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Der dritte Weg

Wolff Horbach 27 Juli 2007 12 Kommentare

Gestern rief mich ein Freund an. Nennen wir ihn U. U. hat Informatik studiert und ist nach seinem Studium relativ rasch ins Management aufgestiegen. Er war bei einigen großen Unternehmen tätig, die zuletzt immer wieder von noch größeren geschluckt wurden. So landete er bei einem sehr großen deutschen Konzern, der in den letzten Monaten sehr häufig im Rampenlicht stand. U. hat in seiner beruflichen Karriere eine Menge sehr erfolgreicher Projekte durchgeführt. Aber weil er sich auf seinen Job konzentrierte und nicht wie die meisten seiner Kollegen “politisch unterwegs” war, bekam er erst durch einen Anruf eines Mitarbeiters auf einer Dienstreise mit, dass es seine Abteilung in Kürze nicht mehr geben werde. Sein Chef, mit dem er noch wenige Stunden zuvor gesprochen hatte, fand es offensichtlich nicht für notwendig, ein Wort darüber zu verlieren.

U. ist ein optimistischer Mensch. Also hat er sich nach der Trennung vom großen Konzern sehr gründlich und gewissenhaft auf eine neue Managementaufgabe vorbereitet. So fand er eine neue Herausforderung bei einer größeren Firma, für die er das gesamte Osteuropageschäft aufbauen sollte. U. stürzte sich begeistert in die neue Aufgabe, war die ganze Woche von Ungarn über die Ukraine bis in die baltischen Staaten unterwegs. Sein Chef zeigte Zufriedenheit. Alles lief bestens. Bis einen Tag vor seinem Urlaub. Da erhielt U. eine E-Mail von seinem Chef, dass seine Reisekostenabrechnungen nicht ok seien. CC an die Personalabteilung. Am gleichen Tag erfuhr U. per Zufall, dass jetzt jemand aus der Türkei das Osteuropageschäft übernehmen solle. Nach dem Urlaub war am Büro von U. sein Namensschild entfernt und durch “Meetingroom Europe” ersetzt.

Sind in div. Unternehmen Menschen nur noch Spielzeug im Global Play? Das nenne ich den ersten Weg.

Das sind die Kennzeichen des ersten Weges:

  • Menschen sind nur ein Produktionsfaktor: austauschbar, wegwerfbar
  • Kommunikation findet nur sehr eingeschränkt statt: Es wird gelogen, betrogen, gemobbt. Keine Methode ist zu fies, um die eigenen Interessen durchzusetzen.
  • Es regiert Angst im Unternehmen.
  • Verräterische Worte: Freistellungen, Freisetzungen.

Ich habe keine Ahnung, wie viele dieser Unternehmen es in unserem Lande gibt. Ich habe leider einige kennen lernen müssen. Von diesen Kunden habe ich mich konsequent getrennt. Ich weiß aus zahlreichen Gesprächen, dass sehr viele Menschen ähnlich denken und mit den Verhaltensweisen des ersten Weges nichts (mehr) zu tun haben möchten.

Daraus hat es etwas entwickelt, was ich den zweiten Weg nennen möchte: es ist eine Gegenbewegung, die “den Menschen in den Mittelpunkt stellt”. Das hört sich gut an, führt aber meistens nach meiner Auffassung nicht zum Ziel. Vor lauter “liebhaben” wird (fast) alles andere vergessen. Viele dieser Menschen sprechen von “spirituell”, verhalten sich aber nach meiner Auffassung eher esoterisch. Es ist sehr schwer, in einem Blogbeitrag die Unterschiede klar zu machen. Ich formuliere daher hier auch bewusst etwas schwarz/weiß.

In der Esoterik-Ecke werden jeden Tag neue Hypes erfunden, die die endgültige Erlösung von allem Leid versprechen. Der zweite Weg ist durch folgende Merkmale gekennzeichnet:

  • Die Menschen gehen sehr fürsorglich miteinander um.
  • Sie sind sehr anfällig für “neue” Heilslehren.
  • Ihr Business ist nicht erfolgreich.
  • Die meisten krebsen am Existenzminimum herum, sind froh am nächsten Ersten ihre Miete bezahlen zu können.

