Das Ideenprojekt eines Wurst- und Schinkenproduzenten

2007-10-01, von Bert Mutsaers

Hallo liebe Blogger,

ich freue mich, dass ich hier eine Woche lang über mein Projekt «bonspin» berichten und diskutieren darf. Erst vor genau einem Monat habe ich das Ideenportal bonspin gestartet. Deshalb ist es für mich sehr spannend hier im Blog Anregungen, Meinungen und kritische Kommentare zu erhalten. Hoffe nur, dass sich meine Zuversicht nach dieser Woche nicht in Frustration wandelt, da ich bereits viel Zeit und Geld in diese Idee investiert habe.

Wie kam es zu bonsin?
Obwohl wir in unserem Unternehmen, der Firma Bedford Fleischwaren, die ich mit meiner Schwester zusammen führe, sehr traditionelle Produkte herstellen, sind wir dennoch ständig auf der Suche nach Innovationen, da unsere Kunden Abwechslung in den Wurst-Bedienungstheken erwarten.
Aus diesem Grund beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema Kreativität. Seit knapp 2 Jahren klinke ich mich jeden Montagnachmittag aus dem operativen Geschäft aus und studiere Literatur und Techniken zu dem Thema «Kreativität und Geistesblitze». Dabei ist mir aufgefallen, das es zwar viele Kreativitätstechniken gibt, aber nur wenige die das Internet als Medium verwenden. Da ich mich als ehemaliger Computerfreak mit  der Internetprogrammierung relativ gut auskenne, basteltet ich zunächst ein Testsystem, mit dem man Brainstorming online betreiben konnte. Anfangs habe ich Mitarbeiter, Bekannte und Freunde eingeladen mitzumachen. Die ersten Ideenprojekte mit der Suche nach neuen Verpackungsformen für Leberwürste lieferten so gute Impulse, das ich mich entschied ein professionelles Brainstorming online Portal zu gründen. Daraus wurde bonspin mit einem Team aus 2 Programmierern, einer Hilfskraft und der Werbeagentur, die Bedford Fleischwaren seit mehreren Jahren ideenreich betreut.

Wie funktioniert bonspin?
Das Prinzip lässt sich in 3 Sätzen beschreiben: 1. Wer eine Aufgabe hat, die es zu lösen gilt, registriert sich als Bonze, stellt seine Aufgabe als Ideenprojekt in dem Portal und setzt Prämienpunkte für Impulse zur Lösung der Aufgabe aus, die er vorher bei bonspin gekauft hat. 2. Wer Ideen für die Lösung der Aufgabe hat, registriert sich als Spinner und stellt seine Ideen für das Projekt ins Portal. 3. Nach Ablauf einer vorher festgelegten Zeit vergibt der Bonze seine Prämienpunkte an die Ideen und indirekt an die Spinner, die ihm die besten Impulse zur Lösung seiner Aufgabe geliefert haben; die Spinner sammeln die Prämienpunkte oder lösen sie in einem Prämienshop ein.
Die Aufgaben reichen von der Suche nach einem zündenden Einfall für eine Marketingaktion über Neuproduktideen bis hin zum originellen Geschenk zum Hochzeitstag.

Meine Ziele mit dem Ideenportal.
Wie in meiner Vorstellung angemerkt wurde, ist meine eigentliche Aufgabe die Firma Bedford Fleischwaren erfolgreich zu führen. Daher bin ich zum Glück nicht darauf angewiesen, meinen Lebensunterhalt mit bonspin zu verdienen. Vielmehr möchte ich endlich einmal eine meiner Idee außerhalb meines Berufes erfolgreich verwirklichen. Um mit bonspin erfolgreich zu sein benötige ich zunächst eine große Anzahl von Spinnern und Bozen. Mein konkretes Ziel ist es zum Jahresende  ein kreatives Potential von 1000 registrierte Spinner bei bonspin zu versammeln.
Bisher haben sich seit Beginn der Betaphase Mitte Juni 2007 151 Spinner registriert. Um auf 1000 Spinner zu kommen, hoffe ich auf Mund zu Mund Werbung, PR-Berichte und investiere in diverse Werbemaßnahmen. Gebe auch offen zu, dass diese Woche hier im Blog neben hoffentlich vielen Anregungen und kritischen Kommentaren auch Eigenwerbung für bonspin bedeutet. Denn was nützt ein Ideenportal das kaum einer kennt und bei dem nur wenige mitmacht?

