100 Jahre Wilkhahn: innovativ in die Zukunft
Es gibt sie, die quirligen Unternehmen mit Visionen, Leidenschaft, Mut, Pioniergeist und einer wunderbaren Unternehmenskultur. Und wenn sie dazu durch Design und innovative Produkte bestechen, wow! Habe gerade ein Interview mit dem Pionier der Büro-und Objektmöbelbranche Wilkhahn gemacht und das hat mich vollends überzeugt. (Wilkhahn feiert gerade 100-jähriges Firmenjubiläum – wir gratulieren!) Hat doch zum Beispiel der Wilkhahn Gründersohn Fritz Hahne gesagt: «Ich will mit Anstand Geschäfte machen» und er handelt danach! Wilkhahn hat als erstes deutsches Unternehmen nach dem Krieg die Altersvorsorge eingeführt und die Mitarbeiter am Gewinn beteiligt. Wilkhahn fördert die Eigeninitiative, forscht, experimentiert, handelt verantwortungsvoll, ist sozial und nachhaltig und Wilkhahn hat die Bürowelt mit ergonomischen Stühlen revolutioniert. Und weil die Technik unseren Alltag bestimmt, hat Wilkhahn Konzepte für die Zukunft des Arbeitens entwickelt. Grandios!
In einer Forschungskooperation mit dem Fraunhofer IPSI und im Rahmen eines Forschungsprogramms der Europäischen Kommission wurden zukunftsfähige Produkte entwickelt und innerhalb des weltweiten EXPO 2000 Projektes “Zukunft der Arbeit im Spannungsfeld von Mensch, Natur, Technik und Markt” gezeigt.
Wilkhahn hat damals die Tochter Foresee gegründet und sich gefragt, warum die Möglichkeiten moderner Computertechnologie allzu oft dort enden, wo Menschen gemeinsam arbeiten? Warum machen Laptop und Beamer jedes Meeting zu einer Multmedia-Informationsshow, ohne aktive Beteiligung? Wie kann eine digitale Arbeitsumgebung aussehen, die Teamarbeit ermöglicht und deren Technik keine Berührungsängste weckt, sondern die Kreativität fördert?
Die Wilkhahn InterWall zum Beispiel. Sie ist bestens für Teamarbeiten, Präsentationen und Konferenzen geeignet. Präsentationen und Grafiken werden in beliebigen Dateiformaten auf eine holographische Glasfläche projiziert.
Oder der InteracTable (Foto) ist ein Tisch, bei dem der großformatige, interaktive Bildschirm in die Tischfläche eingelassen ist und der als gemeinsame Arbeitsfläche für Projektgruppen dient. Damit verbindet Wilkhahn High Tech mit vertrauten Arbeitsmethoden und die Bedienung erfolgt mit Stift oder Finger anstelle von Tastatur und Maus. Wilkhahn hat den InteracTable 1999 (!)vorgestellt.
Jahre später, nämlich Ende Mai 2007 rührt Microsoft die Werbetrommel für den interaktiven Tisch Surface. Also: Es gibt sie schon die Produkte, die die Kommunikation und die Arbeitsprozesse im digitalen Zeitalter fördern.
Doch: «Wir haben die verblüffende Erfahrung gemacht, dass selbst Unternehmen, die im IT-Bereich führend sind, in ihren eigenen Räumen mit Overhead Projektionen und Flipchart arbeiten.» Hat der Wilkhahn Unternehmenssprecher Burkhard Remmers in dem innovativ.in Interview gesagt. Heißt im Klartext: Unternehmen scheuen die Kosten, um sich für die Zukunft fit zu machen. Armes Deutschland?
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„Ich will mit Anstand Geschäfte machen“ – ja, das ist mal eine Aussage…
Wir sind reich… mit unserem Wissen!
Schön, das Wilkhahn so erfrischend anders ist! Innovativ in die Zukunft…
Ach, gibts die Tische und Wände noch?
Es wird Zeit, dass sich die interaktiven Konzepte stärker durchsetzen. Leider lässt das Verständnis — nach anfänglicher Begeisterung (der Spieltrieb im Manne) — in den Unternehmen wirklich noch sehr zu wünschen übrig. Das erlebe ich in jedem meiner Projekte, spätestens wenn der Controller dazu kommt…
Die Hersteller tun leider nicht viel zur Verbesserung der Situation, da geht es ums Verkaufen, nicht ums performancesteigernde Anwenden. Vielleicht etwas kurz gesprungen? Es geht nicht um die Technik um der Technik willen. Es geht auch hier um den Menschen und seine Anforderungen. Wobei ich dazu sagen muß, dass ich konkret mit Wilkhahn diesbezüglich noch nicht zu tun hatte.
