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Innovative Zeitung der Zukunft

Elita Wiegand 18 Januar 2007 12 Kommentare

Heute schon die Zeitung gelesen? Klar, ist für viele immer noch eine Pflichtlektüre. Aber mal ganz ehrlich: Wie viele Artikel bleiben ungelesen? Oder gehören Sie längst zu der Gruppe, die die Zeitung abbestellt hat, weil sie sich über das Web informieren? Zeitungen sind eben ein altes Medium. Die Redaktion bestimmt den Inhalt, der Leser muss das gesamte Produkt kaufen. Vor allem junge Leser tun sich mit dem Gedruckten schwer und so schwinden die Kunden, die Auflagen sinken, die Verlage suchen nach neuen Wegen. Bereits 1995 hat Nicholas Negroponte über die individualisierte Zeitung in seinem Buch «Total Digital» geschrieben – (hat mich damals schon total begeistert) jetzt ist die gedruckte Form zum Greifen nahe.

foto.jpgVor zwei Jahren hat Professor Detlef Schoder mit Studenten der Wirtschaftsinformatik der Uni Köln ein Verfahren für kundenindividuelle Druckererzeugnisse entwickelt – und patentieren lassen. Der Leser kann der Zeitung seine Interessen mitteilen, es wird ein Profil erstellt und danach der Inhalt samt Werbung in ein typisches Zeitungslayout festgelegt – und digital gedruckt. Dieses Verfahren erlaubt erstmals mit dem gewohnten Griff in den heimischen Briefkasten eine eigene Zeitung, eine Individualisierte gedruckte Zeitung in den Händen zu halten, versprechen die Macher. Inzwischen sind aus den Studenten wissenschaftliche Mitarbeiter geworden, die ihr crossmediales Print Medienprodukt «Improo» auf der Plattform Medieninnovation vorstellen.

Obwohl das Interesse der Leser für individualisierte Zeitungen groß ist, stoßen die Firmengründer auf Granit. «Verlage sehen uns oft als Konkurrenz», bedauert Nina Schönemann. Jetzt sucht Improo nach Partnern, die redaktionellen Content liefern und nach Investoren und Sponsoren. Rein theoretisch könnte das Team morgen starten. Zum Beispiel mit einer Wochenzeitung, die in individualisierter Form übrigens auch nur etwa 2 bis 3 Euro kosten würde. Wie die Zeitung der Zukunft aussieht, zeigt ein elektronisches Demoexemplar. Ist doch seit Gutenberg eine Innovation, oder?


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12 Kommentare »

  • Doc Sarah Schons sagte:

    Die Idee eines “individualisierten Nachrichtenfeeds” find ich klasse!

    Noch besser fänd ich´s papierlos als “multimedia-implement” auf meiner Google Startseite – die firefoxes nähern sich dem Thema zusehends:

    Da kann ich jetzt schon die “ZEIT”, “n-tv” online etc. parken und die Meldungen anklicken, die mich interessieren, nach verwandten Meldungen suchen etc. – und auch noch audiovisuelle Nachrichten sehen.

    Das geht schneller, platzsparender und umweltschonender, als print (o.k. ich hab eine ausgeprägte berufsbedingte Papierallergie – nur nicht gegen Bücher … ;-) – zu viel Papierkrieg schwappt über´s Land ;-( )

    Und wenn schon print, dann bitte mit einem (v)erträglichen Layout – die Demoversion ist ja noch arg durcheinander, überfrachtet und leseunfreundlich..

  • Elita Wiegand (author) sagte:

    Deine Zeitungs-Papier Allergie ja, die kann ich nachvollziehen und trotzdem…
    Natürlich lese ich die News auch fast nur noch im Web, habe zwei Tagsezetungen abbestellt, scheue mich aber noch, die Rheinische Post zu kündigen.
    Wahrscheinlich habe hier alle ihre News im Web abonniert und die sind ausgewählt, klar doch!
    Trotzdem ertappe ich mich immer häufiger dabei, dass ich den PC abends ausschalte uud in aller Ruhe eine Papierzeitung lese!!! Habe ich mir doch glatt nach vielen Jahren Entzug jetzt häufiger die “Zeit” gekauft und war wegen des konservativen Rückschritts schon zutiefst besorgt, aber ich genießes es…

  • Doc Sarah Schons sagte:

    Heja – “was ist schwarz und liegt vor jeder Haustür?!” – die Rheinische Pest… ;-)

    Ja, die “ZEIT” als richtige Zeitung lesen – das ist für mich immer ein Zeichen von Freizeit-Luxus, den ich mir dann innbrünstig gönne..

