Herrenmaßmode mit Vor-Ort-Service
2007-09-17, von Christian Goeri
Guten Tag liebe Blogger,Â
wie kommt man auf das Geschäft der Herrenmaßmode, wenn man nicht Schneidermeister ist, sondern in einer Werbeagentur arbeitet?Â
Vor gut zwei Jahren las ich mit ganz allgemeinem Interesse einen Vergleich über verschiedene Franchise-Konzepte. Darunter eins, bei dem die Maßkundschaft kein Ladenlokal aufsucht, sondern sich zu Hause oder im Büro vermessen lässt und dort auch die Stoffe auswählt, aus denen dann Maßhemden und -anzüge geschneidert werden.
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Doppelter Nutzen: Mir gefiel, dass dieser Ansatz doppelten Nutzen für den Kunden verspricht: Zum einen bietet der Vor-Ort-Service ein denkbar komfortables Einkaufserlebnis, zum anderen werden durch den Verzicht auf Ladenlokale Kosten gespart, die dem Kunden als Preisvorteil zugute kommen können. Ich erwog ernsthaft, bei diesem Modell nebenberuflich als Franchise-Nehmer einzusteigen. Also sammelte ich alles an Informationen rund um diese Geschäftstätigkeit, was ich nur finden konnte.
Durch Zufall stieß ich dabei im Internet auf einen nach Thailand ausgewanderten Deutschen, der sich um den Aufbau eines Vertriebs von hochwertigen Herrenmaßanzügen und -hemden vor Ort bemühen wollte. Viel intensive E-Mail-Korrespondenz später war klar, dass mit diesem Kontakt auch ohne Franchisenahme eine mögliche Bezugsquelle für preisleistungsstarke Maßmode gefunden war.Â
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Freie Hand beim Marketing: Was mich außerdem reizte, war die Chance, bei einer autarken Umsetzung des Geschäfts völlig freie Hand beim Marketing zu haben und damit die Kernkompetenz meiner bisherigen Tätigkeit einbringen zu können, der ich übrigens auch heute noch nachgehe: Markenaufbau, Prozessgestaltung, Werbung und Verkauf.Â
Versuch und Irrtum: Das Maßnehmen erlernte ich durch Anleitung, vor allem aber durch Versuch und Irrtum. Ein paar misslungene Ergebnisse musste ich hinnehmen, bis endlich ein perfekt sitzender Anzug nach meinen eigenen Maßen eintraf. Familienmitglieder und Freunde hielten in der Folgezeit als VersuchsÂkaninchen für weitere Feldversuche her, damit ich sowohl die Qualität der Ware als auch die meiner Messfertigkeiten immer wieder prüfen konnte.
Diese ersten Schritte sind nun ein knappes Jahr her. Seitdem bemühe ich mich, das von meinem Familiennamen abgeleitete Label GØRI als Qualitätssiegel für exklusive Businessmode nach Maß zu positionieren und dabei das anfangs beschriebene Vor-Ort-Service-Konzept umzusetzen.
In den folgenden Tagen möchte ich mich auch übergreifenden Themen wie z.B. virtuellen Geschäftsbeziehungen, Werben mit kleinem Budget und Umgang mit schwierigen Kunden widmen. Themen, die mich nahezu täglich bewegen und von denen ich hoffe, dass Sie gleichfalls von ihnen berührt sind und deshalb Ihr geschätztes Interesse finden.
Über das eine oder andere lässt sich sicherlich trefflich diskutieren. Mich würde es sehr freuen, wenn es zu einem solchen Austausch kommt.Â
Für heute bin ich so frei, Sie abschließend folgendes zu fragen:
GØRI wendet sich an die Zielgruppe Männer. Abgesehen davon, dass für mich persönlich Herrenbusinessmode leichter zu fassen ist als die weite Welt der Damenmode; ich glaube, dass der Vor-Ort-Service-Ansatz dem männlichen Geschlecht den größeren Nutzen stiftet. Denn eher selten lieben es Männer, shoppen zu gehen. Noch seltener verabreden sie sich dazu im männlichen Freundeskreis. Sie mögen ihre Bekleidung am liebsten zeitsparend und ohne großes Rumprobieren einkaufen. Frauen dagegen haben dann Freude am Einkaufserlebnis, wenn sie mal dies und das anprobieren können und scheuen auch längere Shoppingtouren nicht, gerne gemeinsam mit einer guten Freundin.Â
Was meinen Sie: Bin ich in meiner Einschätzung von allzu klischeehaften Vorstellungen getäuscht? Wie gestalten Sie denn Ihren Kleidungseinkauf am liebsten?Â





















Montag 17. September 2007 um 10:26
Die Idee, einen vor Ort-Service anzubieten, finde ich sehr gut. Aber wie sieht es denn mit der Fertigung in Thailand aus? Sofort kommen da bei mir die Assoziationen Billiglöhne, Kinderarbeit, Baumwollgewinnung mit Pestiziden, lange Transportwege mit entsprechender CO2-Emission etc. hoch.
