R(h)ein ins Gold
Wissen Sie, wo der 10 Euro-Schein hingeht, mit dem Sie beim Bäcker Ihre Brötchen gezahlt haben? Natürlich nicht. Vielleicht hat ihn Herr Krause aus Grevenbroich bekommen und er hat damit abends seine Zeche im Biergarten gezahlt. Dann ist der Schein weiter an einen Krefelder Tankstellenbesitzer gegangen, der gab ihn wiederum an einen italienischen Manager und der hat damit gerade eben seinen Vino Rosso in seiner Stamm-Espressobar in Mailand gezahlt…
Der Euro zirkuliert bei Millionen von Menschen und Sie können überhaupt nicht wissen, wer zukünftig für welchen Zweck «Ihren» Euro ausgibt.
Ganz anders ist das beim Rheingold – dem neuen Düsseldorfer «Regio-Geld». Der Rheingold zirkuliert sozusagen unter Freunden und dient dazu die regionale Wirtschaft zu stärken. Der Rheingold kommt denjenigen zugute, die Sie unterstützen wollen.
Den Rheingold gibt es jetzt seit einem halben Jahr und wird inzwischen schon von über 500 Menschen und Unternehmen angenommen. Sie können Ihren Rheingold in ein saftiges Steak umsetzen oder in einen schicken Haarschnitt, in eine PR-Leistung oder in eine kompetente Steuerberatung, in ein Kunstwerk oder in Obst etc.
Aber bevor Sie Ihren Rheingold ausgeben können, müssen Sie natürlich erst mal einen haben. Kein Problem! Wir veranstalten Montag 11.6. 19.00 Uhr im Radisson SAS Media Harbour Hotel der erste gemeinsame Event von Rheingold und der Xing Gruppe Region Rhein-Ruhr. (Bin nämlich zusammen mit Monika Zehmisch Moderator dieses Forums und wir kooperieren mit innovativ.in)
Vom Business-Club haben sich schon Rosel Haas und Hans-Georg Nelles angemeldet und Elita berichtet für Business-on.de über den Abend. Wenn Sie mit dabei sein wollen, gerne! Sie können sich hier anmelden…
Was halten Sie von Rheingold und wäre das nicht vielleicht sogar eine Idee für uns, also für die Düsseldorfer Business-Club Partner?
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Als vor ein paar Jahren der Euro eingeführt wurde, habe ich das als großen Vorteil angesehen. Endlich nicht mehr in vielen Schachteln und Dosen holländische Gulden, französische und belgische Franc, britsches Pfund, spanische Pesetas, italienische Lira, … Endlich nicht mehr vor jedem Auslandsaufenthalt rechnen, Kurse vergleichen, zur Bank gehen und Valuta holen. Endlich nicht mehr ständig umrechnen müssen. Endlich nicht mehr bei jedem Tausch einige Prozente des Wertes verlieren.
Und jetzt soll ich wieder meine Taschen mit Regiogeld vollstopfen, das mal gerade eine Gültigkeit bis zum nächsten Kirchtum hat?
Den Vorteil habe ich noch nicht erkannt.
Das stimmt natürlich, der Euro hat uns nicht nur ein paar kleine Preiserhöhungen gebracht, sondern auch wirklich eine große Erleichterung bei Auslandsreisen. Kein Umtausch, keine Umrechnerei, keine Wechselkursverluste….
Aber Rheingold ist keine neue Währung, mit schwankendem Wechselkurs zum Euro sondern ein regionales Gutscheinsystem für den Austausch von Gütern und Dienstleistungen. Als Rheingolder gibt man sein “Gold” an andere Rheingolder und nicht an irgendjemand Anonymes. Im Prinzip tauscht man Leistung gegen Leistung. Nur ist es eben einfacher, das Malen eines Bildes, eine Steuerberatung oder ein Dreigangmenü über Rheingold zu verrechnen, als sie direkt zu tauschen.
