Leichter leben mit der Smart Card

2007-07-26, von Rolf Kersten

Ich gestehe: Mein nächster privater Computer wäre bereits der zehnte in 25 Jahren. Alle energie- und rohstoffaufwändig produziert, also kein sehr nachhaltiges Hobby. Immerhin hatte ich schon doppelt soviel Computer wie Autos.

SunrayWenigstens eins dämpft mein schlechtes Gewissen: Am Arbeitsplatz sitze ich noch vor genau dem gleichen Rechner wie im Jahr 2000! OK, “Rechner” ist zu viel gesagt: Eine Sun Ray ist eigentlich nur eine Tastatur- und Monitorkabelverlängerung über Netzwerk. Mein Desktop lebt auf einem Server im Keller. Vorteil: Wenn neue Applikationen (wie leider häufig zu beobachten) mehr Ressourcen brauchen, müssen statt hunderten Desktops nur ein paar Server hochgerüstet oder ausgetauscht werden.

Bei Sun in Heimstetten sind 700 Sun Rays verteilt, die von 10 Servern gespeist werden. Eine Sun Ray 1 aus dem Jahr 2000 braucht nur 20 Watt plus heute 5 Watt Serveranteil. Im Jahr 2000 waren das noch 20 Watt Serveranteil, aber inzwischen setzen wir natürlich die gleichen Stromsparserver ein, die auch Strato für seine Shared Domains einsetzt. “Eat your own food”, wie man so schön sagt.

SchrottGesamte Ersparnis gegenüber dem Standard “Ein PC unter jedem Schreibtisch”-Modell: 5 Millionen Kilowattstunden Strom. 8000 Tonnen CO2. Und nicht alle drei Jahre 700 neue PCs. Oder Laptops.

Ein Laptop mag zwar auch nur 25 Watt Strom verbrauchen, und man kann ihn auch überall hin mitnehmen, aber er hält selten länger als drei Jahre.

Ich nehme seit sieben Jahren nur eine Smartcard mit. Überall wo Netzwerk ist und eine Sun Ray Station steht, also in jedem Sun Büro weltweit(!) oder bei Sun-Mitarbeitern mit einer Sun Ray zuhause am DSL-Router kann ich die Smartcard einstecken: Mein Desktop wandert mit – der Cursor im Wordpress-Fenster blinkt dort, wo er geblinkt hat, als ich die Smartcard aus der vorherigen Sun Ray gezogen habe.

Mehr Flexibilität, weniger Stromverbrauch: 4+5 Watt (die neuesten Sun Rays brauchen nur noch 4 Watt) im Vergleich zu den doch mindestens 100 Watt eines Büro-PCs – das ist sogar mehr als Faktor 4. Und ich darf mit etwas erleichtertem Gewissen von einem neuen, schönen und doch sparsamen privaten Computer träumen…

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13 Kommentare zu “Leichter leben mit der Smart Card”

  1. Elita Wiegand sagt:

    Man würde ja nun nicht vermuten, dass jemand wie Sie ein PC aus dem Jahre 2000 besitzt :-)
    Gut, dass die Erklärung folgt. Ist ein Sun Ray auch eine Alternative für einen normal Sterblichen? (so wie ich mit ganz normalen PC und irre viel Stromverbrauch). Desktop im Keller?
    Ist für mich derzeit noch schwer vorstellbar, bin deshalb auf Ihre Antwort neugierig.

  2. Rolf Kersten sagt:

    Für zuhause braucht man schon einen PC (ich habe ja auch einen – meinen neunten Computer halt – immerhin ein sparsames Laptop): Videokamera zum Filme schneiden anschließen geht mit der Sun Ray nicht, Peterson und Findus mit den Kindern spielen geht nicht, DVDs gucken geht nicht…
    Was aber geht: Web, Mail, Fotos, Musik hören, Briefe schreiben (und drucken), Stromersparnis im Spreadsheet ausrechnen – und das ist fast 100% von dem was man im Büro so macht. Und ehrlicherweise die meisten von uns auch zu Hause.

