Liebe und Business
2007-08-13, von Elita Wiegand
Alle Menschen hungern danach. Filme handeln davon, Lieder, Gedichte und Bücher. Doch trotz unserer großen Sehnsucht nach Liebe, ist uns Macht, Erfolg und Geld oft wichtiger. Wir machen also riesige Anstrengungen, um anerkannt und um geliebt zu werden. Unser Problem ist, dass wir Liebe als eine Art Tauschgeschäft sehen. Schreibt Erich Fromm in einem meiner Lieblingsbücher «Die Kunst des Liebens». Laut Fromm ist unser fataler Irrtum, dass kaum jemand annimmt, dass man für Liebe etwas tun muss. Es geht verdammt noch mal nicht darum, geliebt zu werden, sondern zu lieben. (Foto: Foto Community)
Warum ich das alles schreibe? Christian Kohler ist Chef einer Unternehmensgruppe mit insgesamt zwei operativen Gesellschaften. Er beschäftigt 114 Mitarbeiter in Deutschland und Tschechien und ist 2007 zum zweiten Mal in den Kreis der «Bayerns Best 50» gewählt worden. Christian Kohler hat mir eine Mail geschickt und darin beschreibt er sein Unternehmenskonzept mit folgenden Worten:Â
«Wir sind der festen Überzeugung, dass unternehmerischer Erfolg und Wachstum vor allem aus menschlichem Wachstum entspringt. Deshalb haben wir ein Handbuch der Menschlichkeit erstellt, das uns als Leitfaden für ein Miteinander der Herzen dient. Unsere Vision ist es, ein Unternehmen der Menschlichkeit zu erschaffen, das wirtschaftlich gesund und innovativ bleibt, eine hohe Attraktivität für Menschen bietet und in dem sich die Menschen mit Freude und Begeisterung entwickeln und entfalten können.»
Inzwischen haben wir miteinander telefoniert und Pack2000 ist neuer Partner des Business-Clubs. «Menschlichkeit könnte man mit dem Wort Liebe ersetzen», hat Christian Kohler am Telefon gesagt. Denn eigentlich geht es um nichts anderes als um Liebe. Aber wer traut sich heute das schon so zu sagen? Warum haben wir eigentlich Probleme Liebe und Business zu verbinden?





















Montag 13. August 2007 um 22:48
“Warum haben wir eigentlich Probleme Liebe und Business zu verbinden?”
Gute Frage. Ich plädiere ja auch dafür, seine Kunden zu lieben. Und werde dann manchmal gefragt, ob ich das nicht ein “zu großes Wort” finde für eine angenehme Kundenbeziehung bzw. warum man denn seine Kunden überhaupt lieben sollte. Darauf antworte ich dann: Warum nicht? Spricht irgendetwas ernsthaft dagegen? Ich wünsche mir jedenfalls Kunden, die ich lieben kann, einfach weil dann die Zusammenarbeit mehr Freude macht. Wobei ich absolut nicht finde, dass Liebe etwas ist, was sich “einfach so ergibt”. Liebe ist ein immerwährender Prozess, bei dem alle Beteiligten gefordert sind. Aber wenn es klappt – wie beglückend ist das dann!
Montag 13. August 2007 um 23:29
Und beglückend auch für Business-Club-Partner: hier die bewährten Streithennen …LOL… (Elita links, Sarah rechts, für alle, die uns nicht kennen)Â Â
Und meine Patient/innen (Ihr lest Kund/innen) bekommen das auch. So kanns also auch gehen…
Und wie ist die Stimmung in Eurem Team?!
Dienstag 14. August 2007 um 01:01
Ein Streiter (wobei das eigentlich das falsche Wort ist) für die Verknüpfung von Liebe und Business ist der von mir sehr hoch geschätzte Lance Secretan. Ich kann zu diesem Thema sein brandneues Buch “Ganz oder gar nicht” nur wärmstens empfehlen. Dort sind die so genannten CASTLE-Prinzipien erläutert, die eine Art Grundgerüst bilden für den liebevollen Umgang miteinander im Business: C= Courage-Mut, A= Authentizität, S= Service-Dienen, T=Truthfulness-Wahrhaftigkeit, L=Liebe und E= Effektivität.
