Home » Chefsache

Shared Services im Norden des Oberbergischen Kreises

Uwe Ufer 6 September 2007 6 Kommentare

Liebe Blogger,

diese Woche jagt ein Termin außerhalb Hückeswagens den nächsten. Heute Nachmittag geht es nach Aachen zu einem Termin der nrw-Bank. Aber heute Morgen hatte ich in Hückeswagen noch ein Pressegespräch, da einige Hückeswagener Privatpersonen eine neue Außenbeleuchtungsanlage für unser Schloss gesponsert haben. Das ist in Zeiten knapper öffentlicher Kassen natürlich erfreulich und unverzichtbar, wenn man sich als Stadt auch mal etwas «Besonderes» leisten möchte.

In Aachen stelle ich dann unser Projekt «Shared Services» vor.

Was in der Wirtschaft schon längst bekannt ist, wollen wir jetzt auch in der öffentlichen Verwaltung einführen. Wir haben uns mit den anderen drei Kommunen im Norden des Oberbergischen Kreises (Wipperfürth, Radevormwald und Marienheide) zusammengetan, um dieses als Pilotprojekt des Landes NRW zu realisieren. Hierfür haben wir auch eine Förderung des Landes in Höhe von 400.000 € erhalten und wollen jetzt in den nächsten zwei Jahren untersuchen, in welchen Bereichen es sich lohnt, eine gemeinsame Bearbeitung einzuführen.

Natürlich ist das Stichwort «interkommunale Zusammenarbeit» nicht neu, das wird schon seit vielen Jahren versucht und dem ganzen nur einen englischen Namen zu geben macht es natürlich nicht innovativ. Neu ist hierbei, dass vier völlig unabhängig voneinander arbeitende Städte und Gemeinden systematisch untersuchen, in welchen Bereichen sich eine Kooperation lohnt. Ein klassisches Beispiel ist der Bauhof. Warum muss der Mitarbeiter von Hückeswagen an der Stadtgrenze zu Wipperfürth mit dem Rasenmähen aufhören? Warum schafft sich jede Kommune teure Gerätschaften an, die dann nur zweimal im Jahr benötigt werden? In diesen Bereichen ist zweifellos ein großes Rationalisierungspotential vorhanden.

Aber auch klassische Verwaltungsbereiche bieten sich hierfür an. Dem Bürger (und erst recht dem Unternehmer) ist es egal, ob der Steuerbescheid in Hückeswagen oder Marienheide erstellt und ihm zugeschickt wird. Wichtig ist nur, dass vor Ort immer ein qualifizierter (!) Ansprechpartner zur Verfügung steht. Außerdem wollen wir natürlich auch nicht unsere Identität als Stadt verlieren. Aber das Kirchturmsdenken hat in der globalisierten Welt von heute nichts mehr verloren.
Eigentlich wollten wir mit dem Projekt schon seit Frühjahr begonnen haben – aber auch hier zeigt sich, dass selbst Pilotprojekte, die vom Land gefördert werden, mit bürokratischen Hürden zu kämpfen haben. Denn natürlich wollen wir uns bei den «Shared Services» der Unterstützung eines externen Beratungsinstituts bedienen, damit der Blick von außen eine kritische Betrachtung der eigenen Strukturen ermöglicht. Aber so ein Beratungsinstitut darf nicht einfach beauftragt werden – das Ministerium hat darauf bestanden, dass eine umfangreiche europaweite Ausschreibung durchgeführt wird. Und der rechtliche Wust, mit dem man im Europarecht konfrontiert wird, ist ungeheuerlich…

Damit wir das überhaupt bewältigen konnten, musste ein Rechtsanwaltsbüro beauftragt werden, das uns die Ausschreibungsunterlagen so anfertigt, dass auch der Unternehmensberater aus Portugal oder Griechenland sich bei uns bewerben kann – und vor allem uns nicht erfolgreich verklagen kann. Ob das unsere Vorstellung eines vereinten Europas sein soll, fragt sich…

Uwe Ufer


Bookmark and Share

6 Kommentare »

  • Michael Lalk sagte:

    @Uwe Ufer:
    “Ob das unsere Vorstellung eines vereinten Europas sein soll, fragt sich…”

    Da haben branchenfremde Politheinis nicht nur den Kommunen, sondern auch besonders dem Baugewerbe mit der Pflicht zu EG-weiten Ausschreibungen ein faules Ei ins Nest gelegt.

  • Doc Sarah Schons sagte:

    Hui – ja – die Europafrage stellt sich allenthalben… Bin sehr froh, daß Sie das kritisch sehen! Viel Glück weiterhin! ;-)

  • Alexander Greisle sagte:

    Lean Administration. Da haben Sie sich was vorgenommen, Herr Ufer. Ich kann die Aufschreibe bis zu mir in den wilden Süden hören… In meinen Projekten, die sich zum Teil auch sehr intensiv mit Prozessveränderungen und -optimierungen beschäftigen, erlebe ich es häufiger, dass eine gewisse Schmerzunempfindlichkeit dabei nicht schaden kann. Ich drücke Ihnen alle Daumen, die ich habe.

  • Christian Schütte sagte:

    Sehr geehrter Herr Ufer,

    es ist schon verwunderlich, wie Sie die Initiative der CDU Hückeswagen nun einigen Hückeswagener Privatpersonen zuschreiben. Ein wenig mehr Realitätssinn wäre wünschenswert.

    Siehe auch http://www.cdu-hueckeswagen.de

    Gruß
    Christian Schütte
    2. Vors.
    CDU Hückeswagen

  • Uwe Ufer (author) sagte:

    Lieber Herr Schütte,

    Initiativen hat es viele gegeben. Meistens blieb es bei Willensbekundungen.
    Ich möchte auch bei allem Respekt darauf hinweisen, dass interkommunale Zusammenarbeit und shared services nicht deckungsgleich sind. Eigentlich hatte ich versucht, in einigen Veranstaltungen die Schnittmengen und die Unterschiede deutlich zu machen. Schade, dass ich das offenbar nicht geschafft habe.

  • Matthias Rückel sagte:

    Die Europafrage stellt sich? Aber nicht wirklich.

    Ich bin mit einigen Jahrzehnten Frieden, einem unproblematischen Grenzübertritt und dem EURO als europaweites Zahlungsmittel ziemlich zufrieden.

Ihre Meinung!

Schreiben Sie Ihren Kommentar, oder setzen Sie einen Trackback von Ihrer eigenen Seite. Sie können auch hier das Kommentar RSS-Feed abonnieren.

Be nice. Keep it clean. Stay on topic. No spam.

Sie können diese Tags benutzen:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Dies ist ein Gravatar-aktivierter Blog. Um Ihren eigenen global verwendbaren Avatar anzulegen, registrieren Sie sich unter Gravatar.