Wählen künftig in modern

2007-05-13, von Alexander Greisle

Wissen Sie eigentlich, dass wir bald via Wahlcomputer wählen sollen? Das funktioniert dann so. Heidewitzka, Herr Kapitän. Das Innenministerium hält das alles für ziemlich sicher. Und ich hab Bammel.

Edit: 09. Juni 2007

Der Chaos Computer Club hat eine detaillierte Überprüfung von Wahlcomputern durchgeführt und diese an das BVerfG gegeben. Sie können sie unter diesem Link auch als pdf herunterladen und lesen. Die wesentlichen Punkte:

Die Untersuchung hat gezeigt, daß:

  • die Software der Wahlcomputer problemlos manipulierbar ist,
  • Manipulationen an der Hardware einfach möglich sind,
  • die Programmier- und Auswertesoftware in einfacher Weise angreifbar ist,
  • die Zulassungs- und Prüfverfahren ungeeignet sind, Manipulationen aufzudecken,
  • Versiegelungen und Plomben keinen wirksamen Schutz bieten,
  • dem Wähler eine effektive Kontrolle und Verifikation der Wahl nicht mehr möglich ist,

(Quelle: ebenda)

Das sind nicht alle Punkte, der Report ist sehr interessant zu lesen…

Manipulierter Wahlcomputer nicht zu erkennen
(Bildquelle: www.ccc.de)

Bookmark and Share

18 Kommentare zu “Wählen künftig in modern”

  1. Lutz Falkenburg sagt:

    Einen vollständigen Überblick gibt es hier: https://berlin.ccc.de/wiki/Wahlcomputer

  2. Doc Sarah Schons sagt:

    ..und bald einen landesweiten Protest in Frankreich… klingt es aus der Blogosphere… wegen Wahl-O-Maten und Sarkozys Gewinn..

    Also – angesichts all dieser Fehlentwicklungen der “Regierung” = Machthaber in diesem ach so demokratischen Land hier: wie lange wollen wir eigentlich noch still halten?!?!

    Bin ich schon zu alt, oder erinnert sich noch jemand an “Donna Donna”: “On a wagon bound for market…” – im jiddischen Original: “Oifm Wagen steiht a Kelbel, scheiht gebunden mit a Strick..”
    Den Rest der Geschichte kennen ja alle.

    Ich finde es gut, daß alle Bloger/Innen sich gut informieren und die Infos gut weiterverteilen. Aber das allein wird nicht reichen. Wie wär´s denn mal mit einer konzertierten Aktion?

    Ich jedenfalls mag nicht nicht weiter von den Machthabern in meinen Grundrechten als Mensch beeinträchtigen lassen. Im Gegensatz zur aktuellen Regierung stehe ich fest auf dem Boden der FDGO. Und Ihr?! :-)

  3. Alexander Greisle sagt:

    In der aktuellen c’t gibts auf S. 84 einen schönen Artikel: “E-Voting: Schwund beim elektronischen Wählen” (leider nicht online)

    Hintergrund sind die letzten Senatswahlen in Florida, die der Republikaner Buchanan gegen die Demokratin Jennings mit 369 Stimmen Vorsprung gewann. So weit kann das ja mal vorkommen. Doch leider kam es in einer der fünf Kommunen zui einem massiven Auftreten unvollständiger Stimmen. Es gab 18.412 Enthaltungsstimmen in dieser Kommune. Das war damit etwa 10 Mal so hoch wie bei den anderen gleichzeitig durchgeführten Wahlen und lag um 2 bis 5 % höher als in den angrenzenden Kommunen. Bei einem gesamten Stimmenvorteil von 369 (und nicht nur da) durchaus relevante Größen.

