DM-Chef Götz Werner im ZDF: Geld für Nichtstun?

2007-05-03, von Elita Wiegand

Wie wird unsere Gesellschaft in der Zukunft aussehen? DM-Chef Götz Werner beschäftigt sich seit 1985 intensiv mit der Frage – das Grundeinkommen ist für ihn die Lösung! So sollte nach den Vorstellungen von Werner jeder ein Bürgergeld von 1200 Euro monatlich erhalten. Die Initialzündung hat dann das Wirtschaftsmagazin Brand eins geliefert, als Chefredakteurin Gabriele Fischer seine Idee für das Grundeinkommen in einem Interview vorstellte. Inzwischen füllt Götz Werner Säale mit bis zu 1.500 Zuhörern. Erst vor kurzem haben Judita Ruske, Stefanie Berg, Wolfgang Horbach und ich den Visionär live bei der GLS Bank in Bochum erlebt. Ein inspirierender Vortrag!

So schildert Werner die Veränderungen von der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft – früher haben sich die Menschen selbt versorgt- heute leben wir in einer “Fremdversorgungsgesellschaft” und damit im Überfluss. Trotz unseres Reichtums, “verhungern wir in der Fülle”, sagt Werner. Mit dem Grundeinkommen würde gewährleistet, dass niemand mehr arbeiten würde, um seine Existenz zu sichern, sondern weil er in der Arbeit seine Erfüllung findet. Jeder hätte die Freiheit, sich den Platz in der Gemeinschaft zu suchen, wo er einen sinnvollen Beitrag leisten kann. Werner`s Vision findet inzwischen immer mehr Anhänger. Erst vor kurzem hat er sein neues Buch ”Einkommen für alle” Politikern in Berlin vorgestellt. (Aktuelle Nachrichten, Infos, Hintergründe findet Ihr auf der Website unternimm-die zukunft)

TV-Tipp heute um 22.15 Uhr im ZDF: “Geld fürs Nichtstun – Wie gerecht ist ein Grundeinkommen für alle?” So heißt der Titel der ZDF Talkrunde mit Maybrit Illner heute Abend. Gäste sind außer Götz Werner u.a. Dieter Althaus, Ministerpräsident des Freistaates Thüringen und der Schauspieler Heinrich Schafmeister.

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10 Kommentare zu “DM-Chef Götz Werner im ZDF: Geld für Nichtstun?”

  1. Jörg Weisner sagt:

    Elita,
    danke für den Tipp.
    Ich werde heute Abend mal reinschauen.

    Eigentlich wollte ich gestern nach Essen kommen. Leider kam etwas dazwischen.
    Herzliche Grüße

  2. Lutz Falkenburg sagt:

    Nein Danke! Ich empfehle:

    BEDINGUNGSLOSES GRUNDEINKOMMEN * Wie der “Verteilungssozialismus” mitten im Kapitalismus funktionieren kann, bleibt nicht nur bei Götz Werner ein Rätsel

    mehr: http://www.freitag.de/2006/46/06460701.php

    Wie der Kapitalismus das Schlaraffenland verspricht
    Genug Geld für alle

    mehr: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=10710

    Und wer es genau vorgerechnet haben will: http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/werner.htm

    Ja, Herrn Werner hört man gerne zu, zumal die Rhethorik ansprechend ist und er insgesamt recht charismatisch “daher” kommt – aber all das sollte nicht über die Tatsachen hinwegtäuschen, dass DM einer der Billiglohnzahler ist und Herr Werner zu ersteinmal Unternhemer ist! Hätte nicht erwartet, dass dieses Thema hier so unreflektiert auftaucht – inspirierend oder nicht.

    Das sind wir immer nur meine (irrsinnigen) 2 Cent.

  3. Elita Wiegand sagt:

    @Jörg
    Schade, schade, dass Du gestern Abend nicht mit dabei warst. Der Vortrag von Anja und Peter hätte Dir bestimmt ganz besonders gefallen. Und natürlich ist es bei uns wieder spät geworden – wie saßen anschließend noch lange zusammen und haben diskutiert und auch viel gelacht- Wolfgang wird nachher noch einen Beitrag schreiben…

    @Lutz
    Danke für die weiteren Links, um das Thema “Grundeinkommen” zu vertiefen und sich auch mit den kritischen Stimmen auseinanderzusetzen. Finde gut, dass Du schreibst, dass das Thema hier unreflektiert auftaucht. Stimmt natürlich, weil man mittlerweile ganze Pro und Contra Seiten damit füllen könnte.

    Heiß diskutiert
    Immer wenn jemand mit einer visionären Idee vorprescht, wird das Für und Wider heiß diskutiert. Und das ist gut so.

