1.000.000.000$ Stromrechnung – eine gute Nachricht für das Klima

2007-07-25, von Rolf Kersten

Das Internet braucht viel Strom – muß jetzt jeder ein schlechtes Gewissen haben, der bei Google auf “Suchen” klickt? Ganz und gar nicht. Google hat laut den Analysten von Gartner Stromkosten von einer Milliarde Dollar pro Jahr. Deswegen ist es bei Google schon lange Chefsache, unter der Einsatz der jeweils modernsten Technologie alle Dienstleistungen so effizient wie möglich bereitzustellen.

Ebenso Strato. Wer drei Millionen Domains hostet, für den ist wichtig, wieviel Strom jede einzelne Domain verbraucht. Strato hostet sein Shared Domains auf Stromspar- Internetservern von Sun und paßt seine Software so an, daß diese Server stets optimal ausgelastet sind.

Das Ergebnis: Eine “www.mein-wunschname.de” Domain braucht im Jahr eine Kilowattstunde Strom, weniger als ein Nachtlicht. Eine Google-Suche braucht etwa 4 Wattstunden und damit soviel wie das schon erwähnte Nachtlicht über acht Stunden.
Viel effizienter kann man Internet-Dienste nicht anbieten. Die großen Verbraucher findet man woanders: Wer immer sich einen eigenen Server im Internet mietet, verursacht einen Stromverbrauch von mindestens 3500 Kilowattstunden. Diese Server verbrauchen selbst im unbelasteten Zustand etwa 200 Watt. Plus Kühlaufwand, 8760 Stunden pro Jahr – voila – der 3500-fache Stromverbrauch einer Shared Domain! Solche Server werden ab 69 Euro im Monat angeboten. Die Hälfte dieser Gebühr sind bereits Stromkosten (gerechnet mit 10,9 Cent pro Kilowattstunde, dem Durchschnitts-Strompreis für Industriekunden 2006)!

Mehr Beispiele, Berechnungen und die Herleitung der Zahlen finden sich in meiner Keynote zur EBAY Entwicklerkonferenz dieses Jahr. Das ODF hier oder PDF hier zum Download.
Also: Bildet Fahrgemeinschaften! Man muß sich ja nicht gleich seine Server wie bei Google oder Strato Shared Hosting mit tausenden anderen Benutzern teilen, aber bis zu 64 virtuelle Server kann eine moderne Maschine locker bedienen. twitter.com, eines der am schnellsten wachsenden Internet-Startups der letzten Zeit, ist auf solchen virtuellen Servern großgeworden.

Was im Internet gilt, gilt auch für die Unternehmens-IT. Server in Unternehmen sind im Durchschnitt nur zu 10% ausgelastet. Viel Potential für Fahrgemeinschaften, denn Stromsparen bei Servern ist ein Dreiklang:

Bookmark and Share

16 Kommentare zu “1.000.000.000$ Stromrechnung – eine gute Nachricht für das Klima”

  1. Wolfgang Horbach sagt:

    Danke für die fundierten Zahlen. Ich habe mir doch gleich gedacht, dass die Spiegel-Angabe ““Einmal googlen entspricht einer Stunde Licht” etwas übertrieben ist.

    4 Wattstunden kommen mir aber immer noch viel vor. Wenn ich bedenke, dass ich den Dienst sehr häufig pro Tag benutze :oops: Da müsste sich durch völlig neue Technologien doch noch einiges sparen lassen. Bis daher mache ich meinen internen CO2-Ausgleich: Mein Auto habe ich zum letzten Male vor 8 Tagen benutzt. Mal sehen, vielleicht lasse ich zur CO2-Balance demnächst auf meiner Lieblingsinsel Bali meine Lieblingspflanze Bambus wachsen.

  2. Rolf Kersten sagt:

    Google macht ein großes Geheimnis um seine Infrastruktur. Die neuesten Angaben habe ich aus dieser Quelle. Zigtausende Standard x86-Server bilden ein “Google Cluster”. Damit hat eine Suche Ende 2005 sogar 8 Wattstunden gebraucht.
    Inzwischen gibt es Dual-Core und ganz neu Quad-Core x86 CPUs, die grob gerechnet bei gleichem Stromverbrauch das doppelte bzw. vierfache leisten. Also ist Google mit seinen allerneuesten Servern vielleicht runter auf 2 Wattstunden.
    Luis Barroso von Google hat in seinem im Artikel oben verlinkten Bericht übrigens eine innovative CPU beschrieben, die es so ähnlich seit Ende 2005 von Sun zu kaufen gibt, und die bei gleichem Stromverbrauch 32 Dinge gleichzeitig tun kann, in Kürze sogar 64. Strato setzt genau diese ein, Google meines Wissens nach (noch?) nicht.

  3. Doc Sarah Schons sagt:

    Lieber Rolf Kersten,
    die “Chefblog-Woche” mit Ihnen verspricht bereits am Tag 2 ein veritables highlight zu werden…

    Frage an alle hier: sollten wir die “once-monthly-boss-blog” Rubrik eröffnen und Rolf in die Pflicht nehmen?! ;-)
    I love to learn! How about you, dearest BC-members?

