Da geht noch was
“Da geht noch was.”
Mit diesem Zitat von Bert Brecht beginnt das Editorial von Brandeins Wissen über Innovation. Ein weiterer Ansatz, die unendlichen Weiten, Tiefen und Himmel und Höllen dessen zu erkunden, was meiner Meinung nur unzureichend mit Innovation ausgedrückt wird.
Editorial:
“Haben Sie sich auch schon über das Eigenleben eines Einkaufswagens geärgert? Weil das Ding blockiert und partout nicht die Richtung nimmt, die Ihnen vorschwebt? Dann sind Sie in bester Gesellschaft: Der Trolley im Supermarkt gehört zu den Ärgernissen schlechthin. In fünf von acht europäischen Ländern haben ihn die Verbraucher auf Platz eins ihrer Frustrationen im Alltag gesetzt, gefolgt von abstürzenden Computern, Mülleimern mit Schwingdeckel, mangelhaftem Handyempfang oder unprogrammierbaren Videorekordern. Das Ärger-Ranking ist das Ergebnis einer Umfrage, die der Hausgerätehersteller Dyson über eigens eingerichtete «MyFrustrations”-Websites gestartet hatte. Ihn interessierten die Anlässe für täglichen Kundenfrust, um daraus Anregungen für Verbesserungen zu ziehen.
Rund 15 000 Verbraucher haben votiert – und ein schönes Beispiel dafür geliefert, wie Innovation beginnen kann. Am Anfang steht die Idee. Sie kann von überall kommen, vom zufriedenen oder vom frustrierten Kunden, vom Wettbewerber oder aus der fremden Industrie, aus dem In- oder Ausland, aus Praxis oder Theorie. Üblicherweise stammt sie aus der Forschungsabteilung im eigenen Haus. Oder auch nicht. Genau das ist das Problem.
Wenn es um Innovationen geht (oder besser: um ihr Ausbleiben), stehen sich die meisten Unternehmen selbst im Weg. Es beginnt bei der Definition. Als innovativ gilt hier zu Lande in der Regel das bahnbrechend Neue, die revolutionäre Produktidee, ganz egal, ob sie jemand brauchen kann oder nicht. Dabei wären der optimierte Produktionsprozess, das bestehende Produkt, das besser und einfacher wird, oder der intelligente Service auch eine Idee – manchmal sogar die originellere.
Das missliche Grundverständnis zieht eine Kette von Überzeugungen und Verhaltensweisen nach sich, die auf den Erfolgen der Vergangenheit basieren und die, weil sie keiner mehr auf ihren Sinn überprüft, das Neue nicht fördern, sondern blockieren. Es sind jene ungeschriebenen Gesetze, die bestimmen, wie ein Unternehmen denkt, forscht, entwickelt, vermarktet und verkauft. Glaubenssätze, die McKinsey & Company Orthodoxien nennt. Dass Innovationen die Domäne der eigenen Forscher und Entwickler sind, gehört genauso dazu wie die Fantasie der perfekten Planung oder der Irrtum, die neueste Technologie sei die Krönung der Innovationsdiziplin (Seite 8).
Wie also entsteht Innovation? Wie kommt das Neue in die Welt?, haben wir uns gefragt – und nur eine schlüssige Antwort darauf gefunden: Management kann die Innovationsleistung eines Unternehmens nachhaltig verbessern, aber den einen, den richtigen Weg von der Idee zum Produkt gibt es nicht. Wer seine Kunden überraschen und begeistern will, braucht Neugier und Erfahrung, Instinkt und Expertise, einen wachen Blick nach draußen und drinnen, die Bereitschaft, sich selbst und seine Erfolge infrage zu stellen. Und eine Unternehmenskultur, die all das erst möglich werden lässt.
Innovation ist das Ergebnis von Wissen mal Kreativität mal Ausdauer. Das klingt vage? Es klingt danach, was es ist: viel Arbeit und ein nur begrenzt planbarer Prozess. Das Neue ist nun mal nicht auf Knopfdruck zu haben, intelligente Ideen lassen sich weder mit Geld noch mit guten Worten befördern. Wer die Innovationskraft seines Unternehmens dauerhaft stärken will, muss lernen, mit Unsicherheit umzugehen und an vielen kleinen Rädchen gleichzeitig zu drehen.
