Home » Gesellschaftliches

Mißverständnisse zur Online-Durchsuchung

Alexander Greisle 15 September 2007 4 Kommentare

Nach dem BKA-Chef und dem Innenminister reiht sich nun auch Frau Merkel in die Reihe derer ein, die mit simplifizierten Aussagen und Taschenspielertricks versuchen, die Stimmung zu drehen.

“Es kann ja nicht sein, dass wir einen Raum ermöglichen, in dem Terroristen sicher sind, dass der Staat dort nicht ‘ran kann”, erklärte Merkel (Quelle: heise.de)

Diese Aussage ist schlicht falsch und nicht haltbar. Wieso? Es gibt diesen Raum schon heute nicht, denn:

  1. kann die Internet-Kommunikation bereits heute inhaltlich (!) im Rahmen der Telekommunikationsüberwachung belauscht werden, Stichwort TKÜV,
  2. können Festplatten von Computern bereits heute im Rahmen einer Hausdurchsuchung beschlagnahmt werden.

Nun kann man natürlich anführen, dass man so an verschlüsselte Kommunikation und verschlüsselte Dateien nicht herankommt. Die Paßwörter dazu will man per heimlicher Festplattendurchsuchung und Bespitzelung von PCs, etwa mit Hilfe von Keyloggern, die Paßwörter beim eintippen mitprotokollieren, herausfinden.

Zunächst mal ist jedoch die rhetorische Begrifflickeit kritisch zu sehen. Es existiert schlicht kein “Raum, in dem Terroristen sicher sind”. Mit solchen Aussagen wird das Internet generell diskreditiert. [Zynismus on]So sagte Herr Schäuble auf der gleichen Veranstaltung, dass das Internet ein Terrorausbildungscamp und eine Fernuniversität für Terroristen ist. Aufenthalte in Terrorausbildungscamps sollen, das weiß man ja aus der öffentlichen Diskussion, demnächst verboten werden.[/Zynismus off]

Zum anderen werden künftig Daten schlicht offline auf Rechnern verschlüsselt, die kein Bundestrojaner erreichen kann. Diese sind weiterhin — oder erst recht — so gesichert, dass ein Zugriff nicht möglich ist. Hinzu kommt, dass es durchaus Möglichkeiten gibt, Paßwörter nicht über die Tastatur sondern z.B. über die Maus einzugeben.

Bleibt wiederholt festzustellen, dass das Ziel des Bundestrojaners und der heimlichen Festplattendurchsuchung nicht erreicht wird. Von anderen Problemen wie der Beweissicherheit und der Installationsprozedur ganz zu schweigen.

Es ist schade, dass sich auch die Bundeskanzlerin zu solchen Aussagen hinreißen lässt. Die Diskussion scheint von Seiten CDU/CSU inzwischen so weit gediehen zu sein, dass es nur noch ums durchpeitschen geht und dabei fahrlässig die sehr begründeten Zweifel nicht gehört werden wollen. Verfolgt man die Informationen, mit denen beispielsweise die lokalen MdB’s ihre Wähler “versorgen”, dann verfestigt sich dieser Eindruck. Es scheint ein genereller Trend zu sein, nicht nur, aber insbesondere in der Innenpolitik.

Bedenklich findet es unsere Bundeskanzlerin gar, wenn kritische Stimmen zu solchen Instrumentarien sich – aus gutem Grund – verstärkt zu Wort melden. Das wiederum finde ich bedenklich.


Bookmark and Share

Das könnte Sie auch interessieren:

  1. Video Shopping: Kleidung online probieren
  2. Bitte mitmachen: Online-Befragung zum Thema ‚Leitbilder in Unternehmen‘
  3. Zukunftsforscher Schroll: Ohne Innovations-Lawine ist der Planet verloren

4 Kommentare »

  • Hans-Gerd Staschewski sagte:

    Hier kommt wieder einmal deutsches (Obrigkeits-)Staatsbewußtsein zum Ausdruck. Alles kontrollieren. Der Bürger ist nicht mündig und muss geführt werden. Der Chef ist der Staat. Eine Funktion dieses Staates sind seine Politiker. Nein – so nicht für mich!
    Ich bin für Staats-DIENER. Der Staat sind wir, die Staatsbürger. Ich hätte gern einen freien Staat, der Kreativität, Querdenken, Unternehmer (im Gegensatz zu Konzernmanagement) und, und und fördert. Gemeinsam und unter Anwendung der schon bestehenden Gesetze werden wir dann schon den Herausforderungen erfolgreich begegnen. Nicht aber duch neue Bespitzelung prinzipiell Aller und deren Kontrolle. Oder geht es bei dieser Aktion um Machtzuwachs bei einzelnen?

  • Doc Sarah Schons sagte:

    Die Sachkompetenz des Berliner Kasperl-Theaters im Allgemeinen und Besonderen ist doch hinlänglich bekannt. Die “P(r)olliticks sichern bloß ihre Pfründe. Das, was wir hier und jetzt erleben ist noch schlimmer, als StaaMoKap… (Staats-Monopol-Kapitalismus – für die Jüngeren hier im Kreise)
    Hans-Gerd´s Idee macht mir Freude, sie weiter zu denken!
    Die FDGO (freiheitlich demokratische Grundordnung – nur so als Hinweis an die Polliticker)sagt eigentlich alles. Die ganzen vielen anderen Gesetze führen nur zum Machtzuwachs der Staats- und Bürger- KONTROLLEURE. Un det sin keene DIENER….

  • Doc Sarah Schons sagte:

    Und ganz aktuell: Tschöö Freiheit

    Das Gesetz erwartet nun die mit ca. 7.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern größte Verfassungsbeschwerde, die dem Bundesverfassungsgericht jemals vorgelegt worden ist. Die Beschwerde wird eingereicht, wenn und sobald das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung im Bundesgesetzblatt veröffentlicht wird. Der Jurist Patrick Breyer vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung: “Das Fernmeldegeheimnis wird von den Gerichten wieder hergestellt werden. Dagegen ist die Wählbarkeit von SPD, CDU und CSU für die Generation Internet endgültig verloren gegangen.”

  • BKA Gesetz -losigkeiten | Doc Blog sagte:

    [...] haben ja lang schon und oft in der ganzen Blogosphäre darüber aufgeklärt, diskutiert, gewarnt. Die links hier zum Innovativ-in Blog mal exemplarisch. Ich frage mich, wann [...]

Ihre Meinung!

Schreiben Sie Ihren Kommentar, oder setzen Sie einen Trackback von Ihrer eigenen Seite. Sie können auch hier das Kommentar RSS-Feed abonnieren.

Be nice. Keep it clean. Stay on topic. No spam.

Sie können diese Tags benutzen:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Dies ist ein Gravatar-aktivierter Blog. Um Ihren eigenen global verwendbaren Avatar anzulegen, registrieren Sie sich unter Gravatar.