    Warum und wie das kam, das ist noch ungeklärt. Dabei muß nicht zwingend von bewußter Manipulation ausgegangen werden. Mögliche andere Gründe, die genannt werden, sind:

    - Maschinenfehler, so dass Stimmen verloren gingen (der Hersteller weist das natürlich weit von sich)

    - Speichermodule aus den betroffenen Wahlcomputern wurden nicht zur Auszählung abgegeben (die Wahlbehörden weisen das natürlich weit von sich)

    - Die Stimmzettel waren ungünstig gestaltet, so dass möglicherweise Wahlvorschläge von den Wählern schlicht übersehen wurden (unergonomisch, mehrere Bildschirmseiten,…)

    - Fehlerhafte Bildschirmanzeigen (aufgetretene Bürgerbeschwerden)

    - Fehlende Wahlvorschläge (aufgetretene Bürgerbeschwerden)

    - Langsame Ansprechzeiten der Displays, dadurch vielleicht Fehlbedienungen (aufgetretene Bürgerbeschwerden)

    Ein Problem dieser elektronischen Wahlen ist, dass keine Papierbelege zur händischen Nachzählung gedruckt werden. Ist das zu fassen? Abgesehen davon, dass natürlich neben technischen Probleme eine Vielzahl von Möglichkeiten zur technischen Manipulation bleiben. Und das in einem weit größeren Ausmaß, weit unauffälliger und vor allem viel einfacher in der Fläche umzusetzen als das beim jetzigen Wahlverfahren möglich ist. Nicht zuletzt bedingt dadurch, dass viele Wählerinnen und Wähler und auch die Wahlhelfer vor Ort mit diesen Technologien schlicht überfordert sind.

    Das System aus Florida kommt übrigends von einem anderen Hersteller als das, was in Deutschland eingeführt werden soll. Der Hersteller bemüht sich auch um eine Zulassung in Deutschland. Und das bei uns zugelassene System hat die ähnlich prinzipiell bedingten Probleme, nachzulesen in den obigen Links.

  4. Doc Sarah Schons sagt:

    Jaja – was so alles geht in der webworld… Florida – …hummh… historisch cooler Ursprungsort für Wahlschwund…

    Mir wirds langsam zu bunt hier in der schwarz+rot=braun Saußiety.

    Ist Demokratie in Deutschland endgültig zur Demagogie der Machtverwalter degeneriert?!

    Hatten wir doch schon mal – in West und Ost…

  5. Wolfgang Horbach sagt:

    Die Frage kann doch nicht sein: “Wahlcomputer” oder “Kreuzchen auf Papier”? Es muss doch möglich sein, ein System zu entwickeln, welches

    a) fälschungssicher ist
    b) Abstimmergebnisse nachprüfbar macht
    c) einfach zu bedienen ist
    d) das gesammte Wahlverfahren verbilligt
    e) schneller Auswertungen ermöglicht.

    Solange das nicht sichergestellt ist, möchte ich lieber wie bisher zur Wahlkabine wandern und nach Väter Sitte auf langen Zetteln mein Kreuz machen.

    Mein Traum: Von zu Hause aus abstimmen. Wenn ich heute schon meinen gesammten Geldverkehr sicher via Onlinebanking betreiben kann, dann sollte das mit dem Wählen doch wohl auch gehen. Vielleicht sollte man da mal Kreative ranlassen und keine Beamten.

  6. Doc Sarah Schons sagt:

    Ob ich nun von zu Hause aus abstimme (favourite!) oder in die “Wahlkabine” eines vermufften Schulhofs oder einer noch vermuffteren Behörde krauche – wie soll ich mir in den letzten und künftigen Dekaden sicher sein können und dürfen, daß da nicht betrogen wird?!

    zB keine(r) meiner ca. 5000 Patient/Innen hat je Kohl gewählt… oder seine und “Honnies” Nachfolgerin Angie. Glaub ich denen – wie soll ich den angeblichen Mehrheiten glauben?!

    Bush hat ja auch schon Wahlen gewonnen.. und grad erst Sarkozy…
    ja, wenn wir Afrikaner wären oder ein anderes “Drittland”, wären sicher schon US oder EU “Sicherheitshüter” eilfertig dabei, Wahlbetrug aufdecken zu wollen…

    Aber in Deutschland?!?!

