Müssen wir nicht bei den Wertschöpfungsketten umdenken?
Ich bin immer wieder aufs neue fasziniert davon, wie unkritisch auch ich mich gemeinsam mit vielen Mitmenschen der Globalisierungsdiskussion anpasse, ohne darüber nachzudenken, warum Strukturen heute so sind, wie man sie uns “vorzugaukeln” versucht.
1. Beispiel, die vermeintlichen “Luxusgüter” auf den “Luxusmeilen” dieser Republik. Auch die namhaften Marken produzieren ja mittlerweile in Fernost. Spannend fand ich ein Unternehmergespräch mit dem geschäftsführenden Gesellschafter eines bekannten deutschen Luxuslabels, der von seinem fairen Umgang mit seinen Mitarbeitern in Vietnam berichtete. Monatslohn 150 €, das sei deutlich mehr als dort üblich, man stelle Hemden her (die kosten dann auf der Kö in Düsseldorf 150 €), das Hemd sei deshalb so wertig, weil man im Vergleich zur Konkurrenz 100 Minuten pro Hemd “brauche” (die Konkurrenz 50). Nun beherrsche ich so gerade noch den Dreisatz und muss zu dem Schluß kommen, dass dieses Hemd einen Produktionswert von ca. 2 € besitzt. Die hohen Personalkosten beim Hemdennähen waren allerdings in den vergangenen Jahren die Begründung für die massiven Stellenverlagerungen aus Deutschland in den Osten, etc. Mir ist in den vergangenen Jahren allerdings klar geworden, wo der Rest der vermeintlichen  Wertschöpfung “versickert”. Gezahlt werden damit die Manipulanten, die Dienstleister, die Mieten von bis zu 330 €/Monat/qm netto bspw. auf der Maximilianstrasse in München (in London ist es ja eh noch teurer), die dann Zuschagskalkulationen von 150/180 % und mehr “erfordern”.
2. Beispiel, die Pauschalkalkulation bspw. auf Getränke in der Gastronomie. Hier scheint ja das 4-fache des Einkaufspreises üblich zu sein, sprich der Dumme ist derjenige, der gerne einmal eine höherwertige (weil evtl. knappere oder aufwändiger zu produzierende) Flasche Wein trinken möchte. Mich würde es freuen, wenn ich zukünftig mehr die Idee des “bring your own bottle” (mit der Zahlung eines soliden Korkgeldes) in der Gastronomie finden würde – ich trinke dann gerne mit guten Freunden auch einmal eine zweite Flasche. Denn dass ein nettes Ambiente und ein freundlicher Service an einem guten Ort ihren Preis haben, das finde ich völlig selbstverständlich.
By the way. Einladen und hinweisen möchte ich Sie zum “Tag der Nachhaltigkeit” und der “guten Dinge” am kommenden Mittwoch (27. Juni 2007) auf die Kokerei Zollverein in Essen. Die Die Zunft AG, deren Beirat ich vorsitze, ist an diesem Tag mit ihrem Projekt Zunftviertel Zollverein eine der “365 Orte im Land der Ideen”. Zeit für ein persönliches Gespräch und viele spannende “Netzwerker” ist dort zwischen 14.00 und 20.00 Uhr sicherlich vorhanden. Weitere Informationen unter http://www.die-zunft.de/news.hei oder http://www.zunftwissen.org .
Herzlichen Gruß Ihr Christoph Hinderfeld
Das könnte Sie auch interessieren:








Danke, Herr Hinderfeld – ich bin sicher, Ihr ad 1) zum Nachdenken und ad 2) weitere Beispiele suchen, anregende Artikel löst bei möglichst vielen Lesern dieses Blog innovative Prozesse aus!
Werde auf jeden Fall versuchen, am 27. in Essen zu sein!
Das Thema “Nachhaltigkeit” liegt in diesem Blog hier nicht nur den überzeugten LOHAS-lern Wolfgang Horbach, Detlef Müller, Elita Wiegand und mir am Herzen – und deswegen freu ich mich schon, möglichst viele innovativ-in BC-ler und auch andere engagierte Netzwerker in Essen zu sehen!
Mit ihrer Forderung, inbesondere bei Flaschenweinen von der Aufschlagskalkulation zu einer deckungsbeitragsbezogenen Preiskalkulation zu wechseln, laufen Sie offene Türen ein – zumindest bei dem aufgeschlosseneren Teil der Gastronomie.
Aber Sie haben auch insoweit recht, als alternativen Kalkulationsverfahren wie Prozesskostenrechnung und Zielkostenrechnung in Lehrbüchern und Berufsschulen immer noch zu wenig Bedeutung eingeräumt wird.
Siehe dazu auch:
“Aufschlagskalkulation in der Gastronomie”
Ja, Herr Hinderfeld, Sie haben völlig Recht. Die Kosten werden in unserer Volkswirtschaft und auch Betriebswirtschaft oft völlig falsch zugeordnet (allokiert). Wie kommte es denn, dass ich im Supermarkt den Wein aus Südafrika, aus Chile und aus Kalifornien erheblich billiger bekomme als den Wein von der Ahr oder aus der Pfalz?
In der Gastronomie schlägt man dann gerne mit massiven Aufschlägen da drauf, wo es eigentlich sehr billig sein müsste. Ich war neulich mit einem Freund in einem Jazzpub in Köln. Da kostete das Glas Wasser (0,2l) 4 Euro. Macht für einen Kubikmeter Quellwasser aus der Eifel 20.000 Euro! Die Förderkosten betragen wahrscheinlich noch nicht mal einen einzigen Euro pro m³. Der Rest ist nur Abfüllen in Flaschen und transportieren. Ein gigantischer Gewinn!
Auf der anderen Seite werden dann Güter um den halben Globus geflogen und jede Menge CO2 emittiert. Das Kerosin dazu ist subventioniert. Die Kosten bezahlen wir alle mit gewaltigen Umweltschäden.
Durch eine richtige Kostenallokation und durch Ökobilanzen müssten die Güter, die von weit kommen und umweltschädlich sind, teurer werden und lokal erzeugte Güter entsprechend billiger. Vielleicht brauchen wir eine andere Art von Steuer, um hier regulierend einzugreifen.
Lieber Herr Horbach,
Ihr Vergleich mit dem Quellwasser ist prima. Lustig und deutlich. Auch die Frage, warum beispielsweise der Wein aus Chile preiswerter ist als aus Deutschland ist etwas, das immer wieder einmal eine Überlegung wert ist. Ich stimme Ihnen zu, dass wir eine Art von Steuer bräuchten, die “Merkwürdigkeiten” wie diese regulieren. Die Rahmenbedingungen sind für eine gute Ökobilanz nicht immer nachvollziehbar. Seit ich mich vor zwei Jahren beruflich sehr intensiv damit beschäftigt habe, kauf ich mehr denn je “regional und saisonal”. Das geht nicht immer und soll es auch nicht. Bei Obst klappt das prima und schmeckt besser, weil das Obst unter der Sonne an den Bäumen reifen durfte und nicht unreif in der Kiste. Und das Bio-Obst ist unwesentlich teurer, wenn es regional und saisonal gekauft wird.
Ihre Meinung!
Kategorien
Blogroll
Business-Club
Partner Blogs
Meta
Schlagwörter
Meistkommentiert
Letzte Artiel