Ich fahre heute Abend auf die erste deutsche LOHAS-Konferenz. Würden die GØRI-Maßanzüge ein LOHAS-Siegel (Lifestyle of Health and Sustainability) bekommen?
Montag 17. September 2007 um 11:05
Das Thema virtuelle Geschäftsbeziehungen nach Thailand interessiert mich naturgemäß besonders.
Montag 17. September 2007 um 11:17
Ich gehe zielgerichtet einkaufen, lasse mich aber von guten Einkaufserlebnissen gerne mitreißen.
Beim Einkaufen von Anzügen (von der Stange) schätze ich besonders die Kompetenz der Mitarbeiter, Ein Blick und die Größe stimmt, Empfehlungen welche Anzug vom Stil her passt und Beine/Ärmel gleich anpassen. Erfahrungsgemäß sind daß oft ältere Mitarbeiter mit viel Erfahrung, die sich nicht aufdrängen. Rumprobieren mit fachlicher Unterstützung gerne, da es auch die Gewissheit gibt mit einem guten Kauf wieder zu gehen. Insofern mag ich sehr gute Fachgeschäfte.
Beim “Maßschneidern im Büro” würde mir ein Blick in den Spiegel fehlen, z.b. ob der vorgeschlagene Stil des Anzuges mir gefällt. Da sagen Bilder oft sehr wenig aus. Ich wäre unsicher, ob daß was ich bestelle mir hinterher auch gefällt.
Montag 17. September 2007 um 11:30
Negativ-Assoziationen mit dem Fertigungsland Thailand sind mir natürlich nicht unbekannt. Und ich freue mich, dass bei einer zunehmenden Anzahl von Konsumenten eine Abkehr von der berüchtigten “Geiz-ist-geil”-Mentalität hin zu einer ganzheitlichen Qualitätswürdigung festzustellen ist, die auch das Hinterfragen von Produktionsumständen einschließt.
An dieser Stelle führte eine allgemeine Diskussion um das Für und Wider von Globalisierung und weltweit unterschiedliches Lohnniveau sicherlich zu weit. Aber um ganz konkret auf die Sorge Kinderarbeit zu antworten: Die Anfertigung qualitativ hochwertiger Bekleidung nach Maß ist ein Prozess, der hohes handwerkliches Geschick und Erfahrung benötigt. Er kann gar nicht von Kindern, sondern nur von qualifizierten Schneidern ausgeübt werden.
Zum Stichwort Baumwollgewinnung mit Pestiziden: Die verarbeiteten GØRI-Stoffe sind reine Naturmaterialien (Baumwolle, Schurwolle, Alpakawolle und Kaschmir) und stammen aus Italien und England. Von dort aus beliefern die großen Webereien die ganze Welt.
Und Sie haben Recht: Die Welt ist nicht tatsächlich kleiner geworden, wenn man sie im Hinblick auf real vorhandene Transportwege und -entfernungen sieht. Deshalb ist es durchaus sinnvoll, seinen eigenen Beitrag zur Emissionsbelastung kritisch zu hinterfragen. In meinem Fall drängt mich auch das Wirtschaftlichkeitsbestreben dazu, den Transportaufwand niedrig zu halten. Sendungen aus Thailand brauchen relativ lange Zeit (knapp zwei Wochen) und kosten viel Geld – beide bekannt knappe Güter. Deshalb bemühe ich mich, möglichst viele Bestellungen zu einem Paket zusammenzufassen, damit von Deutschland aus an möglichst viele einzelne Auftraggeber umverteilt werden kann.