    Als ich das erste Mal von dem bedingungslosen Grundeinkommen gehört habe, war ich auch skeptisch und bin auf die Barrikaden gegangen. Quatsch, habe ich geschimpft und genau wie der Ökonom Ulrich Busch hatte ich auch das Bild vom Schlaraffenland vor Augen und war sauer, weil ich als Unternehmerin viel arbeiten muss, während andere nach Werners Modell einfach (ab)kassieren…

    Den Sozialstaat neu denken?
    Egal, welche Einstellung man zu dem Grundeinkommen hat, müssen wir dringend unsere sozialen Sicherungssysteme hinterfragen. Die Arbeitslosigkeit wird bleiben. Daran ändert auch unsere derzeitige “Wirtschafts-Aufbruchstimmung” nichts. Auf der anderen Seite haben wir massive Probleme in der sozialen Betreuung wie in Altenheimen, Kindergärten, Pflegeheimen, Jugendeinrichtungen etc. (und die demographische Entwicklung wird uns zudem bald einholen)
    Dass sich Werner mit dem Grundeinkommen noch reicher machen will, indem er den Konsum stärkt, halte ich für absurd. An dieser Stelle kann ich Herrn Busch nun überhaupt nicht folgen. Auch wenn man gerne Unternehmer- Kapitalistenschelte betreibt (tue ich auch), muss man eben unterscheiden: Werner ist aus Überzeugung Anthroposoph. So wie ich ihn, übrigens auch in einem persönlichen Interview (war leider vor der Zeit des Grundeinkommens) erlebt habe, hat er ein Vision und dabei ist ihm Geld ziemlich schnuppe.

    Dass DM Billiglohnzahler ist, kann ich nicht bestätigen. Ich weiß lediglich von der Drogeriekette Schlecker, dass sie ihr Personal “prügelt”. (Deshalb kaufe ich da schon lange nicht mehr)

    Aber vielleicht gibt es hier zum Thema “bedingungsloses Grundeinkommen” noch ganz andere Meinungen?

  4. Wolfgang Horbach sagt:

    @Lutz:
    Sorry, dein Kommentar ist mir zu plakativ und zu kurz gedacht. Das ist leider ein weitverbreitestes Muster: Ich bilde mir schnell ein (Vor)-Urteil (in diesem Fall gegen das bedingungslose Grundeinkommen). Dann suche ich mir noch zwei, drei Argumente (in deinem Fall drei Links) und fertig ist meine Wahrheit.

    Gegen solche Kurzsichtigkeit empfehle ich PMI.

    Das Thema “Bedingunsloses Grundeinkommen” ist sehr komplex und verdient m.E. eine umfassendere Betrachtungsweise. Ich empfehle folgende Einstiegslinks:

    Wikipedia: Bedingungsloses Grundeinkommen
    Umfangreiche Linksammlung bei http://www.archiv-grundeinkommen.de

    PS: Als ich zum ersten Mal von der Idee hörte, war ich auch ähnlich voreingenommen. Nachdem ich einen Vortrag von Prof. Werner mit anschließender lebhafter Diskussion live erlebt habe, sehe ich die Dinge anders.

  5. Lutz Falkenburg sagt:

    @Elita
    Gerade da Werner Anthroposoph ist sollte man das, was er sagt umso genauer reflektieren! Ich habe mich einer Weile mit Steiners Anthroposophie beschäftigt und bei mir gehen alle “Lampen an” wenn jemand anthroposofische Züge zeigt. Neoanthroposophen, die meist nichts von Steiner gelesen haben sind es eigentlich nicht Wert als solche bezeichnet zu werden und “old school” Anthroposophen sind mir Suspekt spätestens dann, wenn Sie sich auf Steiners “Lehre” beziehen – Die französische Enquete-Kommission hat in ihrem “Bericht No.1687″ mit dem Titel “Die Sekten und das Geld” unter anderem die Anthroposophie mit Scientologie (und anderen Sekten) auf eine Stufe gestellt und zwar vorwiegend wegen Ihrer Art der Selbstfinanzierung. Sehr interessant ist, wie diese “Einstufung” per Gerichtsbeschluss gestoppt wurde – aber das ist eine lange Geschichte – ich stelle das mal wie immer verkürtzt dar:

    Die Anthroposophie ist eine der erfolgreichsten _okkulten_ Bewegungen in Europa. (und das zu Zeiten, wo wir als “aufgeklärt” gelten)