  4. Elita Wiegand sagt:

    Lieber Herr Kersten,
    ist mir gerade ein Stein vom Herzen geplumpst, dass ich mein schlechtes Gewissen bei der Googlesuche abschalten kann.

    Unkar bleibt, warum der Spiegel diese Zahlen veröffentlicht. Danke für die Richtigstellung. (Vielleicht sollte der Spiegel Sie demnächst fragen, bevor falsche Zahlen in die Welt getragen werden?)

    Mir gefällt sehr, dass Sie uns Hintergundinfos liefern und ich durch Ihre Beiträge Neues aus erster Hand erfahre. Danke, danke!

    @Sarah
    Ich vermute mal, dass Rolf Kersten bei Sun gefragt ist und vermutlich nicht die Zeit hat, bei uns einen Monat lang zu bloggen. Trotzdem schlage ich vor, dass Sie, Herr Kersten, den Zugang für das Blog behalten. Wenn Sie nach der Woche als Gastblogger Lust haben, freuen wir uns über weitere interessante Beiträge dieser Art.

  5. Doc Sarah Schons sagt:

    @ Alle: Nu, einen Monat zu Bloggen wollte ich Herrn Kersten ja auch nicht abverlangen – aber 1 mal im Monat als unbescheidene Anfrage – eben damit wir mehr wissen, als Spiegel online uns wissen lassen möchte… ;-)

    @ Rolf Kersten: freu mich sehr über die ganzen Infos und über Ihre Gedanken zu Lichtblick etc.  in Ihrem ersten Artikel.
    Frage off topic: wo haben Sie so schreiben gelernt? Mögen die meisten der Journalisten in stillschweigendem Respekt verharren.. :-)

  6. Rolf Kersten sagt:

    @Frau Wiegand: Der Spiegel Artikel zitiert Strato, die 12 Wattstunden (gleich eine Energiesparlampe brennt eine Stunde lang) ausgerechnet haben. Wie gesagt, nach meinem Berechnungen lag Google Ende 2005 auch noch bei 8 Wattstunden. So weit sind wir daher nicht auseinander. Außerdem kenne ich den Kollegen bei Strato gut, der da gerechnet hat :-)

    Ihr Angebot, weiter einmal im Monat bloggen zu dürfen, freut mich sehr. Jetzt dürfen mit nur nicht die Themen ausgehen…

    @Frau Schons: Im Deutsch-Leistungskurs an der Viktoriaschule in Essen, wo sonst? Im Ernst: Danke für das nette Kompliment!

  7. Frank Hamm sagt:

    Meine gehostete Domain läuft bei Strato. In letzter Zeit dachte ich über einen Wechsel nach, da ich mit vielen anderen Domains teilen muss. Dadurch leidet schon mal die Performance, oder es kommt zu “Internal Server Errors” aufgrund Fehlkonfiguration der Domaininhabe – was mir natürlich nie unterläuft :-D

    Dieser Artikel allerdings bestärkt mich darin, bei Strato zu bleiben.

    Wer sich IP-Adresse mit anderen teilt und sich für Anzahl und Domainnamen interessiert, der kann diese Informationen auf myIPneighbors abrufen.

  8. Michael L sagt:

    @Herr Kersten:
    “Im Deutsch-Leistungskurs an der Viktoriaschule in Essen, wo sonst? ”
    Als Ex Essener und Burggymniast ist mir die benachbarte Victoriaschule als reines Mädchengymnasium in (bester) Erinnerung :) )

  9. Rolf Kersten sagt:

    Seit 1974/1975 waren Jungen dann auch offiziell zugelassen :-)

  10. Michael L sagt:

    Danke, Herr Kersten, die Betonung liegt auf offiziell.:) Zu der Zeit war ich bereits aus Essen weggezogen.

  11. Marcel Klotz sagt:

    Lieber Herr Kersten,

    ich stimme mit Ihren Aussagen völlig überein. Die Lösung ist ganz klar über sparsamere Server, eine höhere Auslastung und die Virtualisierung zu erreichen. Ebenfalls ist der Einsatz von Blades sinnvoll, da diese im Vergleich zu Einzelservern deutlich weniger Energie fressen.

    Schade, dass viele IT-Leiter dies in ihren Preiskalkulationen (noch) nicht berücksichtigen oder nach Energieverbrauch gemessen werden. Sonst könnten wir unsere Server noch besser über den Gesamtkostenaufwand und Stromverbrauch darstellen.
    http://www-03.ibm.com/systems/x/about/power.html

    Aber auch im Privathaushalt kaufen wir mit dem No-Name Produkt oft Stromfresser, wir zahlen also den günstigen Preis dann über die Stromrechnung nach.