  7. Wolfgang Horbach sagt:

    Bisher wird dem Wahlbetrug in D vorgebeugt, indem in der Wahlkommission je Wahllokal Vertreter verschiedener Parteien bei der Auszählung mitwirken und sich gegenseitig kontrollieren. Da ist ein Wahlbetrug höchst unwahrscheinlich. Von daher habe ich volles Vertrauen in unser jetziges System. Ich war des öfteren an solchen Prozessen beteiligt und habe hautnah mitbekommen, wie sich die div. Parteien akribisch gegenseitig auf die Finger schauen.

    Die Sarkozy-Wahl würde ich mal als legal und korrekt ansehen. In Frankreich herrschen ähnliche Zustände wie bei uns. Bei der Bush-Wahl, vor allem der ersten, bin ich mir nicht so sicher. Da gab es schon eine Menge Unregelmäßigkeiten und am Ende entschieden nur wenige Stimmen. Wenn man bedenkt, welches Unheil alles hätte vermieden werden können, wenn statt dessen Al Gore gewonnen hätte …

  8. Doc Sarah Schons sagt:

    @ Wolfgang #7: jetzt komm ich mit der klassischen windows Frage:

    “Sind Sie wirklich sicher?!”

    Ich traue den Wahlen hier, La France, USA und sonstwem NICHT.

    Wie hatten wir denn soviele Jahre Kohl?! Und jetzt Angie?!
    Wie kam Bush an die Macht, wie Sarkozy – vielleicht bin ich ja zuviel in “undergound-foren” unterwegs – aber nicht nur durch die, nicht nur durch meine Freunde, die über die Welt verstreut leben und aus den verschiedensten Kulturkreisen stammen, nicht nur durch meine vielen lieben Patienten, nicht nur durch meine Intuition und nicht zuletzt Denkfähigkeit und die aktuellen Ereignisse:

    ich kann dem System hier beim besten Willen nicht vertrauen – see Alex “Von der Naivität” and more.

  9. Alexander Greisle sagt:

    Doch, im Moment habe ich schon Vertrauen in das System hier. Dass Kohl, Schröder und Angie gewählt wurden könnte schlicht damit zusammen hängen, dass sie gewählt wurden ;-)

  10. Doc Sarah Schons sagt:

    @ Alex #9: Na denn… “jedes Volk hat die Regierung, die es verdient”.. (?!) ;-)

  11. Alexander Greisle sagt:

    Da steckt schon eine gewisse Wahrheit in dem Spruch. Aber das kann man dann ja nicht dem Wahlsystem anlasten wenn die Bürger so wählen. Wie Wolfgang geschrieben hat, da stecken ja schon Kontrollmechanismen drin. Die bei elektronischen Wahlen ohne manuelle Nachkontrolle via Papierbeleg (womit sich auch die Wahl von Zuhause aus erledigt hat) nicht mehr funktionieren, by the way.

    Um blindes Vertrauen in die Technik zu haben, dazu habe ich zu viel damit zu tun… Leider funktioniert der Vergleich mit Online-Banking nur auf der emotionalen Ebene. Denn dort gibt es Mißbrauch und Bestimmungen, wie bei nachgewiesenem Mißbrauch die Haftungsfrage geklärt ist. Wie will man die Haftungsfrage bei elektronischen Wahlen klären? Jeder rein technische Kontrollversuch ist genauso anfällig für Manipulation wie die technischen Wahlgeräte. Deshalb: Zwingend manipulationssichere Wahlgeräte, meinetwegen, PLUS Kontrolle durch Menschen mit bewährten Mechanismen.