Ich bin entsetzt, wie viele doch sehr intelligente Menschen zunehmend an Dinge glauben, die ich für Hokuspokus halte. Ich habe den Eindruck, dass nach dem Zusammenbruch von weltlichen Autoritäten, nach den Glaubwürdigkeitskrisen von Kirche und Politik viele Menschen ihr Heil in mystischen Geschichten suchen.

Verkürzt behaupte ich: Der erste Weg ist wirtschaftlich erfolgreich, der zweite (noch) nicht. Wenn es um Menschen geht, keine Frage. Die des zweiten Weges sind mir viel lieber.

Aber mein wahres Interesse gilt dem DRITTEN WEG:

  • Das Unternehmen schafft wirkliche Werte für die Menschen.
  • Das Unternehmen arbeitet nach ethischen Gesichtspunkten (keine Kinderarbeit, CSR, …)
  • Das LOHAS-Prinzip wird konsequent beachtet (LOHAS = Lifestyle of Health and Sustainability)
  • Die Bedürfnisse der Menschen innerhalb und außerhalb des Unternehmens werden berücksichtigt
  • Die Menschen im Unternehmen gehen freundlich und wertschätzend miteinander um
  • Die Kommunikation ist direkt, offen und ehrlich
  • Die Mitarbeiter können sich voll entfalten und ihr Talent einbringen
  • Leistung wird leidenschaftlich verfolgt. Nicht verbissen, sondern mehr im Sinne eines sportlichen Wettbewerbes oder Spiels
  • Das Unternehmen ist sehr erfolgreich, weil die Mitarbeiter und die Kunden glücklich sind.

Mein Eindruck ist, dass die Unternehmen des ersten Weges und die vielen Einzelkämpfer es zweiten Weges in der überwiegenden Mehrzahl sind. Oder sollte ich mich (hoffentlich) getäuscht haben?


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12 Kommentare »

  • Michael L sagte:

    Was erwarten Sie, lieber Herr Horbach, von Konzernlenkern? Doch hoffentlich keinen Anstand?
    Spätestens seit Esser, Ackermann und Co. ist dokumentiert, dass man lieber 10 Kniefälle vor dem Shareholder Value und der eigenen Kontovermehrung macht, als Anstand im Umgang mit den Mitarbeitern zu zeigen.
    Ich erinnere mich an einen Begriff aus dem Buch „Führen aus der Mitte“ von Michael Fromm, der hier ja auch mitbloggt: „Wertschöpfung durch Wertschätzung.“
    Davon ist unser Konzernmanagment Lichtjahre entfernt. Aber es gibt Hoffnung: Zumindest bei den KMUs und beim Mittelstand setzt sich dieser Gedanke mehr und mehr durch. Und “fürsorgliches Miteinander” halte ich für die erste Pflicht eines jeden Vorgesetzen.

  • Elita Wiegand sagte:

    Ein mutiger Beitrag, Wolfgang! Danke für den Denkanstöße. Könnte ich natürlich Romane zu schreiben…

    Hard-sellig-Business bedeutet gleichzeitig auch immer ein unmenschlicher Umgang in Konzernen. Das Beispiel Deines Freundes wird vermutlich so oder so ähnlich jeden Tag in Deutschland praktiziert. Mobbing, Intrigen, Kämpfe…

    Buh!
    Wie sich Führungskräfte aufführen, habe ich erst vor kurzem bei der Telekom erlebt. (Dir Wolfgang, habe ich davon erzählt – hier für die anderen): Während des Telekoms-Streiks habe ich eine Veranstaltung mit 2.500 Beschäftigten in Leverkusen moderiert. Der Chef eines der Telekom Center hat sich breitbeinig mit einer Trällerpfeife auf die Bühne gestellt und (seine!) Mitarbeiter ausgepfiffen!!! Ja, ausgepfiffen.

    Flucht
    Die Esoterik-Flucht ist oft eine Strohhalm für all diejenigen, die Halt suchen, weil unsere Moral versagt, weil Werte fehlen und viele haben Angst, Angst, Angst! Woran festhalten, wenn der Glaube an sich selbst verloren geht?