Und noch einen Vorteil hat Rheingold gegenüber “normalem” Geld: Man kann Rheingold nicht sparen. Wenn man sein Rheingold nicht ausgibt verliert es an Wert. Also fördert jeder ausgegebene Rheingold den regionalen Wirtschaftskreislauf…
Rheingold hab ich quasi von Geburt an mitbekommen – gerade rund um meinen Praxis-Standort sehr beliebt. Bei Schmuckdesignern, Friseuren etc. – denn “der Mensch lebt für das Extra”(B.Brecht)-Business halt.
Rheingold und Tussidorf – passt ja.
(Soll “Rheingold” (Wagner, remember?!) vielleicht darüber hinwegtäuschen, daß wir die schlechteste Oper mit dem inkompetentesten Intendanten Deutschlands haben, grade für Irrsinnsgeld das Haus renoviert ?!…Oder OB Erwins filzokratische Bauruinen gegenfinanzieren?!)
Die Idee eines “green-dollar-systems”, also Tauschgeschäfte, find ich grundsätzlich gut. Meine Freundin Alraune lebt in Neuseeland ganz hervorragend damit in ihrem valley: da gibts Punkte gegen/für Punkte…
Und ich unterstütze die Schenkerbewegung. Eben deswegen.
Bloß ich als kaum oder gar non-consumerin der favorisierten Produktgruppen hätte nix von der Rheingold-Aktion.
Wüßte nicht, wo ich das Rheingold ausgeben sollte…
Meine Lebensmittelhändler machen da nämlich nicht mit.
Und die vorgenannten “Extras” kann ich mir eh nicht leisten.
Und wills auch nicht.
Rheingold - denkt mal an die Nibelungen-Saga.. (VOR Wagner
) – nee – als bloße Marketing Idee zu dünn. Wird dem Nibelungenschatz nicht gerecht…
Tja das wäre natürlich schöner, wenn man Rheingold beim Tante Emma Laden um die Ecke ausgeben könnte. Das geht bisher zugegebenermaßen noch sehr eingeschränkt.
Ursprünglich kommt der Rheingold aus der künstlerischen Ecke, deshalb stellen Künstler auch immer noch einen großen Teil der bisherigen Rheingolder.
An Anbietern von Gütern des täglichen Bedarfs sind jetzt z.B. schon ein Bäcker (mit vier Filialen), ein Gemüsehändler und ein Friseur mit im Boot. Aber wenn sich die Idee weiter ausbreitet, werden hier sicher noch einige dazu kommen…
Lieber Wolfgang,
unser Geld wird immer weniger Wert. Damit wird u.a. Macht ausgeuebt. Z.B. der Stundenloehner aus 1967 konnte sich fuer 10 Dollar ein Ticket eines grossen Sportereignisses kaufen. Ich bleibe bewusst bei dieser Waehrung. Das gleiche Sportereignis kostete 1999 ueber 400 Dollar und inzwischen 650 Dollar. Die Kaufkraft unseres Euro hat sich seit seiner Einfuehrung mehr als halbiert ohne das dies bewisst wahrgenommen wird.
Natuerlich ist der Rheingold noch ein Spiel, bei dem ich uebrigens auch gerne mitmache. Zwei Askpekte die fuer den Innovativclub beachtenswert sind:
1. Auf den Scheinen kann Werbung gemacht werden. Damit wird also auch noch ein konkreter Werbenutzen abgebildet. Ausserdem ist es gar nicht notwendig, ihn faelschungssicher zu machen, denn es besteht keine Notwendigkeit der Verknappung. Jeder, der ihn akzeptiert, bekommt ihn, reduziert um die sogenannte Seignorage, ausgegeben. Uebrigens kann er auch ueber mich bestellt werden.
2. Hinter dem Rheingold steht immer eine konkrete Person, die ihn verausgabt! Es sind derzeit Verhandlungen mit der Familie Henkel und Beuys bezueglich der Gestaltung. Stellt Euch mal vor, der Firmengruender von Henkel wuerde auf dem 100 Rheingoldschein zu sehen sein. Dann bekommt das Projekt sofort eine ganz andere Breitenwirkung.