Montag 17. September 2007 um 11:34
Das schöne beim Shoppen ist doch, dass ich verschiedene Modelle und Hersteller probieren kann. Bin dankbar über meine Normalfigur, die es mir erlaubt, viele Modelle von der Stange tragen zu können. Und ausserdem kann ich die Abneigung mancher Männer gegen das Einkaufengehen nicht teilen. Mir sind nur meistens die Geschäfte zu unangenehm – zu voll, zu laut, zu wenig Platz in der Kabine…
Dennoch, ich finde das Thema Maßanfertigung sehr reizvoll. Frage mich schon länger, warum ich das noch nie ausprobiert habe. Ist es wohl eine Hemmschwelle zum Schneider zu gehen? Wie sind Ihre Erfahrungen mit solchen Hemmschwellen?
Könnte mir vorstellen, dass es angenehmer ist, einen Termin bei sich zu hause zu machen.
Montag 17. September 2007 um 12:29
Die Unsicherheit, die Herr Rückel anspricht, ob das später fertige Ergebnis auch den tatsächlichen Erwartungen entspricht, habe ich in der Praxis schon mehrere Male erlebt. Ein bisschen erinnert mich das an einen Besuch beim Frisör: Im besten Falle schafft man es, seine Vorstellungen klar zu vermitteln, was auch schon eine Herausforderung für sich bedeuten mag. Dann kommt noch hinzu, dass man hoffentlich zu Recht Vertrauen in die Fertigkeiten des Frisörs hat und schließlich darin, dass einem die gewünschte Frisur auch persönlich steht.
Ich glaube, dass vor allem hier die gängigen Hemmschwellen begründet sind, von denen Herr Klotz schreibt: Wer es gewohnt ist, seine Anzüge von der Stange zu kaufen, kann sich von dem Potential, nahezu alles individuell selbst bestimmen zu können, schnell überfordert fühlen. Wenn ich z.B. im ersten Beratungsgepräch nach der Anzahl der Rückenschlitze hinten im Sakko frage, reagiert der Kunde oft mit einem Griff zum eigenen, das über der Stuhllehne hängt: Hat es eigentlich ein oder zwei Schlitze? Oder gar keinen? Er weiß es nicht, weil er darüber bisher nie nachgedacht hatte.
Oft ist es deshalb angebracht, erst bei Folgekäufen eine Diskussion über Details wie Farbe und Muster des Innenfutters oder die Farbe der Nähte anzuzetteln. Ich habe jedenfalls gelernt, mich auf meine Frage nach den spezifischen Gestaltungswünschen auch mit einem „Tja … normal halt …“ zufrieden zu geben.
Wie bei einer guten Frisörbeziehung auch festigt sich das Vertrauensverhältnis nach und nach beim zunehmenden und fortdauernden Umgang miteinander – individuelle Gestaltungsfreiheit als Lernprozess.
Noch ein abschließender Punkt zur hinterfragten Hemmschwelle: Ein Teil meiner Kunden ist tendenziell bestrebt, sich im Geschäftsleben eher abzuschirmen. Das äußert sich als typisches Symptom in einem mit einer Assistenz besetzten Vorzimmer, an dem nur schwer vorbeizukommen ist. Eben dieser Klientel nun rücke ich beim Vermessen buchstäblich zu Leibe – ein kleines Paradoxon.
Ich glaube, dass es bei meinem Geschäftsmodell einen bestimmten Anteil in meiner Zielgruppe gibt, die ich aus der Hemmung heraus, Fremde ins eigene Büro oder in die Wohnung zu lassen, nicht erreiche. Auch deshalb spielen Empfehlungen, die sinnbildlichen Türöffner, in meinem Geschäft eine so wichtige Rolle. Ich werde im Laufe dieser Woche noch eingehender darauf zu sprechen kommen.
Montag 17. September 2007 um 15:03
Meine letzten beiden Anzüge waren/sind Maßanzüge, vorher gabs auch Ware von der Stange. Neulich stand ich dann — Schlußverkauf, und so — mal wieder in der Anzug-Abteilung des Breuninger hier in Stuttgart. Wer den Breuninger kennt weiß, dass das ein sehr gediegener Laden mit hoher Qualität und sehr guter Auswahl ist, daran kann’s also nicht liegen. Allerdings war ich mit keinem Anzug von der Stange mehr zufrieden, auch nicht mit den wirklich hochpreisigen Marken.
Mein Fazit: Einmal Maßanzug, immer Maßanzug. Noch dazu, wo man die Preisunterschiede wirklich überschätzt.
