Hückeswagen – Die unternehmerfreundliche Stadt
2007-09-03, von Uwe Ufer
Liebe Blogger,
nach all den Unternehmern im «Chefblog» freue ich mich über die Gelegenheit, Ihnen in meinem Blog etwas über die Arbeit eines Bürgermeisters vermitteln zu dürfen. Viele werden jetzt vielleicht denken, ein Bürgermeister sitzt den ganzen Tag nur hinter seinem Schreibtisch und denkt sich neue Verordnungen und Formulare aus, mit denen er seine Bürger ärgern kann. Und wenn er das nicht tut, ist er beim Sommerfest des Kaninchenzüchtervereins und kippt sich einen Schnaps nach dem anderen hinter die Binde…
(Leider?) sieht die Wirklichkeit aber ganz anders auf. Als Bürgermeister einer Stadt wie Hückeswagen ist man nicht nur Chef eines kleineren Unternehmens (wir haben 130 Mitarbeiter), sondern auch Vorsitzender des Rates und Repräsentant von insgesamt 16.500 Bürgern. Da kommen schon viele Aufgaben zusammen und man muss auf vielen Hochzeiten gleichzeitig tanzen.
Ein Zitat von Victor Hugo, das ich gerne benutze, lautet:
Die Zukunft hat viele Namen.
Für die Schwachen ist sie das Unerreichbare.
Für die Furchtsamen ist die das Unbekannte.
Für die Tapferen ist sie die Chance.
Wir haben es uns zur Maxime gemacht, die Zukunft als Chance zu sehen. Wir wollen Zukunft nicht nur erleben, sondern aktiv gestalten. Wenn wir selber handeln, haben wir alle Möglichkeiten offen. Wer abwartet und auf das Handeln der anderen wartet, wird von der Zukunft überrollt werden.
Das wichtigste Ziel dabei ist natürlich immer das Wohl der Stadt, Ihrer Bürger und der Unternehmen. Wir in Hückeswagen haben verinnerlicht, dass die Verwaltung für den Bürger da ist und nicht umgekehrt. Gerade auch für unsere örtlichen Unternehmen wollen wir ein verlässlicher Ansprechpartner sein und dafür sorgen, dass die Kontakte mit der Verwaltung so schnell und einfach wie möglich sind. Ich bin mir darüber im Klaren, dass gerade Unternehmer die Verwaltung oftmals nur als lästiges Übel empfinden und Bürokratie die erfolgreichen Geschäfte hemmen kann. Wir können zwar die Bürokratie als Stadt nicht ganz abschaffen, aber wir können helfen, die Klippen zu umschiffen und vor allen Dingen verhindern, dass noch weitere Hürden aufgebaut werden.
Die Stadt Hückeswagen arbeitet bereits seit Jahren aktiv am Ziel einer «mittelstandsfreundlichen Verwaltung». Dieses Jahr sind wir diesem Ziel schon sehr nahe gekommen, da wir das RAL-Gütezeichen «mittelstandsfreundliche Stadt» überreicht bekommen haben. Hierzu haben wir uns vom TÜV prüfen lassen und mussten 13 messbare Kriterien erfüllen, um das Gütezeichen zu erhalten. Ich bin stolz auf meine Mitarbeiter, dass wir dieses Gütezeichen zusammen mit Nagold im Schwarzwald als erste Stadt in Deutschland erhalten haben. Für weitere Informationen empfehle ich Ihnen die Webseite der Gütegemeinschaft oder unsere eigene Seite.
Heute bin ich wegen dieses Gütezeichens in Berlin, denn dort findet eine Sitzung der Gütegemeinschaft statt. Wir wollen uns als Stadt Hückeswagen noch stärker als bisher in die Gütegemeinschaft einbringen. Diese Gemeinschaft ist im letzten Jahr von 12 Städten und Kreisen aus ganz Deutschland gegründet worden, um ein überprüfbares und damit belegbares Gütezeichen zu schaffen, mit dem man als Verwaltung nachweisen kann, dass die Interessen der Unternehmer bei uns im Mittelpunkt stehen. Mittlerweile sind noch sechs weitere Kommunen der Gemeinschaft beigetreten und seitdem die ersten Gütezeichen u. A. an Hückeswagen verliehen worden sind, hat das Interesse natürlich stark zugenommen.
Wir wollen heute in unserer Besprechung die weitere Strategie festlegen, um auch weiterhin den Erwartungen der Unternehmer gerecht zu werden. Denn so ein Gütezeichen heißt ja nicht, dass man es sich auf den Kopfbogen klebt und dann für immer froh und glücklich ist. Die Kriterien müssen weiterentwickelt werden und der Prozess der Ausrichtung auf die Interessen der Bürger und Unternehmer unserer Stadt muss weitergehen.