Eine Anmerkung noch zu dem Vergleich zu BrainR.de. Grundsätzlich ist es doch OK wenn es mehr als ein Online-Brainstorming Portal gibt. Sicherlich werden es in der Zunkunft noch viele neue derartige Portale geben. Aber jedes wird für sich sein eigenes Konzept haben. BrainR.de ist schon ein paar Monate länger am Start und arbeitet im Gegensatz zu bonspin nicht mit registrierten Benutzern. Bei bonspin gibt es ein Statuskonzept, d.h. Spinner können ab 100 Ideenpunkten den Status eines ECHTEN SPINNERS erlangen, ab 500 Ideenpunkten zum PREMIUM SPINNER und ab 1000 Punkten zum PROFISPINNER werden. Das hat den großen Vorteil, dass Bonzen auf Wunsch gewisse Ideenprojekte ausschließlich für z.B. ECHTE SPINNER zugänglich machen können. Das kostet dann zwar ein paar Prämienpunkte mehr, aber dafür nehmen an dem Ideenprojekt nur Spinner teil, die ihre Kreativität durch gute Ideen in der Vergangenheit bereits bewiesen haben.

Abschließend interessiert mich brennend die Frage, was Sie von der Idee halten und welches ihrer Meinung nach die größten Hinderungsgründe für einen Erfolg sein können.
Bis morgen.

Ihr Bert Mutsaers

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13 Kommentare zu “Das Ideenprojekt eines Wurst- und Schinkenproduzenten”

  1. Joachim Zischke sagt:

    Die Indianer pfleg(t)en einen Traumfänger über dem Ruheort aufzuhängen, um den Schlaf zu verbessern: Die bösen Träume bleiben im Netz hängen und werden später von der Morgensonne neutralisiert, während die guten Träume durch das Netz schlüpfen und eine angenehme Nachtruhe schenken.

    Mir scheint, dass das Web 2.0 einen ähnlichen Trend verfolgt: Allerorts werden Ideenfänger aufgehängt, von denen wir uns Innovationen, Visionen und eine positive Zukunft erhoffen. Doch die Annahme, je mehr Köpfe sich mit einer Frage beschäftigen, umso mehr Ideen und Ergebnisse werden produziert, ist zu kurz gedacht. Was fehlt, um effektiv nutzbare Ergebnisse zu erzeugen, ist eine konkret angewendete Methodik, es fehlen Organisation und Moderation sowie eine Kanalisierung der Brainstorms.

    Es ist bekannt, das Kreativitätstechniken das Leistungsvermögen des Einzelnen in Gemeinsamkeit mit Anderen enorm steigern können. Die Frage steht im Raum, welche Qualität die eher singulär erzeugten Web 2.0-Ideen-Prozesse überhaupt gewinnen können. Masse bedeutet nicht einfach Klasse.

    Warum geben manche Firmen immer noch mehrere Zehntausend Euro für Ideenpakete (siehe beispielsweise die Angebote von Brainstore) aus, wenn sie Ideen praktisch zum Nulltarif bekommen könnten? Sicherlich weil die Prozesse der Ideengewinnung nicht so sehr auf Zufall, sondern auf systematisches Vorgehen beruhen und damit eine andere Qualitätsstufe erreichen.

    So ein Ideenfänger mag für triviale, alltägliche Aufgabenstellungen wie Wie formuliere ich einen Heiratsantrag? vielleicht ganz lustige und zweckmässige Ergebnisse liefern, für professionell anwendbare Lösungen erscheint mir dieser Weg nicht geeignet.

    Eine Frage habe ich hier noch gar nicht behandelt: Wie werden Ideen vergütet, die geniale Lösungen liefern und zum Millionenerfolg führen? Darüber brauchen wir nicht weiter nachzudenken, im Web 2.0 ist ohnehin alles kostenlos …

  2. Hans-Gerd Staschewski sagt:

    Ich war inzwischen auf beiden erwähnten Plattformen und finde die Idee dahinter erst einmal nachdenkenswert. Sicherlich werde ich diesen Weg einmal nutzen, um praktische Erfahrungen zu machen. Für mich stellt sich jedoch auch in diesem Zusammenhang immer wieder die Frage: “Was will ich erreichen, was ist mein Ziel?” Wie oben schon angerissen, kann ich dem Einwand der fehlenden Methodik… folgen. Aber manchmal ist es für mich nicht nur das effektiv nutzbare Ergebnis, das für mich interessant ist. Manchmal ist es einfach nur das bewusste wahrnehmen anderer Perspektiven auf mein Anliegen, die mich persönlich weiter bringen. Ich lass mich mal überraschen.

