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Würden Sie den einstellen?

Claus Kossmann 29 August 2007 11 Kommentare

Dieser Bewerbungsfragebogen von McDonalds wurde angeblich wirklich so ausgefüllt und der Bewerber auch angeblich tatsächlich eingestellt!
Bewerbungsfragebogen McDonalds

  1. Name/Vorname:Jörn N.
  2. Alter: 28
  3. Gewünschte Stellung:
    Horizontal, und zwar so oft wie möglich. – Jetzt mal ernsthaft, ich mache alle Arten von Arbeiten. Wenn ich wirklich in der Lage wäre, Ansprüche zu stellen, wäre ich jetzt nicht hier.
  4. Gehaltsvorstellungen:
    120.000 EUR Netto im Jahr, plus Weihnachtsgeld, Extrazulagen und Stock Options. Wenn das nicht möglich ist, machen Sie mir ein Angebot, wir können verhandeln.
  5. Ausbildung: Ja.
  6. Letzte Anstellung: Lieblingszielscheibe eines sadistischen Abteilungsleiters
  7. Letztes Gehalt: Unter meinem tatsächlichen Niveau.
  8. Offenkundige Erfolge (im Rahmen dieser Arbeit):
    Eine unglaubliche Ausstellung von gestohlenen Kugelschreibern, die zur Zeit in meiner Wohnung zu besichtigen ist.
  9. Gründe für Ihre Kündigung: Siehe Frage Nr. 6
  10. Verfügbarkeit: Egal wann
  11. Gewünschte Arbeitszeiten: Von 13.00 bis 15.00 Uhr, montags, dienstags und donnerstags.
  12. Haben Sie besondere Fähigkeiten?
    Natürlich, aber diese sind in einem intimeren Bereich als in einem Fast-Food-Restaurant von Nutzen.
  13. Dürfen wir Ihren aktuellen Arbeitgeber kontaktieren? Wenn ich einen hätte, wäre ich nicht hier.
  14. Hindert Sie Ihre physische Verfassung, etwas zu heben, das schwerer ist als 20 kg?
    Das kommt drauf an. 20 kg von was?
  15. Haben Sie ein Auto?
    Ja. Aber die Frage ist falsch formuliert. Sie müsste vielmehr heißen: «Besitzen Sie ein Auto, das noch fährt, und haben Sie den entsprechenden Führerschein?» – Die Antwort auf diese Frage wäre ohne jeden Zweifel eine andere.
  16. Haben Sie schon einen Wettbewerb gewonnen oder eine Auszeichnung erhalten?
    Eine Auszeichnung nicht, aber ich habe schon zweimal drei Richtige im Lotto getippt.
  17. Rauchen Sie?
    Nur beim Sex.
  18. Was möchten Sie in fünf Jahren machen?
    Auf den Bahamas wohnen, zusammen mit einem superreichen Top-Model, das mich vergöttert. Um ehrlich zu sein, möchte ich das jetzt schon, wenn Sie mir sagen könnten, wie ich das anstellen soll.
  19. Können Sie uns bestätigen, dass die oben gemachten Angaben vollständig und wahrheitsgemäß sind?
    Nein, aber es liegt an Ihnen, das Gegenteil zu beweisen.
  20. Welches ist der Hauptgrund, sich bei uns zu bewerben?
    Dazu habe ich zwei Versionen:
    1. Die Liebe zu meinen Mitmenschen, ein profundes Mitgefühl und die Möglichkeit, anderen zu helfen, satt zu werden, oder
    2. horrende Schulden. Was denken Sie?

Das war der Personalbogen, den es so wirklich gegeben haben soll!!??

Trotzdem recht nah an der Realität, wie lt. FAZ-Meldung die Stellenanzeige für einen Nebenjob eines ehemaligen Bankdirektors, der mit Aussagen wie: “Ich habe zwei linke Hände und kann nichts….”, mehrere gute Jobangebote von renommierten Firmen erhalten hat.

