Ich würde gerne mit Ihnen wetten…

2007-09-05, von Alexander Greisle

…anlässlich des heutigen Erfolges unserer Anti-Terrorfahnder. Klasse. Hat doch super geklappt mit den traditionellen Methoden.

Aber zurück zur Wette. Habe leider noch niemanden gefunden, der die Wette hält. Also versuche ich es hier noch mal.

Ich wette um eine Kiste leckeren Fellbacher Wein (vom guten; oder Wein aus der Gegend, in der wir dann leben werden), dass wir spätestens in 10 Jahren über die Umsetzung der roten Linien in der nachfolgenden Grafik sprechen oder einzelne davon bereits haben werden (Klick auf das Bild für größere Version):

glaesern-3.jpg

Die roten Linien symbolisieren die Vernetzung der ganz unterschiedlichen Überwachungs- und (Schein-)Sicherheitsmaßnahmen, die derzeit in Arbeit bzw. in der Diskussion sind. Die Vernetzung ist möglich über die kürzlich eingeführte eindeutige Steuer-ID jedes Bürgers (von der Geburt bis 60 Jahre nach dem Tod), in der Konsequenz nichts weiter als eine Personenkennziffer.

Möglichkeiten schaffen Begehrlichkeiten, scheinbar sinnvolle Gelegenheiten und politische Notwendigkeiten wird es genug geben. Aber halt, ich wollte Sie ja dazu bringen, dass Sie mit mir wetten.

Die drei Figuren in der Mitte symbolisieren übrigens Elita, mich und Sie.

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42 Kommentare zu “Ich würde gerne mit Ihnen wetten…”

  1. Matthias Rückel sagt:

    Ich würde ja gerne mir Dir wetten. Nur leider kann ich nicht dagegen setzen, da ich die gleiche Schreckensvision der Zukunft haben.

    Ich denke in 10 Jahren wird es auch die ersten Zugriffe von privaten Organisationen auf die vernetzten Daten geben.

  2. Wolfgang Horbach sagt:

    Lieber Alexander, kannst du nicht mal eine Wette anbieten, bei der man eine Chance hat zu gewinnen? Du machst es einem nicht gerade einfach:

    1. Führst du uns immer wieder vor Augen, wie wir immer mehr überwacht werden.
    2. Bietest du völlig unfaire Wetten an.
    3. Würde man selbst bei einem Wettgewinn erst in 10 Jahren an den Wein kommen.

    Gib zu: Ihr Schwaben wollt den Wein nur alleine trinken!

  3. Doc Sarah Schons sagt:

    Yep, Alex und Matthias!
    Ich glaub aber nicht, daß das noch 10 Jahre dauert.
    Nicht nur wegen der “payback” Karten und anderer “vorteilsverheißender” Erfassungssysteme, die in der Grafik noch nicht gelistet sind…
    Also: in 5 Jahren ist das Alltag – darauf wette ich 50 Saftboxen von Walthers !!! ;-)
    Es sei denn, wir bremsen das aus…
    Und das müssen wir!!!
    Und das können wir!!!

  4. Doc Sarah Schons sagt:

    Hoops – Wolfgang,
    hatte Deinen comment noch nicht gelesen vor Abschicken des meinen…
    Stimme Dir in allen Punkten zu ;-)
    Drum Wettverkürzung und Aronia-Saft als Alternative.
    Eh – Alex ein Schwabe?! Des glaub i fei net wirklich…. ;-)

  5. Alexander Greisle sagt:

    @Matthias: Wir suchen noch etwas ;-) . Mit dem Zugriff von Privatunternehmen, da könntest Du durchaus richtig liegen. Die ersten Begehrlichkeiten sind ja im Rahmen der Vorratsdatenspeicherung schon aufgetreten, wenn auch noch nicht im direkten Zugriff.

    @Wolfgang: So geht’s mir mit dieser Wette immer… ;-)

    @Sarah: Die Grafik bezieht sich explizit auf den Präventionsstaat. Datenkraken wie Payback & Co. sind extra nicht drin, da würde man ja nicht mehr fertig…

    “Zuagroaster” heißt das in Bajuwarien, das triffts besser :) . Aber richtig leckeren Wein können die Schwaben hier schon machen. Ich würde auch rechtzeitig das entsprechende edle Tröpfchen kaufen, das dann in zehn Jahren genau die richtige Reife hat – auf die Gefahr hin, dass ich es dann selbst trinken muß ;-)

  6. Doc Sarah Schons sagt:

    Errg – jetzt hab ich so doll getrackbackt und nix steht hier davon… ab übermorgen Ubuntu..
    ;-) . Verschlüsselt laufen wir jetzt eh, Herr Schäuble…

    Hab eigentlich gar keine Lust mehr, dieses Herr von “Staatsdienern” – ob es Politiker oder sonstwelche Beamte sind – ich nenn sie “OPM” (other people´s money) – zu finanzieren. Ihr?!