Für alle, die nicht wissen, wo sie anfangen sollen, hat der Management-Autor Reinhard K. Sprenger einen gewohnt bissigen, aber guten Rat (Seite 68). In den allermeisten Fällen, meint er, sei schon das Unternehmen mächtig innovativ, das nicht systematisch alles verhindert, was Neues schafft. ”
Möchte noch folgende Seiten vorstellen, die die Arbeit und den Ansatz von Otto Scharmer vorstellen. Habe mich mit Otto Scharmer 2004 in Berlin getroffen und drei excellente, unterhaltsame und aufregende Stunden mit ihm verbracht. Ja, ich gestehe, gemeinsam haben wir auch 5 Marlboro Light geraucht….)
Ich finde diesen Ansatz höchst bedeutsam, da es auch um soziale Innovation, Bewußtheit, kollektive Intelligenz und Aufmerksamkeit, Learning communities und Organizations, sowie die Synergien zwischen Universität, Wirtschaft und Kultur geht.
Für mich persönlich ein spannendes Forum sind die jährlichen TED -Technology, Entertainment, Design -Konferenzen, die in Kalifornien stattfinden.
Über 100 Talks sind dort aufgezeichnet und können einfach down geloaded werden:):)
Excellent, unterhaltsam, provokativ und sicher bereichernd für teutonischen Rationalismus….)und öde Risiko-Vermeidung.
Albert Klamt
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Wer nicht bis Kalifornien reisen und trotzdem viele innovative und kreative Menschen treffen moechte, kommt vom 14.-17. Oktober 2007 nach Kopenhagen (siehe auch http://www.eccix.org) zur Konferenz der ‘European Association for Creativity and Innovation’.
Kopenhagen scheint überhaupt ein kreatives Nest zu sein:
http://www.reboot.dk
“reboot is a community event for the practical visionaries who are at the intersection of digital technology and change all around us…
2 days a year. 500 people. A journey into the interconnectedness of creation, participation, values, openness, decentralization, collaboration, complexity, technology, p2p, humanities, connectedness and many more areas.”
Die europäischen Epicenter für Kreativität und Innovation sind natürlich auch im Land der Dichter und Denker zu finden. Sogar geballte Lebensfreude und freudige Wir-Gefühle wie 2006 während der FIFA 2006 werden von ausländichen BEobachtern gemeldet und wahrgenommen.
Sobald Innovativ In geballte Zukunftskompetenz, Excellenz und globale Innovationsfeuerwerke einmal exportieren wird, haben auch die Amis was zum staunen und lernen:):)
Puh, ein sehr umfangreicher Blog-Beitrag!
Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Da steckt so viel drin: Innovationsblockaden, internationale Konferenzen, Innovationsverhalten in Deutschland, … Alleine die Theorie U von Otto Scharmer könnte uns eine Weile beschäftigen.
Können wir das in kleinere Teile aufteilen?
Hallo Herr Horbach,
kleine Happen sind sicher besser verdaulich. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,492375,00.html
Vielleicht gehts aber auch endlich mal wieder um einen grossen Wurf.Zumindest im Denken und in der Perspektive.
Zunächst freue ich mich, soviele Aktivisten aus NRW hier anzutreffen, meinem Geburtsland. Komme aus Recklinghausen und habe in Essen auf dem Ruhr-Kolleg über ZbW mein Abitur gemacht, bevor es mich nach Berlin verschlug.
Möchte auf einen interessanten Kontrast hinweisen, den ich heute bei der SPIEGEL Lektüre bemerkte.
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,492375,00.html
Links der Atikel über Altkanzler Helmut Schmidt und die mediale Sommer Konjunktur bei den 80 Jährigen. Rechts von Matthias Matussek (Geburtsort Duisburg) eine Video- Elogie auf Peter Sloterdijk, der gerade 60 wurde.