Man sollte das aber gar nicht so sehr auf diese Punkte reduzieren. Meine Erfahrung ist, dass die Mitarbeiter gar nicht mit neuen Dingen umgehen können, selbst wenn sie vorhanden sind. Gerne stellt man sich modernes Zeugs hin, macht einen guten Eindruck, belässt es dann aber beim Invest für die Geräte. Die Integration in das tatsächliche tägliche Tun, dafür interessiert sich dann leider niemand mehr – dabei wäre gerade das der erfolgsentscheidende Faktor. Das zeigen die Projekte genauso wie meine Studien. Predige ich wieder zu sehr?
Overheads habe ich allerdings schon ewig keine mehr gesehen, nicht mal bei meinen traditionelleren Kunden. Und Flipcharts sind übrigends gar nicht so schlecht. Die kann man einfach mit Kreppband und in rauen Mengen nebeneinander hängen. Ähnliches würde mit interaktiven Tischen und Wänden dann tatsächlich ein sehr kostspieliges Unterfangen. Es geht ja primär ums Arbeiten und nicht darum, möglichst viel Technik auf engstem Raum einzusetzen…
Innovative Produkte. Soziale Verantwortung. Nachhaltiges Arbeiten. WOW, das ist es! Solche Firmen braucht das Land.
@Elita: Das war dein Beitrag #111. Wann gibst du einen aus?
Lieber Alexander,
Nein, Du predigst nicht zu sehr. Danke Dir für die Gedankenanregungen.
Interaktion in Büros. Genau darum geht es. Immerhin hast Du Dich intensiv mit dem Thema “Arbeiten in der Zukunft” beschäftigt und kennst sichrlich auch die Schwachpunkte.
Für meine Begriffe müssten einmal sehr viele mehr Produkte auf dem Markt angeboten werden. Ich habe den Eindruck, dass sich selbst die Hersteller damit schwer tun, weil es doch auch an neuen Ideen fehlt, die in Produkte münden.
Und wir müssen vermutlich auch erst lernen, die neuen Möglichkeiten gezielt einzusetzen und in den Arbeitsalltag zu integrieren. Technik um der Technik willen geht nicht. Aber viele Meetings, Konferenzen und selbst Kongresse verpuffen, weil die Interaktion fehlt, weil es Brüche in der Kommmunikation gibt.
Wilkhahn ist ein gutes Beispiel eines Herstellers, der nach Gesamtlösungen sucht und sich nicht allein auf den Verkauf reduziert. Dennoch sind die Ergebnisse in den Unternehmen insgesamt mager. Wo hakt es?
@Wolfgang
Dein kölsches karnevalistisches Herz schlägt bei der Zahl 111.
Oder Alexander spendiert seinen Wetteinsatz?
111 Beiträge – ist heftig viel, oder? Dachte mir, dass meine Arbeit belohnt wird und Du mich zum Kölsch einlädst
Elita, du hast das falsch verstanden: Du musst einen ausgeben. Aber die Lösung mit Alexander wäre auch nicht schlecht. Es will sowieso keiner mit ihm wetten. Wäre doch schlimm, wenn die edlen Tropfen bei ihm im Keller sauer würden.
Och…
Wir sind konsensfähig… und wälzen jetzt alles auf Alexander an.
Er ist reif – Schluss mit den Wetten ohne Aussicht auf Erfolg. Wir brechen in seinen Weinkeller ein.
Halloooooo Alexander…
Das ist eben innovativ: kreativ neue Lösungen finden. Das ist auch nachhaltig: Güter, die sonst entsorgt werden müssten, einer neuen Verwendung zuführen. Zur Freude aller, eben “das größte Glück für die größte Zahl“.
Wolfgang, das ist aber lieb, dass Du Dir solch mitfühlende Gedanken über den Wein in meinem Keller machst
Elita, nicht ablenken…
Woran es hakt? Ich glaube der Spieltrieb des Mannes/Managers schaffts nur schwer über die erste Hürde, den Geldbeutel. Hat man diese Hürde genommen, dann kommt die nächste: Sinnvolles Anwenden im täglichen Tun. Dazu brauchts Methodenkenntnisse und angepasste Arbeitsweisen. Manchmal hab ich das Gefühl, dass diese Hürde noch schwieriger zu nehmen ist als die erste. Das blöde dabei: Nimmt man die zweite nicht, dann zieht man keinen Nutzen und für die nächste Entscheidung wird die erste Hürde wieder etwas höher gelegt.