    Herzblut und Leidenschaft: Ich glaube an die neuen Unternehmer. Diejenigen, die mit Herzblut und Leidenschaft ihr Unternehmen gründen, Menschen, die ihre Berufung und ihre Aufgaben gefunden haben. Gründer, die die unmenschlichen Strukturen in Konzernen satt haben und konsequent aussteigen.

    Mein Prinzip Hoffnung
    (ist mal wieder typisch für mich)

    Ich wünsche mir einfach, dass sich diese neuen Unternehmer, (die jetzt auch unser Partner Christoph Hinderfeld von der Zunft AG vernetzt) finden, sich gegenseitig unterstützen, qualitativ, hochwertige regionale Produkte kaufen, (weg von dem Ramsch), sich gegenseitig empfehlen und dadurch nach dem LOHAS Prinzip eine nachhaltige Wirtschaft entsteht. Ich wünsche mir, dass wir die Kraft haben und eine Lawine ins Rollen bringen, die die Wirtschaft in Deutschland verändert.

    @Michael Lalk

    Barbara und Michael Fromm, die ich beide sehr schätze, haben zu meinem großen Bedauern den Business-Club innovativ.in verlassen.

  • Michael L sagte:

    @Elita Wiegand:
    mit “Führen aus der Mitte” haben die Fromms ein bemerkenswertes Buch geschrieben. Schade, dass sie nicht dabei sind.

  • Doc Sarah Schons sagte:

    Grüße aus der dritten Welt! ;-)

    Den dritten Weg gehen wir als Praxis-Team ganz konsequent und voller Begeisterung. Das gibt uns und unseren Patient/innen manchmal das Gefühl, auf einem ganz anderen Planeten zu sein. Und das ist gut so !!!
    Unsere “dritte Welt” in der Praxis ist von Wertschätzung geprägt. Und Achtsamkeit.
    Und die haben wir gemeinsam auch für die “andere dritte Welt”.
    Viele sind z.B. Sponsoren von KIVA geworden oder haben Patenschaften übernommen.
    Und bleiben dran. Das ist für mich LOHAS.

    SUSTAINABILITY ist wichtig.
    Und das heißt für mich auch dabeibleiben in einem innovativen Businessclub, der glücklicherweise so ganz anders tickt, als Xing et al.

    Wir hier: Wertschöpfer, Querdenker und Innovatoren. Eben auf dem dritten Weg! *g*

    Alles Liebe Euch Fromms – auch wenn Ihr nicht mehr im BC seid – im Geiste seid Ihr es dennoch.. ;-)

  • Wolfgang Horbach sagte:

    Ist der erste Weg wirklich nur in Konzern anzutreffen? Ich glaube nein, denn so etwas habe ich auch in kleineren Strukturen angetroffen.

    Gibt es auch Konzerne des dritten Weges? Ich würde mich riesig freuen, wenn sich Mitarbeiter oder Manager von solchen Glücksinseln melden würden.

  • Michael L sagte:

    @Wolfgang Horbach:
    Dritter Weg: Bei den Konzernen sollen es sein u.a. American Express oder auch Sony (sollen sein!!)
    Aber ich denke beim Mittelstand – Deichmann, Underberg, um nur 2 zu nennen gibt es das auch.
    Persönliche Erfahrung von mir: der dritte Weg kann auch schmerzhaft sein.

  • Franz Koch sagte:

    Bei all dem heute, wie sind die alten industriebosse den verteufelt worden. aber wenn ich dann die chroniken der firmen, wie z. bsp. krupp lese, dann gab es da noch eine verantwortung des chefs für die mitarbeiter. auch wenn aus heutiger sicht die arbeitsbedingungen katastrophal waren, aber es hat kontinuierlich verbesserungen gegeben. nur wo sind diese chefs heute noch, heute sind es doch eigentlich nur noch verwalter, die keine verantwortung, ausser das kapital der share-holder vermehren, mehr haben. so genau und nicht anders benehmen sie sich auch, wie die gutsverwalter, oder hat mal einer was von einem gütigen verwalter gehört, dieses attribut stand eigentlich immer nur für die chefs selbst. anders ist es wenn der chef tatsächlich auch der chef ist, z.bsp. Götz W. Werner, aber das wird leider auch immer weniger je größer die unternehmen werden. er zeigt das es nicht nur auf die brachial kapitalistische weise geht und er geht viele neue wege.