An Matussek schätze ich seine Polemik und kraftvollen Bilder. Sloterdijk war als Übergangsphilosoph zum 21.en Jahrhundert eine wichtige Figur für mich.
Es klafft ein intellektuelles Vakuum, was auch dem Magazin CICERO schon auffiel.
Inovationsblockaden aller Art liegen hierzulande für mich weniger in Regularien und organisatorischen Trägheiten, als in einem visionären schwarzen Loch.
Nach dem Schiffbruch in der Nazizeit mit “grossen Visionen” sicher ein Trauma, das nun endgültig vom Tisch muss.
Mein Lieblingszitat vom obersten deutschen Gestaltwahrnehmer aller Zeiten:
“Was immer du tun kannst, oder wovon du dir erträumst, es zu können, beginn es. Die Kühnheit besitzt Genie, sie besitzt Macht und Zauberkraft.”
Hallo Herr Klamt,
alles Zufall? Obwohl ich kaum TV sehe, hatte ich vorhin die Helmut-Schmidt-Sendung auf meine heutige Agenda gesetzt. Matusseks Kulturtipps genieße ich und Sloterdijk ist mein Lieblings-Philosoph.
Das mit dem visionären schwarzen Loch kann ich nur dick und fett unterstreichen. Leider. Ich hatte ja neulich in meinem Interview mit Prof. Pinkwart vorgeschlagen, große Ziele zu setzen und dabei Kennedy’s Vision mit der Mondlandung der Amerikaner als Beispiel genannt. Pinkwart meint, es wäre ein ehrgeiziges Ziel, NRW bis 2015 zum Innovationsland Nummer 1 in Deutschland zu machen. Ich halte das für eine ziemlich schwache Vision. Das macht nicht an. Da entwickeln sich keine Bilder. Und als Bundesrepublik haben wir überhaupt keine Vision (übrigens: Helmut Schmidt, den ich sonst sehr schätze, meinte, wer Visionen habe, sollte zum Arzt gehen).
Was können wir tun?
Hallo Herr Horbach,
völlig d`accord mit ihnen! Einen Traum -wie Kennedy es mit der Mondlandung machte -oder wie die THINK DIFFERENT Kampagne von Apple seinerzeit -auszudrücken, der auch kollektiv( Jesus Maria, das hört sich auf Deutsch immer noch gefährlich an.):)zu fühlen, ist eine wichtige Aufgabe.
Im letzten Jahr gab es eine Europa Konferenz (in Vorbereitung auf die EU Präsidentschaft Deutschlands) in Berlin, Filmemacher Win Wenders sehr richtig anmerkte, daß Europa derzeit einfach nicht gefühlt wird. Keine emotionale Kommunikation. Hier ein Blogpost von mir dazu:
http://voyager.zaadz.com/blog/2006/12/a_soul_for_europe
Was können wir tun?
Es gibt hierzuland viel Abschottung und Grabenmentalität. Stammesdenken und Ideologie. Mit absolutem Respekt vor verschiedenen Ausgangspunkten, Mut zu unkonventionellem Handeln, Leidenschaft auch für verrückte Ansätze jeder Art, Blick auf verschiedene Kulturen und Dynamiken weltweit und persönlicher Risikobereitschaft, Lust auf ganz weite und tiefe Vernetzungen, und ohne die entsetzliche Angst anzuecken oder nicht everybody`s darling sein zu müssen. Wie der von mir sehr geschätzte Reinhard Sprenger ebenfalls bemerkte.
Im Gespräch mit Otto Scharmer , das ich 2004 führte, war genau das so beglückend für mich. Völlige gegenseitige Akzeptanz. Und ein tiefes Zuhören, tiefer als Empathie ist, was die stärksten und schöpferischsten persönlichen Impulse sind.
Die Tiefenstruktur der Aufmerksamkeit selber. Egal ob es die persönliche oder kollektive ist. Entdecke die Möglichkeiten!
