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Billig! Wie die Innenstädte veröden…

Elita Wiegand 23 September 2007 13 Kommentare

Einkaufen macht Spaß. Eigentlich. Seitdem Werber Geiz in die Nähe von Erotik gerückt haben, verschwindet die Lust. Shopping – Frust macht sich breit, zumindest in den Innenstädten. Vor einigen Tagen bummelte ich über die Hohe Straße in Köln – und war entsetzt. Die Einkaufsstraße ist wegen der Nähe zum Kölner Dom ein Magnet für Touristen. Doch die Shopping-Meile ist verödet, verdreckt, verkommen. Fastfood, Ketten, Billigläden, Filialen, Ramsch – wo sind die schönen Einzelhandelsgeschäfte geblieben?

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Die IHK hat im Juni eine Initiative gestartet, um die Innenstädte zu “retten”. Ziel: Innovative Gründer in die Innenstädte locken, neue Geschäftskonzepte umsetzen und Qualität anbieten. Darüber hat Burkhard Schneider in seinem Blog geschrieben und nicht nur er war gespannt, wie sich das Projekt entwickelt. Am Freitag habe ich bei der Düsseldorfer IHK nachgehakt. Ergebnis: Sie wussten überhaupt nichts von der Initiative! Dabei wird das Thema seit vielen Jahren im Zusammenhang mit den teuren Mieten in den A-Lagen diskutiert, aber Lösungen? Müssen wie also zusehen, wie die Innenstädte weiter zu Billigzonen verkommen?


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13 Kommentare »

  • Wolfgang Horbach sagte:

    Mich erinnert das an einen Sketch von Dieter Nuhr: “Neulich hatte ich mich mit einem Freund in München verabredet. Er hatte mir den Weg beschrieben: ‘Du gehst an der Nordsee vorbei, biegst dann hinter Deichmann links ab, dann bei McDonalds rechts, bei H&M vorbei…’ Plötzlich, als es nicht mehr weiterging, merkte ich, dass ich noch in Köln war.

    Ja, ja die Innenstädte werden durch die Ketten immer ähnlicher.

    Was wir als Einzelne tun können? GANZ EINFACH! Nicht mehr hingehen!

  • Elita Wiegand (author) sagte:

    Ja, das hat Dieter Nuhr auf den Punkt gebracht. Du weißt sehr wohl, dass mir meine Heimatstadt Köln am Herzen liegt und ich finde die Entwicklung der Hohe Str. wirklich fruchtbar.

    Mit einfach nicht mehr hingehen, ist es vermutlich nicht getan.

  • Weblese: Zeitungen, Religion und modern life :: frank huncks blog :: selent sagte:

    [...] Elita Wiegand sieht ganz andere Probleme unserer heutigen Großstädte – Billig! Wie die Innenstädte veröden… [...]

  • Michael Lalk sagte:

    Dann ist ja Hamburg keine Ausnahme. Neuer Wall, Alter Wall, Große Bleichen – eine (Nobel)-Kette neben der anderen. Schon lange kein Michelsen mehr, wo man sein 2. Frühstück einnahm, kein Heimerdinger, um ein paar besondere Delikatessen zu kaufen, kein inhabergeführtes Geschäft.
    Trostlos, und die EKZs gleichen sich innen wie ein Ei dem anderen. In der Tat, die Geiz-ist-geil Mentalität hat mitgeholfen. Aber so ist es: Wir rufen nach Tante Emma und kaufen im Supermarkt.

  • Doc Sarah Schons sagte:

    BOAH, Elita, Du sprichst mir aus der Seele!!! Was hab ich damals vor 15 Jahren in Paris gelitten, als die Champs Elysees grad genau so verödeten… Und wie irritiert war ich vor 7 Jahren auf der Ghinza in Tokio, als ich mich fragte: wo bin ich?! London, Paris, Rom, Oberhausen, Fehmarn ?!
    Als Architekten Tochter mit Gefühl für Bausubstanz und deren Belebung graust es mich -besonders in Deutschland-.
    Die “Geiz ist geil” Agentur und ihr Kunde mögen zwar Umsatz generiert haben für kurzfristige Ergebnisse. Langfristig sind Agentur wie Kunde “No Go”. ( Lanu: klassischer Fall für die frühere Boo-Company, oder?!)