    Das Vermarktungsmodell wäre ähnlich wie bei Mobiltelefonen. Die funktionieren auch ohne Netz nicht. Eine Art “DSL plus”, wo einem zB der rosa Riese eine vorkonfigurierte Sun Ray nach Hause liefert, plus ein Eckchen auf einem ihrer Server. Auspacken, einschalten, surfen, Blogeintrag anfangen. Mittendrin: Smartcard (kann auch eine aus dem Mobiltelefon bekannte SIMcard sein) ziehen, an irgendeine andere Sun Ray im rosa Netz gehen, Karte einstecken und weiterbloggen.
    Nicht “Laptop rumschleppen, WLAN Hotspot suchen, hochfahren, einloggen, weiterarbeiten”, sondern “Karte rein, Cursor blinkt da wo er verlassen wurde”. Schreiben Sie mal an Ihren DSL-Provider, daß Sie sowas wollen :-)

    Oder ohne rosa Riese: Statt einen PC bei Mama, einen bei Papa und bei jedem Kind nur einen (kleinen) Server im Keller und eine Sun Ray in jedem Raum. Jedes Mitglied der Familie hat seine Smartcard und nimmt seinen Desktop im ganzen Haus mit.

  3. Frank Hamm sagt:

    Bei mir hatte sich ein PC-Wechsel-Zyklus von etwa 3 Jahren etabliert. Mein Desktop-PC ist jetzt 4.5 Jahre alt – und er “genügt” mir immer noch. Vor 1.5 Jahren holte ich mir mein erstes Notebook – und ich bin gespannt, wie lange es mir “genügt”.

    Ich stelle jedoch fest, dass ich immer genügsamer werde, was die Anforderungen an einen Rechner angehen. Und das liegt im Wesentlichen daran, dass ich immer mehr “im Netz lebe”. Es gibt kaum noch eine Anwendung, die es nicht bereits mit akzeptabler Funktionalität als Webanwendung im Internet gibt. Inzwischen gibt es auch schon Webdienste, die einen Desktop im Browser abbilden. Sogar mit Desktopanwendungen, auf die man mit VNC zugreift, und die auf dem Server des Webdienstlers laufen.

    Was ich aus meiner persönlichen Sicht heutzutage und absehbar in den nächsten 1-2 Jahren eigentlich brauche, das ist ein Browserrechner mit einer nahezu überall vorhandenen Online-Anbindung bei dem das persönliche Browserprofil bei einem Provider abgelegt wird. Außerdem möchte ich per Smartcard auch gerne auf eine bestehende Infrastruktur bei Freunden, Hotels, Bahnhöfen zugreifen

    Ich bräuchte eine persönliche Sun Ray mit WLAN / WiMax zum überall Einklinken, zusätzlich eine Smartcard dabei – sozusagen eine Mobile Sun Ray mit Smartcard :-) . In Hotels beispielsweise sind immer genau dann die “öffentlichen” Internetstationen besetzt, wenn ich eine bräuchte…

    Insoweit finde ich Ihr Geschäftsmodell (modifiziert für Mobile) für mich gut passend.

  4. Rolf Kersten sagt:

    Mobile Sun Rays gibt es schon, in Deutschland z.B. zu kaufen bei Skyblue Das coole bei der Sun Ray ist halt, daß man sein Browserprofil eben nicht bei einem Provider hinterlegen oder auf einem USB-Stick mit sich herumtragen muß. Man arbeitet die ganze Zeit, egal von wo, mit nur einer Instanz des Browsers, der auf dem Server des Providers läuft. Zu den SunRays werden nur Pixel übertragen, keine Programme oder Daten.

    Angenehmer Nebeneffekt: Man hinterläßt keine Spuren auf den “Gast Sun Rays”. Alle Daten wie zB die Historie des Browsers bleiben zentral, sicher und eben per Smartcard zugangskontrolliert gespeichert.