    Wenn da nur nicht die vielen grausligen Seiten wären, die ich gar nicht brauche (Stellenmarkt, Sportnachrichten, Börsenkurse..)Und die ewigen Beilagen..
    Ergo entsorge ich erst mal 2/3 des Konvoluts bevor ich mit dem wesentlichen Rest auf dem Sofa verschwinde.

    Da macht die individuelle Wochenzeitung wieder Sinn – eine besondere Zeitung für die besonderen Momente..

    À la bonheur..

  • Ludger Freese sagte:

    Liebe Elita,
    über den Tag verteilt lese ich um 6 Uhr morgens, die Lokalzeitung, später die Bild (max. eine Minute) und am Abend geht es mit mir wie Doc Sarah Schons, da lese ich ganz gemütlich, mit Puschen und Rotwein die “Süddeutsche – Zeitung”. Das genieße ich!
    Aktuelle Nachrichten werden täglich mehrfach im Netz betrachtet. (ohne Rotwein)
    Eine ganz persönliche Zeitung zu lesen, wo nur das drin steht was mich interessiert, finde ich einseitig und langweilig. Ich bin ein neugieriger Mensch und möchte wissen, wer gestorben ist, wer welche Angebot hat und warum Bloggersdorf keine Postleitzahl hat!
    :-)

  • Doc Sarah sagte:

    @Ludger:
    Die Postleitzahl von Bloggersdorf ist die Wurzel aus “4711″ – denn wir sind ja immer dabei… :-)
    Der Ländercode ist “IG” – weil wir eine intergalaktische Interessengemeinschaft sind..
    Zugeständnis an die Behörde (eigentlich kann Bloggersdorf ja gar nicht so zahlenmäßig vereinnahmt werden..) “IG-4711 Bloggersdorf” – damit die Zeitung auch künftig gut ankommt.. ;-)
    So – und jetzt geh ich raus in den “Kyrill” – wollte immer schon mit den Hunden fliegen.. Vielleicht stehen wir ja morgen in der Zeitung…

  • Wolfgang Horbach sagte:

    Liebe Elita,

    ich kann deine Begeisterung für die individualisierte Zeitung nicht ganz verstehen. Mir scheint das kein Zukunftsmodell zu sein. Bevor es realisiert wurde, ist es durch Internet und RSS-Feeds überholt. Ich kann mir jetzt schon alles individuell zusammenstellen, was mich interessiert. Und für spezielle Themen habe ich Agenten ins Internet geschickt, die mich per E-Mail darüber informieren, wenn sie etwas Neues gefunden haben.

    Die elektronische Form ist zwar zum Lesen (noch) zu unbequem. Aber Hyperlinks, Übersetzungen, schnelle Recherchen, Bookmarks etc. kann man mir die Zeitung nicht bieten.

    Zu meinem Papierberg trägt nur die “ZEIT” bei – auch das nicht immer.

  • Marko Krause sagte:

    Habe vor ca. 1/2 Jahr schon mal was von individualisierten Zeitungen gehört. Das ganze lief glaube ich unter http://www.personal-news.de oder so. Kann allerdings die URL nicht mehr aufrufen. Die haben auch den deutschen Gründerpreis gewonnen. Nehme fast an das es sich um das gleiche Angebot handelt. Eigentlich stand da im Sommer, dass sie mit einem localen Testangebot Ende des Jahres an den Start gehen wollten. Hab mich schon gefreut aber das war wohl zu früh.

