Lernen von einem Teenager
Hannes Treichl
15 Januar 2007
5 Kommentare
Anstatt wie andere nur über das Aussterben kleiner Lebensmittelgeschäfte zu jammern, übernimmt Nick Graham im Alter von 17 Jahren einen maroden Laden in Truman, Minnesota und eine fast schon kitschige Erfolgsgeschichte nimmt ihren Lauf…
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“Die Story macht Freude und Mut, zeugt sie doch von Unternehmergeist und Solidarität. Und beweist mal wieder, daß Menschen ohne starre Regeln und Vorannahmen wesentlich kreativer sind”, meint Doc Sarah Schons.
Weil das Einbinden kurzer Videobeiträge hier nicht klappt, hatte ich den Beitrag auf mein eigenes Blog verlegt. Neugierig? Hier der ganze Beitrag.
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Toller Bericht!
Solche Menschen machen Mut! Ich bin mir aber sicher, dass ein solches Modell in Deutschland nicht kopierbar ist. Unsere Behörden und neidische Mitbewerber würden dafür sorgen, dass er nicht einmal öffnen könnte.
Vielleicht erreichen wir aber bald ein umdenken, wenn es nur noch große Märkte auf der grünen Wiese gibt. Ich wünsche mir mehr kleine “Bienen die stechen!”
@Ludger Freese:
Das sehe ich auch so – derzeit würde so eine Initiative in Deutschland im Keim erstickt.
Aber wenn viele kleine Bienen einen Schwarm bilden, sind sie a) weniger angreifbar und b) können mehr bewirken..
Bürokratie-Abbau tut dringend Not – wie erreichen wir den???
@Lieber Ludger,
@liebe Sarah,
traurig, aber wahr, dass ein solch mutiges Beispiel in Deutschland keine Schule macht und Bürokratie-Hengste Positives im Keim ersticken. Solange es in diesem Land Lobbyisten schaffen, immer wieder Einfluss zu nehmen und sich Bundestagsabgeordnete einen Lorbeerkranz verdienen wollen, wenn sie ein neues Gesetz verabschieden, ist der Bürokratie-Abbau “Worthülsen-Geplänkel”. Deine Frage ist zwar berechtigt, lieber Ludger, aber wer von uns, weiß darauf eine Antwort?
…. und wenn wir alle die Bürokratie verweigern?!
Henry David Thoreau (der mit der “Walden”-Bewegung – schrieb ja schon zum Ende des 19. Jahrhunderts in USA viele Aufforderungen zum zivilen Ungehorsam..
(“Resistance to Government (später veröffentlicht als Civil Disobedience) (dt. Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat) (Essay) u. a., Diogenes Verlag, ISBN 3-257-20063-3 und ISBN 3-257-06460-8))
Joan Baez (wer kennt sie nicht, die madonnengleiche Ikone des Folk) ging während des Vietnamkriegs ins Gefängnis, weil sie schlicht die Kriegssteuer nicht bezahlte.
Ich könnte jetzt endlose Beispiele mutiger Menschen anführen, deren Engagement viel bewegt hat… Und Ihr Alle/Sie Alle kennen sicher noch ganz viele andere!
Warum fangen wir nicht einfach an?!
Müssen wir uns vom “Staat = der Polit-Schickeria” derart zwingen lassen?!
Wer ist denn eigentlich ursprünglich “der Staat” in einer Demokratie?!
Auf viele kleine Bienenstiche aus unseren Reihen in die dicken Popos der nur noch sich selbst verwaltenden Politokraten…
Hat jemand eine Idee für eine innovative und witzige Aktion dazu?!
Ergänzung (von http://www.thoreau.de geklammert – Danke Kai!)
H.D.Thoreau: Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat
Dieses Buch ist neben “Walden oder Leben in den Wäldern” und seinen Tagebüchern das bedeutsamste und wirkungsreichste Werk von Henry David Thoreau. Das kleine Taschenbuch aus dem Diogenes-Verlag ist nochfolgend auszugsweise wiedergegeben, den Kauf kann ich nachdrücklich empfehlen.
Aus dem Umschlagtext:
“Mahatma Ghandi verteilte die Schrift wie ein Lehrbuch unter seinen Schülern. (…) Die Schrift, die Oppositionelle in aller Welt fasziniert, erhebt den Ungehorsam gegen den Staat zur Pflicht.” (Der Spiegel)
“Thoreau macht deutlich: Gewaltloser Widerstand, das heißt nicht einfach Protest gegen staatliche Willkür; es heisst: Umlenkung der Staatsgewalt gegen den Staat selbst; es heißt: Anwendung des Judo-Prinzips in der Politik.” (Walter E. Richartz)
Ausgewählte Zitate:
* Ich habe mir den Wahlspruch zu eigen gemacht: “Die beste Regierung ist die, welche am wenigsten regiert”; …”Die beste Regierung ist die, welche gar nicht regiert”; und wenn die Menschen einmal reif dafür sein werden, wird dies die Form ihrer Regierungsein. (S. 7)



* Ich will sachlich reden, und nicht wie die Leute, die sich überhaupt gegen jede Regierung erklären. Ich sage nicht: von jetzt an keine Regierung mehr, sondern von jetzt an eine bessere Regierung. (S.
