Am Ende der Woche, in der ich bei Ihnen gastbloggen durfte, sage ich an erster Stelle ganz herzlich Dankeschön für die eingeräumte Gelegenheit dazu, Ihr Interesse und Ihr gleichwohl freundliches wie engagiertes Feedback. Ich habe mich in Ihrer virtuellen Runde überaus wohl gefühlt.
Als Blog-Ersttäter war ich besonders gespannt. Frau Wiegand wünschte mir im einleitenden Vorstellungstext eine anregende Woche – besten Dank, dieser Wunsch hat sich bestmöglich erfüllt.
Wenn man an mehreren Tagen aus der Perspektive der Neugründung über seine Geschäftstätigkeit erzählt hat; was läge da näher, als zum Abschluss über Hoffnungen und Pläne zu berichten? Eben.
Kleine Kinder, kleine Sorgen – große Kinder, große Sorgen?
Für den Start meines Maßmodengeschäfts brauchte es relativ wenige Mut, wenn man das Gründungsrisiko mit dem anderer Start-Ups vergleicht: Ich musste mich für das notwendige Rüstzeug, das ich Ihnen gestern beschrieben habe, weder verschulden, noch meinen bisherigen Brötchenerwerb mit der Marketingagentur aufgeben. Es gab auch keinen Eröffnungstag X, an dem ich in einen meiner besten Anzüge gehüllt in meinem eigenen Ladenlokal gestanden und mit liebevoll vorbereiteten Schnittchen darauf gewartet hätte, dass bitte auch jemand außerhalb des eigenen Familien- und Freundeskreises zur Tür herein findet.
Nein, meine Sorgen waren pillepalle: Passt der erste für mich selbst georderte Testanzug? Entspricht die Qualität meinen Vorstellungen? Im nächsten Schritt: Wird meinen Freunden die georderte Ware gefallen? Schließlich: Werde ich auch außerhalb meines Freundes- und Bekanntenkreises Kunden finden?
Und trotzdem: Die gefühlte Sorge kann andere Dimensionen einnehmen. Noch heute habe ich zum Beispiel kein Stück an Coolness gewonnen, wenn es um die Anfertigung von Maßkleidung geht, die zu einem fixen Termin gebraucht wird. Outfits von Bräutigamen (ja, so heißt’s tatsächlich richtig in der Mehrzahl) und Trauzeugen sind so ein Fall – am liebsten würde ich mich nach Auftragserteilung persönlich neben den Schneider stellen und gucken, ob er auch alles richtig macht. Dass er sich zum Beispiel bei der gewünschten Namensgravur im Innern des Sakkos «Wilfried Leutheusser-Schnarrenberger» nicht verstickt. Und anschließend würde ich die Ware am liebsten persönlich mitnehmen, damit sie nicht in der Post verloren geht.
Okay – bisher hat es weder der Schneider an Konzentration missen lassen, noch hat die Post ein Paket verbummelt. Aber man weiß ja nie.
Milestones – die mögen für Businessplanorientierte das Erreichen des Break-Even-Points und das der positiven GuV sein. Für mich waren es der erste Wiederholkauf in meiner Kundschaft und der erste Kunde, der ohne die Empfehlungsschiene zu mir fand.
Zielmarken für die Zukunft: In den nächsten Jahren möchte ich das bisherige Servicevertriebsgebiet mit den Großräumen Köln/Bonn, Düsseldorf und Ruhrgebiet erschlossen haben. Konkret: Ich wünsche mir hier 500 Kunden. Das ist aus heutiger Sicht eine recht knackige Zahl, aber dennoch machbar. Und mit jedem neuen Kunden kommt man der Wurst vor der Nase ein Stückchen näher. Jeder Kunde soll so zufrieden gestellt werden, dass er gar keinen Grund mehr hat, seine Hemden, Hosen, Sakkos und Anzüge woanders zu kaufen. In diesem Zusammenhang darf ich Alexander Greisles Fazit in seinem Kommentar vom Montag «Einmal Maßanzug, immer Maßanzug.» im Hinblick auf mein stetes Bemühen konkretisieren in: Einmal GØRI, immer GØRI.
Auf dem Weg dorthin werde ich mich angesichts knapper werdender Zeit dem (Luxus-)Problem stellen müssen, wie ich mit meinem bisherigen Werbegeschäft zu verfahren gedenke. Das, was ich mache, habe ich in der Ausbildung gelernt, das habe ich im anschließenden Studium vertieft und das habe ich mein ganzes bisheriges Berufsleben lang gemacht. Und weil es mir Spaß macht, will ich es nicht aufgeben. Es ist aber keine unangenehme Vorstellung, irgendwann nur noch für die eigene Marke GØRI zu arbeiten.
Wachstumspläne: Wenn ein Markt erfolgreich erschlossen ist, tut man sich mit dem nächsten leichter – dank mühevoll erworbener Praxiserfahrung, aus der man für den weiteren Weg schöpfen kann. Franchise halte ich für eine reizvolle Option, um eines Tages den GØRI-Vor-Ort-Service in Deutschland flächendeckend anbieten zu können. Danach könnte man sich um die Erschließung benachbarter ausländischer Zielmärkte kümmern. Von der Nationalität her bin ich Österreicher, meine Mutter ist gebürtige Finnin. Ich wüsste also schon, wo ich’s zuerst wagen würde.
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Ebenfalls in Planung: die Ausweitung des Sortiments. Den Mann komplett von Kopf bis Fuß nach Maß einkleiden zu können, gäbe ein rundes Leistungsbild ab. Bereits in den nächsten Tagen startet der Vertrieb von GØRI-Maßmänteln aus feinem Kaschmir. Am Angebot von Maßschuhen tüftele ich noch. Vielleicht ja durch Kooperation? Für die Erschließung neuer Bezugsquellen und Fertigungsstätten meiner Ware muss ich mich bei zunehmender Expansion sowieso offen halten.
Den Kopf im Himmel tragen, aber mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben: Ein professionelles Sich-Sorgen-machen im Sinne von Kümmern und permanenter Wach- und Achtsamkeit sehe ich positiv. Ich meine damit, dass man durchaus visionär in großen Zielen denken kann und sollte, dabei aber auch immer aufpasst, dass das Gegenwärtige gesichert wird. Nicht, dass einem hinten wieder etwas wegbricht, während man vorne eifrig bastelt und baut. Sich Tag für Tag um seine Kunden, Mitarbeiter, Lieferanten, Kooperationspartner und überhaupt alle am eigenen Business beteiligten Menschen mit Leidenschaft zu kümmern, sollte stets die vornehmste Aufgabe bleiben.
Man liest sich, man sieht sich.
In dieser Hoffnung verbleibe ich mit herzlichem Gruß â€“ Ihr Christian Göri