  7. Beate Strauss sagt:

    Ich meine, registriert sind wir ja heute auch schon – überall sind irgendwelche Daten abgespeichert. Bisher fand ich das zumindest nicht unangenehm, naiv wie ich bin, weil ich nicht mehr wie früher ständig Formulare ausfüllen und mich ausweisen muss.

    Vorausgesetzt wir haben in 10 Jahren noch die gleichen demokratischen Zustände, was würde diese Potenzierung an Überwachung für mich brave und unauffällige Bürgerin bedeuten? Wo ist die Schnittstelle zwischen Registrierung und aktiver Überwachung?

    Wenn wir jemals wirklich aktiv überwacht würden, hätten wir einen Stasi-Staat, eigentlich undenkbar in einer Demokratie, das wäre dann ja eine Diktatur – und die macht sowieso, was sie will.

    Ich wundere mich auch, wie ruhig sich Bürger und auch die Presse verhalten – keine Demonstrationen, kein Bürgerbegehren und kein Aufschrei in den Medien. Nur ein paar versprengte Leserbriefe und Initiativen!

  8. Doc Sarah Schons sagt:

    Neee – Beate! Wir sind hier alle hell wach !!!

    Die Bloggosphere formiert den Aufstand. Schon lang. Und wir machen mehr als “versprengte Leserbriefe und Initiativen”.

    Diktatoren darf man/frau EBEN NICHT machen lassen, was sie wollen.

    Der Schlaf ist Todes Bruder – hatten wir vor 70 Jahren schon. Mit allen schrecklichen Konsequenzen. Nicht noch mal!

    Desewegen Dank an Alex, Frank, Morgaine und all die anderen wachen Geister

  9. Elita Wiegand sagt:

    Deine Grafik ist deutlich, überdeutlich. Und wenn sie sich genau anschaut, sind es nur noch sehr wenige Schritte zum gläsernen Menschen.
    Diktatur des 21. Jahrhunderts?

    Und wenn ich schon mit dir in der Mitte stehe, Alex, dann sag mir doch, ob es einen Weg aus dem Datenlabyrinth gibt. Help!

  10. Lutz Falkenburg sagt:

    Also gegen die rote Linie ist nichts einzuwenden, WENN die Daten ALLE öffentlich sind, denn dann sind Sie nichts mehr Wert (schrieb ich glaube ich schon häufiger) ;)
    Informationen sind nur etwas Wert (wie alles) wenn Sie nicht frei verfügbar sind und NUR DANN sind die auch interessant. Wenn wir immer alle Informationen über jeden und alles hätten, wäre das ziemlich langweilig… klingt verrückt, ist es aber nicht. Nur, wir leben in einer Informationsgesellschaft in der Informationen=Rohstoff=Kapital sind!! Von daher bleibt, im Gegensatz zu der Grafik da oben, meine Freie-Informationen-Gesellschaft eine Phantasie.

  11. Doc Sarah Schons sagt:

    Also – wir hier verschlüsseln.. ;-)
    Michael Krause sei Dank!!!

  12. Wolfgang Horbach sagt:

    @Sarah #6: Wenn hier kein Backtrack eingetragen wurde, hat das nix mit Windows oder deinem Desktop zu tun, sondern es ist ausschließlich eine Angelegenheit von Wordpress bei dir und Wordpress hier sowie den beteiligten Servern. Und die laufen mit Linux. BTW: Ubuntu ist nur eine spezielle Linux-Distribution.

  13. Alexander Greisle sagt:

    Hallo Frau Strauss,

    naheliegende Gedanken. Vorab: Ich glaube auch nicht, dass von den Politikern heute jemand bewußt ein zweites Stasi-Regime aufbauen will. Man mag auch für jede einzelne Maßnahme Gründe finden, warum diese auch nützlich/positiv ist. Aber es gibt doch eine ganze Menge Aspekte als Antwort auf Ihre Fragen:

    - Es wird ein unbeherrschbarer Moloch von Möglichkeiten geschaffen. Wer kann garantieren, dass auch zukünftige Regierungen in Anbetracht der angebotenen Möglichkeiten nicht Mißbrauch betreiben? Wir sollten die beiden unsäglichen Regime des letzten Jahrhunderts nicht ganz aus den Augen verlieren, die bei den heute geplanten Möglichkeiten einen Multi-Orgasmus gehabt hätten.