  3. Mutsaers Bert sagt:

    Um die grosse Idee mit dem Millionenerfolg geht es bei bonspin überhaupt nicht. Ich bin fest von dem Spruch, den Thomas A. Edison einmals äußerte, überzeugt: “Eine Erfindung besteht aus 1% Inspiration und 99% Schweiß”. Und genau darum geht es, Impulse zu bekommen von Personen, die nicht im selben Umfeld agieren und teilweise völlig anders denken. Die Vergütung der Impulse erfolgt übrigens durch Ideenpunkte, die der Bonze für 1 Euro kaufen muß und die dem Spinner 60 Cent als Prämie bringen oder, wenn er den Status eines ECHTEN SPINNERS erreicht, sich aus auszahlen lassen kann. Im Web 2.0 ist doch nich alles so kostenlos wie es auf den ersten Blick erscheint.

  4. Elita Wiegand sagt:

    Dass ein Unternehmer eine Brainstorming-Plattform eröffnet, finde ich erst mal positiv. Habe mich gerade mal angemeldet, um in die Tiefe zu gehen und bonspin zu beurteilen. Leider habe ich noch keine Rückmail erhalten oder habe ich mich etwa falsch angemeldet?

    Als ich zum erstem Mal bonspin besucht habe, ist mir besonders der Name aufgefallen. Bonzen und Spinner- eine ungewöhnliche Kombination. Das Wort Bonzen sehe ich kritsch, weil es eher als Schimpfwort benutzt wird. Mit dem Begriff Bonzen wird hier natürlich auch direkt verdeutlicht, dass es um Geld geht. Das mißfällt mir.
    Bei der Anmeldung, so wie ich es gerade versucht habe, muss ich relativ viele Daten eingeben – in dieser Zeit ist mein kreative Energie verflogen und meine Lust mitzumachen auf Null gesunken.

    Frage an Sie Herr Mutsaers: Wofür benötigen Sie die Daten in der Ausführlichkeit?

  5. Doc Sarah Schons sagt:

    Ich mag das Wortspiel “bonspin” – kann ja auch heißen “gut spinnen”, “gut drehen” etc pp. Ein Sprachenbastard wie ich mag so was.
    Und das Wort Bonze hat ja auch einen ganz anderen Ursprung und viele Auslegungsarten… nu ja – chacune à sa gôut….
    Ethymologie jedenfalls schadet nicht – ebensowenig Wortwitz.
    Mir gefällt die Idee und auch die Plattform – und ich bin gespannt auf mehr, Bert Mutsaers!

  6. Doc Sarah Schons sagt:

    @ Elita: hab mich dort schnell und problemlos eintragen können – und so gar nicht ausführlich. Schnell ne Idee geposted… War ich auf ner anderen Seite?!?! *grübel*

    @ Bert Mutsaers: an den Prämien läßt sich aber sicher noch was tun, oder?!

  7. Mutsaers Bert sagt:

    @Elita Wiegand: Die per Mail zugesendete Bestätigungsaufforderung ist sicherlich in ihrem Spam-Ordner gelandet. Das kommt hin und wieder vor. Die genauen Adressdaten werden für die korrekte Zusendung der Prämien benötigt. Hoffentlich haben sie in der Zwischenzeit wieder kreative Energie aufgetankt um die ein oder andere Idee zu spinnen.

    @Sarah Schons: Die Prämien werden zur Zeit gerade überarbeitet. Hoffentlich ist dann etwas für Sie dabei. Ansonsten müssen Sie einfach viele gute Ideen haben um zu einem echten Spinner zu werden (100 Punkte). Dann lassen sie sich die Ideenpunkte einfach auszahlen.

  8. Burkhard Schneider sagt:

    Hallo Herr Mutsaers,

    sie fragen zum Schluss, was der größte Hinderungsgrund für den Erfolg Ihrer Plattform gibt. Meine Antwort: Das Bessere ist immer der Feind des Guten.

