Warum beim Thema Datenschutz nur auf den Staat schauen?

2007-02-21, von Matthias Rückel

Eine Zukunftsvision von Robin Sloan und Matt Thompson, zeigt, wie die Medien-, Werbe- und Internetlandschaft sich bis zum Jahr 2014 entwickeln könnte. Am Beispiel von GOOGLE. Der Weg von der Suchmaschine hin zum umspannenden Google Grid. Übrigens erhält Google alle Daten von den Nutzern freiwillig. Gönnen Sie sich 8 Minuten Zukunftsversion vom Feinsten.

Starten des Flash-Films.

Übrigens finde ich einen weiteren Aspekt im Rahmen der Diskussion spannend. In Thailand und in Schweden sind schon über 90% (!!) der Junglichen Mitglieder von Myspace und stellen sich dort “öffentlich aus”. Freiwillig und als flächendeckendes Phänomen. Vielleicht haben wir ein veraltertes Bild von Intimsphäre?
Vielleicht steuern wir auf eine transparente Gesellschaft zu, wo jeder alles von jedem weiß und dadurch ein ganz neuer Zugang zu persönlichen Themen entsteht. Für mich im Moment eher eine Horrorvorstellung.  :-(
Via CPC

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13 Kommentare zu “Warum beim Thema Datenschutz nur auf den Staat schauen?”

  1. Hans-Georg Nelles sagt:

    Matthias Rückel und die Google EPIC Vision weisen auf einen entscheidenden Unterschied zum Überwachungsstaat hin.

    Von letzterem werden ohne meine individuelle Zustimmung und für mich zweifelhaftem Nutzen Informationen und Daten ausspioniert und geheim gehalte. Bei der Vision der transparenten Informationsgesellschaft entscheide ich darüber, was ich ins Netz stelle, welche Informationen Meinungen und Bilder ich mit anderen teilen möchte und was dann ‘natürlich’ von Such- und Sortiermaschinen aufbereitet werden kann.

    Es ist ein give and take und ich habe eine realistische Illusion vom Nutzen des Ganzen, oder kann es mir zumindest einbilden.

    Aber auch bei dieser Variante wir sich ‘Big Brother’ eine Schnittstelle organisieren und in der Informationsflut hoffentlich baden gehen.

  2. Alexander Greisle sagt:

    Ein weiteres sehenswertes Video zum Thema Google gibts von zwei deutschen Studenten: Masterplan. about the power of Google

    Man muß ja nicht nach MySpaces sehen, viele der Leser hier werden auch bei Xing Mitglied sein. Vielleicht auch mitdiskutieren in den zahlreichen Foren. Studenten sind heute bei StudiVZ (hoch peinliche Dinge zum Teil). Das ist schnell und einfach durchsucht.

    Oder vielleicht haben Sie auch einen Wunschzettel bei Amazon? Was ist ein Blog anderes als ein Persönlichkeitsabbild der Schreiberin oder des Schreibers? Waren Sie früher mal im Usenet aktiv? Google macht das über “Groups” alles auffindbar. Hatten Sie früher – und “Gottseidank heute nicht mehr” – eine private Homepage? Surfen Sie mal zur Waybackmachine und geben Sie die alte URL ein…

    Alles freiwillig, alles hoch interessant. Große Personalberater haben bereits spezialisierte Abteilungen, die anhand des Internets ein Profil potenzieller Bewerber erstellen. Das hat aber natürlich auch zwei Seiten. Warum nicht gezielt nutzen?

    Wir brauchen wieder mehr Sensibilität. Das heißt ja nicht, dass wir die tollen neuen Möglichkeiten nicht nutzen, im Gegenteil. Aber es heißt, dass wir Methodenkompetenz und Soft-Skills brauchen.

    Von Kinderbeinen an. Nicht nur das Wissen, wie man einen Browser startet. Sondern das Wissen, wie man sich in der Internetwelt richtig bewegt, welche Konsequenzen das Handeln hat, wie man sich schützt, etc. Also das, was wir für das Real-Life quasi autmatisch von Tag 1 an lernen…

  3. Alexander Greisle sagt:

    @Hans-Georg: Nein, er wird nicht baden gehen. Es gibt schon heute sehr leistungsfähige Werkzeuge, die riesige Datenbestände, zum Beispiel von eBay, auf Knopfdruck und sehr schnell durchforsten und individuell aufbereiten. Und die Entwicklung wird gerade hier nicht stehen bleiben.