    - Sie selbst müssen gar nicht selbst das Ziel sein. Sie können aber sehr schnell in das Umfeld eines Überwachten kommen und sind damit Gegenstand der Überwachung. Rund 42.000 mal wurden 2005 Personen telefonüberwacht (eine Steigerung von 45 % zu 2004). In den USA hat man wohl mal ermittelt, dass bei einer Telefonüberwachung 130 andere Personen betroffen sind. Damit ist die Zahl der bei uns betroffenen schon “etwas höher”: rund 5.460.000 Personen, das sind fast 7 % der Bevölkerung. Von der Vorratsdatenspeicherung sind 100 % der Bevölkerung betroffen.

    - Ganz banal: Es besteht ein enormes Mißbrauchspotenzial. Erst kürzlich kam es wieder mal zu einem “Zwischenfall” beim BND. Ein Beamter hat die dargebotenen Möglichkeiten mal kurz für private Zwecke mißbraucht.

    - Möglichkeiten schaffen Begehrlichkeiten. Zu beobachten beispielsweise bei der Vorratsdatenspeicherung, bei der die Musik- und Filmindustrie schon mit Schaum vorm Mund da steht und sie lieber gestern wie heute gegen Tauschbörsennutzer einsetzen will. Damit sind wir dann allerdings meilenweit von Terror entfernt. Das ist unter anderem das, was Matthias Rückel meinte.

    - Sie werden im Bewußtsein der ganzen Überwachungsmaßnahmen Ihr Verhalten verändern. Obwohl Sie eigentlich keinen Grund dazu haben.

    - Die Maßnahmen schüren das Mißtrauen der Bürger gegen den Staat. Ein BKA-Beamter ist im Zweifel jemand, der mir auf die Festplatte schauen will. Eine E-Mail einer Behörde oder das Elster-Programm ist im Zweifel ein Vehikel um einen Trojaner auf meinem Rechner zu installieren. Kann ich noch unbesorgt eine Webseite einer staatlichen Einrichtung ansurfen oder muß ich beführchten, dass auch diese ein Vehikel ist? Was ist von den Vorschlägen des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik zu halten, das eigentlich den Bürgern helfen will, ihre PCs sicher zu machen?

    - Ein Staat, der sich als Präventivstaat generiert, der mißtraut seinen Bürgern. Nur so kann ein Präventivstaat funktionieren. In so einem Staat möchte ich aber nicht leben.

    - Warum gibt es (noch) Beicht-, Post- und Bankgeheimnis, Schweigepflichten bestimmter Berufsgruppen und die Unverletzlichkeit der Wohnung? Würden Sie diese sofort abschaffen wollen? Nur dann hätten Sie wirklich nichts zu verbergen.

  14. Alexander Greisle sagt:

    Liebe Elita,

    der Weg aus dem Datenlabyrinth. Viele Einzelmaßnahmen, manchmal unbequem, umständlich und aufwendig. Zumindest für die Mehrheit, die eigentlich damit gar nichts am Hut haben möchte und das bisher auch nicht musste…

    - Sarah macht einen ersten Schritt: Betriebssystem absichern. Sich das notwenige Wissen aneignen oder jemand kennen, der das permanent für einen selbst übernimmt.

    - Kritische Dinge nur auf einem nicht und niemals mit dem Internet verbundenen PC erledigen. Dokumente dort ver- und entschlüsseln, auf den Online-PC rüber nehmen und dort nicht öffnen, verschicken.

    - Den Offline-PC nur von CD-Rom booten. Das geht über so genannte Live-CDs. Gibts ab und an auf den Heft-CDs von Computermagazinen oder im Internet.

    - PC mit einer Pre-Boot-Authentifizierung (Starten nur nach Passwort) mit Festplattenverschlüsselung ausstatten. Das ganze einen vor Ort greifbaren Experten machen lassen, wenn man es nicht selbst kann.

    - Verschlüsselung für E-Mails verwenden (GnuPG oder S/MIME).

    - Handy ausschalten, besser noch zu Hause lassen (auch ausgeschaltete Handys können abgehört und als Wanze verwendet werden).

    - Noch schnell einen Pass/Perso zumindest ohne Fingerabdrücke holen.

    - Maut-Terminals umfahren.

    - Keine Orte mit Kamera-Überwachung aufsuchen (Bio-Gemüse gehen wir ja auch bewußt einkaufen).

    - Kreditkarten bewußt verwenden. Bei Auslandsüberweisungen vorsichtig sein.

    - Sich immer anständig und vor allem angepasst verhalten. Schliesslich kennt man die Raster ja nicht…

  15. Alexander Greisle sagt:

    Noch eine Ergänzung, Frau Strauss,

    es entsteht ja ein riesiger Datenberg. Dem muß man ja irgendwie zu Leibe rücken. Dazu gibt es Methoden, zum Beispiel aus der Business Intelligence oder der Künstlichen Intelligenz. Diese funktionieren zum Teil recht brauchbar, aber auch mit Unschärfen und Fehlern.

