2007-02-28, von Alexander Greisle
Tja, Herr Stadler: -1
Erstellt am
Mittwoch 28. Februar 2007 um 21:40 und abgelegt unter Marketing, Trends.
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Donnerstag 1. März 2007 um 01:32
Die Aussage von Stadler, dass das von der EU-Kommission vorgegebene Ziel von 120 Gramm Kohlendioxid je Kilometer im Flottendurchschnitt sei für einen Hersteller wie Audi schon rein physikalisch nicht machbar sei, ist sowas von schwachsinnig, das es weh tut. Die Botschaft wird eine Halbwertszeit von höchstens 3 Monaten haben.
Um 80 kg Mensch zu bewegen, müssen 2.000 kg Blech, Glas und Kunststoff mitbewegt werden? 1:25 oder mit anderen Worten: Nur 4% der Energie und der Abgase inkl. CO2 werden für die eigentliche Nutzlast aufgewendet. 96% werden für die Verpackung verschwendet. “Rein physikalisch nicht machbar?”
Ok, ich höre schon die Kritiker sagen: “Im Auto sitzen ja auch oft zwei Menschen oder gar vier”. Da sieht die Rechnung dann ganz anderes aus. Ja bei vier Menschen werden dann grob gerechnet 16% für die Nutzlast und “nur” 84% für das Transmittel aufgewendet. Sieht auch nicht viel besser aus.
Im übrigen hat Herr Stadler seine ganze Entwicklungsmannschaft beleidigt. Jeder Ingenieur würde sich schämen, eine Maschine zu bauen, die einen so niedrigen Wirkungsgrad hat. Und mit der dummen Ausrede “physikalisch nicht machbar” würde er sofort rausfliegen. Zu Recht.
Übrigens: Audi ist die Marke, die mit dem Slogan “Fortschritt durch Technik” wirbt. Und die Hybridautos von Toyota und Honda gehorchen wahrscheinlich nicht den physikalischen Gesetzen. Vor ein paar Jahren haben sich deutsche Unternehmen schon mal in Japan umsehen müssen. Nichts gelernt?
Donnerstag 1. März 2007 um 11:07
Ich will hier gar nicht die Moralapostel spielen, obwohl ich einem Konzernschef etwas mehr Weitblick zugetraut hätte. Aber wir werden sehen, wie die Kunden in 7-10 Jahren entscheiden. In den USA haben die amerikanischen Automobilhersteller auch die Zeichen der Zeit (Sparsamkeit und Umweltschutz) verkannt und sich nur auf Ihre “Kernkompentenzen” SUV und Vans konzentriert. Die Folge: in kurzer Zeit sank der eigene Marktanteil auf unter 50%! Das Rennen machen die Asiaten. Eine Autofabrik nach der anderen wird in den USA dichtgemacht.
Benzin wird immer knapper und teurer werden, die Erkenntnis ist nicht wirklich neu. Wenn deutsche Autobauer keine Antwort darauf entwickeln und auch die Umwelt schonen, sondern sich auf dem Vorhandenen ausruhen, wirklich schade. Ich bin sicher, irgendwo auf der Welt gibt es Ingenieure die an diesen Lösungen arbeiten und ich fände es sehr bedauerlich, wenn deshalb wieder mal ganze Industrien hier sterben und die Arbeitsplätze hier verschwinden.
Beim Autokauf spielt Sex und Macht eine große Rolle, ich befürchte das eigene Sexappeal wird stark relativiert, wenn man(n) aufgrund der Luftverschmutzung beim Aussteigen erst einmal eine Hustenanfall wegen der Luftverschmutzung bekommt.
Donnerstag 1. März 2007 um 11:14
Noch ein Nachtrag zur Innovationsfreunde: Die virtuellen Niederlassungen der deutschen Automobilbauer in Second Life scheinen auch nicht wirklich berauschend zu sein: Bericht zur Eröffnung der MB Niederlassung
Samstag 3. März 2007 um 18:26
Seit Jahren mogeln sich die Autohersteller um die (freiwillige Zielvorgabe)zur Verringerung des Co2 Ausstosses herum. Ich weiß aus verlässlicher Quelle, dass seit Jahren intensiv an neuen Antriebstechnologien erfolgreich in der Autoindustrie gearbeitet wird und eine Umsetzung möglich ist. Demnach müsste keiner auf seinen Luxusschlitten verzichten. Die Umsetzung der neuen Antriebstechnologien scheitert bisher daran, dass
a.) die Kraftstofferversorgung über alternative Energien durch die Ölmultis verhindert wird,
b.) die Verwendung neuer Antriebsaggregate die Kaufpreise erheblich steigen würden.
Die Umsetzung der neuen Technologien scheint daher wenig attraktiv.
Nebenbei bemerkt: Der Umstieg auf Gas ist für jeden Benzinmotor unproblematisch möglich und entlastet die Umwelt. Die Umrüstung wird aber behindert durch die Ölmultis, die leider kein Flüssiggas anbieten.
Ebenso Biokraftstoffe. Ich habe Anfragen von einem Biodieselhersteller vorliegen, der ein eigenens bundesweites, einfaches Tankstellennetz mit Tankcontainern aufbauen möchte. Die Öl-Multis blockieren auch hier.
Samstag 3. März 2007 um 19:44
@ Alexander: Ich finde den Inhalt deines Beitrages genial einfach und treffend. Richtig ZEN-mäßig. Das liebe ich.
@ Johannes: Die Automobilindustrie gibt sich immer so innovativ, ist sie aber nicht. Es gibt seit vielen Jahren geniale Konzepte für völlig neue Automobile (z.B. Hypercar). Leider bedarf es der Umsetzung der großen Automobilwerke (Massenfertigung, Vertriebs- und Servicenetze). Das kann man nicht in der Garage machen. Vielleicht wenden sich die Hersteller angesichts der CO2-Problematik doch von ihrer alten “Wir-verkaufen-die-alten-Konzepte-solange-es-geht”-Politik mal ab. Ob die ihren Kindern noch in die Augen sehen können?
Sonntag 4. März 2007 um 11:03
Ui, ui, ui. Da hat es unsere deutsche Vorzeigeindustrie ja ganz schön getroffen. Was geht in einem Chef eines schwäbischen Sportwagenherstellers wohl vor, wenn er in der Diskussion um den Klimaschutz folgenden Spruch öffentlich loslässt:
Sonntag 4. März 2007 um 19:00
Zu dem Thema gibt es einen interessanten Nachruf bei Spiegel-Online: “Abschied vom Automann“. Tja Herr Stadler, Herr Winterkorn und Herr Wiedeking: Das sieht nicht gut aus.
Donnerstag 22. März 2007 um 09:28
[...] Mit dem Argument “Arbeitsplätze” versucht dann die Automobilindustrie alles wegzudiskutieren, was ihr lästig ist: Rußfilter für Diesel, geringere Abgaswerte, … Und hält sich selbst für den größten Innovationsmotor. Anja Förster und Peter Kreuz bezeichnen das in ihrem neuen Buch “Alles, außer gewöhnlich” als Innovatiönchen: beheiztes Lenkrand, … [...]
Sonntag 23. September 2007 um 00:11
[...] in der deutschen Automobilindustrie. Genau deshalb möchte ich den Herren Zetsche, Winterkorn, Stadler & Co. mal kräftig ans Bein [...]