    Wie schnell Google Trefferlisten anzeigt ist schon erstaunlich, oder? Eine gut formulierte Anfrage, die Trefferliste mit einer Software abgegriffen und ausgewertet. Ein sehr überschaubarer Datenbestand…

  4. Doc Sarah Schons sagt:

    Uff – gerade hab ich mir den Film angesehen – Danke Ihnen, Matthias!

    Ich glaub, ich kauf mir doch kein neues notebook – und auch für mein Kleinunternehmen gibt´s maximal noch email auf dem Rechner.

    Glücklicherweise gehör ich altes Mädchen nicht zu den Amazon Wunschlisten Junkies und Google auch nur, wenn mein altersschwaches Hirn sich irgendwie nicht erinnern will, die Bücher es nicht hergeben oder -aufgepaßt- wenn ich jemanden suche…

    In openBC mach ich kaum was -erst recht nicht, seit es XING ist, bin wenn überhaupt nur noch in der exclusiven, restriktiven “smallworld” networking unterwegs und brauche auch keine “second world”. Aber: ich blogge! O Weia!

    Da ist selbst bei meinen eher bescheidenen Internetaktivitäten auch wieder dem überwachungsstaatlichen Un-treiben Tür und Tor geöffnet..

    Siehe China: Millionen Menschen mit allen erdenklichen persönlichen Details recherchierbar. Staatlich gefördert und gewünscht.

    Ob das hier bis 2014 dauert?! Ich fürchte nicht. Und wie, lieber Alexander, teilen wir uns die nötigen softskills zur einigermaßen datengeschützten Internet-Nutzung mit?! Rauchzeichen?! Bush-Trommel eher kontraproduktiv.. ;-(

    Dank auch Dir, Alexander, für Deinen Kommentar und den groosel google film. Es ist schon 3:00, aber ich denke, meine Nacht wird jetzt erst recht schlaflos…

    Denk ich an google in der Nacht…

  5. Alexander Greisle sagt:

    Liebe Sarah, machen wir das mit dem Methodenwissen doch durch Diskussionen in Blogs, dann haben alle was davon ;-)

  6. Wolfgang Horbach sagt:

    In der Psychologie gibt es eine Methode, die nennt sich paradoxe Intervention. Da “verordnet” der Therapeut dem Klienten genau das Gegenteil von dem, was eigentlich sinnvoll wäre. Der Eifersüchtige wird angehalten, die Überwachung des Partners so zu steigern, dass er bald die Sinnlosigkeit seines Unterfangens begreift.

    Es ist nur so eine Idee: Vielleicht sollten wir unsere Daten nicht versuchen zu verstecken, sondern die Überwacher mit riesigen Datenmengen zumüllen, dass sie daran ersticken. Sinnvoll wäre eine gute Mischung aus wahren und verfälschten Informationen, so dass stets Zweifel bestehen, was richtig und was falsch ist.

    Vielleicht machen die Kids mit MySpace genau das Richtige.

  7. Alexander Greisle sagt:

    @Wolfgang: Das mit der Info-Überflutung wird nur für die breite Masse klappen, aber nicht für die Profis. Aus zwei Gründen:

    Zum einen ist das Sammeln und Auswerten nur eine Frage von Rechenpower und Speicherplatz. Google macht uns vor, wie das geht. Die riesige Datenmenge des Internets und trotzdem bekommst Du in einer Sekunde die Treffer angezeigt. Wie viele, das hängt nur von der Suchkompetenz ab. Wie gut, das hängt nur vom Algorithmus ab. Die NSA beschäftigt beispielsweise eine deutlich fünfstellige Zahl an Mathematikern…

    Zum anderen ist es nur eine Frage des Vorgehens und des Algorithmus. Die Datenmenge, die ich bei einer Suchabfrage nach “Wolfgang Horbach” bekomme ist sehr überschaubar. Und ich glaube nicht, dass Du es – trotz toller Blog-Aktivität – hin bekommst, so viel Information zu produzieren, dass Google damit Schwierigkeiten hätte ;-)

    Ganz grundsätzlich betrachtet ist das so schwierig nicht:

    1. Schritt: Abgreifen, z.B. über Suchanfragen.

    Google bietet eine API (Programmierschnittstelle zum Zugriff auf Google aus eigener Software), wie u.a. eBay und Amazon auch. Es gibt auch Stimmen (von Mitglieder-/Nutzerseite, wohlgemerkt), die von Social Networks wie XING ebenfalls APIs zur Vernetzung der verschiedenen Plattformen fordern. Wie gesagt, von Nutzern, nicht vom Staat.