    Ein positives Beispiel ist die Autoscout24 Plattform (auf der sicher auch jeder von uns bereits einmal war). Dort hat man eine zweistellige Anzahl von Einzelservern durch ein virtualisiertes Cluster abgelöst. Übrig blieben zwei Server, die nun einen Lastenausgleich betreiben und damit deutlich wirtschaftlicher sind (s. Link)
    Ein Vorteil also für den Portalbetreiber und für uns ein beruhigendes Gefühl – na ja, nicht ganz, denn es gibt noch viel zu tun.
    In diesem Sinne..
    http://www-304.ibm.com/jct03004c/tools/cpeportal/fileserve/download6/34435/Flitzer_online_kaufen.pdf?contentid=34435

  12. Rolf Kersten sagt:

    Lieber Herr Klotz,

    meiner Erfahrung nach ist das Thema Energieverbrauch der IT-Infrastruktur immerhin bei den Großkunden schon angekommen und zur Top-Priorität geworden. Das war vor zwei Jahren noch anders. Im Mittelstand gibt es durchaus noch Potential ;-)

    Der Einsatz von Blades ist aus den verschiedensten Gründen sinnvoll, allerdings nicht, um Energie zu sparen. Die Physik läßt sich nicht überlisten. Wenn auch in den “normalen” Rackservern schon hocheffiziente Lüfter und Netzteile eingebaut sind (wie bei Sun :-) ), dann verbraucht ein Bladechassis mit 10 Blades im Vergleich zu 10 einzelnen ausstattungsgleichen Servern nur 5% weniger Strom. Da ist der Hebel von Multi-Core CPUs, Virtualisierung und optimierter Software größer.

    Aber lassen Sie uns hier nicht in eine Marketingdiskussion “IBM vs. Sun” abgleiten. Schließlich ziehen wir ja gemeinsam an einem Strang: Den Anstieg des Energieverbrauchs der IT Infrastruktur zu dämpfen!

  13. Readers Edition » Über den Gartenzaun … sagt:

    [...] 1.000.000.000$ Stromrechnung – eine gute Nachricht für das Klima: Neue Energiebedarfs-Berechnungen für Online-Dienste. [mehr] [...]

  14. innovativ.in - Business Blog » Blog Archiv » Google Öko-Variante? sagt:

    [...] Google gibt es jetzt auch mit schwarzem Hintergrund. Die Eco Alternative “Blackle” habe ich gerade im Blog der Body Shop Gründerin Anita Roddick entdeckt. Ecoiron behauptet, dass der schwarze Hintergrund 750 Megawattstunden im Jahr spart. Ein weißer Monitor verbrauche nämlich etwa 15 Mal mehr Strom, heißt es. Ist das wahr? Vielleicht weiß das unser Sun IT Green Experte Rolf Kersten, der hier im Blog bereits über die Stromkosten von Google berichtet hat? “Blackle.com – Saving energy one search at a time” – nur ein Slogan oder ist mehr dahinter?  [...]

  15. Bernd sagt:

    Liebe Betreiber Eurer Internetseite:
    durch die Beiträge in unterschiedlichen Zeitungen bin ich auf die Idee gekommen, das zu tun, was Großunternehmen auch machen, wenn sie mehrere Werke haben, sie bündeln die Einkaufsfunktionen zu einem Zentraleinkauf, weil sie damit kostengünstiger sind. Sie können über Volumenbestellungen ganz andere Preise aushandeln, als wenn sie als einzelne Werke jeweils verhandeln würden.

    Warum sollten wir nicht eine Stromeinkaufsgenossenschaft für Privatverbraucher ins Leben rufen, die Prinzipien und Verfahrensweisen sind hier dargestellt: http://www.deutschland-debatte.de/2007/10/18/strommacht-gegen-einkaufsmacht/.

    Wenn eine Landes- Stromeinkaufsgenossenschaft für ca. 5 Mio Haushalte verhandelt ( das sind etwa 2,5 Mrd. Jahres- Verhandlungsvolumen ), dann ist das eine nicht zu übersehende Marktmacht, an der Konzerne nicht vorbei kommen.

    Bei allen Detailproblemen der Realisierung: das könnte ein Konzept sein, das den Verbraucher nicht mehr zu einem abwartenden Wesen degeneriert. Bitte helfe Sie mit!

    Ich bitte Sie, dieses Konzept mit zu unterstützen und hierüber zu berichten, weil es eine wirkliche Möglichkeit bietet, wirkungsvoll die Preisbegehrlichkeiten der Stromhersteller zu unterbrechen oder auf die wirklichen Kostenerhöhungen zurückzuführen.

    Aufgrund einer Anfrage – das Vorhaben ist ein bevorzugt nicht-kommerzielles Projekt, in dem insbesondere Managementerfahrene gesucht werden! Es geht nicht darum, Jobs mit möglichst hohen Einkommensperspektiven anzubieten.

  16. Ist eine google Anfrage ökologisch? « sagt:

    [...] http://www.Innovativ-in.de http://www.netzhappen.de [...]

Kommentar schreiben

XHTML: Sie können diese Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>