    Stark vereinfacht kann man sich das zum Beispeil so vorstellen, dass jemand gewisse Muster definiert und auf diese den Datenbestand durchsucht. Das könnte so aussehen: Suche alle, die häufig E-Mails verschlüsseln, häufig das Handy abgeschaltet haben, viel ins Ausland telefonieren und mailen, mit arabisch aussehenden Personen zu tun haben, ab und an grössere Summen aus dem Ausland erhalten. Trifft dieses Raster zu, dann würden mit der Vernetzung der Datenbestände Personen gefunden werden, über die Personenkennzeichnung sofort identifizierbar. Pech, wenn Sie dabei sind… Egal ob Sie dann unschuldig sind oder nicht, jetzt haben Sie ein Problem. Rein präventiv, natürlich.

    Zwei Punkte:

    - Wer definiert die Muster?
    - Wenn Sie die Muster kennen würden, würden Sie sich dann angepaßt verhalten, damit Sie nicht ins Muster fallen?

  16. Frank Hunck sagt:

    Schöne neue Welt, nur dass sie so neu nun auch nimmer ist…

    Bei Deinem Weg aus dem Datenlabyrinth, Alexander, ist der letzte Punkt das Problem: Sich immer anständig und vor allem angepasst verhalten. Wie kann dann noch ein Widerstand gegen solche Entwicklungen contra eines undemokratischen Überwachungsstaates sein?

    Wenn ich mich ruhig verhalte, kann ich nicht sichtbar opponieren, nicht andere Menschen, die gutgläubiger sind, auf die Gefahren aufmerksam machen – und damit haben “sie” auch erreicht, was sie wollen – Friedhofsruhe herrscht in Deutschland.

    Persönliches Beispiel (aus anderem Bereich): Ich hab in den letzten Wochen bei mir festgestellt – die zunehmende Abmahn-Flut rund um die Blogging-Szene löst in mir eine Form der Eigenzensur aus, ich nehme ältere Artikel teilweise vom Netz (GEZ-Abmahnungen), nur der potentiellen Gefahr aus dem Wege zu gehen… und das gefällt mir ganz und gar nicht, aber freies Geld für die Kosten einer Abmahnung habe ich nicht.

  17. Frank Hunck sagt:

    @Sarah (8): Ich würde die Reichweite der Blogosphäre nicht überschätzen wollen. Nach der neuen ARD/ZDF-Online-Studie nutzen rund 60% der Deutschen über 14 das Internet, davon lesen 8,36 Prozent der Internetbenutzer Blogs und 2,64 Prozent der Internetbenutzer sind Blogger.

    Kritische Blogger sind auch nur ein kleiner Teil davon, und unsere “Reichweite” beschränkt sich auf unseren Teil der Blogosphäre, den kritischen, glaube ich.

    Manchmal denke ich, die Informationen, die ich auf mein Blog setze, dienen der Selbstberuhigung – wenn in 20 Jahren dann die – nicht vorhandenen – Enkel fragen: Und was hast Du dagegen gemacht?

  18. Alexander Greisle sagt:

    Genau das ist der Punkt, Frank (#16). Genau das. Um potenziellen “persönlichen Unangenehmlichkeiten” aus dem Weg zu gehen, wird das Verhalten angepaßt. Ich beobachte mich beispielsweise dabei, wie ich nach Kameras Ausschau halte. Das nervt mich extrem – sowohl die Kameras als auch das Ausschau halten… Vielleicht bin ich ja übersensibilisiert, der Effekt wird sich trotzdem in der Breite einstellen.

  19. Where have all the flowersdata gone… :: frank huncks blog :: selent sagt:

    [...] Alexander Greisle gestern auf innovativ-in: Ich wette um eine Kiste leckeren Fellbacher Wein […], dass wir spätestens in 10 Jahren über die Umsetzung der roten Linien in der nachfolgenden Grafik sprechen oder einzelne davon bereits haben werden [...]

  20. Alexander Greisle sagt:

    @Frank, Selbstberuhigung (#17), es muß ja nicht beim bloggen bleiben. Bloggen ist reden. Und zumindest das kann jeder tun. Sensibilisieren, egal ob in Blogs, in der Familie, mit Freunden, in Diskussionen oder mit Politikern (die wenigsten kennen die Konsequenzen bzw. können diese abschätzen).

    Ich gebe Dir völlig recht ob der eingeschränkten Reichweite, dafür diese sehr speziell und punktgenau. Und viele Menschen lesen Blogs, ohne zu wissen, dass sie auf einem sind (ein methodisches Problem solcher Studien). Muß man ja auch nicht wissen. Ein Blog ist zunächst mal eine Webseite wie jede andere.

