Sind Langschläfer Faulpelze?
2007-09-14, von Elita Wiegand
Was treibt TeNo Chef Jürgen Heinz so mitten in der Nacht? Während andere schlafen, hinterlässt er hier im Blog einen Kommentar. Doc Sarah ist immer verdächtig lang im Web unterwegs (siehe ihr Beitrag: Leben im Jetlag) und ich zähle auch zu den Nachtmenschen. «Von wegen Morgenstund hat Gold im Mund” – Nachtmenschen sitzen morgens um 9 Uhr schlaftrunken am Schreibtisch und sind zu keiner produktiven Leistung fähig.
Aber ab 18 Uhr laufen wir auf Hochtouren. Und wann beginnt bei uns die Schule, die Vorlesungen, die Arbeit? Okay. Habe jetzt gelesen, dass wir (wer zählt hier noch zu den Nachtmenschen?) zu der so genannten B-Society gehören. Langschläfer sind nämlich keine Faulpelze, sagt die Dänin Camilla Ring, die die B-Society gegründet und sie will «eine Revolution anzetteln», sagt sie. Im Zeitalter der kreativen Wissensarbeiter wird es höchste Zeit, alte Arbeitszeitmodelle von Anno Tobak in Frage zu stellen. Die B-Society Initiative hat inzwischen regen Zulauf: Mehr als 5000 Mitglieder in sechs Monaten. Im Spätherbst ist ein Portal geplant, bei dem B-Menschen gezielt nach geeigneten Jobs suchen können.Â
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Und hört, hört: Die B-Gesellschaft auditiert sogar Unternehmen, die sich auf den Arbeitsrhythmus von B-Menschen einstellen und vergibt hierfür das Zertifikat: «b-productive”. Nachteulen an die Front: Man kann sich auf der Website registrieren. Schaffen wir den innovativen “Zeit-Sprung” auch in Deutschland?























Samstag 15. September 2007 um 07:10
Das Einstellen auf den Arbeitsrhythmus von B-Menschen ist doch gar nicht so schwer. Ich habe meine Mitarbeiter einfach arbeiten lassen, wann sie wollten. Ob das nun morgens um 07.00 Uhr war oder nachts um 01.00 Uhr. Die Hauptsache ist doch, dass die Arbeit zu Zufriedenheit des Kunden erledigt wird.
Außerdem glaube ich, dass ein Mensch in unterschiedlichen Phasen seines Lebens auch unterschiedliche Schlafrhythmen haben kann. Im Moment stehe ich gern früh auf, bin dann aber auch entsprechend früher im Bett. Das war über einige Jahre auch ganz anders, damals hätte ich mich auch zu den Nacht (oder B-) Menschen gezählt.
Und wozu gehören die, die durcharbeiten?
Samstag 15. September 2007 um 14:50
Ich habe ja die Vermutung, dass diese Diskussion von Frühaufstehern betrieben wird, die eigentlich ein schlechtes Gewissen haben, weil Spätaufsteher doch mehr gebacken bekommen
.
Spaß beiseite. Es ist meiner Erfahrung nach genauso sinn- und nutzlos einen Spätaufsteher zu einem Frühaufsteher bekehren (so kommt es mir häufig vor) zu wollen als umgekehrt. Ich teile da voll und ganz Jörgs Ansatz, auch wenn der natürlich Koordinationsbedarf zwischen Morgen- oder Nachtmenschen mit sich bringt. Hier sind wir leider zu oft noch im Stechuhr-Denken verhaftet.
Bin gespannt, was Sarah dazu sagt (eigentlich weiß ich es ja
).
Sonntag 16. September 2007 um 10:09
@Elita: Also zur B-Society gehöre ich auf keinen Fall. Ich bin eher der sogenannte Lerchentyp
Lerchentypen sind die wenigen Menschen die man schon morgens um 3 oder 4 Uhr wecken kann und die dabei sofort fit für den Tag sind. Dafür ist bei mir schon am frühen Abend Schicht im Schacht. Aber eigentlich habe ich ein Schlafproblem weil ich oft nicht länger als 4 Stunden am Stück schlafen kann. Und einmal aufgewacht wird auch das einschlafen manchmal zum Problem.
Sonntag 16. September 2007 um 14:14
@Jörg
Deine Einstellung als Chef ist lobenswert. Das funktioniert sicherlich in kleinen Firmen gut. Bin heute froh, dass ich selbstständig bin und mir meine Arbeit nach meinem Ryhthmus einteilen kann. Dass Du mal zum B-Typ gehörtest und jetzt eher ein Frühausteher bist, wundert mich.
@Alexander
Natürlich soll keiner bekehrt werden, aber ich finde die Initiative trotzdem gut, um auf die Stechuhr-Mentalität ausfmerksam zu machen. Ich erinnere mich daran, dass Sarah in ihrem Blog dazu eine Diskussion in Gang gesetzt hat.
@Jürgen
Da war mein Eindruck ja völlig falsch. Mir ist bei mir schon öfter aufgeaflen, dass Du Du zu ungewöhnlichen Zeiten Kommentare hinterlässt, jetzt weiß ich warum. Häe bei Dir nie auf eine Lerche getippt.
