Schwarmintelligenz: Experiment 1 – Ergebnisse

2007-10-24, von Wolff Horbach

Pinnadeln im KunststoffkastenDas 1. Experiment zur Schwarmintelligenz ist abgeschlossen. Ich hatte gefragt: Wie viele Nadeln sind in dem abgebildeten Kästchen? Die Ergebnisse:

  • Es sind genau 284 Nadeln (im Diagramm unten: grüner Balken) in dem Kästchen.
  • Es haben 31 Personen an dem Experiment teilgenommen.
  • Der geringste geschätzte Wert war 99, der höchste 495. Damit ist der höchste Werte genau 5 mal so groß wie der geringste. Die Spannbreite der Schätzungen betrug also 500%.
  • Der Durchschnittswert der Schätzungen beträgt 228 Nadeln (im Diagramm: gelber Balken). Dieser Wert liegt 20% unter dem richtigen Wert.
  • Die beste Schätzung war 303 (weißer Balken rechts neben dem grünen). Dies war eine Abweichung von 7% vom richtigen Wert.

Jetzt wird sich die eine oder der andere fragen: Was soll dieses Spiel? Wozu soll das gut sein?

Die Hauptfrage ist: Ist der Schwarm (die Masse) in der Schätzung besser als der Einzelne?

Auswertung Experiment 1Dies lässt sich so interpretieren:

  • Die Durchschnittszahl von 228 ist zwar 20% unterhalb des richtigen Wertes. Aber: nur 9 von 31 Teilnehmer haben eine Schätzung abgegeben, die näher am wahren Wert waren (weiße Balken). Mit anderen Worten:
  • 22 Teilnehmer waren mit ihren Schätzungen schlechter (rote Balken) als der Durchschnittswert (die Schwarmentscheidung). Dies sind 71% schlechtere Werte gegenüber 29% bessere Werte.
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass der Durchschnittswert besser als der eigene Wert war, liegt also bei 71 : 29 = 240%.
  • Es lohnt sich also, auf das Urteil des Schwarm zu vertrauen. Würde der beste Schätzer sich dem Schwarmurteil anschließen, würde er sein persönliches Ergebnis nur um 13% verschlechtern, während der schlechteste Schätzer sein Ergebnis um 55% verbessern würde!

Ich hatte eigentlich auf noch eine bessere Annäherung des Durchschnittswertes an das tatsächliche Ergebnis gerechnet (andere Experiment zeigen eine erstaunliche Präzision). Wie man aus dem Diagramm ersehen kann, habe die meisten weit unterhalb des wahren Wertes geschätzt. Das liegt wahrscheinlich an der Perspektive der Fotografie. Für viele war wahrscheinlich nur schlecht ersichtlich, dass die Nadeln im mehreren Lagen übereinander lagen.

Was können wir daraus lernen:

  • Bei unsicheren Daten ist es auf jeden Fall gut, eine große Menge von Menschen zu befragen, die unabhängig voneinander eine persönliche Schätzung abgeben.
  • der Durchschnittswert ist eine sehr gute Annäherung an den tatsächlichen Wert.
  • Der Durchschnittswert ist in der Regel sehr viel besser als die meisten Einzeldaten.

Und wo lässt sich das anwenden?

  • Zu welchem Preis sollen wir das Produkt verkaufen?
  • Wie viele Anmeldungen werden wir zu der Veranstaltung bekommen?
  • Wie lange werden wir zu der Entwicklung brauchen?
  • Welches Budget brauchen wir für XYZ?

Probieren Sie es aus. Beenden Sie die endlosen Diskussionen. Mit der Schwarmintelligenz kommen sie in viel kürzerer Zeit zu besseren Ergebnissen.

Falls Sie noch skeptisch sind: machen Sie beides parallel. Lassen Sie erstens per Schwarmintelligenz abstimmen (ohne vorherige Diskussion). Diskutieren und entscheiden Sie dann auf dem üblichen Wege. Vergleichen Sie später die Ergebnisse.

