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Exnovation – die neue Sau im Dorf?

Wolff Horbach 7 Oktober 2007 7 Kommentare

Vor Jahren schrieb mein Freund Claus Peter Seibt: “Achten Sie auf die nächste Sau“. C.P. Seibt meinte damit die Managementmoden, die alle paar Jahre durchs globale Dorf gejagt werden. Sie erinnern sich noch: Shareholder Value, Reenginering, Balanced Scorecard? Momentan soll es die weiße Salbe Customer Relationship Management (CRM) richten.

Der Managementberater und Bestsellerautor Edgar K. Geffroy hat ein neues Buch geschrieben: Schneller als der Kunde. Und weil das nicht reicht, gibt es noch einen schmissigen Untertitel: exNOVATION statt INNOVATION. Wie bitte? Innovationen sollen out sein? Hat Geffroy eine geniale Methode entdeckt oder ist der Name “exNOVATION” nur ein Marketingbegriff so wie “Partnering” oder “Clienting” (beide auch von Geffroy)?

C.P. Seibt hat eine kleine Checkliste für die “nächste Sau” erstellt:

  1. Die Sau wird einen schnellen Namen haben.
  2. Die Sau wird wieder unser ganzes, höchst komplexes Wirtschaften auf einen einfachen Nenner bringen.
  3. Die Sau wird Glamour und Gewinn verheißen.
  4. Die Sau wird an einem Eckchen des globalen Dorfs beginnen und ganz schnell für alles zuständig sein.
  5. Erst werden frühe Missionare auftreten, dann erste Zeugnisableger und dann Hohepriester.
  6. Kurz darauf werden fast alle nach der Mode der neuesten Sau gekleidet sein wollen.
  7. Die Sau wird tot sein, wenn sie genügend amüsiert und / oder Schaden angerichtet hat.

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7 Kommentare »

  • Doc Sarah Schons sagte:

    Aha – und dann wird alles saubillig durch´s Dorf getrieben?! Oder was?!

  • Judita Ruske sagte:

    Die Charakteristik von CP bringt es auf den Punkt!
    Eine Weile habe ich mich über diese Leute geärgert, denn sie ziehen mit diesem Vorgehen den Beraterstand als solchen mit in ein schlechtes Licht.
    Kunden glauben eine zeitlang zu gerne, dass es endlich die eine Patentlösung auf dem Markt gibt. Da kommt beides zusammen.

    Mittlerweile verwende ich nicht mal mehr Zeit für das Prüfen dieser Angebote, die immer mehr werden. Gähn.

    Schade bzw. bedenklich finde ich, dass die eine oder andere IHK oder Beratungsstellen wie das RKW einer ähnlichen Art von unwirksamen Standardprogrammen großen Platz einräumen. Beratungssuchende haben dann oft nicht einmal viel Nutzen aus den geförderten Programmen.

  • Doc Sarah Schons sagte:

    Ja, Judita – das ist wirklich eine Krux mit diesen (geförderten) Programmen.. Die schwappen nicht nur durch IHKs etc, sondern auch wellenweise durchs Gesundheitswesen bzw. Ärztefortbildungen.

    Deswegen finde ich Wolffs Beitrag zu C.S. so wichtig – man gar nicht genug von solchen Dorftreibereien abraten.

  • Judita Ruske sagte:

    Dabei ist die Förderung als solches eine sehr gute Sache.
    Der Beratungsklient kann von der Gründung über Nachfolge, Neuaufstellung, Change bis hin zum Marketingprozess alles zu 50% gefördert bekommen. Und das beim Berater des Vertrauens, der passende Maßnahmen mit ihm zusammen entwickelt. Das ist meist sehr wirksam.
    Vorsicht ist dann geboten, wenn Berater und Trainer möglichst viele Teilnehmer zugleich behandeln wollen, möglichst lange und möglichst nach einem Standard. Da richtet sich der Klient nach dem Programm und nicht umgekehrt. Die Kasse klingelt.
    Aber die nächste Sau kommt bestimmt ;-)

  • Beate Strauss sagte:

    Es gab da mal eine hanebüchene Diskussion im Clienting-Forum (Xing), in der Clienting als Neuschöpfung und Weiterentwicklung des rein produktorientierten Marketing gepriesen wurde. Dabei sind aus den 4 P’s längst 7 P’s geworden und es lässt sich beim bestem Willen kein Unterschied zwischen kunden- und vertriebsorientiertem Marketing und Clienting feststellen.

    Alter Wein in neuen Schläuchen – man muss es den Leuten nur verkaufen können.

  • Christian Goeri sagte:

    Genau, Frau Strauss, man muss es den Leuten nur verkaufen können.
    Eine mir die Nackenhärchen aufstellende Möglichkeit zur Sau-Geburt ist auch die, nur des Verkaufseffekts zuliebe zu provozieren, ohne dass die “neue” Antithese stichhaltig belegt werden könnte.
    Mir fällt ein Beispiel vor einigen Jahren ein, als in der Werbewelt kurzfristig fraktales Marketing gepriesen wurde, das mit dem “Mythos” kontinuierlicher Markenführung oder langfristig angelegten Corporate Designs brechen wollte. Die Zigarettenmarke West lancierte darauf hin eine Kampagne, bei der jeder rote Faden in Motivwahl, Markenpräsentation und Zielgruppenansprache bewusst vermieden wurde. Floppte total.
    Aber kurzfristig scheint man mit dem Mittelchen Provokation immerhin Buchabverkaufserfolge generieren zu können. Deshalb paar Titel-Vorschläge für die nächsten Businessbook-Bestseller:
    - “Das Internet ist tot! Warum jedes Online-Engagement von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist.”
    - “Tradition statt Innovation – wie Sie lernen, der Zukunft geschickt aus dem Weg zu gehen”
    - “Glück macht unglücklich – über die Wiederentdeckung des Kraftpotentials Härte & Kälte im Unternehmen”
    ;-)

  • Judita Ruske sagte:

    Leider kann einem das Schmunzeln vergehen: das gibt es – wenn auch in netter verpackter Form.
    Namen möchte ich nicht nennen.
    Zum Glück wird auch schon in Mittelstands-Zeitschriften vor den neusten Schweinchen gewarnt. Manchmal steht so ein Artikel direkt neben einem, der die letzte Sau noch reitet :-)

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