  5. Doc Sarah Schons sagt:

    Rolf Kersten, Sie elllennndigggger Verführer Sie… Mein notebook @ home ist nun auch schon 4 Jahre alt… und muckt trotz bester Pflege bisweilen… Kommt mir skyblue wie gerufen….

    Sun Rays wünsche ich mir jetzt auch für mein Praxis-Netzwerk mit den vielen Rechnern. Bloß: bei (Arzt)Praxis-Software läuft alles auf windows… errrg…

  6. Rolf Kersten sagt:

    Frau Schons, Windows geht mit den Sun Rays auch wunderbar. Und in der Praxis cooler aussehen als PCs tun sie auch :-)

  7. Doc Sarah Schons sagt:

    ok – gebucht! ;-) Und dickes Danke!

  8. Frank Hamm sagt:

    Tja, so 2 Jahre soll mein Notebook noch halten. Aber für dann sehe ich mich auch jetzt schon ziemlich verführt … :-)

  9. Franz Koch sagt:

    Hmm, ja sun eine meiner lieblingsfirmen, nur mal die euphorie etwas dämpfen. die infrastruktur muß erst noch etwas aufgebohrt werden bevor das alles so läuft. große firmen haben schon mal den diskless pc versucht. wie sah das dann aus, der mitarbeiter kam morgens ins büro, schaltetet seinen rechner ein und ging dann den mantel aufhängen, sich einen kaffee holen, alle kollegen begrüßen und so weiter, warum. die infrastruktur war noch nicht so weit. gut heute sind wir weiter, nur was in firmen die technologisch absolut top sind funktioniert, das braucht halt noch eine weile, bis die masse das auch nutzen kann. dann ist da noch der preis? man glaubt es ja nicht, aber in den meisten firmen wird immer noch nicht gesamtbetriebswirtschaftlich gerechnet (kostenstellenrechnen) und da ist eine sun ray halt doch teuerer als ein noteboot und wesentlich teuerer als ein desktop. denn welche firma denkt noch in jahren, die meisten denken doch nur noch in quartalen und da macht sich die ersparnis leider noch nicht bemerkbar.
    werde mir das konzept mal ansehen und dann mal sehen, wie ich mein notebook und meine zig desktops und server virtualisieren kann?

    anmerkung: nx finde ich persönlich schneller und stabiler als alle vnc-varianten

  10. Lutz Falkenburg sagt:

    Ich finde neben dem Aufbau der Infrastruktur auch die Kosten für eine Sun RAY nicht unerheblich.

    Grundsätzlich sollte man alle Alternativen ins Auge fassen:

    http://www.thin-client.info/

  11. Lutz Falkenburg sagt:

    HÄH? Irgendwie hat mich Wordpress jetzt nicht verstanden – also hinter “Grundsätzlich sollte man….” verbirgt sich die Preisinfo der Ray Station mit fast 900$!!

  12. Rolf Kersten sagt:

    Mit 220 Euro pro ultradünner Sun Ray geht es los. Und so ein “vollschlanker” Client wie zB von Neoware für 259 Dollar verbraucht halt doch eher 25 Watt als 4 Watt.
    Aber jeder dünne Client ist besser als ein dicker PC :-)

  13. Alexander Muthmann sagt:

    Hallo Herr Kersten,

    ich bin eigentlich ehr per Zufall über den Blog hier gestolpert, aber auch hier lese ich gebannt alle Ihre Artikel. Frau Schons hatte schon Recht in ihrem Kommentar einen Artikel weiter vorne!
    Viele Dank für diese klasse Beschreibung der SunRay Clients und auch für das Praxisbeispiel bei Sun.
    Ich glaube, Sie haben mich von meinem Plan einer Blade 1000 als Desktop PC abgebracht, vieleicht wirds doch was kleineres…

    Liebe Grüße

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