    Das Angebot einer individualisierten Zeitung finde ich deshalb spannend, da ich vieles aus normalen Zeitungen nur überfliege und nicht wirklich lese. Dafür ist mir dann ein Abo zu teuer. Ausserdem hab ich nicht jeden Tag Zeit eine ganze Zeitung zu lesen. Mit der personal News sollte der Leser die Möglichkeit bekommen, die Zeitung zum Beispiel nur am Montag, Mittwoch und Samstag zu bekommen. Das kann man sogar noch bis zum Vorabend 10 Uhr ändern. Das ist doch spannend.

    Ich stimme zu, dass es im Netz bereits viele Möglichkeiten gibt, individualsierte Nachrichten zu erhalten. Das nutze ich auch. Aber die Nachrichten im Internet können mir nicht die Atmosphäre einer schönen offline Lesesession ersetzten und werden es auch nicht. Deshalb finde ich die personalisierte Zeitung zur Ergänzung spanndend und würde mich über ein entsprechendes Angebot auf dem Markt freuen.

  • Elita Wiegand (author) sagte:

    @Marko
    “Personal News” kenne ich nicht, aber vielleicht ist es wirklich das gleiche Angebot? Den Gründerpreis haben die ehemaligen Studeten der Kölner Uni tatsächlich gewonnen.

    Natürlich hat man im Netz jede Menge Möglicheiten individualisierte News zu bestellen. Dennoch finde ich das Angebot, ähnlich wie Du spannend. Die Zeitung zu überfliegen kenne ich, manchmal komme ich, wenn überhaupt erst Abends dazu, Artikel zu lesen.
    Bin gespannt, wie es mit dem Projekt weitergeht und ob die Gründer Sponsoren bzw. Investoren finden.

  • Nina Schönemann sagte:

    Zum Thema “Personal News” kann ich vielleicht einige Erklärungen geben:

    Personal News hat nichts mit unserem Projekt von medieninnovation.com zu tun und ist außerdem auch konzeptionell anders gelagert. Im Gegensatz zu unserer Zeitung, die sich aus individuell ausgewählten/zugeordneten Artikeln zusammensetzt, hat man bei Personal News die Möglichkeit, einzelne Komplett-Seiten aus anderen Zeitungen in einer Zeitung zu erhalten. Bei improo jedoch, werden sowohl Artikel als auch Werbung, Weblogs, Internet-Feeds, Börsenbriefe, Newsletter und vieles mehr in einer Zeitung integriert.

    Ich finde es übrigens toll, dass hier eine angeregte Diskussion entsteht, die ich interessiert verfolge.

  • Elita Wiegand (author) sagte:

    Liebe Frau Schönemann.

    bislang ist es ganz selten passiert, dass sich hier im Blog “Betroffene” zu Wort melden und ihren Beitrag kommentieren. Danke für die Aufklärung hinsichtlich “Personal News”.
    Dass das Thema “individualiserte Zeitung” doch kontroverser diskutiert wird, hätte ich persönlich nicht erwartet.

  • Radikale Innovation » Blog Archiv » Individualisierte Zeitung sagte:

    [...] Blogleser Andreas Gerads hat mich mit einem Podcast über dieses spannende Thema versorgt, das von medieninnovation.com handelt. Bei weiterer Recherche zum Thema habe ich entdeckt, dass Elita Wiegand im Januar bei innovativ-in bereits darüber berichtet hat. Die Kommentare dazu lassen einiges Für und Wider erkennen. Vor allem an dem Konzept von Improo, mit dem Prof. Schoder von der Uni Köln offenbar schon seit einigen Jahren ‘in den Startlöchern’ liegt. Scheinbar bahnt sich aber auch eine Art Wettrennen an, denn an der FH Mittweida gibt es das Projekt ‘Durchleser’. Sie berichten, dass sie mit den Informatikern der Uni-Köln zusammenarbeiten. Nur wie passt das mit dem Projekt Improo zusammen? [...]

  • innovativ.in - Business Blog » Blog Archiv » Individuelle Printmedien sagte:

    [...] Titel “Individuelle Printmedien” gestartet. Wir hatten hier schon mal im Blog über die ” Innovative Zeitung der Zukunft” berichtet. Sind die indivualisierten Zeitungen das Thema für die Zukunft? Das interessiert die [...]