Liebe im Business war auch ein Thema in einem Interview, das ich mit Lance im vergangenen Jahr geführt habe: http://www.abendblatt.de/daten/2006/09/16/612481.html
Dienstag 14. August 2007 um 01:28
Danke Arndt für den Artikel!
Dienstag 14. August 2007 um 09:36
Liebe Frau Wiegand, liebe Kommentatoren/innen,
danke schön für diesen inspirierenden Beitrag und die Diskussionen dazu.
Ich glaube, ein Teil der Schwierigkeiten beruht darauf, dass man Liebe mit einem Gefühl verwechselt, obwohl es um eine Haltung geht. Das Ziel ist aus meiner Sicht nicht Kuschelbusiness, wo alle nur lieb und nett zueinander sind (nicht, dass ich etwas gegen lieb und nett sein hätte, aber es ist zu wenig). Das Ziel sehe ich darin, in einer Wirtschaft zu leben, in der wir uns der Verbundenheit allen Lebens bewusst sind – die heute selbst von modernen Naturwissenschaften bestätigt wird – und dass alles, was wir tun und selbst jeder einzelne unserer Gedanken Auswirkungen auf andere haben.Dass wir uns bewusst sind, dass Liebe die Kraft ist, die das ganze Universum zusammenhält und dass wir letztlich alle wieder zurückstreben in diese Liebe und uns, solange wir in dieser Welt sind, gegenseitig unterstützen können, gerade auch im Business. Kunden, Mitarbeitern und Partnern zu dienen, ist eine wunderbare Schule für Liebe.
Ein wichtiger Gradmesser dafür, wo wir stehen, ist die Frage, aus welcher Motivation heraus wir Entscheidungen treffen. Tun wir es aus Liebe – zu uns selbst, zu unseren Kunden, zur Aufgabe, zu unserem Schöpfer – oder lassen wir Angst (zB in Form von Sicherheitsdenken) oder Pflichtgefühl (“ich müsste …” oder “ich sollte…”) oder Gewohnheit bzw. Lemmingsverhalten (etwas tun,weil wir es schon immer getan haben oder alle anderen sich auch so verhalten) den Vortritt?
Liebe ist nicht immer soft. Liebe kann auch verlangen, Nein zu sagen. Sie kann Mut und Commitment erfordern, Authentizität und Integrität. Die von Arndt Aschenbeck eingebachten Castle-
Kriterien von Lance Secretan gefallen mir sehr gut.
Liebe erfordert also auch einen Preis. Aber dafür ist der Lohn auch hoch. Entscheidungen aus Liebe fühlen sich einfach anders und besser an. Sie bringen bessere Ergebnisse. Letztlich führen sie dazu, mehr in Harmonie mit sich selbst, anderen und dem gesamten Universum zu leben.
In Liebe
Monika Birkner
Dienstag 14. August 2007 um 10:52
Hallo Herr Kohler,
vor lauter Begeisterung über den Beitrag von Frau Wiegand habe ich versäumt, Ihnen meine Glückwünsche auszusprechen, was ich hiermit gerne nachhole. Als langjährige Personalchefin
/Geschäftsführerin in der Industrie weiß ich bestens, wie wichtig es ist, wenn Mitarbeiter sich entfalten können und wenn eine Kultur des Vertrauens herrscht. Ich finde es toll, dass Sie so ein Unternehmen aufgebaut haben.
Gleichzeitig bewundere ich Ihre strategischen Leistungen. Vieles, was ich auf Ihrer Website sehe, deckt sich mit Ansätzen, die ich in meinem Buch “Wachstumsstrategien für Solo- und Kleinunternehmer” beschrieben habe. Nun betreiben Sie natürlich kein Kleinunternehmen. Ihr phänomenales Wachstum zeigt, wie ein kompromissloses Fokussieren auf Mehrwert für den Kunden, sich auszahlen kann. Nochmals herzlichen Glückwunsch und ich bin gespannt,mehr über Ihre weitere Entwicklung zu lesen.
Herzliche Grüße
Monika Birkner
Dienstag 14. August 2007 um 11:38
Bob Dylan sang: “Love Is Just A Four-letter Word“. Das Wort “Liebe” eines der am meisten gebrauchten und wahrscheinlich das am meisten missbrauchte. Daher wäre ich im Zusammenhang mit Business damit ganz vorsichtig. Gerd Gerken hat vor langer Zeit schon mal den Begriff “Management by Love” erfunden.