    Oder konkret: Welchen einmaligen Kundennutzen habe ich bei Ihnen, wenn ich eine Idee als Bonze suche? Auf den ersten Blick keinen, weil es mit brainr.de ein sehr bewährtes Angebot gibt, das kostenfrei ist. Nur, wenn mir keine Lösung, die bei Brainr vorgeschlagen wurde, gefällt, dann könnte für mich bonspin Sinn machen, weil hier vielleicht andere “Spinner” aktiv sind. Sollte ich aber bei Ihnen ebenfalls keine guten Lösungen erhalten und habe dafür aber noch Geld bezahlt, entwickelt sich eine negative Mundpropaganda.

    Ich persönlich habe folgende Meinung: Mitmachplattformen, die dem Inputgeber keine faire Bezahlung ermöglichen, werden langfristig von der Bildfläche verschwinden oder sie entwickeln eine Vision a la Wikipedia: für eine bessere Welt. Dann sind auch Teilnehmer bereit, kostenlos Ideen zu geben, wenn sie entsprechend auch genug zurückbekommen.

  9. Heide Liebmann » Blog Archiv » brainr vs. Bonspin? sagt:

    [...] dem innovativ.in-Blog hat der Erfinder Bernd Mutsaers seine Idee vorgestellt, die dort auch schon diskutiert wird – nicht [...]

  10. innokaan sagt:

    Habe beide Plattformen ausprobiert und finde beide interessant. Mir sind auch bei BrainR bei vielen Ideen die Füße eingeschlafen, aber im Laufe der Zeit entwickelt sich das schon – das wird auch bei bonspin so werden. Ich bleibe jedenfalls dran und werde sehen, ob ich bis zum Profispinner schaffe. Mich interessiert dabei der spielerische Aspekt.

  11. Essen kommen! » Blog Archiv » Brainstorming für Spinner! sagt:

    [...] Bonspin. Der Erfinder ist Bernd Mutsaers, Geschäftsführer bei Bedford in Osnabrück. Auf dem innovativ-in-Blog hat der Feinschmecker seine Idee schon vorgestellt.  Bei Bonspin kann man sich als „Spinner“ [...]

  12. Spinnen - um erfolgreicher zu werden! « Fleischer/Metzger-Blog sagt:

    [...] Bonspin. Der Erfinder ist Bernd Mutsaers, Geschäftsführer bei Bedford in Osnabrück. Auf dem innovativ-in-Blog hat der Feinschmecker seine Idee schon vorgestellt.  Bei Bonspin kann man sich als „Spinner“ [...]

  13. Georg H. sagt:

    Moin Zusammen,

    ich denke das ganze Modell wird letztendlich am Mittelmaß der Ideen langfristig scheitern. Kein Profi wird sich mit ein paar Euros für eine gute Idee abspeisen lassen.

    Ich persönlich werde den Teufel tun und meine Geistesblitze für ein paar “Kröten” zu veröffentlichen.

    Was mir auch nicht ganz klar ist, wie hier vor Ideenklau geschützt wird.

    Die grundlegende Idee finde ich nicht schlecht, aber ungeeignet für ein Low-Budget-Umfeld.

    Für mich hört sich das ganze ein wenig nach Abzocke an. Es wird suggeriert, dass hier sehr günstige Lösungsansätze für professionelle Fragestellungen geliefert werden “könnten”.

    Angesprochen werden auf Bonzenseite Unternehmen mit schmalem Budget. Da probiert man ja gerne mal einiges aus.

    Aber gute Ideen wollen vorher gut recherchiert sein und sind kein Zufalls-Produkt. Arbeit und Hirnschmalz wollen auch entsprechend honoriert werden. Kreativlinge wissen meist um Ihr Talent der Ideenfindung und arbeiten nun mal nicht für Lau.

    Man sehe sich nur die Ideenfinder-Threads auf Xing an. Es gibt dort eigentlich nur zwei Varianten an Einträgen. Mittelmäßige bis schlechte Lösungsansätze von Branchenfremden Threadlesern oder Einträge mit dem Tonus.Ich habe eine Idee, hier mein Kontakt. Melde Dich bei mir und ich berate Dich gerne. Mein Tagessatz liegt bei 650,- EURO (realistischer Beispieltagessatz).

    Mein Rat für Unternehmer, die an “echten” Lösungen interessiert sind wäre dann doch den klassischen Weg zu gehen und kreativen Input beim Profi einzukaufen.

    Viele Grüße
    Georg H.

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