Lieber Bernhard,
dein Eingangs-Statement, “unser Geld wird immer weniger Wert”, stimmt glücklicherweise nicht. Dein Einzelbeispiel mit dem großen Sportereignis mag stimmen. Das liegt aber daran: Immer mehr Menschen können sich solche teuren Karten leisten. Daher steigen die Preise. Es geht uns also nicht schlechter, sondern besser.
So jammern viele Menschen, dass “früher” der Liter Benzin nur 60 Pfennig gekostet und dass man da heute 1,35 Euro für bezahlen muss. Also umgerechnet mehr als das Vierfache. Dabei wird leider vergessen, dass die Einkommen in der gleichen Zeit noch stärker angestiegen sind. Es macht also keinen Sinn, die reine Kaufkraft zu betrachten, sondern man muss die Lohnkaufkraft betrachten. Ein paar kleine Beispiele, die ich hier herhabe:
Vor dreissig Jahren haben die Menschen Jahre gespart, um sich einen Farbfernseher zu kaufen, heute nimmt man den bei Aldi mal eben so mit. Größer und moderner natürlich. Mein erster PC mit Festplatte (5MB !) sollte 14.000 DM kosten. Als Entwickler bekam ich einen äußerst großzügigen Rabatt, so dass ich “nur” 7.000 DM bezahlen brauchte. Heute sind die PCs 1000 mal schneller, die Festplatte hat die 10.000fache Kapazität und das Ding kostet nur noch 1/10 davon. In der Unterhaltungselektronik kannst du nehmen, was du willst. Alles ist in den letzten Jahren dramatisch billiger geworden!
Geld wird immer weniger wert?
@Horbach
Aber natürlich stimmt es, daß Geld immer weniger wert wird. Das bestätigt im übrigen jeder Fachmann und die Herren von Bundesbank, EZB und FED.
Die D-Mark von 1950 hatte am Ende lediglich die Kaufkraft von 20 Pfennigen oder weniger.
Über die Produktivitätsfortschritte wird es allerdings manchmal nicht bemerkt.
Die Produktivitätsfortschritte erreichen aufgrund des fehlerhaften alten Geldsystems in erster Linie die wenigen Geldhalter mit ihren gigantischen Vermögen. In seltenen konjunkturellen Schönwetterphasen auch schon mal die Leistenden in Form von höheren Löhnen oder sinkenden Preisen für ausgesuchte Produkte.
Lediglich in deflationären Phasen, die immer dem Menschen große Not gebracht haben, steigt die Kaufkraft des Geldes.
Zur Zeit erleben wir noch Stagflation. Monopolpreise (Energie z.B.) steigen während in gesättigten Märkten (Haushaltsgeräte) heftige Preiskämpfe toben. Letzteres muß passieren, weil bei steigenden Monopolpreisen bei gleichzeitig sinkenden Löhnen die verbleibende Kaufkraft nicht reicht, um die Waren vom Markt zu räumen.
@ Horbach
Natürlich hat es einen Vorteil, daß Sie bei Ihrem Jahresurlaub Ihr Urlaubsbudget von 4.000 D-Mark nicht mehr in 4.400 holländische Gulden umrechnen müssen. Das ist ja eigentlich eine unzumutbare gedankliche Anstrengung, der sie jetzt enthoben sind.
Noch bequemer hätten Sie es, wenn Sie sich einen Chip implantieren ließen, auf dem Ihr Guthaben abgespeichert ist. Kein lästiges Geldeinstecken mehr, kein Verlustrisiko von Bargeld.
@ Sammelleidenschaft:
Das mit der Umrechnung von DM in Gulden habe ich schon ganz gut hingekriegt. Ich habe auch normalerweise keine Probleme mit gedanklichen Anstrengungen. Nur: Mein Heimatort liegt direkt an der holländischen Grenze. Da ich sehr oft in Holland war, fand ich es einfach lästig, fast immer zwei Geldbörsen mit mir zu führen.
Der reine Kaufkraftvergleich macht wenig Sinn über einen Zeitraum von Jahrzehnten. Es kommt darauf an, wie lange ich arbeiten muss, um mir ein bestimmtes Gut oder eine bestimmte Dienstleistung kaufen zu können. Und da ist im Laufe der Zeit sehr Vieles mit immer weniger Aufwand erhältlich.