Das Wort “Liebe” ist mir persönlich zu unspezifisch, um damit im Unternehmen zu operieren. In Liebe spiegelt sich ein ganzer Komplex von unterschiedlichen Eigenschaften / Verhaltensweisen wider: Respekt, Wertschätzung, Rücksicht, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit, Treue, Vertrauen, Offenheit, Förderung, … Wenn man eine Kultur im Unternehmen aufbauen will, die von Liebe getragen wird, dann sollte man sich alle Einzelaspekte genau ansehen. Jeder Aspekt hat seine eigene Facetten. Zum Schluss kann man dann wieder alles zum Begriff Liebe zusammenfassen.
Das Gleiche kann man natürlich auch von meinem “Happiness Centered Business” sagen.
Dienstag 14. August 2007 um 15:21
Also erstens: Wie klein die Welt doch ist. Über Pack2000 haben wir schon mehrere Male im Saftblog berichtet, weil diese vorbildliche Firma einer unserer Lieferanten ist.
Und zweitens: Zum Thema fiel mir sofort dieser Teil des Hohen Liedes der Liebe ein, welcher doch so treffend ist, aber leider ein bißchen in Vergessenheit geraten.
“Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie läßt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.”
Lutherbibel, 1. Korintherbrief
Dienstag 14. August 2007 um 16:35
@All
Über das Feedback bin ich überrascht, weil solche Beiträge immer auch ein bisschen umstritten sind und offen gestanden habe ich auch zunächst gezögert, über das große Thema Liebe zu schreiben. Na ja, auch anderen Seite bin ich eben emotional und vermutlich macht diese Stärke innovativ.in aus und wir unterscheiden uns dadurch von vielen “Hard-selling” BC’s.
@Heide Liebmann
Dass Ihre Kunden lieben, habe ich mir irgendwie gedacht, weil es Ihnen im positiven Sinne entspricht. Freude, Wertschätzung, Vertrauen und Respekt sind ebenfalls große Worte, aber es doch wichtig, das man Menschlichkeit im Business anstrebt. Wie wollen wir denn sonst Veränderungen in einer anderen Wirtschaft herbeiführen? Danke Ihnen für Ihren offenen Kommentar.
@Sarah
Ein Foto sagt eben mehr als 1000 Worte – danke für die Umarmung und den Mut, das Bild hier zu veröffentlichen.
@Arndt
Dein Interview mit Lance Secretan spricht mir aus der Seele. Danke für den Link.
@Monika Birkner
Schön, dass Sie das Thema ganzheitlich betrachten. Ich denke, dass wir uns hier darüber im Klaren sind, dass wir kein Kuschel- Business wollen. Es geht vielmehr um eine Haltung, um Frieden mit sich und anderen, um die Kunst zuzuhören, aufmerksam zu sein, andere in dem Anders-Sein zu lassen, Meinungen zu respektieren und authentisch zu sein. Na ja und das Liebe Arbeit ist, oh je, das erfahre ich an mir jeden Tag
@Wolfgang
Nun bin ich schon fast wieder bei Dir vom Glauben abgefallen, aber mit Deinem letzten Satz im Kommentar hast Du Dich gerettet. Geht Glück ohne Liebe???
Dann erinnerst Du Dich neben dem Bob Dylan Song, vielleicht auch noch an den Autor Simmel, der das Buch “Liebe ist nur ein Wort” geschrieben hat
@Kerstin
Habe Dich schon hier bei uns im Blog vermisst und freue mich, dass Du auf die Liebe anspringst. Kann ja kein Zufall sein, dass Ihr mit Pack2000 arbeitet.
Dienstag 14. August 2007 um 20:06
@ Elita #9: das hatten wir doch besprochen…
@ all: ich bin sehr froh, daß dieses sehr komplexe Thema hier auf so fruchtbaren Boden fällt. Und von so klugen und offenen Menschen wie Euch betrachtet, kommentiert, mit schönen Zitaten und interessanten links versehen wird.
