Das Mitmachweb und der Klimawandel
2007-07-24, von Rolf Kersten
Ich habe gerade massenhaft Deja-Vu Erlebnisse. Der Klimawandel. Energiesparen. Kohlendioxidemissionen. Al Gore bekommt den Oskar für “Eine unbequeme Wahrheit”. Da schaue ich doch mal ins Bücherregal und puste den Staub von “Wege zum Gleichgewicht” (Al Gore 1992) oder “Faktor Vier” (Ernst Ulrich von Weizsäcker et al. 1995). Da steht schon alles drin, was heute auch die Schlagzeilen beherrscht. Nichts Neues also? Die Geschichte wiederholt sich? Trotzdem ist irgend etwas anders heute. 1992 hat Al Gore von seinem Buch respektable, aber bescheidene 259,000 Kopien verkauft. 14 Jahre später hält sich “Eine unbequeme Wahrheit” seit einem Jahr auf der New York Times Bestsellerliste, der Film dazu lockt Millionen von Menschen in die Kinos.
Dass das Thema “Klimawandel” heute so viel mehr Menschen erreicht als vor 15 Jahren, hat auch mit dem Internet zu tun. Auf der Videoplattform YouTube wurde der (selbstironische) Comic-Clip “A Terrifying Message from Al Gore” bereits zwei Millionen mal angeschaut. Und nicht nur angeschaut, sondern kommentiert, bewertet und gegebenenfalls weiterempfohlen. Das Mitmachweb, welches nicht nur einer stetig wachsenden Anzahl von Menschen den Zugang zu wichtigen Informationen erleichtert, sondern auch die Diskussion darüber.
Aber zu welchem Preis? Welchen Beitrag zum Klimawandel trägt das Internet selbst bei? Die Tagline von Sun Microsystems ist schon seit jeher “Das Netzwerk ist der Computer”, unsere Vision (frei übersetzt aus unserem Corporate Responsibility Report) ist “Jedem auf der Welt die Möglichkeit zu geben, am Netzwerk teilhaben zu können”. Unsere Vision wird Wirklichkeit, keine Frage: Jedes Jahr werden 100 Millionen neue PCs und eine Milliarde neue Mobiltelefone verkauft. Allein in China sind bereits 500 Millionen Mobiltelefone mit dem Netzwerk verbunden, und täglich kommen 200.000 neue hinzu.
Jedoch: Das Netzwerk braucht Strom, Stromerzeugung verursacht Kohlendioxidemissionen, welche wiederum zum Klimawandel beitragen. Ende 2005 war das Internet in den USA schon für 2% des Stromverbrauchs verantwortlich, und von 2005 bis heute hat sich die Anzahl der Server im Internet noch einmal verdoppelt. Das klingt erschreckend nach der Legende vom Reiskorn und dem Schachspiel – doch zum Glück kann die technologische Weiterentwicklung bei Internet-Infrastruktur dämpfend wirken. “Faktor Vier” (=doppelte Leistung bei halbem Ressourcenverbrauch) ist möglich. Ein paar Zahlen und Gedankenspiele dazu folgen in den nächsten Tagen.
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Dienstag 24. Juli 2007 um 22:36
Auf den Punkt!
Lieber Rolf Kersten: Glückwunsch zu diesem sehr gut recherchierten und geschriebenen Beitrag !!! Fiebere der “Chef-Blog-Woche” mit Ihnen jetzt erst recht entgegen.
More coments soon to follow…
Herzliche Grüße vom Blog Doc
Dienstag 24. Juli 2007 um 23:17
So, und nun noch mal mit Bedacht ausgehend von dem Artikel hier im Blog, von meinem Doc Blog und auch dem Avalon Blog: besser, als Sie, lieber Rolf Kersten, es in Ihrem ersten “Chef-Blog” auf den Punkt gebracht haben geht´s nimmer…

Sissa ibn Dahir (Erfinder des Schachs) ist einer meiner favourites… und als Stromlieferanten -nicht nur für den Computer- bevorzuge ich Lichtblick.
Sind Sie für mich auch
Auf die Woche mit SUN und Ihnen !
