Aus dem Business Nähkörbchen…

2007-02-14, von Elita Wiegand

Nein, heute keine Erfolgsmeldung, auch keine News, sondern ein Portion Nachdenkliches, weil es mir am Herzen liegt, mit Euch gemeinsam auch mal hinter die Fassaden des Business zu blicken, ein Plausch aus dem Nähkörbchen also, ein Plausch unter uns…

Spielregeln in der Wirtschaft

Als ich meine Firma und später den Business-Club gründete, hatte ich wenig Ahnung davon, wie die Wirtschaft tickt. Aber ich hatte eine Vision, Ziele und wie ich heute finde, eine gehörige Portion Mut. Hätte mich vorher jemand gewarnt, hätte ich mich vermutlich nie in die Höhle der Business-Löwen gewagt. Aber ich war herrlich gutgläubig, eine Frau eben, die die Spielregeln der Männerwirtschaft nicht beherrschte. Als Journalistin sind mir die Kämpfe um die verbissenen Siege in Unternehmen nie aufgefallen, auch nicht, dass Geschäftsleute im Business tricksen, blenden, den Gegner ausschalten. Und schon gar nicht, dass man in der Wirtschaft Niederlagen als Erfolge feiert, dass Rivalitäten, Name dropping und Prahlerei dazu gehören.

Hoch! Achtung!

Trotzdem hatte ich Hochachtung: Als ich beispielsweise zum ersten Mal bei C&A saß – so etwas wie Lampenfieber, ja, und aufgeregt war ich. Firmenchefs wie Manfred Maus, Götz Werner und sogar Ex-Telekom-Chef Ron Sommer haben mich beeindruckt - Anerkennung! Viele Gespräche, viele Storys und auch Einblicke hinter die Kulissen. Und da plötzlich purzelte so mancher Chef, Managementberater oder Wirtschaftsautor vom Sockel. Dann nämlich, wenn ich nachfragt habe, den Menschen hinter der Rolle entdeckte, zum Kern gestoßen bin.

Wenn die Maske fällt…

Einige Unternehmer haben sich mir gegenüber geöffnet. Und: Wenn die Maske fällt, reden sie über ihre Angst, über die schlaflosen Nächte, wenn die Gedanken im Kopf kreisen und sie einfach keine Ruhe finden. Unternehmer, die über den Druck sprechen, über den ständigen Kampf und über das schlechte Gefühl, wenn sie den Konkurrenten niedermachen, die darüber berichten, dass sie sich zu wenig Zeit nehmen, für ihre Frau, ihre Kinder, für ihre Hobbys  für sich selbst.

Wohin mit dem ganzem Gefühl?

Hinter dem Siegerlächeln ein verletzter Mann, einer der viel, viel Geld verdient, aber ständig krank ist. Seine Seele streikt, weil er eigentlich Künstler werden wollte. Und jetzt hat er ständig Rückenschmerzen, Nierenprobleme und Schwindelanfälle, weil er nie Chef sein wollte. Oder der Mann, der unter der Konzernstruktur leidet, ausbrechen will, aber den Schritt in die Selbstständigkeit nicht wagt  und leidet. Ein Unternehmer, der seine Probleme im Alkohol ertränkt, aber immer mehr trinkt, weil die Probleme mehr werden. Männer, die Selbstzweifel plagen, die Angst haben, dass der Sessel wackeln könnte, Angst, dass sie nicht mehr gebraucht werden. Aber eigentlich spricht man nicht über Gefühle – ein Indianer kennt keinen Schmerz! Und so waren die vertrauensvollen Gespräche Momentaufnahmen. Morgen schon vergessen, “the show must go on…”

Oder gibt es vielleicht eine Sehnsucht aus den alten Rollen auszubrechen, die Betonmauern abzureißen und authentischer zu sein? Bringt der Wandel auch Veränderungen im Geschäftsleben mit sich? Sind Soft-Skills überhaupt erwünscht oder siegt weiterhin das Hard-Selling Business?