Montag 17. September 2007 um 15:33
Jetzt melde ich mich hier nicht nur als Frau zu diesem Thema, sondern auch in meiner Eigenschaft als Imageberaterin einmal zu Wort. Ich kann da ein wenig aus meiner Beratungs-Erfahrung sprechen.
Es ist tatsächlich so, die meisten Herren sehen es als Last an, einkaufen zu gehen – das wurde mir immer so erzählt. Da sind Sie, Herr Klotz und auch Sie, Herr Rückel eine Ausnahme. Das gefällt mir:-)!
Auch wenn Sie (ich meine jetzt alle Herren)eine relativ normale Figur haben – es gibt so viele Kleinigkeiten, die dann doch nicht so ohne Weiteres passen. Das wird immer dann deutlich, wenn Sie bei der Beratung einige Ihrer Sakkos oder Anzüge anziehen, damit wir feststellen können, ob der Schnitt, bzw. die Proportionen stimmen. Da ist das Jackett doch etwas zu weit und der Ärmel zu kurz!Dann sehen Sie dicker aus, als Sie sind
. Das wollen Sie doch sicher nicht, oder?
Und dann, liebe Herren, wo bleibt da Ihre Individualität? Beim Maßanzug können Sie sehr viele Details auswählen – sicher, das überfordert am Anfang vielleicht, aber wenn Sie erst einmal den ersten Maßanzug haben, dann wird alles leichter. Wählen Sie zum Beispiel das Innenfutter immer in einer Ihrer Lieblingsfarben. Das hebt sich doch von der normalen Konfektion ab und Sie sich auch von Ihren Geschlechtsgenossen.
Und ganz nebenbei – die vielen Möglichkeiten der Stoffe für Hemden und Anzüge erweitern auch mein Beratungsspektrum. Darum arbeite ich auch schon einige Zeit mit Herrn Göri zusammen.
Das hätten Sie sich jetzt fast gedacht;-).
Montag 17. September 2007 um 17:11
@Lieber Herr Göri,
mit Ihrem Thema treffen Sie wohl auf unterschiedlichste Art einen Nerv. Die Kommentare spiegeln die Vielfalt wieder. Weil ich nicht erwartet hätte, dass Maßanzüge und damit Ihr Business Resonanz findet, freue ich mich. Und: Ich muss gestehen, dass ich einen Faible habe für Männer, die sich geschmackvoll anziehen
@Rosel
Schön, dass Du mal wieder hier im Blog mit einem Kommentar erscheinst. Zu dem Thema hast Du ja auch ne Menge zu berichten. Habe Dich hier über Monate vermisst.
Montag 17. September 2007 um 20:49
Kleidungseinkauf ist für mich allein meine Sache. Ich nehmen mir einige Stunden Zeit, etwas Geld und gehe in aller Ruhe einkaufen. Da kann ich selber entscheiden, was ich mag. Ich bin noch nie enttäuscht worden.
) Die Art wie er seine Kunden zu einer neuen Kleidung verhilft, hat mich schwer begeistert.
Auf einem Seminar durfte ich Herrn Kleegräfe kennen lernen. Er ist Schneidermeister und sagt. “Kleidung ist Kommunikation” Jeder Kunde erhält eine Imageberatung (Hallo Rosel
Ein “Vor-Ort-Service” wird die Kunden bestimmt ebenso begeistern. Tolle Idee.
P.S. Heute habe ich meine Krawatte 9x gebunden. Zu kurz, zu lang, der Knoten nicht ok. usw. Haben Sie einen Tipp, wie das immer gelingt?
Montag 17. September 2007 um 21:48
Eigentlich hasse ich Anzüge! Und durch überfüllte Geschäfte mit muffigen Verkäufern zu stolpern hasse ich noch viel mehr. Leider zwingt mich mein Beruf ab und zu Cordhose und Sweatshirt gegen Anzüge zu tauschen. Seit ich mir vor einigen Jahren den ersten Maßanzug gekauft habe ist zumindest der “unbequem Faktor” weg. Aber die Rennerei zu den Anproben ist auch nicht gerade lustig. Deshalb hört sich ein “Vor-Ort-Service” zunächst ja ganz gut an, spart wenigstens die Suche nach Parkplätzen. Aber wie ist die Realität? Muss man Herrn Göri 20 x zu Kaffee und Kuchen einladen bis das Ding sitzt? Noch ein Tipp zur Krawatte: Keine mehr tragen. Ein tolles Maßhemd tut es auch.