Hier wollen wir uns als erste zertifizierte Stadt natürlich auch einbringen, um die Entwicklung in Gang zu halten und auch über unsere Stadtgrenzen hinaus zu tragen. Denn es nützt uns in Deutschland nichts, wenn nur ein paar Städte die Unternehmerfreundlichkeit stärken. Unternehmerfreundliche Verwaltung muss zu einer Selbstverständlichkeit in diesem Land werden.
Wir lesen uns morgen weiter!
Ihr Uwe Ufer





















Montag 3. September 2007 um 16:15
Lieber Herr Ufer,
Politiker, die andere Wege gehen, sind immer ein Lichtblick. Danke, dass Sie sich hier bei uns im Blog “stellen” und aus Ihrem Alltag berichten. Dass Sie in Hückeswagen an einer mittelstandsfreundlichen Verwaltung arbeiten, verdient Lob. Trotzdem machen mich Zertfizierungen äußerst skeptisch. Da wird etwas gemessen!!!, was eigentlich selbstverständlich sein müsste. Ein Gütesiegel als Beleg dafür, dass, “Unternehmer im Mittelpunkt” stehen. Was machen Sie konkret, um die Bürokratie abzubauen? Wie abhängig sind sie von Verordnungen und Gesetze der Regierung, der Verbände und Institutionen? Welchen Einfluss können Unternehmer nehmen? Wie sieht für Sie die Politik der Zukunft aus? Haben Sie Visionen? Bin auf Ihre Beiträge gespannt.
Montag 3. September 2007 um 18:30
Ich freue mich ganz besonders, dass hier ein “Unternehmer” aus dem öffentlichen Dienst bloggt.
Unternehmen ist in dem Fall der Gegensatz zu Verwalten.
Was mir an Uwe Ufers Amtsführung gefällt ist die Serviceorientiertheit seiner Stadtverwaltung.
Gütesiegel sollten nicht zum Selbstzweck werden, aber eine bürger- und unternehmerfreundliche Zertifizierung mit Selbstbindung muss jede Behörde anstreben.
Wäre das nicht schön, wenn Behörden noch am selben Tag unsere email-Anfragen beantworten und Bürgerbescheide in Kommunen innerhalb kürzester Zeit erlassen werden?
Da ich sowohl die Seite als Wahlbeamter, wie auch die des Unternehmers kenne, bin ich sehr gespannt auf die Reaktionen hier im business blog.
Wird Uwe Ufer hier als Unternehmer im wahrsten Sinne des Wortes akzeptiert werden?
Ich meine die Antwort zu kennen!
Montag 3. September 2007 um 21:38
Uwe Ufer ist ein Hoffnungsträger für alle Unternehmer/innen, die in diesem Staat ja grad ausgemerzt werden sollen. Blog auf!
Montag 3. September 2007 um 22:25
Vielleicht sollte sich Uwe Ufer beim Wettbewerb: “Die 100 innovativsten Unternehmen im Mittelstand” bewerben.
Die Chancen sind bestimmt nicht schlecht.
Dienstag 4. September 2007 um 11:36
Lieber Herr Ufer, was ich von Ihnen und über Sie gelesen habe, erfreut mich sehr. Wir brauchen in Deutschland noch ein paar Tausend Bürgermeister, die so innovativ denken und handeln wie Sie.
Wir diskutieren hier gerade in unserem Blog neue Formen der Politik. Können Sie dazu etwas sagen?
Dienstag 4. September 2007 um 15:32
Liebe Frau Wiegand,
natürlich sollte es so sein, dass Mittelstandsfreundlichkeit selbstverständlich ist. Sie ist es aber eben leider noch nicht überall, wie wir täglich – gerade auch im Umgang mit übergeordneten Behörden – feststellen müssen. Leider wird zu häufig noch das Handeln der Verwaltung ausschließlich nach den Buchstaben des Gesetzes ausgerichtet, ohne dass dabei nach rechts oder links geschaut wird. Dabei sollte m.E. immer das Wohl der Bürgerinnen und Bürger – und damit natürlich auch der Unternehmer – im Mittelpunkt stehen. Und wenn das Einhalten einer Verordnung keinen Sinn ergibt, dann ist diese Verordnung überflüssig und die Anwendung unnötig. Natürlich sind uns in den Gesetzen Schranken gesetzt – und das ist ja auch sehr wichtig und richtig. Man muss eben nur den gesunden Mittelweg zwischen den trockenen Gesetzen und dem wahren Leben finden…
Mittwoch 5. September 2007 um 00:39
Wer schreibt denn da?! Herr Ufer – ich kenne Sie als Mann mit “Biß” und Sinn für Innovation. Könnten Sie Ihren Presserefenten entspechend briefen ?!