so mit Sarg, Leichenschmaus und all dem Schickilacki. Und was wird dann aus dem ganzen wertvollen “Biomaterial”, wenn der Geist sich daraus verflüchtigt hat?!
    Wer von Ihnen/Euch hat zB einen Organspendeausweis?!

    In Tibet und der Mongolei werden die Toten nach 49 Tagen (geht dort bald sicher auch nicht mehr wegen der globalen Erwärmung) Totenruhe im Haus (mit vielen Gebeten, um dem Geist einen guten Übergang in die nächste Inkarnation zu ermöglichen) traditionell auf den Leichenplätzen zerhackt und zersägt und an Geier verfüttert. Eben damit die verstorbene Hülle noch zu was nütze ist.. Oder der Leichnam wird verbrannt und die Asche verstreut als Dünger.
    Letzteres fänd ich für mich eigentlich am Besten. Eben weil es nicht egal ist, was man noch über seinen Tod hinaus anrichtet..

    Buddhistische Grüße und Danke @Ludger Freese für den Kracher-Lacher :-)

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