27 Kommentare zu “Schwarmintelligenz: Experiment 1 – Ergebnisse”

  1. Doc Sarah Schons sagt:

    N = 31 ist eine in der Wissenschaftswelt nicht ernst zu nehmende Kohorte…
    Damit könnte ich in der Medizin rein gar nichts belegen – außer einer erweiterten Kasuistik.
    Fazit: keine Experiment unter N=100 – und das ist schon schwer bedenklich…
    Unter N=1000 brauchst Du auch auf keinem Kongress egal was vorzustellen.
    Wie ist das bei Euch in der Physik eigentlich geregelt, Wolff?!

  2. Wolff Horbach sagt:

    Liebe Sarah, danke für den Einwand. Das hilft bei der Klärung. Was du aus der Medizin berichtet, ist natürlich in der Physik und der gesamten Technikwelt genau so. Das ist bewährte Statistik, um signifikante Abweichungen zu ermitteln und zuverlässige Schlüsse zu ziehen.

    Wir haben es aber hier mit etwas ganz anderem zu tun. Das kann man ganz gut mit der Demoskopie vergleichen. Demoskopen brauchen bei uns für einigermaßen verlässliche Wahlaussagen ca. 2.000 Teilnehmer, die auch noch repräsentativ sein müssen, also ein möglichst gutes Abbild der Gesamtmenge darstellen. Schwarmintelligenz braucht aber weder die große Zahl noch das repräsentative Abbild. Brand eins berichtete bereits im August 2005:

    Die Universität Iowa unterhält seit 1988 sogar eine elektronische Wettbörse, die als Prognose-Instrument für den Ausgang politischer Wahlen oder zur Vorhersage von Wirtschaftsentwicklungen eingesetzt wird. Mit Erfolg: Während 49 Wahlen im Zeitraum von 1988 bis 2000 lagen die Wetten am Vorabend der Wahl nur um 1,37 Prozentpunkte bei Präsidentschaftswahlen und um 3,43 Prozent bei anderen Wahlen neben dem tatsächlichen Ergebnis. Damit liegen die Iowa Electronic Markets besser als die wichtigsten Meinungsumfragen in den USA – mit ungleich geringerem Aufwand. Niemals waren mehr als ungefähr 800 Spieler an einem Wettgang beteiligt.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass solche Wettsysteme eines Tages viele der bisherigen statistischen Verfahren in Medizin und Technik ablösen werden. Weil sie zuverlässiger, schneller und billiger sind.

    Vielleicht graust es dir noch vor der Vorstellung, dass in nicht all zu ferner Zukunft die Empfehlung über die beste Therapieform nicht vom einzelnen Arzt kommt, sondern von einer Wettbörse, an der viele Ärzte teilnehmen. Warum sollte für die bessere Heilungschance nicht das gleiche gelten wie für die bessere Wahlvorhersage?

  3. Timo sagt:

    Boa – der Arzt sagt mir:

    Moment noch, Herr Off, ich hole mir von 1000 Kollegen kurz das Durchschnittsvotum und dann bekommen Sie die wahrscheinlich beste Therapie.

    Das fällt mir derzeit noch schwer…

    Eure Einwände teile ich: 23 ist einfach noch viel zu wenig. Das kann doch nur heißen: Nochmal!

  4. Wolff Horbach sagt:

    @ Timo: Wie kommst du auf 23?
    Trotz der geringen Teilnehmerzahl: der Durchschnittswert ist besser als der von über 70% der Teilnehmer!

  5. Timo sagt:

    ja, ähm, wie kam ich gerade auf 23… ?
    (ich meinte 31…)

  6. Haiko Lietz sagt:

    … und schon stecken wir in einer Diskussion über komplexe Systeme.

    N = 1000 ist m.E. gerade nicht notwendig, weil wir komplett anders an die Sache herangehen als in der üblichen Statistik. Dort sind tatsächlich N = 1000+ notwendig, weil eine repräsentative Aussage über eine Gesamtpopulation getroffen werden soll.

    Wir jedoch schaffen ein System und schauen, welche Aussage es als Kollektiv trifft. Wir beabsichtigen nicht, eine Aussage zutreffen, die für alle Deutschen oder Business-Treibende gilt.