Zu den Monopolpreisen: Das ist doch klar, dass bei Monopolen die Preise höher sind als bei fairem Wettbewerb.
Für mich ist sind die Vorteile des Regionalgeldes noch nicht sichtbar. Es kommt mir eher vor, wie das alte Münzrecht, wo jeder Provinzfürst danach strebte, sein Konterfei prägen zu lassen. Was wird in Düsseldorf besser/anders, wenn viele mit Rheingold statt mit Euros bezahlen?
Herrlich. Sowas kenne ich ja sonst nur aus dem Königreich Bayern.
Nachdem die Bundesbank ja bereits gefallen ist, die Quellenangaben aber ausgeblieben sind, hier ein Link zu eben jener Deutschen Bundesbank und deren Seite zum Thema Euro und Preise: http://www.bundesbank.de/presse/presse_aktuell_europreise.php.
Woher weiß ich übrigens, wer “mein” Rheingold, das ich letzte Woche für ein saftiges Steak ausgegeben habe, gerade hat? Und: Sind alle Düsseldorfer Freunde?
*LOL – Pruuuuuuuuuust*, Alex….
Nabend zusammen,
schön ! Das Thema scheint die Gemüter hier ja doch ziemlich zu bewegen – Das freut mich, auch wenn wir noch nicht wirklich Einigkeit über Sinn und Unsinn von Rheingold erzielen konnten…
Und vielleicht kommt der eine oder die andere ja morgen Abend ja noch ins SAS, um die ganze Geschichte mal live zu erleben.
Wünsche allgemein einen schönen Abend und einen erfolgreichen Wochenstart !
Michael Otterbein
@ Alexander Greisle
“Woher weiß ich übrigens, wer “mein†Rheingold, das ich letzte Woche für ein saftiges Steak ausgegeben habe, gerade hat?”
Anders als bei den Organisatoren der Kreditkarten, Rabattkärtchen, EC-Karte usw. usf, die sowohl privaten Unternehmen als auch beliebigen Geheimdiensten (mind. BND und CIA) und uns unbekannten staatlichen Stellen das gesamte Kaufverhalten der Nutzer offenlegen (müssen), ist den Rheingoldern die Privatsphäre wichtig.
Wir nehmen den Datenschutz und das informationelle Selbstbestimmungsrecht des mündigen Bürgers ernst.
Deswegen wird der Aufenthaltsort der Scheine und wer es wie verwendet hat, nicht festgehalten. Auch das unterscheidet uns vom alten Euro, der mittlerweile testweise zum Teil mit RFID Chips ausgestattet wird.
@ Wolfgang Horbach
“Was wird in Düsseldorf besser/anders, wenn viele mit Rheingold statt mit Euros bezahlen?”
Die Frage ist falsch gestellt. Denn Rheingold ist kein alternatives, sondern ein additives Tauschmittel.
Daraus ergibt sich eine angenehme Arbeitsteilung:
Mit Euro zahlt man Gebührenbescheide, Knöllchen, den Gerichtsvollzieher, die Mülltonnen usw.
Rheingold verwandelt man in einen Strauß Blumen, in ein spannendes Buch, leckeres Obst, einen Theaterbesuch, oder in Spaghetti mit frischgehobelten Trüffeln beim Candlelight-Dinner.
Möge jeder selber entscheiden, was für Düsseldorf und einen selber schöner ist.
@sammelleidenschaft: Dachte ich mir doch, dass da persönliche Betroffenheit im Spiel ist (wenn Sie jetzt noch einen Namen hätten…).
Wenn Sie meine Beiträge hier gelesen haben oder lesen, dann kennen Sie meine Einstellung zum Thema informationelle Selbstbestimmung. Ich hoffe doch sehr, dass Sie keinerlei Tracking betreiben. Meine Aussage war auf den Satz “Der Euro zirkuliert bei Millionen von Menschen und Sie können überhaupt nicht wissen, wer zukünftig für welchen Zweck ‘Ihren’ Euro ausgibt.” im Originalbeitrag bezogen.
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