* Der praktische Grund, warum die Mehrheit regieren und für längere Zeit an der Regierung bleiben darf, wenn das Volk die Macht hat, ist schließlich nicht, dass die Mehrheit das Recht auf ihrer Seite hat, auch nicht, dass es der Minderheit gegenüber fair ist, sondern ganz einfach, dass sie physisch am stärksten ist. (S.
* Ich finde, wir sollten erst Menschen sein, und danach Untertanen. Man sollte nicht den Respekt vor dem Gesetz pflegen, sondern vor der Gerechtigkeit. Nur eine einzige Verpflichtung bin ich berechtigt einzugehen, und das ist, jederzeit zu tun, was mir recht erscheint. (S. 9)
* Die Mehrzahl der Menschen dient also dem Staat mit ihren Körpern nicht als Menschen, sondern als Maschinen. Sie bilden das stehende Heer und die Miliz, die Gefängniswärter, die Konstabler, Gendarmen etc. In den meisten Fällen bleibt kein Raum mehr für Urteil oder moralisches Gefühl. (S. 10)
* Es gibt Tausende, die im Prinzip gegen Krieg und Sklaverei sind und die doch praktisch nichts unternehmen, um sie zu beseitigen; (…) Menschen, für die die Frage der Freiheit hinter der des Freihandels zurücktritt (…). Sie warten – wohlsituiert -, dass andere den Übelstand abstellen, damit sie nicht mehr daran Anstoß nehmen müssen. (S. 13)
* Ein kluger Mensch wird die Frage der Gerechtigkeit nicht dem Zufall überlassen, er wird auch nicht wollen, dass sie durch die Macht der Mehrheit wirksam werde. Denn in den Handlungen von Menschenmassen ist die Tugend selten zu Hause. (S. 14)
* Wer nach Grundsätzen handelt, das Recht wahrnimmt und es in Taten umsetzt, verändert die Dinge und Verhältnisse; dies ist das Wesen des Revolutionären, es gibt sich nicht mit vergangenen Zuständen zufrieden. Es trennt nicht nur Staaten und Kirchen, es spaltet Familien. Ja, es spaltet den Einzelmenschen, indem es das Teuflische in ihm von dem Göttlichen scheidet. (S. 16/17)
* Unter einer Regierung, die irgend jemanden unrechtmäßig einsperrt, ist das Gefängnis der angemessene Platz für einen gerechten Menschen. (S. 20)
* Eine Minderheit ist machtlos, wenn sie sich der Mehrheit anpasst; sie ist dann noch nicht einmal eine Minderheit; unwiderstehlich aber ist sie, wenn sie ihr ganzes Gewicht einsetzt. (S. 20)
* Ich habe sechs Jahre keine Wahlsteuer bezahlt. Einmal wurde ich deshalb für eine Nacht ins Gefängnis gesteckt. (…) Da sie mich nicht fassen konnten, beschlossen sie, meinen Körper zu bestrafen; (S. 24)
* Mit dem inneren Wesen, sei es intellektuell oder moralisch, kann der Staat sich also niemals auseinandersetzen, sondern nur mit dem Körper, mit den Sinnen. Er verfügt weder über größere Vernunft noch Ehrlichkeit, sondern nur über größere physische Gewalt. (S. 25)
* Ich möchte mit keinem Menschen und keinem Land Streit anfangen. Ich will keine Haarspalterei betreiben, nicht übergenau sein oder mich für besser als meine Nachbarn halten. Ich suche ja gerade nach einer Ausrede, um mich den Gesetzen des Landes anzupassen. (S. 30)
* Die rechtmäßige Regierungsgewalt (…) ist immer unvollständig: um nämlich unbedingt gerecht zu sein, muss sie Vollmacht und Zustimmung der Regierten haben. Sie kann kein umfassendes Recht über mich und mein Eigentum haben, sondern nur so weit, wie ich zustimme. (S. 34)
* Ich mache mir das Vergnügen, mir einen Staat vorzustellen, der es sich leisten kann, zu allen Menschen gerecht zu sein, und der das Individuum achtungsvoll als Nachbarn behandelt; einen Staat, der es nicht für unvereinbar mit seiner Stellung hielte, wenn einige ihm fernblieben, sich nicht mit ihm einließen und nicht von ihm einbezogen würden, solange sie nur alle nachbarlichen, mitmenschlichen Pflichten erfüllten. Ein Staat, der solche Früchte trüge, und sie fallen ließe, sobald sie reif sind, würde den Weg für einen vollkommeneren und noch ruhmreicheren Staat freigeben – einen Staat, den ich mir auch vorstellen kann, den ich bisher aber noch nirgends gesehen habe. (S. 35, Schluss)
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