  7. Sabine Raiser sagt:

    Spannendes Thema und gut für den Einstieg. Danke Wolff. In diesem Fall mit den Nadeln wäre ich mit dem Durchschnittswert der Schwarmintelligenz gut beraten. Ich hätte mich dankbar darauf verlassen, da ich weiss, dass ich bei solchen Schätzungen nicht gut bin. Was auch belegt wurde. Aber ob ich mich bei einer selbst zu verantwortenden wichtigen Frage innerhalb meiner Kompetenzfelder auch darauf verlassen würde, glaube ich nicht. Frage: Ist dieses Verfahren vor allem dort gut, wo Unsicherheit herrscht, keine Erfahrungswerte vorliegen und Verantwortung geteilt wird?

  8. Wolff Horbach sagt:

    @ Sabine:
    Dort wo ich durch andere Verfahren (Recherchen, Berechnungen, …) zuverlässige Werte bekommen kann, sollte man die natürlich anwenden. Die Schwarmintelligenz eignet sich überall dort, wo man keine zuverlässigen Werte hat und man auf Schätzungen und Annahmen angewiesen ist. Da zeigt sich, dass die Weisheit der Vielen meistens bessere Lösungen bringt. Man weiß eben vorher nicht, wer zu den weißen und wer zu den roten (siehe Diagramm) gehört. Der Durchschnittswert kommt der Sache schon sehr viel näher.

    Mit dem Teilen von Verantwortung hat das m.E. nichts zu tun, sondern mit dem Streben nach guten Ergebnissen. Ich hätte mich bis vor kurzem auch noch auf meine eigene Schätzung verlassen, weil ich annahm, in Schätzungen von Mengen etc. relativ gut zu sein. Dieses Experiment ist auch für mich eine Lehre: ich habe 400 Nadeln geschätzt, bevor ich sie gezählt habe. Das lag 116 Nadeln daneben. Dabei hatte ich die Schachtel in der Hand. Der Durchschnitt lag aber nur 56 daneben. Das sind weniger als die Hälfte.

  9. Kirschherz sagt:

    Eine interessante Frage stelle ich mir in diesem Zusammenhang: “Ist es für das Ergebniss entscheidend ob die “Probanten” eher visuelle oder analytische Menschen sind?”
    Wie bin ich herangegangen?
    Mein erster Gedanke war es, die untere Ebene auszuzählen um dann die wahrscheinliche Anzahl der oberen Ebenen hochzurechnen. Mit dem Ergebniss lag ich 16% über der wahren Zahl.
    Eingereicht hatte ich dann aber eine nach unten korrigierte Zahl, die auf übliche Packungsgrößen abstellte. Diese lag dann knapp 12 % unter dem korrekten Ergebnis.
    Dies zeigt auch, dass man selbst wenn man scheinbar analytisch an eine Fragestellung herangeht, man oft rein subjektiven Nebenaspekten eine entscheidende Rolle beimisst.
    Alles in allem aber ein spannendes Experiment.
    Sicher werden noch weitere folgen und ich bin sehr gespannt darauf.

  10. Elita Wiegand sagt:

    Interessant. Hätte zwar erwartet, dass das Gruppenergebnis näher an der tatsächlichen Zahl liegt, aber das Foto irritiert vermutlich etwas. Ich lag jedenfalls daneben.
    Zunächst war ich ziemlich skeptisch und der Funke “Schwarmintelligenz” ist bei mir überhaupt nicht übergesprungen. Nach dem Experiment und den guten Hintergrundinfos von Dir Wolfgang, sehe ich das anders und denke, dass man damit jede Menge Möglichkeiten hat,endlose Diskussionen zu vereinfachen. Danke für die Arbeit, die Du hier machst, Wolfgang!

  11. innokaan sagt:

    Kann man daraus Erkenntnisse ziehen, die als Kandidat bei der ‘Millionenshow/Wer wird Millionär’ im Fernsehen nützlich sind, um sich für oder gegen die Frage an die Zuschauer zu entscheiden? Ich habe zwar noch nicht viele dieser Sendungen gesehen und weiß auch nicht, wie viele Zuschauer im Studio sitzen. Mein Eindruck war bisher jedoch immer der, dass die Zuschauer richtig geraten haben.

  12. Wolff Horbach sagt:

    @ Innokaan: Ja, dass ist richtig. Unser Mitschwärmer Timo Off berichtet, dass der Publikums-Joker zu 91% korrekt war, während der Telefon-Joker mit Experten nur zu 65% punktete.

  13. Britta Zweigner sagt:

    Ich finde dieses Experiment sehr spannend und freue mich schon auf die Fortsetzung!

