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Grüße aus Peking

Anja Förster 10 April 2007 3 Kommentare

Wir sind gerade aus Peking & Shanghai zurück und waren als Keynote Speaker im German Centre for Industry and Trade Beijing Co. Ltd, Peking. Was sollen wir sagen? 1000 neue Eindrücke. Was uns nachhaltig beeindruckt hat: Die unglaubliche Geschwindigkeit, mit der sich die Veränderungen in China vollziehen. Beispiel Shanghai : dort kann man getrost alle sieben  Monate seinen Stadtplan wegschmeißen, da er dann veraltet ist. Komplett neue Stadtviertel sind in diesem Zeitraum entstanden, die eine Orientierung mit Hilfe der alten Karten unmöglich machen.

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Ein anderes Beispiel: das “Projekt 119″. Bei den olympischen Spielen 2008 in Peking will China mindestens 119  (in Worten: einhundertneunzehn!) Medaillen holen! Daran wird mit aller Konsequenz und unter Zuhilfenahme der besten ausländischer Experten, neuester Trainingsmethoden und einer mächtigen Portion Nationalstolz gearbeitet. 

Uns scheint das Projekt 119 symbolisch für die gesamte wirtschaftliche Aufbruchstimmung, die uns auf Schritt und Tritt begegnet: Der große Sprung an die Spitze der Top-Wirtschaftsnationen ist angepeilt und nun marschiert man mit aller Konsequenz darauf zu. Wer glaubt, in Peking oder Shanghai noch Heerscharen von Arbeitern in blauen Mao-Jacken anzutreffen, die munter die Internationale anstimmen, der könnte nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein. Wir begegnen sehr ehrgeizigen, selbstbewussten, zielstrebigen und gut ausgebildeten Menschen, die die Zukunft als große Chance und nicht, wie vielfach in Europa, als hundsgemeine Bedrohung begreifen. Uns scheint, als könnten wir die Energie und das Gefühl, dass alles möglich ist, in China mit den Händen greifen. Kapital und Unternehmen strömen in das Land und der Grund dafür liegt nicht nur in den niedrigeren Löhnen. Er liegt auch in der Einstellung der Menschen, die bereit sind, alles zu tun, um voranzukommen. Es ist die Entschlossenheit, hart zu arbeiten, das zu opfern, was geopfert, und das zu ändern, was geändert werden muß, um die Kluft zum Westen zu schließen. Dieser Stolz und diese Entschlossenheit erklären, warum Länder wie China und Indien eine solche Bedrohung für die “Freizeitgesellschaft” auf der anderen Seite des Vorhangs darstellen. 

Doch wie schreibt Thomas Friedman in seinem Buch “Die Welt ist flach” so schön: “Inder und Chinesen jagen uns nicht aus dem Haus. Sie jagen uns nur die Treppe hinauf, und das tut uns gut.”

Wir freuen uns auf unseren Vortrag am 2. Mai 2007. Sehen wir uns?


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3 Kommentare »

  • Ludger Freese sagte:

    Wow,
    ein Beitrag, voller Leidenschaft! Ich spüre die Begeisterung, mit der Ihr China erlebt habt. Das schafft bestimmt neuen Aufwind für Vorträge, neue Gedanken um zu motivieren und viele Beispiele wie es “Anders-außer gewöhnlich” gemacht werden kann.

  • Wolfgang Horbach sagte:

    Liebe Anja, lieber Peter,
    viele Grüße nach BÄ›ijÄ«ng. Die großen Veränderungen in China sind bestimmt sehr spannend. Ich hoffe nur, dass die Chinesen sich auch sehr schnell dem Umweltschutz anschließen. Die Probleme sollen ja schon gewaltig sein. Und der Globus ist klein.

    Besonders gefällt mit das “Projekt 119″. Das ist genau was ich in Deutschland vermisse: Große, klare Ziele. Kennedy versprach 1961 bis zum Ende des Jahrzehnts einen Menschen zum Mond und heil wieder zurückzubringen. 1969 wurde das Ziel mit der ersten bemannten Mondlandung und der Rückkehr der Astronauten zur Erde erfüllt.

    Solche Ziele können wir uns auch setzen: Die Produktion der umweltfreundlichsten Autos, die Reduzierung von CO2 auf 50%, ein gesichertes Grundeinkommen für alle, beim PISA-Test 2015 als beste Nation abzuschließen, …, …, …

    Ich wünsche euch eine faszinierende Restreise und eine gesunde Heimkehr. Bis zum 2. Mai!

  • Albert Klamt sagte:

    Klasse Beitrag! Eine vergeleichbare Dynamik erlebe ich auch am arabisch/persischen Golf. GEO Special berichtete Februar/März 2007 auf über 140 Seiten. Bin seit 3 Jahren geschäftlich mit Dubai involviert. Derzeit in Vorbereitung eines Weltklasse College for Media Arts and Sciences:

    http://www.ecmas.net

    Auch das World Economic Forum on Middle East in Jordanien vermittelte, welche Dynamik an Aufbruch im Middle East, insbesondere der Golf Region, hier wieder Dubai liegt.

    Grosse, klare Ziele, Werte und Perspektiven unterliegen natürlich verschiedenen Zusammenhängen. Ich persönlich schätze etwa das Konzept “Spiral Dynmaics integral” das hier genauer besichtigt werden kann:

    http://www.humanemergence.org

    http://www.che-mideast.org

    Denn die Welt ist nicht nur flach. Es gibt Spikes, es gibt Hot Spots und krisenhafte Umbrüche. Das alles ideologiefrei, konstruktiv und dynmaisch zusammen zu sehen, ist vieleicht die Königs Disziplin von Innovation, leadership und wirklichen Durchbrüchen.

    Der deutsche Sprachraum insbesondere, eingebettet in globale Veränderungen: Liegt hier nicht ein besonders spannendes, aufregendes Potential?

    Beste Grüsse, noch aus Berlin,

    Albert Klamt

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