    Und wenn es keine API gibt, so what. Man gekommt von Google und jeder anderen Webseite (XHTML-)Text zurück. Den zu parsen (strukturiert zu analysieren) lernt man im ersten Semester Informatik.

    Und die Sachen, die in einer staatlichen Datenbank stehen sind ja erst recht kein Problem. Data Mining ist heute schon verdammt leistungsfähig und die Entwicklung bleibt gerade da sicher nicht stehen.

    2. Schritt: Verlinkungen abcrawlen (verfolgen), weitere Informationen einholen. Crawltiefe einstellbar.

    3. Schritt: Indexierung (das was Google mit den Webseiten macht)

    4. Schritt: Vernetzungsstrukturen visualisieren, automatisches Schlagwortscreening und sonstige mehr oder weniger intelligente Auswertungen auf Knopfdruck

    Das macht alles eine Software, dazu bräuchte man noch nicht mal einen eigenen Datenbestand vorzuhalten…

    MySpace, nun ja, alles schön recherchierbar, oder? Über die Frage der Relevanz solcher Informationen könnte man noch diskutieren. Aber die bestimmt sich bekanntlich abhängig vom Suchziel.

  8. Wolfgang Horbach sagt:

    Alexander, du besitzt so hervorragende Fachkenntnisse, dass du dich damit definitiv als nächsten Bundesdatenschutzbeauftragten qualifiziert hast!

  9. Alexander Greisle sagt:

    Danke für die Ehre, Wolfgang ;-) . Aber erst, wenn der Posten – wie von der EU gefordert und der Bundesregierung nicht umgesetzt – komplett von der Politik unabhängig ist.

  10. Matthias Rückel sagt:

    Wie der Spiegel online berichtet ist ein neues Videoportal mit “Express yourself” überschrieben. Dort können Sie Live Videoübertragungen aus dem Alltag Ihrer Mitmenschen betrachten und bei Gefallen Kontakt mit Ihnen aufnehmen. Nein, nein, keine lahmen Videokonserven wie auf YouTube, auch kein statisches Bild, das sich alle 5 Minuten aktualisiert, sondern eine echte Live-Videoübertragung in Echtzeit.

    So sehr ich den Gedanken, daß Alexander Datenschutzbeauftragter wird sympathisch finde, langsam wächst in mir der Gedanke, daß eine Generation heranwächs, die vielleicht gar keinen Datenschutzbeauftragten möchte.

  11. Elita Wiegand sagt:

    Sorry, Alexander, aber ich vermute auch, dass Dich die Kids nicht wirklich brauchen und einen Datenschutzbeauftragten vermutlich ziemlich altbacken finden.
    Vor kurzem habe ich in meinem Blog über ein italienisches Designer Hotel der Modefirma Miss Sixty berichtet, die Webcams in den Zimmer einsetzen. Ziel: Die Kamera kann eingeschaltet werden, damit sich die Hotelgäste untereinander kennen lernen. Die Idee kommt supergut an, so gut, dass die Modekette jetzte weitere Webcams Hotels in Dubai und Rom plant.

  12. Alexander Greisle sagt:

    Es gibt nur einen kleinen, aber feinen Unterschied zwischen Miss Sixty/Express Yourself auf der einen und Google/Überstaat auf der anderen Seite. Ersteres basiert auf Freiwilligkeit, zweiteres nicht.

    Ersteres ist ein Trend, der abflachen wenn nicht sogar ins Gegenteil umschlagen wird (wenns was neues, spannenderes gibt; wenn es massive Mißbräuche gegeben hat; wenn die ersten StudiVZ-Kids keine Praktikumsstellen finden ob des Unfugs, den sie dort eingestellt haben; etc.). Irgendwann hatte es sich auch herumgesprochen, dass diese aufblasbaren Latex-Luftballons zwar lästig sind, aber durchaus förderlich für die eigene Gesundheit sein können.

    Zweiteres ist “nicht ganz so einfach” umkehrbar.

  13. Matthias Rückel sagt:

    Alexander, stimme Dir voll und ganz zu. Mit Deinem Kommentar bestätigst Du schon im Vorfeld, das Du die Öffentlichkeitsarbeit im Griff hättest ;-) Wo soll ich mein Kreuzchen machen?

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