    Ich denke nun darüber nach, wann es sinnvoll ist, die „Schwärmerei“ auf unternehmerische Fragestellungen zu übertragen. Im Experiment war das Durchschnittsergebnis besser als viele einzelne. Aber es war eben trotzdem nicht das Beste. Würde ein Unternehmen bei zuviel Schwärmerei zur Durchschnittlichkeit tendieren? Oder, böse ausgedrückt, zur Mittelmäßigkeit? Immerhin gab es ein echtes Schätz-Talent mit einem Wert von 303 Nadeln. Dieses Talent kommt im Schwarm nicht zur Geltung. Wie lange dauert es, bis ein Talent / Experte innerlich kündigt, wenn es im Unternehmen vom Schwarm oder vom Team überstimmt wird? Meine Vermutung ist, dass dies oft passiert. Wobei das sicherlich nichts mit Schwarmintelligenz zu tun hat.

    Ich glaube, die Herausforderung ist, zwischen den Möglichkeiten abzuwägen. In welchen Situationen „schwärme“ ich, wann bilde ich ein miteinander kommunizierendes Team oder wann ist es besser, Experten / Talente zu suchen und auf deren Meinung zu vertrauen?

    Bei „Wer wird Millionär“ glaube ich, dass die Kandidaten dem Publikum eher die leichteren Fragen stellen, die zum Allgemeinwissen gehören. Bei Fragen, die Spezialgebiete betreffen, werden dann die Telefonjoker bemüht. Oder?

    Wenn ich zum Zahnarzt gehe, hoffe ich einfach, dass er eine bessere Therapie empfehen kann, als eine Wettrunde aus Herzspezialisten, Allgemeinmedizinern, Urulogen usw. Oder unterliege ich da möglicherweise einer Illusion :-) ?

    Danke für dieses interessante Experiment!

  14. Wolff Horbach sagt:

    @ Britta: Wenn sich bei vielen Schätzungen die Person mit der 303 (fast) immer als der das “Schätz-Talent” herausstellt hätte, dann würde man es in ähnlichen Fällen zu Rate ziehen. Das Problem ist nur: man weiß vorher gar nicht, wer die beste Schätzung abgibt. Ich vermute, das wird mal der eine und mal die andere sein.

    Also ist es immer noch besser, dem Schwarm zu trauen.

    Es wäre bei “Wer wird Millionär” ein interessantes Experiment, den Publikums-Joker bei allen Fragen zu prüfen. Ich kenne die Spielregeln nicht genau, aber ich gehe davon aus, dass ich nur einen Telefon-Joker bestimmen darf. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass ich zu Hause das Super-Genie sitzen habe, welches auf allen Gebieten beschlagen ist. Im Zweifelsfall würde ich zuerst das Publikum befragen.

    Natürlich würde ich mit einem Zahnproblem zum Zahnarzt gehen und nicht zum Urologen. Aber wenn man zehn Zahnärzte fragt, bekommt man wahrscheinlich sehr unterschiedliche Antworten. Ein Hochschullehrer von mir sagte immer: Frage fünf Professoren und du bekommst 10 Antworten.

    Nach Schätzungen sterben in Deutschland jährlich ca. 25.000 Menschen an Fehlbehandlungen in Arztpraxen und Krankenhäusern! In den USA habe ich Schätzungen von 98.000 Toten pro Jahr gelesen. Alle verursacht von Experten, die es ja angeblich wissen! Das macht mich sehr nachdenklich, was Spezialistenwissen und -entscheidungen angeht.

  15. Doc Sarah Schons sagt:

    Ach – auch hier jetzt Ärzteschelte?! Ja, kommt immer gut….
    Da würd ich vielleicht mal die Schwarmintelligenz bemühen, um die Erfolge (=abgewendete Gefahren, Heilungen etc.) zu erraten… im Vergleich zu anderen Branchen gerne auch…
    und die Politik bemühen, die mit sog. “Evidenzbasierter Medizin” die Spezailisten in ihren Entscheidungen ins kassenrechtlich statistische Mittel zwingt, das dann mit ärztlicher Heilkunst für den Einzelnen gar nicht korrellieren kann…;-)