Bookmark and Share

7 Kommentare zu “Aus dem Business Nähkörbchen…”

  1. Jörg Weisner sagt:

    Hallo Elita,

    kleine Anekdote dazu:
    Vor ein paar Jahren hatten wir mehrere Workshops mit einem Energieversorger.
    Wir hatten zunächst die zweite Führungsebene. Irgendwann kam das Gefühl Angst hoch, natürlich zunächst nur sehr zaghaft. Dann aber schrieben die Führungskräfte ihre Ängste auf Karten und wir sammelten sie an der Pinwand.
    Am nächsten Tag war die Geschäftsführungsebene dran. Irgendwann brachte ich das Thema “Angst” auf den Tisch. Alle widersprachen mir vehement. Nein Angst hätten sie nicht. Angst sein überhaupt kein Thema bei ihnen in der Firma. Ich drehte die Pinwand um und zeigte ihnen die Karten ihrer Mitarbeiter. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können.
    Nach einem langen Schweigen fing einer der Geschäfstführer an: “Sie haben Recht, auch ich habe manchmal Angst. Sogar so viel, dass ich nicht schlafen kann. Bei unserer Technik müssen wir manchmal Entscheidungen treffen, die nicht ganz ungefährlich sein können. Der Gedanke, dass einem der Mitarbeiter was passieren könnte ist fürchterlich.”
    Dann tauten auch die anderen auf.
    Fazit: Angst ist überall. Aber Angst ist ein Tabu. Erst recht bei Männern. Denn ein Junge weint nicht. Und ein Indianer kennt keinen Schmerz.

  2. Elita Wiegand sagt:

    Lieber Jörg,
    Deine Erfahrungen mit dem Energieversorger sprechen für sich: Angst ist nach wie vor ein Tabu-Thema. Ich habe vor eingen Jahren mit dem NRW Sozialministerium eine Aktion und Umfrage zum Thema “Elternsprüche” umsetzt. Dabei kam u.a. der Spruch “Ein Indiander kennt keinen Schmerz” drin vor. Das Ergebnis: 85!Prozent der Kinder kennen den Spruch aus ihrem Elternhaus und werden vermutlich auch danach erzogen. Die Folgen hast Du in Deimem Kommentar gut beschrieben.

  3. Ludger Freese sagt:

    Hallo Elita,
    eins sehr brisantes Thema, was du hier ansprichst. Ängste sind permanent da, ob im Beruf oder in der Familie. Sie werden oft verdrängt indem man nicht darüber spricht. Aus meiner Sicht, liegt hier der Fehler! Wer seine Sorgen jemanden anvertraut hat es leichter. Es kann der liebe Gott sein, der Ehepartner, ein Kumpel oder der Hund – egal, wichtig ist nur, dass wir darüber reden.
    Ich glaube aber nicht, dass hier im Blog jemand offen über seine Ängste schreiben wird. Vielleicht, liebe Elita, kannst Du aber eine “Sprechstunde” einrichten. Im Business-Club wird ja alles mögliche besprochen, warum nicht über Nöte die Mitglieder – mein Vorschlag: jeden Mittwoch von 14 – 15 Uhr ist das “Telefon der Nöte” geöffnet.
    Ob es angenommen wird?
    Wie denkt Ihr darüber?

  4. Jörg Weisner sagt:

    Ludger,
    guter Vorschlag.
    Aber was mache ich, wenn ich Angst habe, dort anzurufen???

  5. Elita Wiegand sagt:

    Lieber Ludger,
    ein Telefon der Nöte – dazu fühle ich mich nicht berufen. Und wer würde sich in de Karten schauen lassen? (Siehe Kommentar Jörg).Im Business-Club gibt es Coaches und für den Gesundheitsbereich Doc Sarah, die die Idee aufgreifen könnten.

  6. Ludger Freese sagt:

    Wir haben im Fleischer-Blog die Idee aufgegriffen und eine Telefon-Hotline eingerichtet. Es wurde ein positvier Titel gewählt: “Autoren am Telefon”.
    Ich bin gespannt, ob die (zunächst) begrenzte Aktion angenommen wird. Ich werde es Euch mitteilen.

  7. Elita Wiegand sagt:

    Lieber Ludger,
    habe mir gerade mal die Umsetzung der Idee im Fleischer Blog angeschaut. Die Autoren “Hotline” kommt sicherlich in der Branche an. Bin auf die Reaktionen gespannt.

Kommentar schreiben

XHTML: Sie können diese Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>