These: Klar ist das originell und lässt uns schmunzeln; es hält dem Unternehmen den Spiegel vor und der Bewerber ist sogar ehrlich. Solch kreative Menschen brauchen wir!

Antithese: Offensichtlich kann man heute nur noch durch provokantes Auftreten punkten und auf sich aufmerksam machen. Solche Leute würde man nie in seinem Unternehmen einstellen!

Realität: Als Personalberater kann ich den nie vermitteln – hier ist von den Unternehmen immer noch Seriösität gefragt.

Wie sehen Sie das?


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11 Kommentare »

  • Armin sagte:

    Sicher eine Spur zu provokativ, aber…
    Wer einmal Personalern bei der Sichtung von Bewerbungsunterlagen zugeguckt hat, weiss, dass man in 30 Sekunden Aufmerksamkeit und eine Einladung zum persönlichen Gespräch (und nicht den Job) erreichen muss.

    Mir selber ist in meiner Zeit als Personalleiter folgendes passiert:
    Einem Bewerbungschreiben lag ein linker Handschuh bei. Begründung: “Da er keine linken Hände habe, bräuchte er diesen nicht.”

    Er hat den Job nach weiteren Gesprächen bekommen. Und es ging übrigens um eine Tätigkeit in der Öffetnlichkeitsarbeit…

  • Biggi sagte:

    Also ich find das auch ne Spur ZU provokativ. Kann mir kaum vorstellen, dass das wahr ist und schon gar nicht kann ich glauben, dass er den Job bekommen hat. Denn bei allem Respekt vor kreativer Originalität und großer Klappe – den hätte selbst ich nicht eingestellt. ;)

  • Johannes sagte:

    Finde ich richtig toll,
    Eindeutig, der Bewerber hätte bei mir große Chancen, wenn neben seiner offensichtlichen Kreativität und Intelligence, Teamfähigkeit, notwendiges Basis-Fachwissen Zielstrebigkeit und Beständigkeit zur Fortbildung vorhanden wäre.
    Aus meiner Sicht und Erfahrung, ein typischer Fall mit Potential, aber nichts für schwache Führungspersönlichkeiten.

  • Wolfgang Horbach sagte:

    @Johannes: Das finde ich doch mal echte Führungsstärke! Nicht nach den üblichen Kriterien “Konformität, Angepassheit, Stromlinienform” beurteilen, sondern nach “Potenzial, versteckten Qualitäten und ‘was können wir gemeinsam daraus machen’”. WOW! Das ist ganz im Sinne von “Wertschöpfern, Innovatoren und Querdenkern”. Eben innovativ.in Sachen Personal-Entwicklung.

  • Lutz Falkenburg sagte:

    Den Bewerber hätte ich sofort genommen! Ich bin der irrsinn in Person. Deshalb auch irrsinn.de gmbh, wir fange da an wo andere aufhören! Als kleine FIrma booten wir regelmäßig die “global” (uiuiui) Player aus. Warum? Weil wir meinen was wir sagen. Gut aussehen und reden kann jeder, gut machen ist ein ganz anderes Thema. Wenn man ehrlich und offen mit den Menschen umgeht und sagt, was wirklich angesagt ist, das polarisiert. Ich liebe klare Verhältnisse. Viele überlegen, wie man in dieser oder jenen Situation seine Meinung systemkonform und statuskompatibel verpacken kann, so das einen keiner mehr richtig versteht. Ich liebe auch diese Menschen, denn ich verstehe Sie immer absichtlich falsch, bis sie endlich offen und ehrlich sind. Auch das polarsiert auf meiner Seite :-)

    Das Ergebnis? Man arbeitet nur mit Leuten zusammen, die einen und man versteht. Zum Bewerbungsbogen, der ist erstklassig!

  • Matthias Rückel sagte:

    Der nächste Schritt wär definitiv ein Vostellungsgespräch. Der Mensch ist interessant. Aber wahrscheinlh nicht Systemkonform.

