Glücksforschung: Wende im ökonomischen Denken
Stellen wir uns kurz den Dialog zwischen einem Vater und einem Sohn vor:
- Vater: “Lerne tüchtig!”.
Sohn: “Warum?” - V: Damit einen guten Schulabschluss machen kannst!
S: Wazu ist das gut? - V: Damit du einen guten Job bekommst und viel Geld verdienst!
S: Wozu ist das gut? - V: Damit du dir ein großes Auto kaufen und ein Haus bauen kannst!
S: Ein Haus ist sehr teuer und ich würde ein Leben lang dafür bezahlen. Ich würde lieber reisen. - V: Damit du frei leben kannst und eine gute Alterversorgung hast.
S: Ich will jetzt leben.
Der Vater denkt und redet so wie die meisten Ökononomen. Sie gehen davon aus, dass unser Denken und Handeln sich stets an der Nutzenmaximierung orientiert. Und darauf basiert unsere Wirtschaft.
Ein relativ junger Wissenschaftszweig – die Glücksforschung – zeigt aber seit einiger Zeit, dass in den modernen Volkswirtschaften zwar nach dem Zweiten Weltkrieg der Wohlstand enorm zugenommen hat, aber die Menschen nicht glücklicher geworden sind. Im Gegenteil: In den letzten Jahren gibt es leichte Rückgänge in der durchschnittlichen Zufriedenheit.
Mit anderen Worten: All die tollen Produkte tragen zu unserem Glück überhaupt nicht bei! Im Gegenteil: Der Anteil der Menschen, die nicht mehr mit ihrem Leben zurecht kommen, nimmt ständig zu: Depressionen sind die neue Volksseuche.
In der aktuellen Ausgabe der ZEIT (28/2007) gibt es zu dem Thema “Was braucht der Mensch zum Glück” mehrere Artikel. Im Wirtschaftsteil(!) geht es um “Schneller? Reicher? Glücklicher!“.
Dazu gibt es ein ausführliches Interview mit Prof. Bruno Frey von der Uni Zürich. Frey ist einer der Glücksforscher, die eine neue Form der Wirtschaft begründen: “Happiness Econonics“.
Im Feuilleton der ZEIT geht es dann noch um die gesellschaftlichen Aspekte: Was braucht der Mensch?
Ich plädiere ja schon seit einiger Zeit dafür, dass sich die Politik besser an der “Glücklichen Gesellschaft“, statt an der Erhöhung des Bruttosozialproduktes orientieren soll. Frey warnt aber davor, dass der Staat zu viel eingreift. Er traut der Glücksforschung eine endscheidene Rolle in der Ökonomie zu:
ZEIT: Hat die Glücksforschung das Zeug, eine echte Wende im ökonomischen Denken herbeizuführen?
Frey: Ja, der Effekt ist schon einigermaßen revolutionär. …
Frey findet es wichtig, dass wir alle darüber diskutieren und die Erkenntnisse der Glücksforschung in alle Gesellschaftsteile tragen. Auch in den Unternehmen kann eine Menge getan werden. Wie sagte schon Matthias Horx: “Wie steigern Sie den Unternehmenserfolg? Ein einfach: Machen Sie Ihre Kunden und Mitarbeiter glücklich!“.
Und wann starten Sie Ihr “Happiness Centered Business“?
Edit #1:
Brandaktuelle Ergänzung: Das Zukunftsinstitut hat eine neue Studie herausgebracht: “100 Top Trends – Die wichtigsten Driving-Forces für den kommenden Wandel“. Der Top-Trend Nr. 41 im Bereich “Ökonomie, Management, Business” heißt:
Happiness Economics: Glück wird zum Wachstumsfaktor.
Mehr dazu im GlücksNetz-Blog: Top-Trend: Glück wird zum Wirtschaftsfaktor.
Das könnte Sie auch interessieren:








1991 kreiste der Schriftsteller Peter Handke ja schon auf knapp 100 Seiten ein:
“Versuch über den geglückten Tag”
Sehr schöne Betrachtungen.
Bei mir löste vor einem Jahr die Atmosphäre der FIFA 2006 in Deutschland grosse Glücksgefühle aus. Unverkrampfte, fröhliche Wir-Gefühle.
Ja, auch deutsche Flagen und die deutsche Nationalhymne. Mindestens genauso stark wie seinerzeit der Fall der Mauer.
Und wird in den asiatischen und fernöstlichen und auch westlich mystischen Traditionen nicht auch von Ekstase, von Glückseligkeit und grenznlosem Fühlen gesprochen?
Ein positves Zeichen für mich, daß sogar in der ZEIT über Glück gesprochen werden kann.
Das Erscheinen von Vanity Fair in Deutschland macht mich auch glücklich. Lebenfreude und Lust auf ansteckende Energien:
All das im Land der Dichter und Denker…:):).Das ist doch geil:)
Genial!
Wie verhält sich “Glück” zu “Politik”? Soll Politik regulierend eingreifen, wie im verlinkten Artikel diskutiert, und wenn ja, was versteht Politik von Glück? Um nicht zu fragen: Was hält Politik für Glück?
Die Glücksforschung zeigt mit ihren Ergebnissen, dass Politik heute vielfach von den falschen Zielen ausgeht. Ein kleines Beispiel dazu: Um die Wirtschaft zu stärken, wird immer mehr Flexibilität von Mitarbeitern gefordert. Um die zu erreichen, gibt es prinzipiell drei Möglichkeiten:
a) Umziehen. Vielleicht sogar häufig. Das reisst die Menschen aus ihrer gewohnten Umgebung. Nicht gerade glücksfördernd.
b) Pendeln. Die Glücksforschung belegt, dass Pendeln zu den unbeliebtesten Tätigkeiten überhaupt gehört. Der Staat lockt stattdessen mit der Pendler-Pauschale.
c) Häufige und lange Abwesenheit von der Familie durch Dienstreisen. Das trägt nicht gerade zum Zusammenhalt der Familie bei.
Bei einer einseitigen Förderung der Wirtschaftsleistung ergeben sich eben eine Menge negativer Auswirkungen auf das Glück der Menschen. Wenn das Glück möglichst vieler berücksichtigt wird, ergibt sich daraus zwangsläufig eine andere Politik.
Ihre Meinung!
Kategorien
Blogroll
Business-Club
Partner Blogs
Meta
Schlagwörter
Meistkommentiert
Letzte Artiel