    Zum Volk: Schäubles Eskapaden waren im geführten Wahlkampf ja eher nicht absehbar, da mußte man schon hinter die Kulissen blicken (ich weiß, der Spruch…). Schäubles Verdienst ist, dass das Thema jetzt so schön an der breiten Öffentlichkeit angelangt ist. Das hatte Kollege Schily besser im Griff… Allerdings glaube ich ehrlich gesagt und leider auch nicht, dass die jetzigen Pläne großen Einfluss auf das Wahlverhalten bei der nächsten Wahl haben werden, da gibt es andere Themen, die dem Menschen zunächst näher liegen.

  12. Alexander Greisle sagt:

    Der CCC hat ein sehr fundiertes umfassendes – und vernichtendes – Gutachten zur technischen und organisatorischen Sicherheit der Wahlcomputer veröffentlicht. Mehr als “Edit” oben im Artikel…

  13. Wolfgang Horbach sagt:

    Der Chaos Computer Club schreibt ein Gutachten für das Bundesverfassungsgericht! Es geschehen noch Zeichen und Wunder.

    Hier hält Herr Schäuble alles für sicher (er irrt schon wieder!), aber auf der anderen Seite will er jetzt Fingerabdrücke von allen Ausländern speichern lassen. Angie, schicke den Mann in Rente!

  14. Alexander Greisle sagt:

    Bei Dingen wie Schäubles Fingerabdruck-für-Ausländer-Attacke oder Buschens “Wir-Erkennen-Europäische-Terroristen-Anhand-Von-Fragebögen”-Plänen frage ich mich immer wie lange es wohl noch dauert, bis wieder einzelne Personengruppen mit Symbolen um den Oberarm herumlaufen…

  15. Doc Sarah Schons sagt:

    Wie gut, daß ich noch ein paar von den Dingern aufgehoben habe, die meine “verstorben wordenen” Anverwandten so tragen mußten…

    Und noch mal: Schäuble in “Rente” schicken nützt nix – da sind noch ein paar ganz viele mehr “Politiker” und “Berater” dran beteiligt.. und Wähler..

  16. Doc Sarah Schons sagt:

    Grad gefunden bei der Politologin:

    “Dennoch wäre es falsch von „Politikverdrossenheit“ zu sprechen. Es ist nicht die Politik, die die Menschen nicht interessiert, es ist die praktizierte Politik der Herrschenden, die dem Bürger das Gefühl gibt, ein Fremdkörper in diesem System zu sein. Politisch sind viele Menschen – die Kritiker der real existierenden Politik gehören wahrscheinlich sogar den politischsten Bürgern des Landes.”

    Das wie wählen ist ja auch so ne Sache – aber das wen wählen eigentlich noch viel schlimmer…

  17. Morgaine sagt:

    Ich denke, wir sollten in unseren Beiträgen auch diejenigen berücksichtigen, die sich für einen Wandel einsetzen, der wieder soziale UND individuelle Verantwortung in den Vordergrund stellen. Und diejenigen, die ein Bild von sich malen, indem sie sich als Vorreiter dieses Wandels in der Öffentlichkeit präsentieren, an ihrem eigenen Bild messen. Unabhängig von Parteien oder sonstigen Zugehörigkeiten. Und wir sollten immer den Finger an die eigene Nase legen. Was tue ich ganz persönlich jeden Tag.

    Auch das ist für Korrektur von Fehlerentwicklungen. Sozusagen die manuelle Version statt der computerisierten. Unabhängig davon finde ich das Wirken über ehemalige ideoloigsche Grenzen hinweg ganz klasse! Der CCC und das Bundesverfassungsgericht? :-) )

  18. Morgaine sagt:

    Oh wie peinlich! Hier gibt’s keine “Bearbeiten”-Funktion von Beiträgen? Sorry! Bin gewohnt, schnell zu tippen und dann zu senden und dann noch mal zu korrigieren.

    Werde mich hier also zur Langsamkeit und Gründlichkeit anhalten. Bei meinen Kiddies drüben bei der ISLA muß ich mich schließlich auch schon am Riemen reißen. Commander Morgaine hat schließlich Vorbild- und Führungsfunktionen …

Kommentar schreiben

XHTML: Sie können diese Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>