  21. Frank Hunck sagt:

    @Alexander: Stimmt, das vergesse ich immer wieder – Blogs sind Websites wie alle anderen auch ;)

  22. Morgaine sagt:

    “Sich immer anständig und vor allem angepasst verhalten. Schliesslich kennt man die Raster ja nicht…”

    Was ist das denn für ein Tipp? So wird das aber nix mit dem “Querdenken”. ;-)

  23. Alexander Greisle sagt:

    @Morgaine: Bitte Ironiedetektoren neu justieren ;-)

    Wie viel Prozent der Bevölkerung würden das einfach tun? 80 %, 90 %, 98 %?

  24. Matthias Rückel sagt:

    “Sich immer anständig und vor allem angepasst verhalten. Schliesslich kennt man die Raster ja nicht…”greift sogar zu kurz.

    Die Raster ändern sich ständig und die Beurteilung der Sachverhalte auch. Bsp. Organisationen interessieren sich für den Gesundheitsstatus und greifen auf Informationen der Agentur für Arbeit zurück. Damit sind alle über 45 automatisch als Schwerbehindert gekennzeichnet und bekommen bestimmte Leistungen nicht mehr, oder werden als nicht geeignet aussortiert, bekommen bestimmte Angebote nicht mehr gemacht etc..

    Es wird unmöglich werden sich Systemkonform zu verhalten, jeder Mensch verhält sich widersprüchlich und aus jeden Widerspruch kann man einen Fallstrick zimmern. Früher war das kein Problem, in Zukunft wird die Möglichkeit bestehen aus jeden normalen Leben gefährliche und krankhafte Züge zu konstruieren. Ein bißchen Fantasie und Zielstrebigkeit reicht da aus.

    Gepaart mit der Abschaffung der Unschuldvermutung wirklich nette Perspektiven.

  25. Matthias Rückel sagt:

    @Lutz: Sehr guter Hinweis. Wenn alles öffentlich und Transparent ist macht Datensammeln und das Auswerten und Beurteilung von Daten keinen Sinn mehr. Myspace und Social Software als verkappte Strategie um Überwachungsstaaten ad absurdum zu führen? Als systemisch denkender Mensch muss ich mal darüber nachdenken.

  26. Beate Strauss sagt:

    Ich muss auch nachdenken…

    Ich habe die Steganos Security Suite auf meinem PC installiert. Vielleicht werde ich sie demnächst intensiver nutzen!

    Ich werde ansonsten aber einen Pfeifendeckel tun und mich anpassen. Woran eigentlich?

    Mich regt am meisten der gewaltige Verwaltungsapparat auf, der dadurch aufgebaut werden muss und der Unsummen verschlingen wird, die im sozialen Bereich besser investiert wären. 90 Mio registrieren für ein paar tausend Gauner!

    Überwachung: zu Unrecht verdächtigt werden, war schon immer ein Problem. Ende der 70iger mietete ich aus beruflichen Gründen eine Zweitwohnung an, die ich dann doch nicht bezog und bald kündigte. Einige Monate später erfuhr ich, dass ich zwei Monate überwacht worden war mit allen Unannehmlichkeiten (z. B. Befragungen meines Umfeldes), auch weil ich eine Kusine hatte, die anfänglich Meinhof-Sympathisantin war – alles ganz ohne Internet, in Zeiten von Panik treten andere Mechanismen in Kraft.

    @Doc Sarah: Bloggen reicht aber nicht, um ein Gesetz noch zu kippen oder zumindest noch zu entschärfen. Opposition, Presse, Initiativen – keine Proteste. Wo sind die Datenschützer, die sonst bei jeder Gelegenheit schreien?
    Ist vielleicht doch die Terror- und Mafia-Gefahr so groß, dass sie derartige Gesetze rechtfertigt?

    Grübel….

  27. Alexander Greisle sagt:

    > Ist vielleicht doch die Terror- und Mafia-Gefahr so groß,
    > dass sie derartige Gesetze rechtfertigt?

    Ist sie das? Kann sie das sein? Ich bin überzeugt, dass unserer Gesellschaft diese beiden Übel weniger schaden als Überwachungs- und Präventionsgesetze. Ich will ja die Historie nicht überstrapazieren…

    Es wird ja gerade so getan als gäbe es nur die Pole Terror auf der einen und Freiheit auf der anderen Seite. Als würde sich Terror, Mafia und Kinderpornografie erledigen, wenn wir nur auf genügend Freiheitsrechte verzichten und uns nicht so anstellen. Hallo?

