Lieben wir das Negative?
2007-10-14, von Wolff Horbach
Ich bin schwer verwundert. Und das kam so …
Mit der Anleitung zum Unglücklichsein habe ich nur einen schnellen Versuch für eine Technik zur Einbindung von Powerpoint-Präsentationen in Blogs ausprobieren wollen. Zu meiner großen Überraschung wurde die Präsentation bisher 529 angeschaut und 156 mal runtergeladen.
Als ich erkannte, dass solche Negativ-Anleitungen offensichtlich beliebt sind, habe ich mit der Anleitung für garantiert missglückte Meetings noch einmal nachgelegt. Ergebnis bisher: 557 Views, 73 Downloads. Und einige Blogs haben die Präsentation übernommen und eingebunden.
Elita Wiegand hat dann etwas Ähnliches gemacht mit ihren 15 Gründe, an denen Sie erkennen, dass Sie garantiert kein Querdenker sind. Ergebnis bis heute: 147 Views und 16 Downloads.
Hätte ich eine Anleitung zum Glücklichsein und eine Anleitung für produktive Meetings geschrieben, dann hätte das wahrscheinlich kaum jemanden interessiert. Oder?
Ich überlege nun, ob ich meine “schwarze Serie” fortsetzen soll. Ich habe da ein paar Ideen …, nehme aber auch gerne Wünsche und Anregungen entgegen.





















Sonntag 14. Oktober 2007 um 12:22
Wohl wahr Wolff. Ein Prinzip das auch immer wieder in den Medien Anwendung findet. Es kann gar nicht grauslig genug sein. Vielleicht bin ich ein zu großer Optimist. Ich warte immer noch auf einem Mainstream an Nachrichten die eine Herausforerung aufzeigen und dann weiter berichten in dem Sinne: “Es ist zwar eine Herausforderung aber schaut her, es gibt Wege, diesem zu begegnen.” Ist es wirklich unmöglich, mit positiven Beispielen anderen Mut zu machen, die Dinge auch selbst in die Hand zu nehmen. Bleiben die Menschen wirklich lieber in Ihren Sesseln sitzen und lassen sich wohlig von Entsetzen durchrieseln, als vor ihrer Haustür den Unrat zu beseitigen?
Ich selber sehe mich lieber in einer Gruppe von Menschen, die dem Blochschen Prizip Hoffnung verpflichtet sind, oder deinem des Glücks.
Sonntag 14. Oktober 2007 um 12:58
@ Hans-Gerd:
Dein Kommentar passt ganz gut zu dem Buch, welches gerade vor meiner Nase liegt: Alain: Die Pflicht, glücklich zu sein.
Montag 15. Oktober 2007 um 03:04
Hach, lieber Wolff, lieber Hans-Gerd,
das Buch von Alain hab ich vor über 25 Jahren schon verschlungen – und mich dran gehalten…. *grins* …. auf Avalon herrscht das Glück – und wie Tori Amos so schön intoniert why should we crucify ourselves?!
Nee – dieser ewige Negativismus bringt niemanden wirklich weiter – auch wenn er noch so aufmerksamkeitsträchtig zu sein scheint….
Montag 15. Oktober 2007 um 10:58
Kein Wunsch und keine Anregung, aber zu “Lieben wir das Negative?” ist mir aufgefallen, dass sich viele als Kritiker sicherer fühlen als als Lobender. Ich denke da konkret an Präsentationen von Werbekonzepten, die ich sowohl agentur- als auch kundenseitig erlebt habe.
Es scheint eine völlig unterschiedliche Sache zu sein, ein solches Konzept mit einer, zwei oder drei Personen zu diskutieren, als es einer ganzen Gruppe von vielleicht einem Dutzend zu präsentieren. Oft war im zweiten Fall zu beobachten, wie sich die Gruppendynamik gerne hin zum Negativen wendet: In einer Feedback-Runde im Anschluss der Präsentation wird sich noch dem großen Bild zugewandt und gelobt. Dann irgendwann, vielleicht beim fünften Feedback-Geber, wird an einer Stelle im Konzept die Farbwahl kritisiert, weil sie an irgendwas erinnere, woran besser nicht zu erinnern sei. Zustimmung bei einigen wenigen, keine Widerworte gegen die Kritik. Und nach und nach wird an einzelnen Stellen herumgekrittelt, und die ganze Stimmung kippt. Nun bemüht sich jeder, noch mit der Aufdeckung weiterer Schwachstellen glänzen zu können.
Wahrscheinlich, weil man als Kritiker in solchen Situationen auf der sicheren Seite steht: Man bremst aus, ist gleichzeitig schwer angreifbar und auch interessanter. Wer dagegen lobt und durchwinkt, wirkt weniger spektakulär und kann auch noch in die Verantwortung genommen werden, dass die Dinge funktionieren. Wenn nicht: Klar, die Anderen hatten doch gleich gewusst, dass das so nicht gehen kann.
Insofern: Auch bei mir bemerke ich den Effekt, dass ich eine “Anleitung zum Unglücklichsein” auf den ersten Blick interessanter finde. Aber: Bei einer “Anleitung zum Glücklichsein” empfinde ich auf der anderen Seite, dass der Verfasser Mut zeigt und Verantwortung für das Gelingen übernimmt. Dem würde ich mich dann letztlich lieber zuwenden, wenn es mir mit dem Thema wirklich ernst ist.
Montag 15. Oktober 2007 um 16:49
Eine “Anleitung zum Glücklichsein” würde vermutlich als eine Ansammlung von “platten Allgemeinsätzen” wahrgenommen. Die negativen Listen sind meistens mit Humor und Augenzwinckern geschrieben (auch Wolffs Folien) und lesen sich deshalb recht nett.
Ein wenig überspitzt bringt das Negative die wesentliche Aussage oft besser auf den Punkt, zum Beispiel zum Thema Humor bei Besprechungen:
“Wer lacht. Fliegt raus!”.
Formuliert das mal positiv mit Witz ohne das es eine langweilige Arbeitsanweisung für produktives Arbeiten wird.