Produkte sind ohne Methoden im täglichen Tun nutzlos – und umgekehrt. Nur zusammen kanns vorwärts gehen. Leider sind da die Hersteller noch nicht so weit. Vielleicht ist das ja bei Wilkhahn anders. Hallo Wilkhahn.
Alexanders Erfahrungen kann ich nur bestätigen.
Aus meiner Entwicklungszeit an der FH Gelsenkirchen, wo 200 Mitarbeiter gemeinsam und virtuell am Bundesleitprojekt Virtuelle Fachhochschule arbeiteten, kenne ich das ebenso. Und wir waren alle vollkommen medien-affin (schreibt man das so???)und -begeistert. Bis heute wird dort zum Thema interaktive digitale Zusammenarbeit geforscht und ebenso Benutzeroberflächen für komplexe Anwendungen entworfen, ähnlich wie bei den Fraunhofers.
Angenommen wird von Teams und Lernenden i.d. Regel sehr wenig.
Dennoch finde ich die Unternehmenskultur von Wilkhan wohltuend überzeugend. Wie wäre es mit einer Werksbesichtigung?
Ich bin sicher, wir können neue, praktikable Ideen für digitale Arbeitsmittel von der “Basis des kreativen Felds” beisteuern!
@Alex
Aha, Männer spielen also gerne? War mir neu
Interaktive Technik ist teuer, klar, aber sie rechnet sich langfristig. Wem sag ich das? Liegt es vielleicht daran, dass viele an den “Old-Business Kommunikationsformen” gar nichts ändern wollen und Geld nur eine untergeordnete Rolle spielt?
Die Technik funktioniert nun mal nicht ohne den Menschen. Und wenn die Mitarbeiter damit arbeiten, muss die Unternehmenskultur danach ausgerichtet sein. Es müssen, wie Du schreibst, neue Methoden erarbeitet werden… Das schreit nach Veränderungen – und wir kennen die Resistenz gegen etwas Neues.
@Judita
Dass Du die Erfahrungen von Alexander teilst, macht mich so richtig nachdenklich. Ich schwimme auf der Begeisterungswelle der interaktiven, digitalen Möglichkeiten und Du schreibst, dass die Teams das nicht annehmen. Das kann doch irgendwie alles nicht sein…
Gute Idee mit der Werksbesichtung. Werde ich vorschlagen.
Ja, da kommt es zusammen: der Kern des change. Unser Wille und unsere Fähigkeit zur Veränderung. Widerstand – erhalten wollen liebgewonnener Gewohnheiten und Arbeitsabläufe.
Ich bin überzeugt, dass viele neue Wege gehen wollen, auch gerade im Bereich der Arbeitsmethoden, schließlich winkt ein reibungsloserer Ablauf, der erleichterung verschafft.
Der Knackpunkt ist immer wieder so simpel: Gewohnheiten und Vorbehalte.
Wir Berater gehen jeden Tag mit der Frage um, wie können wir den Transfer in die Praxis erreichen? Ein größeres Denken kann immer nur über in der Praxis erworbenes Verstehen angeregt werden. Und braucht Beharrlichkeit.
Deswegen wäre es vielleicht klug für ein Unternehmen wie Wilkhahn, seinen Kunden einen begleiteten Ablauf mit (letztlich kostenfreier) Erprobung anzubieten. Mehr Ideen?
Ich könnte jetzt etwas darüber Jammern (tue ich aber nicht, wenn Sie es so empfinden, dann liegt es an Ihrem Lesestil
), wie schwierig es ist ein Arbeitspaket “Change Mangement” in Angeboten zu neuen Arbeitskonzepten durch zu bekommen. Und wenn dieses dann erst noch den realistischen Zeitumfang hat…
Inzwischen
“verstecke”integriere ich es in den anderen. Ganz im Sinne der von Judita geforderten Beharrlichkeit.Es mag speziell bei diesem Thema auch damit zusammenhängen, dass es oft von technisch orientierten Fachabteilungen verantwortet wird. Dort steht häufig noch die Lösung, das Produkt im Mittelpunkt: Projekt abgeschlossen bei Fertigstellung/Abnahme/Auslieferung. Ein Kunde hatte das mal mit “Friß oder stirb” treffend kommentiert. Wir reden hier aber von dem “was danach damit passiert” und darüber, dass genau das eigentlich von Anfang an eine dominierende Rolle spielen sollte.
Wenn also solche technologisch faszinierenden Lösungen nicht angenommen werden, dann muß man eigentlich zwei Fragen stellen:
- Warum nutzen es die Menschen nicht?
- Was lief bei der Konzeption/Design und der Entwickung falsch?
Eventuell kommt man auf recht ähnliche Antworten.