    In Zeiten von Panik, ja. Ich habe keine und kenne auch niemanden in meinem Umfeld, der Panik hätte. Man könnte aber den Eindruck bekommen, wenn man heute Politikern und BKA-Präsidenten im TV und Radio zuhört. Warum wohl? Soll da vielleicht Druck zugunsten der Gesetzesvorhaben aufgebaut werden?

    Die Datenschützer melden sich zu jedem der Themen. Peter Schaar und seine Landeskollegen machen im Anbetracht der massiven Veränderungen keinen schlechten Job. Nur ist deren Ansehen in der Politik heutzutage “nicht sehr hoch”. Man hört nicht mehr auf sie, sie werden als Bremser ins Eck gestellt, man versucht moralischen Druck aufzubauen, dass sie durch die Blockade mitschuldig wären, wenn es zu einem Anschlag kommt. Nicht umsonst werden Gelder für den Datenschutz (und die -forschung) gestrichen. Nicht umsonst ist Deutschland das einzige Land in der EU, das die entsprechende Richtline zur Unabhängigkeit der Datenschützer noch nicht umgesetzt hat.

    Glaubt jemand an Zufall? Kann es Zufall sein, dass gerade jetzt drei Terrorverdächtige sehr medienwirksam festgenommen wurden, obwohl die Beobachtung schon Monate dauert und obwohl laut Aussagen keine kurzfristigen Anschläge anstanden sondern die Jungs noch in Vorbereitung waren? Warum gerade jetzt (angeblich wollten sie getrennt weitermachen – als könnte man sie dann nicht weiter beobachten)? Kann es Zufall sein, dass das passiert, als gerade der Gegenwind stärker wird? Kann es Zufall sein, dass das passiert, als gerade ein BND-Mann beim privaten Mißbrauch der Überwachungswerkzeuge erwischt wurde? Zur “Unzeit”, wie es aus Regierungskreisen verlautete. Zur Unzeit, aha. Zufall?

  28. Doc Sarah Schons sagt:

    @ Alex #27:

    Nee, Zufall ist das bestimmt nicht… Als ich gestern die “news-Welle” der Festnahme durch meine feed-reader schwappen sah, dacht ich noch: wie platt kann´s denn werden?! Da hatten sich ja wirklich alle verabredet, die Presse-Leute/sind verabredet worden?!

    Find grad den link zu Wolfgangs gutem Artikel hier nicht mehr, als er die statistischen Wahrscheinlickeiten möglicher Todesursachen aufgerechnet hat… Terror-Anschläge waren da gaaanz weit hinten…

    @ Wolfgang: könntest Du um der Perspektive willen den link hier einbauen?! ;-)
    In Deutschland spielen wir doch grad wieder: “Wenn man vor der Angst kapituliert, verliert man die Perspektive”

  29. Wolfgang Horbach sagt:

    Bitteschön, hier ist der Statistik-Service: Tote durch Terror, Verkehr, Alkohol, …. Also Terror ist (fast) vernachlässigbar. Der Mensch ist schon ein komisches Wesen. Das, was am ungefährlichsten ist, macht ihm am meisten Angst. Begreife das, wer will.

  30. Alexander Greisle sagt:

    In der obigen Grafik fehlt übrigends was: Die TKÜV (Telekommunikations-Überwachungsverordnung), die seit 2005 die Überwachung des Internet-Verkehrs regelt. So muß beispielspeise ein Provider auf richterlichen Beschluß die gesamten Daten der E-Mail-Kommunikation übergeben. Ich werde das bei Gelegenheit noch nachtragen (done).

    Der Bundestrojaner soll im Gegensatz heimlich Festplatten und gespeicherte Dateien durchschnüffeln. Selbst einem technischen Laien sollte 2007 klar sein: Festplatte ungleich Internet.

    Ich dachte, ich muß das nochmal klarstellen. Nachdem schon die in der aktuellen Medienoffensive agitierenden Polikter und BKA-Beamten diese Kenntnis nicht haben. Wenn der BKA-Chef jetzt also jammert, dass das Internet droht, ein rechtsfreier Raum zu werden um im zweiten Halbsatz die heimliche Festplattendurchsuchung zu fordern, dann hat er unter Umständen a) noch Nachholbedarf bei den existierenden Werkzeugen und b) nicht so viel technisches Verständnis wie es der Diskussion angemessen wäre.

    Oder gilt hier vielleicht der Spruch von Karl Kraus?

    “Das Geheimnis des Agitators ist, sich so dumm zu machen, wie seine Zuhörer sind, damit sie glauben, sie seien so gescheit wie er.”

  31. Matthias Rückel sagt:

    Terror als Todesursache mit Verkehrstoten zu vergleichen halte ich für ziemlich geschmacklos. Oder sind die Unfallzahlen nicht nur ein Klacks gegen die Toten des 2. Weltkriegs?