Dienstag 24. Juli 2007 um 23:54
Wer hätte das gedacht: Auch die IT braucht Strom! Ich denke, es wird höchste Zeit, dass wir zu ganzheitlichen Betrachtungsweisen kommen. Isoliert kann man natürlich sagen, dass sich der Stromverbrauch durch IT in den letzten Jahren verdoppelt hat. In Wirklichkeit ist es wahrscheinlich so, dass IT in anderen Bereichen geholfen hat, jede Menge Energie einzusparen.
Wir fangen ja gerade erst an, darüber nachzudenken, wie wir die Systeme im Sinn von Energieeffizienz optimieren können. Und dazu brauchen wir fast überall IT. Wenn wir z.B. in jedem Haushalt eine Information hätten, wann es gerade günstig bzw. ungünstig wäre, Strom zu verbrauchen, dann könnten intelligente Haushaltsgeräte und Verteilnetze dafür sorgen, dass einige Kraftwerke eingespart werden können. Jetzt läuft die Waschmaschine, der Wäschetrockner oder Kühlschrank eben auch um 12 Uhr mittags. Dann, wenn besonders viel Strom gebraucht wird. Dazu müssen sehr unwirtschaftliche Kraftwerke (Spitzenlastkraftwerke) eingeschaltet werden. Die emittierten im Verhältnis zum produzieren Strom besonders viel CO2.
Intelligente Systeme könnten mit einfachen Informationen dafür sorgen, dass die o.g. Elektrogeräte zu einem anderen Zeitpunkt eingeschaltet werden. Dem Kühlgut macht es nichts, wenn der Kühlschrank erst 30 Minuten später anspringt und die Wäsche könnte auch nachts gewaschen und getrocknet werden. Damit käme es zu einer gleichmäßigeren Auslastung des Stromnetzes und zu weniger CO2-Emissionen.
Auf unseren Autobahnen sind viele Lkw immer noch leer unterwegs. Das IT-gestützte Mautsystem hat da sicherlich schon ein Verbesserung gebracht. Durch übergeordnete Logistiksysteme könnten die Leerfahrten weiter drastisch reduziert werden. In den Niederlanden wird so etwas schon gemacht.
Es gibt wahrscheinlich Tausende Beispiele, wie IT hier helfen kann, zu optimieren. Wir kennen es vom eigenen Arbeitsplatz: Der Desktop-PC braucht erheblich mehr Strom als das Notebook. Warum? Ganz einfach: beim Notebook sorgt man durch verschiedene Maßnahmen für einen möglichst geringen Stromverbrauch, um die Akkulaufzeit möglichst zu vergrößern. Beim Desktop-PC wäre das genau so möglich, nur interessiert es (noch) kaum jemanden. Wir müssen nur wollen! Und eventuell ein bisschen mehr investieren, um dann zu sparen.
Ich freue mich schon auf die tollen Berichte aus einem großen IT-Unternehmen!
Mittwoch 25. Juli 2007 um 09:11
Vielen Dank für Ihre ermunternden und netten Kommentare!
Frau Schons: Einer unserer Kunden (die Strato AG) hat bereits verkündet, seine nicht unerhebliche Strommenge von einem CO2-neutralen Stromanbieter beziehen zu wollen. Auch wir selbst überlegen gerade wo wir die bescheidenen 100 Kilowattstunden einkaufen, die wir zum nächtlichen Aufladen unseres EcoRider Velomobils brauchen, der gerade im Namen der Energieeffizienz durch Deutschland tourt. Lichtblick ist eine gute Idee.
Herr Horbach: Sie haben schon recht: An vielen Stellen hilft die IT ganz entscheidend, Ressourcen einzusparen. Die LKW-Maut ist auch ein gutes Beispiel für “Faktor Vier”. Große Teile der IT dafür laufen auf unseren Systemen. Der Betreiber benötigt aufgrund von massiven Optimierungen an der Software und der Betriebserfahrung heute deutlich weniger Server als bei Einführung des Systems mal hochgerechnet. Die nächste Generation Server verspricht (solange sich nicht die Last durch Einführung einer PKW-Maut oder ähnliches heftig erhöht
) weitere deutliche Einsparungen.