Montag 17. September 2007 um 22:20
@Alex
Wenn Du im Gegenzug auf das Schürzenfoto verzichtest…
Habe ich doch glatt vergessen, Dir ein Kompliment auszusprechen: Mann, Du trägst Maßanzüge! Damit hast Du bei mir Pluspunkte gesammelt
Montag 17. September 2007 um 22:29
@Elita,
nee, nee, dass sind zwei verschiedene Dinge! Oder Alex?
Dienstag 18. September 2007 um 10:36
[...] Kommentare (RSS) « Herrenmaßmode mit Vor-Ort-Service [...]
Dienstag 18. September 2007 um 10:52
@Herr Freese: Das kann lästig sein, wenn die Krawatte nicht richtig sitzt, nicht wahr? Ich kenne das. Das Problem tritt ja meist dann auf, wenn man es eh eilig hat.
Einen klügeren Tipp als „üben, üben, üben“ habe ich leider auch nicht parat. Tückisch ist, dass die geübte Länge bei einem dicker gewählten Knoten, zum Beispiel für ein Hemd mit Haifischkragen, schon wieder anders ausfällt.
@Herr Hömig: Den Kaffee nehme ich gerne, aber Kuchen mag ich nicht. ;o)
Nein, das „Ding“ sitzt in den meisten Fällen bereits bei der ersten Anprobe, spätestens dann aber nach Änderung bei der zweiten. Und der zweite Anlauf kommt auch nur bei Neukunden vor. Sind die Maße einmal justiert, passt die Ware bei Folgekäufen von Anfang an tadellos. Erneutes Maßnehmen ist nur noch dann notwendig, wenn sich der Körper des Kunden verändert.
Wie ein Vor-Ort-Termin abläuft, finden Sie im übrigen auf meiner Website http://www.goeri.biz/ablauf.php geschildert.
Dienstag 18. September 2007 um 23:45
Liebe Elita, die Pluspunkte habe ich ja schon, warum sollte ich also auf das Schürzenfoto verzichten?
Du versuchst, auf Zeit zu spielen. Tststs. Aber wir werden dich da nicht davon kommen lassen. No Chance.
Mittwoch 19. September 2007 um 15:14
[...] Die strategische Grundüberlegung: Von Anfang an haben mich an dem Geschäftsmodell „Herrenmaßmode mit Vor-Ort-Service“ die niedrigen Gründungskosten fasziniert, die man investieren muss, um loslegen zu können. Keine Anmietung eines Ladenlokals, keine Ladeneinrichtung und auch kein mit teurer Ware bestücktes Lager, da die jeweilige Ware ja erst individuell bei Auftrag gefertigt wird. Ein Büro mit Schreibtisch, Computer und Telefon hatte ich eh schon. Genauso wie ein Auto für Kundenbesuche. Die niedrige Investitionshürde wollte ich dann nicht durch ein fettes Werbebudget höher legen. Lieber ein kleines und feines Instrumentarium aus einem Guss als ein üppiger und teurer Aktionismus werblicher Maßnahmen. Um zu hinterfragen, was für meine Grundausstattung unabdingbar ist, rief ich mir den kürzestmöglichen Prozess für das Eingehen einer Kundenbeziehung vors geistige Auge: Ich lerne den Kunden bei welcher Gelegenheit auch immer kennen, berichte von meinem Angebot und interessiere ihn dafür, verabrede mich zu einem Termin bei ihm, erscheine und komme dann wenige Wochen später erneut mit der fertigen Ware und der Rechnung vorbei. Die werbliche Grundausstattung: Bei diesem überschaubaren Vorgang wurde mir klar, dass für mich Folgendes unverzichtbar war: Visitenkarten und Geschäftsbriefpapier, verschiedene eigene Anzüge für den Auftritt beim Kunden (ich bin quasi eine menschgewordene Litfasssäule meines Angebots) sowie Kleiderbügel und Kleidersäcke. Der