    @All
    Wir können das Thema Grundeinkommen, Bürgergeld etc. gern vertiefen aber ich lasse mir nicht vorwerfen ich sei nicht informiert – ich bin vielleicht anderer Meinung aber mir ein paar Begriffe ala PMI (Denken für Dummies) an den Kopf zu werfen mich gleichzeitig als unwissend darzustellen und mir dann noch wikipedia zu empfehlen empfinde ich schon als ein wenig dreist. Diese Argumente werden mir oft von Bildzeitungslesern entgegengebracht (um das mal entsprechend zu kontern) ;-)

    Das Erste mal habe ich von der Idee 1987 gehört als mir ein Buch in die Hände viel: “Garantiertes Grundeinkommen : Dokumentation d. AG Soziales d. Grünen Darmstadt u.d. Student. Initiativgruppe Mindesteinkommen d. FU Berlin”

    Damals war ich mehr als begeistert und diese Begeisterung hielt auch eine Weile an. Bis ich im Laufe der Zeit die Gelegenheit hatte mit etlichen Politikern dieses Thema zu diskutieren (ich habe mal über 2 Jahre im Hessischen Landtag zu tun gehabt und etliche private Diskussionen mit den “Mitgliedern des Landtags” führen dürfen), dadurch erhielt ich ein wenig mehr Einblick hinter die Kulissen unserer realsimulierten Demokratie.

    Am beeindruckensten war eine ca. 6 stündige Diskussionsrunde mit 10 Mitgliedern der Wirtschaftjunioren und unserem damaligen Bundeswirtschaftsministers Werner Müller – eben keiner der üblichen Politiker sondern eher einer der üblichen Manager und Unternehmer. Die Quintessnz: Unternehmern und der Wirtschaft geht es ums Geld nicht um Menschen. Wenn es Ihnen um Menschen ginge wären es Pfarrer geworden. Alle anderen Aussage dienen der Imagewerbung für sich selbt oder dem Unternehmen. Götz Werner hat in zahlreichen alten Interviews gezeigt, dass er vollblut Unternehmer ist. Inzwischen, nachdem die Gier vollends befriedigt ist kann er sich durchaus ein besseres Image verpassen, wenn es Ihm gelingt etwas für die breite Masse zu tun und gleichzeitig für sein Unternehmen und das möglichst populistisch. (Deswegen im ersten Beitrag mein “Nein Danke!”)

    Das Grundeinkommen ist theoretisch ein interessanter Ansatz, der an der Globalisierung scheitert (wir leben nicht auf einer Insel) und von den meisten Unternehmern hemmungslos ausgenutzt werden würde (zur Lohnsenkung, die Menschen bekommen schließlich schon genug). Aber wir können gerne Phantasien spinnen. Am Anfang steht ja meistens eine Vision.

    Ich denke die Kommtarfunktion eines Blogs ist unzureichend ein solches Thema erschöpfend zu diskutieren. Mein Beitrag mit den 3 Links sollte dazu dienen hier nicht immer nur die “schöne heile Welt” zu verkünden sondern ich wollte wie immer meiner Rolle als enfant terrible der Foren und IRCs und seit neuestem auch der Blogosphere nachkommen – ich frage lieber 2x nach und informiere mich, bevor ich mir die Meinungen charismatischer Menschen implantieren lasse und diese Gelegenheit wollte ich allen geben. Das ich nun die plakativsten Links meiner Tags zu diesem Thema genommen habe liegt daran, das ich einen gleichwertigen Kontrapunkt setzen wollte.

    Manchmal muss man anecken um Dinge in Bewegung zu setzen.

    Grüße von irrsinn.de (aka Lutz Falkenburg)

  6. Wolfgang Horbach sagt:

    @Lutz:
    Dein letzter Kommentar stellt die ganze Sache schon differenzierter dar. Ich stimme voll mir dir überein, dass man manchmal anecken muss, um Dinge in Bewegung zu setzen. Ich stimme ebenfalls mit dir voll überein, dass dieses Thema zu komplex ist, um es hier erschöpfend zu diskutieren.

    Ich habe dich nicht als “unwissend” dargestellt, sondern geäußert, dass mir deine Darstellung zu plakativ und zu kurz gedacht erscheint. Daher habe ich PMI empfohlen (nicht an den Kopf geworfen!). Das ist auch kein “Denken für Dummies”, sondern eine sehr wirkungsvolle Methode gegen voreilige Urteile. Beachte auch bitte, dass ich mit dem Hinweis auf Wikipedia nicht eine umfassende Aufklärung versprochen habe, sondern es explizit als “Einstiegslink” deklariert habe. (BTW: Bei vielen Vergleichstests zwischen div. Nachschlagewerken schneidet Wikipedia meistens genau so gut [manchmal besser!] ab, wie so renommierte Werke wie Brockhaus oder Meyers Lexikon. Wenn du ein paar Meter Brockhaus in deinem Bücherregal stehen hast, kannst du ja mal nachsehen, was dort über “Bedingungsloses Grundeinkommen” steht.)