    Wolff, diese Diskussion hatten wir hier schon an andere Stelle – wenn Du dem Diagnosecomputer mehr traust (oder jetzt der Wettgemeinschaft) ist das sicher ein anderes Weltbild, als meins.
    Ich tu mich bekanntermaßen schwer, der Masse, der Statistik oder auch dem Schwarm zu vertrauen. Ich setz immer noch eher auf Quality statt Quantity.
    Schafft “Mehrheitsmeinung” wirklich “Vertrauen” ?!?!?! *grübel*

  16. Wolff Horbach sagt:

    Liebe Sarah, es geht nicht um Ärzteschelte. Die Arztfrage hast du mit N>1000 hier rein gebracht. Ich hoffe, ich habe die obigen Zahlen richtig recherchiert. Ich hatte nur im Kopf, neulich erschreckende Zahlen aus den USA gehört zu haben und stieß dann bei Google auf die Zahlen aus Deutschland.

    Evidenzbasierte Medizin (EbM) ist lt. Wikipedia

    * “der gewissenhafte, ausdrückliche und vernünftige Gebrauch der gegenwärtig besten externen, wissenschaftlichen Evidenz für Entscheidungen in der medizinischen Versorgung individueller Patienten. Die Praxis der EbM bedeutet die Integration individueller klinischer Expertise mit der best verfügbaren externen Evidenz aus systematischer Forschung.“ (David L. Sackett u. a.: Was ist evidenz-basierte Medizin und was nicht?)
    * „Bewusste, ausdrückliche und wohlüberlegte Nutzung der besten Informationen für die Entscheidungsfindung über die Behandlung eines Patienten“ (Deutsche Nationalbibliothek: Gutachtenbasierte Medizin)

    Das klingt für mich vernünftig. Was unsere Gesetzgebung daraus macht und was es für den einzelnen Kassenarzt bedeutet, kann ich nicht beurteilen.

    Ich möchte aber hier weniger über einzelne Berufsgruppen diskutieren (die Zahlen sind bei Ingenieuren wahrscheinlich auch nicht besser), sondern mehr über allgemeine Prinzipien.

    Wenn du der Masse nicht traust, dann vergleiche doch bitte mal deine persönliche Schätzung mit der der Masse und dem tatsächlichen Wert. Auch beim zweiten Experiment lauern da Überraschungen. Ich bin, was meine eigene Schätzung angeht (400), ziemlich nachdenklich geworden.

  17. innokaan sagt:

    Wir haben beim Thema ‘Schwarmintelligenz’ bisher diskutiert über Schätzungen, aber auch über Wissen (oder schätze ich, dass ich es weiß?). Zum Thema ‘Gruppendurchschnitt besser als viele Einzelmeinungen’ haben sich schon Generationen von Trainees bei Kommunikationstrainings den Kopf beim sog. ‘NASA-Spiel’ zerbrochen. Dort soll zuerst jeder Einzelne eine Prioritätenliste erstellen, die 15 Gegenstände umfasst, die er/sie von der Raumfähre zum Raumschiff mitnehmen könnte. Dann wird in der Gruppe diskutiert.
    Hat da jemand von euch nähere Info?

  18. Wolff Horbach sagt:

    @ Innokaan: In der Tat haben wir bis jetzt nur geschätzt. Aber die Schätzungen beruhen ja auf Erfahrungen. Beim Wissen ist etwas anderes. Bei manchen Dingen ist man sich sicher, dass man es weis, bei anderen ist man unsicher. Aber man irrt auch da, wo man meint, es zu wissen. Es ist eben eine innere Täuschung.

    Das NASA-Spiel habe ich mal vor Urzeiten mitgemacht. Es war in der Tat verblüffend. Zunächst sollte jeder einzelne die Gegenstände benennen, die er mitnehmen wollte. Ich weiß die genaue Zahl nicht mehr, aber nur die wenigsten von uns hätten mit ihrer persönlichen Liste überlebt. Bei der Gruppendiskussion ergab sich dann durch die Kombination des Wissens der Einzelnen eine andere Liste. Das Gruppenergebnis war sehr viel besser als das der Einzelnen. Fast alle Gruppen hätten überlebt.