Aus-einem-Guss-Wunsch bedingte etwas Corporate-Design-Aufwand, bei dem das GØRI-Logo, Schriftarten und Farben festgesetzt wurden. Ich verstehe meine Ware als hochexklusives Gut und kein nicht dazu passender Kommunikationseffekt sollte meine Zielgruppe irritieren. Das schloss vor allem auch die scheinbar kleinen Entscheidungen mit ein: Zum Beispiel wählte ich für die Visitenkarten und die Geschäftpost ein relativ teures, dafür aber exklusives Papier und die Kleiderbügel, auf denen ich die Anzüge ausliefere, sind selbstverständlich nicht aus Plastik, sondern aus Holz. Und das GØRI-Logo ist auch drauf, damit der Kunde schon beim ersten Blick in den Kleiderschrank sieht, wo seine besten Stücke hängen. Nun war noch ein Medium der Selbstdarstellung notwendig. Schließlich kann ich mich nicht darauf verlassen, dass jeder Kunde den direkten Weg über ein persönliches Gespräch zu mir findet. Aus Kostengründen wollte ich nicht beides haben, sondern mich zwischen Papier und Internet entscheiden, und diese Wahl fiel mir zugunsten einer eigenen Website leicht. Werben und Akquirieren: Hier finde ich es hilfreich, sich immer wieder seine eigene Zielgruppe mit ihren Wünschen und Bedürfnissen in Erinnerung zu rufen und diese mit dem eigenen Leistungsangebot abzugleichen. In meinem Fall komme ich dabei auf folgende unterschiedliche Hauptargumente, die mein Angebot zu etwas Besonderem machen: 1. Der Vor-Ort-Service. Gut, um bei Kunden Gehör zu finden, deren Zeit aus meist beruflichen Gründen knapp ist und diese nicht für einen Gang zum Herrenausstatter, Schneider oder jede andere Art von Einkaufsmühen aufwenden möchte. 2. Die perfekte Passform. Der Mann, der für die Konfektionsgröße geboren wurde, ist eher selten. Mal ist die Schulter zu breit, die Beine zu lang, der Bauch zu klein oder zu groß. Je mehr einer von der Norm abweicht, desto mehr wird er sich für die Anfertigung nach Maß begeistern können. 3. Die Individualität. Wer eine Kultur der Exklusivität pflegt, wird sich mit uniformierter Kleidung eher schwer tun. Bei Maßbekleidung hat er die Möglichkeit, seine Individualität mit spezifisch gewählten Ausstattungsdetails zum Ausdruck zu bringen, ohne dabei gleich aus allen Konventionen auszubrechen. 4. Das Preisleistungsverhältnis. Alexander Greisle schrieb am Montag in seinem Kommentar, dass Maßbekleidung preislich überschätzt würde. Das kann ich aus meiner Erfahrung nur bestätigen. Die Preise in den Vordergrund der Kommunikation zu stellen, kann deshalb einen willkommenen Aha!-Effekt auslösen. Wenn jemand auf die Exklusivität eines teuren Markennamens verzichten kann, kann er dafür u.a. in die Qualität des Stoffes investieren. Mit Postkarten zu neuen Kunden: In einer meiner letzten Werbeaktionen entschied ich mich, Kölner Anwälte und Wirtschaftsprüfer anzusprechen. Diese Berufsgruppe trägt in der Regel täglich Anzüge und ich unterstelle mal, dass sie per se wenig Zeit hat. Ich wandte mich mit Postkarten an sie und wählte den Vor-Ort-Service als Aufhänger: „Sehr geehrter Herr X, viel beschäftigte Menschen wie Sie sollten sich Einkaufsmühen sparen. Deshalb kommt Maßkonfektionär GØRI zu Ihnen ins Büro oder nach Hause. …“ [...]