  • Beate Strauss sagte:

    Ich denke eher, dass eine Mischung aus den drei Wegen der Realität entspricht. Wo viele Menschen zusammenkommen, kann es nicht nur Weg 1, 2 oder 3 geben, sondern es bilden sich immer Ansätze aus allen Wegen. Weg 1 mag sich vor allem da als Schwerpunkt durchsetzen, wo hart um die Existenz gekämpft wird oder es sogar um die Existenz geht (ich habe die Wandlung von Weg 3 zu Weg 1 unter dem Druck einer feindlichen Übernahme in meiner früheren Firma selbst erlebt). Unter der Sonne des Erfolges sind alle offener für Selbstverwirklichung und Persönlichkeitsentwicklung.

    Schwerpunkt Weg 3 ist jedoch verbreiteter als man denkt, ich habe vor 2 Jahren in dieser Sache intensiv recherchiert und war überrascht, wie viele Unternehmer mit ihren Führungskräften bemüht sind, für ihre Mitarbeiter ein motivierendes Arbeitsumfeld zu schaffen oder z. B. wie Deichmann, Underberg christlich orientiert sind und das auch sehr konsequent leben.
    Weg 3 kann nachhaltig nur überleben, wenn Alle im Unternehmen am gemeinsamen Strick ziehen, für das große Gemeinsame kämpfen und daraus ihren Nutzen ziehen. Offenbar ist dieser Weg aber weitaus schwieriger durchzusetzen als Weg 1, denn er erfordert das selbstlose Engagement aller Beteiligten, mit Statements von oben allen ist es da nicht getan.

    Weg 2 wird zu negativ und einseitig dargestellt, es ist meist ein sehr persönlicher Weg. Er hat oft mit Sinnsuche zu tun oder entsteht aus einem Zusammenbruch oder soll aus einer Krise heraushelfen. Es scheint wohl auch ein Bedarf da zu sein, sonst wären Bücher und Coachings aus dieser Ecke nicht so erfolgreich.

    Vielleicht ist auch für manche, die vom Weg 1 kommen und scheiterten, der Weg 2 der Umweg zu Weg 3?

  • Johannes Borgard sagte:

    Jeder für sich hat hat im Business die neue Mentalität nach “hire and fire” sicher für sich schon kennengelernt. Die Folgen können fatal sein und durchaus auch extistenzvernichtend. Die Werte im Geschäftsleben haben sich verändert und dieser Weg scheint unaufhaltsam, weil er durch wirtschaftlichen Erfolg belohnt wird. Der so Erfolgreiche wird auch nicht mehr abgestraft, sondern immer mehr bewundert.
    Ich kann mich mit dieser Entwicklung einfach nicht anfreunden.

    Warum schaffen wir uns hier im Blog oder in innovativ-in keine Gegenbewegung.

  • Hans-Gerd Staschewski sagte:

    3. Weg – neues Konzept?
    Würde man einige der für den 3. Weg verwendeten Begriffe durch die klassische Betriebswirtschaftslehre bewerten lassen, so wäre sicherlich eine Antwort zu erwarten wie: “Das gehört hier nicht her. Der Sinn eines Unternehmens ist die Gewinnmaximierung. Ethik, Werte und Umwelt sind keine originären betriebswirtschaftlichen Ziele.” Bei etlichen der Firmen, die heute mit solchen Begriffen operieren, kommt es mir vor, als ob diese gehandhabt werden wie das Thema Design. Führt es zu einem Kaufentscheid bei den Kunden, dann machen wir es. Wenn nicht, dann fliegen Ethik, Werte und Umwelt wieder raus. Mir fiel in diesem Zusammenhang eine Stelle in Lessings “Nathan der Weise” ein. Lessing lasst Nathan sinngemäß fragen: “Meint Ihr, Ihr könnt den Kaiser ändern, indem Ihr des Kaisers Kleider tragt?”
    Ich bin der Meinung, dass die alten Theorien nicht mehr greifen. Wir brauchen eine neue Grundlage für unser Wirtschaften, wenn es den Anforderungen der LOHAS gerecht werden soll. Das Problem lässt sich aber nur auf einer höheren Ebene lösen, als der, auf der sich das Problem befindet. Vor ein paar Tagen bin ich da auf ein Praxismodell gestoßen, dass für mich Züge eines solchen neuen Konzeptes beinhaltet. Einer seiner Vertreter ist der Amerikaner Brian Robertson, Inhaber eines sehr erfolgreichen Softwareunternehmens und Mitglied in Ken Wilbers Integralem Institut im Bereich Wirtschaft. Er baut seine Theorie sowohl auf Wilbers Holarchie, wie auch auf Endenburgs Sociocracy auf. Roberts hat für seinen Praxisansatz den Begriff “Holacracy” gewählt, den er demnächst auch in Deutschland vorstellen wird.
    Dennis Wittrock, Vorstandsmitglied im Integralen Forum, hat in einem Text, beruhend auf einem Interview mit Brian Robertson, einige wichtige Merkmale der Holacracy herausgearbeitet und das Ergebnis als PDF zum download bereitgestellt. Ich werde wohl an dem Robertson Seminar teilnehmen und bin gespannt auf die Ergebnisse.

  • Wolfgang Horbach sagte:

    @ Beate #8:
    Ich glaube nicht, dass Weg Nr. 3 sehr viel schwieriger zu gehen ist als Weg Nr. 1. Es bedarf sicherlich einer gründlichen Vorbereitung und eines langen Atems. Unternehmen wie Deichmann und dm Drogeriemarkt zeigen ja, dass gerade wegen des Konzeptes auch wirtschaftlich sehr erfolgreich sind.

    Der 2. Weg habe ich bewusst etwas überspitzt gekennzeichnet. Ich wollte auch etwas provozieren. Schade, das hat nicht funktioniert. Ich würde mich gerne mal mit den Esoterikern fetzen. Ich halte nämlich den Humbug, an den sie glauben, für sie selbst und andere für schädlich. Wohlgemerkt: Esoterik-Hokuspokus wie Horoskope (Horrorskope?). Wahre Spiritualität kann dagegen zu einer innerern Leitschnur werden.

    @ Johannes #9:
    Ich habe gerade heute Morgen eine Mail über eine Internetplattform bekommen:

    ich stecke in einer aussergewöhnlich schwierigen Lebenslage.
    Bin 48 Jahre alt, im öffentl.Dienst tätig,beruflich wie privat jedoch sehr sehr unglücklich. Dies wird verursacht durch eine Menge gewaltiger Ungerechtigkeiten, Mobbing und Feindschaft sind an der Tagesordnung.
    Fragen:
    Kann ich es bei der heutigen Markt- und Wirtschaftslage überhaupt noch wagen eine gravierende Änderung zu unternehmen, welche Berufe wären erfolgsversprechend ?

    Ich sehe den Weg nicht als unaufhaltsam. Er wird vielleicht wirtschaftlich belohnt, aber bestimmt nicht durch mehr Glück. Viele Manager bezahlen einen (zu) hohen Preis für ihren Job. Was nutzen die exorbitant hohen Gehälter, wenn Angst das eigene Leben regiert, die Gesundheit und Ehe ruiniert ist, die eigenen Kinder entfremdet sind und die Mitarbeiter einen mit Verachtung strafen? Natürlich verhalten sich nicht alle Manager so, aber leider viel zu viele.

    Eine Gegenbewegung bei/durch innovativ.in? Sind wir nicht schon dabei?