  • Doc Sarah Schons sagte:

    Yep – Matthias – den/die würd ich auch einladen! Und was wollen wir mit “Systemkonformen” ?! ich brauche Querdenker ;-)

  • Claus Koßmann (author) sagte:

    Was nützt Dir der größte Spinner im Unternehmen, der täglich neue Ideen hat, immer nur alles durcheinander- und nichts zu Ende bringt.
    Wir hatten auch schon einige Bewerbungen von Leuten, die die Welt verändern wollten, jedoch im täglichen Arbeitsleben die einfachsten Dinge nicht auf die Reihe gebracht haben.
    Wenn Du eine Arbeitsauftrag hast, für den Du Geld bekommst, dann muss der erledigt werden.
    Den reinen Querdenker brauche ich dann, wenn nur Kreativität gefragt ist.
    Ich formuliere es noch anders:
    Wir suchen Leute, die “hungrig” sind, Potential haben, Verantwortung tragen und ideenreich sind.
    Die sollen nicht perfekt, können gerne älter oder auch Berufsanfänger sein.
    Wie wäre es mit dem systemkonformen Querdenker?

  • innovativ.in - Business Blog » Blog Archiv » Wie falle ich Personalentscheidern auf? sagte:

    [...] Liebe blogerInnen, auf den blog “Würden Sie den einstellen?” http://www.innovativ-in.de/blog/2007/08/29/979 kamen sehr interessante Reaktionen, die mich als Personalberater haben aufhorchen lassen. Sicherlich gibt es zwischen der reinen Provokations-Bewerbung ala McDo… und dem langweiligen Standartschreiben noch gute Zwischenlösungen, die auf besondere Art auf den Bewerber (m/w) aufmerksam machen. Besonders gut fand ich eine Erfahrung von Armin, dem ein Bewerber sich durch Ideenreichtum empfohlen und die Stelle auch bekommen hat: http://www.innovativ-in.de/blog/2007/08/29/979#comment-36467 . Genial, einen Handschuh zu schicken, um zu demonstrieren, dass man nicht unbeholfen ist. Meine Bewerbung muss dem oft überforderten Personalentscheider so ins Auge stechen, dass ich seine besondere Aufmerksamkeit erlange. Jeder, der schon einmal einen riesen Stapel an Bewerbungen durcharbeiten musste, weiss, was ich meine. Wir möchten als Personalberatung gerne noch mehr solcher guten Stories erfahren, um das Ergebnis in unseren Beratungsservice für Kandidaten einfliessen zu lassen. Haben Sie auch schon einmal eine besonders interessante Bewerbungen erlebt oder davon gehört? Für die beste Story erhalten Sie oder eine von Ihnen genannte Person von uns einen kostenlosen Bewerbungscheck! Vielen Dank für Ihre Hilfe. Mit besten Grüßen Ihr Claus Koßmann [...]

  • Marcel Widmer sagte:

    Den Bewerber mit dem linken Handschuh hätte ich auch ins Vorstellungsgespräch eingeladen. Genauso wie jenen 54-jährigen Bewerber, den ich vor einigen Jahren eingeladen habe und an einen Kunden vermitteln konnte. Er hat geschrieben:

    Ich kann Ihnen versichern, dass ich in meinen über 30 Berufsjahren so gut wie alle Fehler gemacht habe, die – durch das Lernen aus diesen Fehlern – zu meinen heutigen Qualifikationen beigetragen haben. Und ich kann Ihnen ebenso garantieren, dass ich deshalb all diese Fehler im Unternehmen Ihres Kunden nicht mehr machen muss.

    Dieser markante Satz im Bewerbungsschreiben war natürlich nicht der Grund, weshalb er den Job bekommen hat. Aber es war das “Eintrittsticket” zu einem Vorstellungsgespräch, in dem er mit seinen fachlichen und persönlichen Qualitäten überzeugen konnte.

  • Claus Kossmann (author) sagte:

    Danke, Herr Widmer, sehr gutes Argument. Kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen.

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