@Judita: Deine Idee mit der Werksbesichtigung finde ich sehr gut. Anschließend können wir uns ja mit unserer Schwarmintelligenz bedanken und Wilkhahn mit unseren Ideen & Feedbacks befruchten. Klasse finde ich auch den Vorschlag mit dem “begleiteten Ablauf” beim Kunden. So kann man das Produkt besser in den Markt bringen.
@Alexander #14: Zu deinen zwei Fragen habe ich folgende Erfahrungen gemacht: Die Akzeptanz wird oft bei Konzeption/Design nicht genügend berücksichtigt. Usability ist extrem wichtig. Das wird in Deutschland an den Hochschulen zumindest in der Informatik immer noch nicht gelehrt. Auch bei Designern entdecke ich da immer wieder schwerwiegende Fehler. Es überwiegen optische Spielereien und grundlegende Faktoren der menschlichen Kognition bleiben unberücksichtigt. Ob der Faktor Usability bei Wilkhahn ausreichend berücksichtigt wurde, kann ich nicht beurteilen, weil ich das Produkt nicht kenne.
Der Mensch macht bei dem Erwerb und der Nutzung von Produkten oft ganz irrationale Dinge. Dem kommen Techniker und Ingenieure selten auf die Spur. Da können dann besser Soziologen und Psychologen weiterhelfen. Es kann also sein, dass das Produkt erstklassig ist und auch sehr bedienungsfreundlich. Aber es wird trotzdem nicht genutzt, weil zB der Mensch befürchtet, mit der Nutzung Kompetenz zu verlieren, auf seine Eingaben fixiert oder bei Fehleingaben belangt zu werden. In diesem Fall geben die Nicht-Benutzer tausend Gründe an, warum das Ding nicht richtig funktioniert oder unbrauchbar ist. Aber die wahren Gründe kennen sie selbst nicht oder verbergen sie.
Danke Wolfgang, es tut sehr gut, das von einem Ingenieur zu lesen!
Ich versuche auch, meinen Studenten (Informationstechnik) ein paar Grundlagen zu Usability und “Barrierefreiheit” zu vermitteln. Das klappt mal mehr, mal weniger gut. Interessant sind die ganz unterschiedlichen “Startreaktionen”. Es kam durchausch schon vor, dass sie noch nicht viel davon gehört hatten (wir reden über das letzte Semester des Studiums…) oder auch dass ich das Thema nicht “sexy” genug verkaufen konnte und doch wieder die technischen Dinge interessierten.
Na dann: auf zu Wilkhahn
@Alexander
Das sind auch meine Erfahrungen. Das alles ist vielleicht einfach zutiefst menschlich.
Gut klappt meiner Ansicht nach der Ansatz, mit dem Kunden zusammen zu entwickeln und die Analyse, warum etwas nicht geht, nicht zu groß werden zu lassen.
Lieber fragen: was passt, was kann besser werden, was wäre wirklich praktisch und gleichzeitig dem Alten nicht zuviel Platz zu lassen. Meist sind die beteiligten erstaunt, wie weit sie ihre eigenen Grenzen überschritten haben und wie stimmig die Lösungen sind. Durch die starke Beteiligung fällt die Veränderung dann leichter.
@Judita: Meiner Überzeugung nach funktionieren Projekte im New Work-Umfeld nur so. Zuhören ist ein Schlüssel. Gute Arbeitsumgebungen passen sich den Bedürfnissen an und lassen Raum (im doppelten Wortsinn) für die Weiterentwicklung. Die Kunst liegt darin, die Lösungen so zu gestalten, dass das möglich ist. Dazu passen allerdings keine Patentrezepte und die eingesetzten Produkte müssen entsprechend flexibel einsetzbar sein. Die Erfahrung zeigt, dass die Entwicklungsschritte schon kommen; wenn sie zugelassen werden und nicht zuletzt das Management sie unterstützt. Moderation und aktive Begleitung gehört allerdings dazu. Die dazu notwenigen (internen) Schritte anzustoßen sollte zu jedem Projekt gehören.
Vielleicht funktionieren die faszinierenden technologischen Innovationen im Rahmen eines solchen Prozesses auch besser als wenn sie nur hingestellt werden?
@Judita – Alex
Gute Analyse, Ihr Beiden. Mir hat die Diskussion hier sehr geholfen, um zu verstehen, warum die Entwicklungen stecken bleiben. Dass man Technik nicht von der Seele des Menschen trennen, versteht sich. Die Angst, Kompetenz zu verlieren, überflüssig zu sein, überholt zu werden, kennen wir von vielen anderen technischen Errungenschaften.
@ Elita: wir können ja mal fragen….
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