    Trotzdem spielt bei der Einschätzung natürlich die subjektive Kontrolle eine Rolle. Autofahren, Arztbesuche, Fallschirmspringen ist der Mensch ein Akteur, der das Risiko mit bestimmen kann. Beim Terror bin ich zu 100% Opfer ohne jede Einflußmöglichkeit. Hat auf den Subjektiven Angstfaktor einen großen Einfluß in unserer Welt in der wir alles für plan- und konkrollierbar halten.

    @Beate: Helmut Schmidt hat in einem Interview über die RAF-Zeit gesagt, ihn habe im Nachhinein erschreckt, wie schnell er und alle Beteiligten bereit gewesen seien, daß aufzugeben, was es in diesem Moment eigentlich zu verteidigen galt.

  32. Matthias Rückel sagt:

    @Alex:
    “Das Geheimnis des Agitators ist, sich so dumm zu machen, wie seine Zuhörer sind, damit sie glauben, sie seien so gescheit wie er.”

    Ich habe bei einem anderen Artikel schon mal darauf hingewiesen, daß ich die angebliche Inkompetenz -über die hier im Blog auch schon gelächelt wurde- unserer Sicherheitsbehörden für Nebelkerzen halte. So halte ich auch den Zeitpunkt der Festnahme für wenig zufällig.

  33. Alexander Greisle sagt:

    Matthias, das Zitat war extra für Dich (na ja, fast ;) ). Ich glaube, das eine wie das andere trifft zu.

    Super Dein Hinweis auf das Zitat von Helmut Schmidt. Hast Du zufällig eine Quelle?

  34. Wolfgang Horbach sagt:

    @Matthias #31: Bei dem Vergleich der Toten geht es darum, wie hoch die Risiken im Einzelfall sind und was wir für einen Aufwand treiben, um den Risiken zu entgehen. Zurzeit läuft bei uns im Lande eine Diskussion, die an Idiotie kaum noch zu übertreffen ist. Derjenige, der sich durch Terror bedroht fühlt (obwohl es in diesem Lande bisher Gottseidank keinen einzigen Terror-Toten gab!), setzt sich locker in sein Auto, obwohl das Risiko dabei umzukommen oder schwer verletzt zu werden, 10.000 mal größer ist. Das ist völlig bescheuert.

    Um einer unglaublich kleinen Gefahr zu entgehen, sind wir bereit, unsere Freiheit zu opfern. Ist das klug?

  35. Doc Sarah Schons sagt:

    “Wer Freiheit für Sicherheit opfert, verdient keins von beiden”…
    Dieses treffliche Zitat brachte Alex mal in die Blogosphere… Und kaum zu Glauben: es stammt von einem Amerikaner… aber schon von vor laaaanger Zeit…

    Die Diskussion hier finde ich sehr gut und profund. Ein reliabler Informations- und Gedanken-Pool für jeden Menschen im Lande, der/die wissen möchte, wo wir grad stehen und wo es denn hingehen kann…

    Immer eine Freude, erleben zu dürfen, wie wach wir sind und daß wir in der Tat über Schwarmintelligenz verfügen ;-)
    Und von da aus auch was bewegen…
    Ihr wißt ja: “der Flügelschlag eines Schmetterlings….”
    Danke Euch Allen ! Und bitte weiter diskutieren !!! :-)

    Für einen gesunden Staat votiert Blog Doc :-)

  36. Matthias Rückel sagt:

    @Wolfang: Ich habe das Anliegen des Vergleichs schon verstanden. Die Vergleichsargumentation ist einfach nur Panne.

    Es um mehr Dinge als die individuelle Sterbewahrscheinlichkeit. Ansonsten siehe Kommentar 32 von mir.

  37. Wolfgang Horbach sagt:

    Hi Matthias, wo ist denn deine Argumentationsstärke geblieben? Du bezeichnet meine Vergleiche als “ziemlich geschmacklos” und “einfach nur Panne”. Und sagst in Kommentar # 36, es ginge um mehr. Um was?

    Ich habe nicht verstanden, warum meine Vergleiche so falsch sein sollen. Vielleicht muss ich meine Argumentationskette noch ein mal verdeutlichen:

    1. Wir werden durch Terror bedroht. Ja, da stimme ich zu.
    2. Der Staat hat in Form der Sicherheitsorgane diese Gefahren zu erkennen und sie abzuwenden. Ja, ich stimme zu.
    3. Notfalls müssen zum Schutz auch Gesetze geändert werden. Auch hier stimme ich noch zu.
    4. Es muss eine Güterabwägung erfolgen.