    @ Hans-Gerd #10:
    Unternehmen, die Corporate Social Responsibility und Umweltschutz nur als schmückendes Beiwerk ansehen, werden in Zukunft (hoffentlich) große Schwierigkeiten bekommen. Sie zerstören die eigenen Lebensgrundlagen und werden durch Käufer gnadenlos abgestraft. Schon heute kann es den Ruin bedeuten, wenn bekannt wird, dass ein Unternehmen mit unsauberen Praktiken operiert. In Zeiten von Web 2.0 ist das ruck-zuck um die Welt. Und die Kunden sind in Null-Komma-Nix weg.
    Um den dritten Weg zu gehen, bedarf es m.E. keiner höheren Weihen durch Ken Wilber & Co. Es ist doch sehr einleuchtend, dass ein Unternehmen besser funktioniert, wenn die Menschen darin wertschätzend miteinander umgehen. Es ist wahrscheinlich kurzfristig und für einen kurzen Zeitraum möglich, von einem Menschen hohe Leistungen abzapfen, wenn er unter Druck gesetzt und bedroht wird. Langfristig wird das nie funktionieren. Nur ein Mensch, der sich respektiert fühlt, der die Möglichkeit hat, sein volles Potenzial zu entfalten und der sich mit seiner Tätigkeit voll identifizieren kann, wird über einen längeren Zeitraum bereit sein, sich ganz einzubringen und seine volle Leistung zu bringen.

  • Andreas Schröder sagte:

    Interessanter Ansatz, der dritte Weg, aber die Einordnungen sind mir zu pauschal.

    1. Manager … Nein! Manager sind eine genau so breit gestreute und unterschiedliche Gruppe wie andere Berufsgruppen. Sie agieren in dem gegebenen Umfeld, versuchen es nach Möglichkeit zu verbessern und sind überwiegend sehr engagiert. Aber sie representieren den aktuellen Wertemix unserer Gesellschaft. Ich bin selbst im Business tätig und kenne als Unternehmensberater (ja, auch so eine Gruppe, die immer böse ist) viele Manager der verschiedensten Hierarchieebenen. man wundert sich zunehmend, wie viele von denen ganz aktiv auf der Suche nach praktikablen, besseren 3. 4. oder 5. Wegen sind.

    2. Konzerne … Das paßt zumindest bei den großen, öffentlich gehandelten Aktiengesellschaften schon eher. Diese werden extrem getrieben von zwei Wertesystemen und Anforderungsgruppen: den Investoren und den Kunden. Investoren sind viele von uns nur sehr begrenzt aber wir sind Kunden. Ich warte immer noch auf den Handels- oder Konsumgüterkonzern, der mehr Kunden durch neue, bessere Wege gewinnt. Ja, es gibt solche Versuche, aber die Reaktionen der Konsumenten sind nicht ermutigend. Wo Kinderarbeit, Umweltverschmutzung und ungesunde Produkte Konsumenten nicht interessieren, warum sollten es Mitarbeiterorientierte Managementmethoden tun?

    3. Der Dritte Weg. Deine Analyse ist prägnant und korrekt. Mir fehlt der Bezug zu den wichtigen Aussagen von Ken Wilber zu Entwicklungsebenen oder zu einem der Entwicklungsmodelle wie Claire Grave’s Spiral Dynamics oder Cook-Greuter’s Action Logic. Zum Beispiel werden Deine drei Wege als typisch für das orangene, das grüne und das gelbe Meme viel deutlicher, es wird dann klar, was den dritten Weg auszeichnet und zumindest ansatzweise wie man dahin kommt. Unter dem Stichwort “integral” findet jeder Interessierte sehr fundiertes, weitergehendes Material zu diesen Entwicklungsstufen. Der 1. Weg beschreibt ein pervertiertes orangenes Meme, der 2. ein pervertiertes grünes und der 3. ein gesundes gelbes.

    Es gibt auch schon erste Versuche, ein integrales (oder vereinfachend: gelbes) Unternehmen zu schaffen. Ein Ansatz ist die gerade kürzlich in Deutschland präsentierte Holacracy (vgl. Kommentar 10), mit all ihren Schwächen und noch offenen Fragen. Unter http://unternehmensentwicklung-schroeder.blogspot.com habe ich meine Einschätzung und diverse Links dazu dargelegt. Einen Konzern im Sinne von großer, öffentlich gehandelter AG, der sich dahin entwickelt, kenne ich nicht, aber diverse Mittelständler und durchaus große Familienunternehmen. Und diese Unternehmenstypen, von Simon plakativ als Hidden Champions bezeichnet, waren schon immer Vorreiter für Neues, nicht die Konzerne. Aus dieser Richtung rechne ich bald mit Überraschungen in sachen 3. Weg und integrales Business.

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