    Ich greife hier das “anecken” gerne noch einmal auf: Wenn ich es richtig gesehen habe, bist du auch Unternehmer. Geht es dir auch nur um Geld? Bist du auch von Gier getrieben? Würdest du auch Rahmenbedingungen “hemmungslos ausnutzen”, um die Löhne deiner Mitarbeiter zu senken? Ich nehme einmal an, nein. Warum unterstellst du dann anderen Unternehmern diese Haltung?

    Ich lade dich ein, mal einen dm-Drogeriemarkt (Unternehmen von Götz Werner) zu besuchen. Dir eine Weile die Atmosphäre zu betrachten und dich mit ein paar Mitarbeitern zu unterhalten, wie zufrieden sie mit ihrem Arbeitsplatz sind.

  7. Lutz Falkenburg sagt:

    @Wolfgang
    1.) Ich bin Unternehmer
    2.) Ja ich nutze die Rahmenbedingungen bedingungslos aus um meine Existenz zu sichern und
    3.) nein, ich bin zu faul um gierig zu sein sondern arbeite soviel wie ich muss um auskömmlich leben zu können
    4.) Ich habe keine Angestellten, das wird über ein Netzwerk von freien Mitarbeitern und Kleinunternehmen geregelt
    5.) Ich habe bisher in meinem Leben nur Unternehmer kennengelernt, die ab einer gewissen Größenordnung ausschl. Gewinnmaximierung “mit allen Mitteln” betreiben.

    Ich gehe gern bei DM einkaufen – dann müssen unsere Statistiker wieder mal gelogen haben, die behaupten DM liegt am unteren Ende der Lohnskala….

  8. Stefanie sagt:

    Ich habe die Sendung im ZDF gestern nur teilweise gesehen, aber mir scheint es in allen Diskussionen ein Grundproblem zu geben: Sind wir bereit einem Menschen Geld ohne Bedingungen zu geben? Oder beharren wir auf dem protestantischen und preußischen Grundsatz: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen. Das heutige Sozialsystem ist meines Erachtens die schlechteste Lösung. Wir zwingen mit Harz IV Menschen ohne Sicht ihrer individuellen Bedürfnisse in Zwangsmaßnahmen. Steht dies einer humanen Gesellschaft zu? Das dahinter liegende Theorem ist doch: Die wollen nicht arbeiten. Menschen wie Götz Werner u.a. gehen grundsätzlich davon aus, dass jeder Mensch gern arbeitet (hier ist nicht nur Erwerbsarbeit gemeint). Das ist auch meine Meinung. Also können wir doch zunächst in unserem reichen Land den Menschen ihre Grunsdbeürfnisse mit 800 € garantieren. Damit dann auch eine Menge Bürokratie auflösen. Und gleichzeitig mit massiven Investitionen ins Bildungssystem vom Kindergarten bis zur Erwachsenenbildung eine “Lust auf Lernen” in Gang bringen, die es den meisten Menschen in diesem Land dann ermöglicht ihrer wirklich gewünschten Arbeit nachzugehen. Z.B. könnten Eltern eine Zeit lang ihre Arbeit reduzieren, um Arbeit und Zeit für Kinder zu haben. Dadurch käme eine gesinde Dynamik in unsere Arbeitswelt – denn es hieße letztlich natürtlich auch, dass Slavenverhältnisse wie bei Jurex oder Schlecker nicht mehr möglich sind. Denn jetzt kann der Arbeitnehmer jederzeit kündigen :-) Zum weiterlesen:

    http://blog.fraumachtzukunft.de/grundeinkommen-die-gunstigere-alternative/

  9. EuroVisionBlog | Offener Brief an Maybrit Illner: So geht’s nicht! sagt:

    [...] Folgende Blogs haben auf den TV-Termin bei Maybrit Illner hingewiesen: fifi blogt – teuchtlurm – innovativ-in – t.geekheim – freiheitstattvollbeschaeftigung – kleinewunder [...]

  10. zapata33 sagt:

    Liegestuhl Grundeinkommen…

     
    Es ist nicht das erste mal, dass eine Sendung oder ein Artikel über die Idee des Grundeinkommens mit der Parole: “Geld fürs Nichtstun” titelt. So auch gestern Abend der wöchentlichen Polittalk “Berlin Mitte” mit Maybr…

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