Aber bei ganzheitlicher Betrachtung geht es nicht nur um Server: Man sollte die ganzen elektronischen Gadgets nicht vergessen, die millionenfach bei uns allen in Betrieb sind. Hier gibt es eine erschreckende Studie aus England: The Ampere strikes back.
Mittwoch 25. Juli 2007 um 12:58
Hallo und vielen Dank für den Artikel,
gerade vor Kurzem sah ich mir erstmalig “Eine unbequeme Wahrheit” an, und ich muss mir an die eigene Nase fassen.
Leider kann ich die Datei “The Ampere strikes back” nicht öffnen (format error: not a PDF or corruptet). Liegt das an meinem Rechner oder an der Datei?
Mittwoch 25. Juli 2007 um 13:06
Link zu “The Ampere strikes back†ist korrigiert.
Mittwoch 25. Juli 2007 um 13:21
Vielen Dank, Herr Kersten, dass Sie dieses Thema wieder bewusst machen, man kann es nicht oft genug tun. Zu leicht gerät es im Alltag wieder in Vergessenheit. Vor einiger Zeit lief kein Gerät mehr bei mir standby, jetzt leuchtet die roten Punkte wieder…
Wobei ich mich natürlich auch immer wieder frage, ob diese individuellen Engagements wirklich etwas bringen – das würde es doch erst, wenn alle x Mio Bundesbürger ihre Geräte ausschalten würden! Oder vielmehr überhaupt keine Geräte mit dieser Möglichkeit mehr hergestellt würden.
Aber gerade dieses Denken bei Privatpersonen wie bei Unternehmen – was bringts wenn ich was tue, wenn die andern nichts tun – ist der größte Hemmschuh. Denn wenn sehr viele etwas tun, wird das auch die Gleichgültigen mitziehen.
Mittwoch 25. Juli 2007 um 14:26
@ Beate: Das ist immer das Problem: Jeder denkt, das bisschen CO2, welches ich produziere … und schon haben wir einen Klimawandel. Das eine Papierchen, was ich wegwerfe … und schon ist die ganze Stadt vermüllt.
Umgekehrt funktioniert es natürlich genau so: Wenn jeder Energiesparlampen anstatt Glühlampen einsetzt, können wir damit ganze Kraftwerke einsparen. Jeder hebt ein Papierchen auf und schon ist die ganze Stadt sauber.
Wie sagte schon Pearl S. Buck: “Wer die Welt verbessern will, kann gleich bei sich selbst anfangen.”
Mittwoch 25. Juli 2007 um 14:56
@Wolfgang Horbach:
Bezüglich Engergiesparlampen habe ich mich gerade vor 2 Wochen sehr geärgert. Denn es gibt inzwischen viele unterschiedliche Modelle für E27-Gewinde. Auf der Suche nach Energiesparlampen mit E14-Gewinde musste ich jedoch zunächst aufgeben – es gibt schlicht in den Geschäften kaum welche.
Inzwischen habe ich ein entsprechendes Geschäft gefunden – leider ist es der Bl*d-Markt
@Rolf Kersten:
Eigentlich Off-Topic, aber immerhin zweinullig und von Sun – habe mich über die Mitteilung von Jonathan Schwartz bzgl. Bekanntgabe Quartalsergebnisse gefreut: Truly Fair Disclosure
Mittwoch 25. Juli 2007 um 15:31
Strom kommt eben aus der Steckdose. Offen gestanden habe ich mir bis vor kurzem nicht so richtig darüber Gedanken gemacht, dass Server Unmengen von Strom verbrauchen. Aufgehorcht habe ich erstmals, als Spiegel online darüber berichtete, dass einmal googeln eine Stunde Licht entspricht. Aber was ist die Alternative? Bekomme schon fast ein schlechtes Gewissen, wenn ich bei Google suche und das tue ich jeden Tag sehr oft, also mehrfach schlechtes Gewissen.
@Rolf Kersten
Mich würde interessieren, seit wann sich Sun mit IT Green beschäftigt. Was konnte Sun bisher bewirken? Wie reagiert die IT-Branche insgesamt auf den Green Vorstoß? Steht die IT-Branche jetzt unter Handlungsdruck? Vielleicht bin ich zu voreilig und Sie berichten noch darüber
Dienstag 31. Juli 2007 um 16:06
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