Das Zitat von Christian Kohler oben in Elitas Artikel sagt auf den Punkt, was wir zu leben suchen. Dank Wolfgang Horbachs Inspiration haben wir als Praxis-Team auch schon die “glückspraxis” domains gesichert. Happiness centered business halt.
Dienstag 14. August 2007 um 22:27
Ich brauche jetzt keine tollen Worte mehr zu schreiben – allein dieser eine Beitrag mit den wundervollen Kommentaren ist mir die Mitgliedschaft hier im BC wert. Das Unternehmenskonzept von Christian Kohler ist großartig. Von solchen Persönlichkeiten können wir etwas lernen.
Dienstag 14. August 2007 um 22:56
@ Ludger: Joh! So isset. (Obwohl ich auf Deine tollen Worte sehr gespannt gewesen wäre und noch bin… grin…)
Mittwoch 15. August 2007 um 00:37
[...] Dienstag, August 14th, 2007 in Common So lautet der Titel eines Freudianischen Buchs. Der fiel mir ein, als ich den aktuellen Artikel beim innovativ-in Blog las. “Liebe und Business”. [...]
Mittwoch 15. August 2007 um 07:41
@Sarah,
ich hatte mir gestern schon etwas rausgesucht:
“Die Liebe ist das einzige Gut, das sich vermehrt, wenn man es verschwendet!”
Ich finde dieses kurzen Spruch sehr gut und treffend. Wenn wir dieses beherzigen, achten wir den Anderen.
Wir können es überall anwenden. Bei unseren Kunden, Partnern, Bloggern, Mitarbeitern oder bei Menschen, die wir nicht einmal kennen. Das tut nicht weh und macht das Leben lebenswerter.
Darin steckt auch der Erflog der Fa. Kohler.
Mittwoch 15. August 2007 um 08:22
Liebe Frau Wiegand,
dieser Beitrag und natürlich auch die anderen, einschliesslich der jeweiligen Kommentare sind der Grund, warum ich jeden Tag auf diesen Blog komme und immer davon ausgehen kann, etwas tolles zu lesen und meinen Tag zu bereichern.
Danke dafür
M.K.
Mittwoch 15. August 2007 um 11:32
Es ist gut zu wissen das viele so denken und handeln! Danke.
Samstag 18. August 2007 um 13:03
@Marcel Klotz
Schön, dass es Ihnen bei uns gefällt. Sie haben mich ganz verlegen gemacht;-)
@Daniela
Finde ich doch auch! Und Du bist mit dabei.
Sonntag 26. August 2007 um 00:19
Liebe Frau Wiegand,
.
ich war total erfreut, als ich Ihr Interview mit Christian Kohler von der PACK2000 zum Thema LIEBE und Wirtschaft hier gefunden habe.
Mich freut Ihr Mut, dieses Thema hier in einem Businessportal aufzugreifen. Und es freut mich umso mehr, da ich das Glück habe, den Menschen C.Kohler und die Unternehmensgruppe zu kennen.
Als externer und als Teil des Teams konnte ich über Jahre erleben, was neue Visionen und die Kraft des Glaubens bewirken können… sie lassen Dinge wachsen, entstehen.
Und als, ich mag es so sagen, spirituell angehauchter Unternehmensentwickler kenne ich gut den Wert der LIEBE
Und es ist ein weg der Erfahrung, des Probierens, der Umwege, des Versuchens. Denn fast jeder von uns hat sein ganz eigenes Bild/Gefühl von Liebe.
Aus meiner Sicht brauchen wir Menschen dazu keine Methoden, Strategien, dicken Bücher.
Es geht für jeden von uns um die innere ENTSCHEIDUNG, JEDEM Menschen aktive LIEBE entgegenzubringen. Einfach so, ohne Vorleistung, ohne Bedingungen.
Diese ganz eigene Liebes-Qualität steht für RESEPEKT, ACHTUNG,NICHT BEWERTEN des anderen.
Diese innere Haltung einem jeden gegenüber… und wir werden anziehend, liebend, erfolgreich in allen Ebenen.
So wie C.Kohler, ein Unternehmer, ein Mensch, der mit großer innerer Fackel vorangeht. Lernen sie ihn kennen, es lohnt sich.
Klaus Vandré Mind4More-Wir denken mehr
Montag 1. Oktober 2007 um 00:33
[...] Die Liebe im Business [...]