Freitag 21. September 2007 um 12:02
[...] Kleine Kinder, kleine Sorgen – große Kinder, große Sorgen? Für den Start meines Maßmodengeschäfts brauchte es relativ wenige Mut, wenn man das Gründungsrisiko mit dem anderer Start-Ups vergleicht: Ich musste mich für das notwendige Rüstzeug, das ich Ihnen gestern beschrieben habe, weder verschulden, noch meinen bisherigen Brötchenerwerb mit der Marketingagentur aufgeben. Es gab auch keinen Eröffnungstag X, an dem ich in einen meiner besten Anzüge gehüllt in meinem eigenen Ladenlokal gestanden und mit liebevoll vorbereiteten Schnittchen darauf gewartet hätte, dass bitte auch jemand außerhalb des eigenen Familien- und Freundeskreises zur Tür herein findet. Nein, meine Sorgen waren pillepalle: Passt der erste für mich selbst georderte Testanzug? Entspricht die Qualität meinen Vorstellungen? Im nächsten Schritt: Wird meinen Freunden die georderte Ware gefallen? Schließlich: Werde ich auch außerhalb meines Freundes- und Bekanntenkreises Kunden finden? Und trotzdem: Die gefühlte Sorge kann andere Dimensionen einnehmen. Noch heute habe ich zum Beispiel kein Stück an Coolness gewonnen, wenn es um die Anfertigung von Maßkleidung geht, die zu einem fixen Termin gebraucht wird. Outfits von Bräutigamen (ja, so heißt’s tatsächlich richtig in der Mehrzahl) und Trauzeugen sind so ein Fall – am liebsten würde ich mich nach Auftragserteilung persönlich neben den Schneider stellen und gucken, ob er auch alles richtig macht. Dass er sich zum Beispiel bei der gewünschten Namensgravur im Innern des Sakkos „Wilfried Leutheusser-Schnarrenberger“ nicht verstickt. Und anschließend würde ich die Ware am liebsten persönlich mitnehmen, damit sie nicht in der Post verloren geht. Okay – bisher hat es weder der Schneider an Konzentration missen lassen, noch hat die Post ein Paket verbummelt. Aber man weiß ja nie. Milestones – die mögen für Businessplanorientierte das Erreichen des Break-Even-Points und das der positiven GuV sein. Für mich waren es der erste Wiederholkauf in meiner Kundschaft und der erste Kunde, der ohne die Empfehlungsschiene zu mir fand. Zielmarken für die Zukunft: In den nächsten Jahren möchte ich das bisherige Servicevertriebsgebiet mit den Großräumen Köln/Bonn, Düsseldorf und Ruhrgebiet erschlossen haben. Konkret: Ich wünsche mir hier 500 Kunden. Das ist aus heutiger Sicht eine recht knackige Zahl, aber dennoch machbar. Und mit jedem neuen Kunden kommt man der Wurst vor der Nase ein Stückchen näher. Jeder Kunde soll so zufrieden gestellt werden, dass er gar keinen Grund mehr hat, seine Hemden, Hosen, Sakkos und Anzüge woanders zu kaufen. In diesem Zusammenhang darf ich Alexander Greisles Fazit in seinem Kommentar vom Montag „Einmal Maßanzug, immer Maßanzug.“ im Hinblick auf mein stetes Bemühen konkretisieren in: Einmal GØRI, immer GØRI. Auf dem Weg dorthin werde ich mich angesichts knapper werdender Zeit dem (Luxus-)Problem stellen müssen, wie ich mit meinem bisherigen Werbegeschäft zu verfahren gedenke. Das, was ich mache, habe ich in der Ausbildung gelernt, das habe ich im anschließenden Studium vertieft und das habe ich mein ganzes bisheriges Berufsleben lang gemacht. Und weil es mir Spaß macht, will ich es nicht aufgeben. Es ist aber keine unangenehme Vorstellung, irgendwann nur noch für die eigene Marke GØRI zu arbeiten. Wachstumspläne: Wenn ein Markt erfolgreich erschlossen ist, tut man sich mit dem nächsten leichter – dank mühevoll erworbener Praxiserfahrung, aus der man für den weiteren Weg schöpfen kann. Franchise halte ich für eine reizvolle Option, um eines Tages den GØRI-Vor-Ort-Service in Deutschland flächendeckend anbieten zu können. Danach könnte man sich um die Erschließung benachbarter ausländischer Zielmärkte kümmern. Von der Nationalität her bin ich Österreicher, meine Mutter ist gebürtige Finnin. Ich wüsste also schon, wo ich’s zuerst wagen würde.  [...]
Sonntag 23. September 2007 um 00:23
Also, Herr Goeri, Ihre Klischeevorstellungen gefallen mir überhaupt nicht. Ich mag es überhaupt nicht, durch die Geschäfte zu laufen, mich von den Verkäuferinnen anschauen zu lassen, als wenn sie mir zuerst mal ein Butterbrot anbieten und mich dann in die Kinderabteilung schicken möchten. Und dann die hochnäsige Bemerkung “… führen wir doch erst ab Gr. 38!!!” Nee.
Also ehrlich, ein vergleichbares Angebot für Frauen fände ich ganz o.k.