Sonntag 16. September 2007 um 21:14
@Elita: So habe ich das im Beitrag auch nicht verstanden. Es ist schlicht eine genereller Eindruck von mir. Im Gegenteil, unter diesem Aspekt finde ich die Gegenbewegung sogar begrüßenswert.
Montag 17. September 2007 um 01:48
Sorry für die späte Meldung – ich war nämlich grad mal drei Tage Kampfschlafen (=Urlaub) und ohne Internet…. Auf bis morgens um 4, ausschlafen bis 10 – jessas – nu bin ich wieder fit…
Jörgs Idee, die Mitarbeiter dann arbeiten zu lassen, wann sie wollen, finde ich super. Läßt sich mit bundesdeutschem Arztpraxengesetz und überkommenen Patienten-Einstellungen schwer machen… Drum haben wir mit HEALING CONCEPTS ein Institut geschaffen, daß ab Oktober den individuellen Bedürfnissen gerecht werden kann…. Wie findet Ihr das?!
Montag 17. September 2007 um 23:29
Ich denke noch mit Grauen an die Vor-Gleitzeit-Zeiten zurück, als ich Punkt 8 irgendwo sein musste – immer mit hängender Zunge und immer zu spät.
Meine produktivste Zeit ist zwischen 15 und 24 Uhr – und ich schlafe dann immer noch genug, um am nächsten Tag zu einer bürgerlichen Zeit aufzustehen.
Notfalls kann ich Früh-Anrufer auch mal im Bett empfangen, merkt ja keiner
Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Unternehmen zugunsten der Kreativität auf die Anwesenheit ihrer Mitarbeiter in den Kernzeiten verzichten, da ginge doch die ganze German Organisiertheit flöten!
Ein großes Plus der Lerchen – deshalb habe ich schon oft versucht, meine innere Uhr umzustellen – sie können sich abends der Freizeit widmen. Lesen, interessante Sendungen sehen usw. Oder sind sie dann zu müde dazu
Dienstag 18. September 2007 um 21:52
@Beate: like minded soul…
@ Alle hier: ich frag Euch wirklich: welche Zeiten findet Ihr für Eure Gesundheit sinnvoll?!
Freitag 26. Oktober 2007 um 15:10
@doc sarah schons:
Die Frage mit den für die Gesundheit zuträglichsten Schaffenszeiten verdrängt man recht gern. Aber grundsätzlich bin ich auch eher der Nachtmensch.
Ich komme oft wesentlich besser mit der Arbeit voran, wenn Ruhe in Haus und Büro ist.
Mal eine Nacht durcharbeiten ist auch gelegentlich nötig, weil bei mir Schreibtisch und werkbank gleichermaßen gefragt sind und auch Kunden Zeitfenster festlegen.
Dies geht aber eben nicht spurlos vorüber, da muss ich tatsächlich umgehend für Ausgleich sorgen.
Andererseits ist die abendliche Schaffensphase auch kein Dogma und es ist erfrischend, wenn man nach einer früh begonnenen Nacht auch früh zeitig den Tag beginnt.
Freitag 23. November 2007 um 15:54
Also, ich persönlich bin schon immer ein Nachtmensch gewesen. Schlafenzeit ist bei mir von ca. vier oder fünf Uhr morgens bis zwölf Uhr mittags. Meine schulischen Leistungen haben schon damals merklich darunter gelitten, wenn ich schon um acht Uhr morgens in der Schule sein musste.
Zum Thema Gesundheit: Ich weiss nicht, ob es wirklich physisch nachweisbar ist, dass wenn ich früh aufstehe mein Magen, bzw. mein komplette Verdauung verrückt spielt, ich unkonzentriert und nicht aufnahmefähig bin und mein Kreislauf Amok läuft. Aber der Tag ist für mich hinüber.
Nachts kann ich besonders gut arbeiten. Insbesondere kreative Tätigkeiten flutschen dann nur so. Vormittage sind mir mit ihrem Trubel mir ein Graus. “Unselige Geschäftigkeit verzehrt den himmlischen Anflug der Nacht” (Novalis “Hymnen an die Nacht”)
Das Problem ist die Einstellung der meisten Früaufsteher. Um mal meine Mutter zu zitieren: “Erzähl das nur niemanden”. Im christlichen Abendland ist der Langschläfer (dabei schlaf ich nicht mehr als andere Menschen auch) immer noch der Sünder, der Faulpelz und Nichtsnutz. Duch meine selbständige Tätigkeiten kann ich diesem Dogmatismus weitgehnd entgehen, zumal es den meisten meiner Kunden entgegen kommt, wenn ich nachmittags oder in den Abendstunden für sie Zeit habe, da sie selbst einer geregelten Frühaufsteherarbeit nachkommen.
Donnerstag 24. September 2009 um 22:13
Ich möchte hier gerne darauf hinweisen, dass es jetzt ein Portal zu diesen Themen gibt. Nach bisherigen Recherchen darf man sich für unsere deutschsprachige Region nicht auf die Dänen verlassen.
Morgenmuffel-Portal steht für das deutschsprachige Europa und will sämtliche Vereine und Organisationen der Region unterstützen. Auch die Fachpersonen der Forschung etc. sind bei uns höchst erwünscht.
Viele Grüsse
Ursus