Habe Elita vorgeschlagen, ein Interview mit Otto zu machen. Er ist derzeit auf Workshop Tour durch Europa, Asien, Afrika und wird sich sicher freuen, Innovationsleidenschaft im deutschen Sprachraum anzufachen.
Beste Grüße, noch aus Berlin,
Albert Klamt
Die Impulse großer Geister wie Goehte, Kant oder Nietzsche sind eine hohe Messlatte. Sie können inspirieren. So sehr auch ich angetan bin von der Wucht der Worte, die wie in dem Beispiel von Kühnheit und Genie anregen und Mut geben, so weiss ich doch auch, dass der hoch geschätzte Geheimrat selbst vor allem im Denken und Schreiben ein Visionär war und weniger im Tun, was sein Werk als solches zwar in keiner Weise schmälert, so doch den großen Handlungsimpuls relativiert. Daher begrüße ich die zahlreichen kleinen und großen Initiativen, die es in Deutschland gibt, die in diese Richtung zielen und einfach noch mehr Menschen bräuchten, die anpacken, anpacken…
Ich sehe viel Potenzial in diesen vielen kleinen Aktions-Inseln, die Bewußtheit und Bereitschaft fördern, das Gute, das Wahre und das Schöne zu entdecken. Sie sind mir mindestens genauso lieb wie “Große Visionen”.
Hallo Frau Raiser,
mit grossen Visionen meine ich nix, was mit Elfenbeintürmen, bildungsbürgelichem Dünkel oder abehobenem Denken zu tun hat.
Goethe war auch Tatmentsch für mich. Er ist immer wieder neu aufgebrochen. War sportlich, kannte innere und äussere Kämpfe. Schon Thonmas Mann wies darauf hin, wie wenig der von Deutschlehrern und Kultur-Buchhaltern gekämmte und gebürstete Begriff “Olympier” auf ihn zurifft. Er konnte fluchen wie ein Bierkutscher und sah frühzeitig die Stärke der neuen amerikanischen Gesellschaft. Er hatte keine Angst vor Widersprüchen und war einfach er selbst. Zu einer Zeit, wo geselschaftliche Erwartungen noch wie Zwangskorsette jede Selbst-Verwirklichung einschnürten.
Auch ich freue mich über die grosse Vielfalt vieler Aktionen und Initiativen. Egal, mit welchen Ausgangspunkten. Ein anderer, etwas Verrückterer Deutscher, Nietzsche, sagte:
“Grosse Veränderungen kommen auf Taubenfüssen.”
Perspektiven finde ich dabei enorm wichtig. Machen, tun…alle sind irgendwie damit beschäftigt. Schon in der Reanissance zeigte sich, grosse Durchbrüche passieren, wenn neue Perspektiven erlebbar werden. Subcutan gefühlt. Aufregen, anregen, aufwühlen, anmachen, provozieren und als Abenteuer empfunden werden. Auf Tausende Art und Weise….
Ein anderer grosser Deutscher, Alexander von Humbold, war anders ein Action Typ als Goethe.. Eine tolle Bescheibung von ihm lieferte Spiegel Redakteur Matussek 20o4. Er und Goethe verstanden sich gut. Kontraste beleben. oder?
Sönke Wortmann verfilmte “Deutscvhland -ein Sommermärchen”
Die interessanten Zitate von Jürgen Klinsmann in der Kabine erregten Misfallen bei Ex Kultus Minister Naumann. Auf einem Podium meinte er sinngemäss:
“Hätte ich gewußt, daß der so redet, hätte ich den Film nicht angeschaut.”
Werter Ex Kultus-Minister: Beim Spitzensport geht es anders zu als auf gepflegten Akademien der evangelischen Kirche oder erbaulichen Begegnungsseminaren im Kulturbetrieb!
Und so halte ich umfangreiche Perspektiven und Horizonte, die möglichst viel, auch scheinbar widersprüchliches, unvereinbares zusammen bringen, für enorm wichtig.
Leidenschaft hat viele Gesichter:):)
Mfg
Albert Klamt
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