    @ Michael Lalk: Nee – ich kauf eben nicht im Supermarkt, wenn ich es pekuniär irgendwie verhindern kann…

  • Doc Sarah Schons sagte:

    Das was Städten heutzutage fehlt, ist ein Profil: Sommersprossen…

  • Elita Wiegand (author) sagte:

    Lieber Herr Lalk,
    kann mir vorstellen, das sich Hamburg in keinster Weise unterscheidet. Die Innen-städte gleichen sich eben überall. Dennoch bin ich der Meinung, dass jeder Einzelne etwas dazu beitragen kann, die Welt ein bisschen besser machen. Wo es nur eben geht, vermeide ich es in Filialen einzukaufen. Douglas, Schlecker, H&M -uh! fruchtbar. Lieber mal auf etwas verzichten und stattdessen auf Qualität setzen und damit die kleinen Einzelhändler zu unterstützen. Ist leicht gesagt, weiß ich, aber wenn jeder…

    Sarah
    Ob Düsseldorf Sommersprossen bekommt?

  • Doc Sarah Schons sagte:

    @ Elita: bestimmt – nach der nächsten Bürgermeisterwahl und dem überfälligen Wechsel…. *g* Schließlich leben WIR hier *ggg*…

  • Christoph Hinderfeld sagte:

    Sehr stark mit an der Misere beteiligt sind doch mittlerweile die großen anonymen Immobilienportfolios, denen es um eine solide Verzinsung (resp. Steigerung) des eingesetzten Kapitals geht und nicht um die Wahrung der Qualität von Nachbarschaft (und das auf einem ganz schön hohen Niveau, was die Immobilienbewertungen angeht). Der typische Mittelständler ist zudem nicht in der Lage, die Margen auf die von ihm angebotenen Produkte zu bekommen, die er zur Refinanzierung der Toplagen-Mieten wie auf der Maximilianstrasse in München (mit über 300 €/qm/Monat) benötigt (hier sind die vertikalen Ketten eben marktstärker in der “Wertschöpfung” von der Produktion an sog. Billigstandorten bis zum Verbraucher). Dieser Prozess und das “Ausscheiden” der familiengeführten Einzelhandelsunternehmen (bei denen ist heute häufig die Vermietung ihrer Objekte interessanter als selber Einzelhändler zu sein) führt dann zu dem, was man schon vor Jahren als “Deichmannisierung” der Innenstädte bezeichnet hat. Ob die Loyalität der zahlreichen Eigentümer in den Innenstädten hier eine Änderung des Mietermixes zulässt, bleibt abzuwarten. Ich glaube nicht daran. Ein Lösungsweg kann die Schaffung neuer “Dritter Orte” sein, wie sie die “Die Zunft AG” derzeit ja in alten innenstadtnahen Industriestandorten entwickelt (http://www.zunftviertel.de).

  • Elita Wiegand (author) sagte:

    Lieber Christoph,

    Die Misere hast Du gut beschrieben und ein Ausweg scheint wirklich nicht in Sicht. Ob Eigentümer tatsächlich Änderungen bewirken und einen Mietermix zulassen, ist zudem fraglich. Bleibt die Hoffnung, dass die Zunftorte die Lücke schließen und sich hier wieder Manufakturen, Handwerksbetriebe und qualitativ hochwertige Geschäfte ansiedeln.

  • Wolfgang Horbach sagte:

    Zu dem Thema gibt es ganz frisch einen interessanten Bericht bei Spiegel-Online über das Slow-City-Konzept: Lebe lieber langsam.

  • Elita Wiegand (author) sagte:

    Danke für den Tipp, Wolfgang!

  • Doc Sarah Schons sagte:

    Cool! Nach slow food nun slow city…. getting more and more into the slow flow…. ;-)

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