    Hier haben Herr Schäuble und ich wahrscheinlich schon erhebliche Differenzen. Er meint, die Terrorismusgefahr rechtfertige Maßnahmen, die im Zweifelsfall erlauben, auch die Computer von dir und mir zu durchsuchen, ohne dass wir das mitbekommen. Ich meine – und mit mir viele hier im Blog und auch viele Experten im Lande – dass die Terrorismusgefahr sehr klein ist (daher meine Vergleiche) und dass es daher nicht gerechtfertigt ist, dafür sehr hohe Güter der Demokratie, nämlich Freiheit und Privatsphäre zu verletzen.

    Es kommt noch schlimmer: Die diskutierten Maßnahmen, Stichwort “Einschleusen des Bundestrojaners durch harmlose Behörden-E-Mails” untergraben eine elementare Basis unserer Demokratie, nämlich das Vertrauen des Bürgers in ihren Staat. Muss ich mit der nächsten Abgabe der Umsatzsteuererklärung via Elster damit rechnen, dass mir Herr Schäuble einen Spion auf meinen Rechner schleusen lässt?

    Wir sind das Volk, kann ich da nur im Nachklang zu 1989 sagen. Die staatlichen Institutionen sind dazu da, zu unserem Wohle zu arbeiten. Und nicht umgekehrt.

    Terrorismus abwehren, JA. Freiheit und private Atmosphäre gefährden, NEIN. Herr Schäuble überzieht gnadenlos. Und dagegen wehre ich mich leidenschaftlich.

    Wir hatten vor 70 Jahren die GESTAPO. Wir hatten vor 20 Jahren die STASI. Sind wir lernfähig?

  38. Alexander Greisle sagt:

    @Wolfgang: Ob wir lernfähig sind? Heute gibts scheinbar “Beckstein Kommunen” (welt.de, 4. Antwort)

  39. Doc Sarah Schons sagt:

    @ Alex und Wolfgang: die hießen früher “Ghettos”, oder?! Oj vej –

    Da stutzt der brave Bürger (gefunden
    bei Morgaine und schon in meinem “Zivilcourage” Artikel im Doc Blog: zitiert)

    Hermann Göring 18. April 1946 im Nürnberger Prozess:
    Aber schließlich sind es die Führer eines Landes, die die Politik bestimmen, und es ist immer leicht, das Volk zum Mitmachen zu bringen, ob es sich nun um eine Demokratie, eine faschistische Diktatur, um ein Parlament oder eine kommunistische Diktatur handelt. das Volk kann mit oder ohne Stimmrecht immer dazu gebracht werden, den Befehlen der Führer zu folgen. Das ist ganz einfach. Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land in Gefahr. Diese Methode funktioniert in jedem Land.

    Quelle: G.M. Gilbert, Nürnberger Tagebuch

  40. Selbstbestimmte Fremdbestimmung - work.innovation Blog sagt:

    [...] Ist das die Informationelle Fremdbestimmung, wie Prof. Miriam Meckel die aktuellen Tendenzen umschreibt, in der selbstbestimmten Version? Wäre das in der absehbaren Komplexität überhaupt leistbar? [...]

  41. innovativ.in - Business Blog » Blog Archiv » Keine 10 Jahre mehr sagt:

    [...] Wetten wollte ich mit Ihnen. Zu Recht hat niemand die Wette angenommen. Kommissar Frattini will Anfang November ein umfangreiches Paket gegen den Terrorismus vorlegen, dessen wesentliche Teile schon vorab die Zustimmung der Minister fanden. Genauere Kontrolle von Reisenden, eine schärfere Überwachung des Internets, eine Verknüpfung von Datenbanken und deren umfassendere Auswertung sind einige Kernelemente des Frattini-Plans. (Quelle: heise.de) [...]

  42. willswissen sagt:

    Hi,

    ich bin durch Zufall auf diese Seite gestossen. Soll ja vorkommen;-).

    Bei allen hier genannten Fakten möchte ich das Augenmerk mal auf den Part Gesundheit richten. Was in der nächsten Zeit hier kommen soll, ist beachtlich.
    E-Card oder neudeutsch elektronische Gesundheitskarte sind hier die richtigen Stichworte.
    Auch ein Form der Überwachung und der Möglichkeit umfangreiche Datenpools zu verknüpfen und auszuwerten.
    Siemens sieht hier zu Recht Goldgräberstimmung aufkommen.
    Wer krank wird ist in der Überwachung und nicht mal die Möglichkeit “das Handy zu Hause lassen” gibt es hier.
    Ich war auf der Demo in Berlin und habe fleißig Infomaterial und verbale Infos verteilt.

    Gegen das was da läuft ist meine FP nur kalter Kaffee.

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