Der Körper ist der Geist
2007-02-24, von Hans-Georg Nelles
In der aktuellen Ausgabe des Magazins beschreibt Daniel Binswanger die Arbeit von Rolf Pfeifer in der Werkstatt für Künstliche Intelligenz in Oerlikon.
Das Labor für künstliche Intelligenz ist weltbekannt. Mit seinen Robotern beweist der Querdenker vor allem eines: Computer sind nie «intelligent», denn wahre Intelligenz setzt einen Körper, setzt Erfahrung voraus.
Wer Intelligenz verstehen will, muss den ganzen Organismus, den Geist und den Körper, die Software und die Hardware betrachten, wird jetzt postuliert. Das Intelligente am lebenden Wesen ist nicht nur die Steuerungszentrale im Kopf, sondern das Gesamtdesign des Organismus.
Pfeiffer hat gemeinsam mit seinem amerikanischen Kollegen Josh Bongarde ein Buch mit dem Titel «How the body shapes the way we think» (Wie der Körper unser Denken formt) veröffentlicht. Das Werk ist zugleich eine populärwissenschaftliche Einführung in die Robotik, die wissenschaftstheoretische Begründung eines Forschungsprogramms und ein provokatives philosophisches Manifest.
Die Autoren beschwören einen Paradigmenwechsel herauf, indem sie den Erklärungsanspruch von ausführendem Ingenieur und Grundlagenforscher auf den Kopf stellen: Was man nicht konstruieren kann, so lautet ihre Maxime, das hat man auch nicht verstanden.
Die Bedeutung des technischen Realitätstests liegt darin, dass alle intelligenten Wesen durch Rückkopplungen mit ihrer Umwelt gesteuert werden. Sie zeichnen sich nicht dadurch aus, dass sie für jede Aufgabe eine fest vorprogrammierte Lösung abrufen können, sondern dass sie lernen, sich an Überraschungen anzupassen und flexibel zu reagieren.
Ein intelligentes Wesen ist gewissermaßen das Gegenteil dessen, was man in einem herkömmlichen Computerprogramm nachbilden kann. «Sie können über die Bahnhofstrasse schlendern, am einen Arm eine Tasche tragend, den anderen Arm um die Schultern Ihrer Frau gelegt, und dazu rauchen Sie vielleicht noch eine Zigarette. Alles ganz beiläufig, ohne daran zu denken, dass Sie tun, was Sie tun. Das ist unfassbar intelligent.»





















Sonntag 25. Februar 2007 um 01:50
“Der Körper ist der Geist”, das klingt schön philosophisch. Schließlich ist der Autor des Beitrages ein Philosoph.
Was mich an diesen Beiträgen immer ein wenig stört, ist die Ignoranz gegenüber den Naturwissenschaften. Die angeblichen Geisteswissenschaftler kommen daher und behaupten, es wäre ganz anders [... Gegenteil dessen, was man mit von einem herkömmlichen Computerprogramm nachbilden kann ...]. Was ist denn das Gegenteil?
Tatsache ist, dass auf vielen Teilgebieten der Robotik enorme Fortschritte erzielt wurden. Roboter fertigen heute mit einer ungeheueren Präzision und Geschwindigkeit viele unserer Alltagsdinge (z.B. Autos). Wir schicken Roboter zum Mars, die dort Erkundungen für uns durchführen, die für Menschen undurchführbar wären.
Den klassischen Turing-Test bestehen immer mehr Computerprogramme bzw. Roboter. D.h. ein Experte kann von außen nicht mehr unterscheiden, ob eine bestimmte Leistung (z.B. Schachspielen) von einem Menschen oder einer Maschine erbracht werden.
Der Leistungsvergleich wie in dem aufgeführten Artikel zielt oft einen direkten Vergleich zwischen dem Menschen mit seinen vielfältigen Fähigkeiten und einem menschenähnlichen Roboter hin. Ich finde den Roboter, der den “… Arm um die Schultern einer Frau legt und dabei eine Zigarette raucht …” ziemlich bescheuert. Warum sollte man so einen Roboter bauen? Die Roboter der Zukunft werden nicht wie Menschen aussehen, sondern sich in ganz anderen Formen manifestieren.
Eins scheint mir sicher zu sein: Evolution ist jetzt. Und zwar mit dem höchsten Tempo, welches es bisher gab. Die Übergänge zwischen Mensch und Roboter werden fließend sein. Ich gehe zwar nicht so weit wie Hans Moravec, der behauptet, dass die Roboter in den nächsten Jahrzehnten die Menschen überrunden werden. Aber wir können uns schon mal auf Einiges gefasst machen.