    Bei dem NASA-Spiel kommt so etwas wie “Einsicht” zum Vorschein. In der Gruppendiskussion erkennt man dann plötzlich: “Ach, ja XYZ muss man unbedingt mitnehmen, um zu überleben”. Da gibt es schnell einen Konsens.

    Ganz anders sieht es bei konträren Meinungen aus. Da tendieren die Gruppendiskussion kaum zum Konsens, sondern die extremen Standpunkte werden an beiden Rändern gestärkt.

    Oder ein, zwei dominante Personen bestimmen die ganze Diskussion. Sie sind dann so stark, dass Minderheitenmeinungen nicht berücksichtigt werden. In der Schwarmintelligenz-Literatur gibt es einige Beispiele, wo das Verdrängen von Minderheitenmeinungen zur Katastrophe geführt haben. So u.a. bei dem Challenger-Desaster, bei dem sieben Astronauten umkamen.

    Die Schwarmforschung zeigt auf, dass Diskussionen oft schädlich sind. Daher habe ich bewusst bei den bisherigen Experimenten auf eine Diskussion verzichtet.

    Das NASA-Spiel wirft damit eine interessante Frage auf: Wann diskutiert man besser und wann lässt man es besser sein. Das alternative NASA-Spiel im Schwarm wäre: Jeder legt seine eigene Liste an und daraus wird eine gemeinsame Liste erzeugt. Ohne Diskussion.

  19. Doc Sarah Schons sagt:

    Jetzt oder nie: Schwarmokratie…. *LOL* – ohne Diskussion…. ;-) heitere Grüße aus dem satirischen bootcamp!

  20. innovativ.in - Business Blog » Blog Archiv » Schwarmintelligenz: Experiment 2 sagt:

    [...] haben vor kurzem begonnen, die Schwarmintelligenz im Business-Club zu nutzen. Unser 1. Experiment hat bereits folgendes [...]

  21. innovativ.in - Business Blog » Blog Archiv » Schwarmintelligenz: Experiment 3: NASA-Spiel reloaded sagt:

    [...] haben hier im Blog bereits zwei Experimente zur Schwarmintelligenz durchgeführt. Es ging um Nadeln und einen dicken [...]

  22. Roland Kopp-Wichmann sagt:

    Hallo,
    habe das Thema “Schwarmintelligenz” auch auf meinem Blog publiziert: http://seminare4you.de/weblog/article/228/schwarmintelligenz-warum-viele-oft-klueger-sind-als-der-einzelne
    Vielleicht ergeben sich ja daraus ein paar interessante Fragestellungen.

  23. Wolff Horbach sagt:

    @ Roland:
    Danke, ich hatte es schon gesehen. Vielleicht gibt es darüber auch ein paar neue Mitschwärmer.

  24. Tobias Jobst sagt:

    Das Experiment erscheint mir überholt und nicht zeitgemäß. Darüber hinaus sind diese Effekte schon längst bekannt und werden entsprechend auch adaptiert. Schwarmintelligenz trifft lediglich Aussagen über Mittelwerte, wie sie eine Wahrscheinlichkeitsrechnung ebenfalls liefert. Spitzen und Täler werden dabei ausgemittelt. Über Intelligenz als solche trifft dies jedoch keine Aussage, weshalb der Begriff in diesem Zusammenhang meines Erachtens unglücklich gewählt ist.

    Energie folgt der Aufmerksamkeit, ergo dem Fokus. Insofern kann auch ein einzelner Mensch ebenso “verlässliche” Ergebnisse liefern wie der Schwarm, wenn eine entsprechende Resonanz (zum Objekt) vorliegt. Die Schwarmintelligenz kann als Synonym für die Ankopplung an kollektives Wissen (> R4) gesehen werden. Gleichwohl ist dessen Repräsentation im Mittelwert der Informanten kein Kumulativ. Konkret bedeutet das, die Unschärfe ist eine Funktion der Resonanzfähigkeit auf die gegebene Information.

    http://syncommmanagement.wordpress.com

  25. Wolff Horbach sagt:

    @ Tobias:
    Schöner Versuch, auf dein Blog aufmerksam zu machen ‘-)

    Das die Effekte längst bekannt sind, bezweifle ich. Die Effekte von Schwarmintelligenz kennen erst sehr wenige Menschen. Adaptiert werden sie so gut wie gar nicht. Ich kenne kaum ein Unternehmen, welches die äußerst positiven Wirkungen von Schwarmintelligenz wirklich anwendet. Immer noch denken die Leute an der Spitze, sie wüssten es am besten.

    Die Experimente der Schwarmintelligenz beweisen, dass genau das Gegenteil von dem wahr, was du behauptest. In der Regel sind die Ergebnisse des Schwarms viel besser, als die der meisten Individuen. Oft sogar besser als das Ergebnis des besten Individuums.

    Schwarmintelligenz heißt natürlich nicht, dass es Individuen gibt, die besser sind. DAS Problem ist nur, dass man nie weiß, welches Individuums das beste Ergebnis liefert. Der Schwarm hingegen liegt meistens ganz richtig. Mit anderen Worten: Wenn ich dem Schwarm vertraue, dann bin ich nicht sicher, ob ich das beste Ergebnis erziele. Aber ich bin sehr sicher, dass ich ein ziemlich gutes Ergebnis bekomme und auf jeden Fall die größten Fehler vermeide. Ist das nichts?

    Bitte auf jeden Fall lesen: Die Weisheit der Vielen: Warum Gruppen klüger sind als Einzelne.

  26. Tobias Jobst sagt:

    Schöner Versuch, auf dein Blog aufmerksam zu machen ‘-)
    Adaption von Schwarmintelligenz…

    Das die Effekte längst bekannt sind, bezweifle ich. Die Effekte von Schwarmintelligenz kennen erst sehr wenige Menschen.
    Mag sein, das ändert nichts an der Tatsache, dass sie (längst) bekannt sind. Ich erinnere beispielhaft an Rupert Sheldrake sowie andere Forschungen zu (kollektivem) Bewusstsein. In Forschungskreisen ist das Thema also ein “alter Hut”, ebenso umgesetzt und adaptiert in der EDV, man denke an Torrent etcetera.

    Adaptiert werden sie so gut wie gar nicht. Ich kenne kaum ein Unternehmen, welches die äußerst positiven Wirkungen von Schwarmintelligenz wirklich anwendet. Immer noch denken die Leute an der Spitze, sie wüssten es am besten.
    Hier kommt es meiner Erfahrung nach stark auf die Unternehmensgröße und geografische Lage an. Insgesamt sind sicher die Kapazitäten und Potentiale nicht ausgeschöpft, da weitgehend nicht einmal aktiviert. Hierin meine Zustimmung. Allerdings kennen Sie sicherlich den 100. Affen sowie die parallele Entwicklung von “einfachen” und “komplexen” Systemen, bei denen man bisher davon ausging, dass sie auf einander aufbauend funktionieren würden? Das ist eben nicht der Fall. Darüber hinaus wäre Intelligenz als solche zu definieren.

    Die Experimente der Schwarmintelligenz beweisen, dass genau das Gegenteil von dem wahr, was du behauptest. In der Regel sind die Ergebnisse des Schwarms viel besser, als die der meisten Individuen.
    In der Regel. Ausnahmen von dieser Regel sehen wir regelmäßig in evolutiven Zusammenhängen.

    Oft sogar besser als das Ergebnis des besten Individuums.
    Auch hier meine Zustimmung. Gleichzeitig möchte ich den Gedanken einbringen, dass es einen Grundimpuls gibt, welchen im Regelfall ein Individuum setzt.

    Schwarmintelligenz heißt natürlich nicht, dass es [keine] Individuen gibt, die besser sind. DAS Problem ist nur, dass man nie weiß, welches Individuums das beste Ergebnis liefert. Der Schwarm hingegen liegt meistens ganz richtig. Mit anderen Worten: Wenn ich dem Schwarm vertraue, dann bin ich nicht sicher, ob ich das beste Ergebnis erziele. Aber ich bin sehr sicher, dass ich ein ziemlich gutes Ergebnis bekomme und auf jeden Fall die größten Fehler vermeide. Ist das nichts?
    Das kommt sicher auf die Betrachtung an und findet im Regelfall auch meine Zustimmung. Gleichzeitig ist ausschlaggbend, ob der Fokus auf Quantität oder Qualität des Ergebnisses liegt.

    http://syncomm.gmxhome.de

  27. innovativ.in - Business Blog » Blog Archiv » Blog Zahlen-Werk sagt:

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