Leitbilder: Null Aussagen von Unternehmen
2007-10-25, von Elita Wiegand
Sprechen wir doch mal über die Leitbilder von Unternehmen – und über die Floskeln. Ohren zuhalten- ich laufe schreiend weg, wenn ich es höre. Jetzt kommt nämlich die allseits beliebte Allerweltsaussage: “Der Mensch steht im Mittelpunkt!”  (Erinnert sich hier noch jemand an die Postkarte von Klaus Staeck? Stammt von 1980!!!) Gerade eben habe ich diese bemerkenswerte Weisheit mal wieder in dem Leitbild eines großen Unternehmens entdeckt. Von diesen Null-Aussagen wimmelt es nur in den Leit(d)bildern.  Darauf haben die beiden Business-Querdenker Anja Förster und Peter Kreuz in ihrem Vortrag “Alles, außer gewöhnlich” aufmerksam gemacht.  Auszugsweise einige Leitbilder Beispiele. Nun  raten Sie mal schön! Bin gespannt, wer die Unternehmen erkennt.Â
Beispiel Nr.1: “Potenziale erkennen, Wachstum gestalten. Wissen, wofür man steht. Die eigenen Stärken kennen und nutzen und auf Basis einer klaren Strategie handeln.Das eben Erreichte, so perfekt es auch sein mag, ist stets nur der Ausgangspunkt zu etwas Besserem. Diese Überzeugung bewegt jeden Einzelnen, sie prägt die Unternehmenskultur und bestimmt die Prozesse im Unternehmen.
Beispiel Nr. 2: “Unser Erfolg hängt von Menschen ab. Qualifikation und Motivation unserer Mitarbeiter und Vertriebspartner sind für uns von herausragender Bedeutung. Wir achten Menschen als Persönlichkeiten.”
Beispiel Nr. 3: “Wir sind kundenorientiert. Wir entwickeln führende Marken und Technologien. Wir stehen für exzellente Qualität. Wir legen unseren Fokus auf Innovationen. Wir sind erfolgreich durch unsere Mitarbeiter.”
Beispiel Nr. 4:Â ”Wir setzen uns ehrgeizige Ziele – die wir von unserer Vision ableiten und anhand von Benchmarks verifizieren – und tun alles, um diese Ziele zu erreichen. Wir unterstützen unsere Kunden bei der Suche nach perfekter Qualität und bieten ihnen Lösungen, die ihre Erwartungen übertreffen.”.
Beispiel Nr. 5:“Der Kunde steht im Mittelpunkt. Jede Marke ist auf die Bedürfnisse ihrer Zielgruppe abgestimmt und bietet Produkte, die sich an den Wünschen der Kunden orientieren.
Und weil ich ahne, dass kaum jemand hier die Unternehmen rät, wage ich das Buch ”Karaoke Kapitalismus” als Preis für den Gewinner zu stiften. (Passt so schön…) Die Auflösung folgt morgen!





















Donnerstag 25. Oktober 2007 um 15:45
Ich nehme mal an, alle fünf Beispiele kommen aus der Software “Unternehmensleitbild 2.0 – Generieren Sie Ihr Unternehmensleitbild auf Knopfdruck.”
Donnerstag 25. Oktober 2007 um 15:57
Oder doch:
1. BMW
2. Vorwerk
3. Henkel
4. da liefert mir Google nur “innovativ.in”, das kann nicht sein!
5. E-Plus
Donnerstag 25. Oktober 2007 um 16:23
Ich bin ratlos. Die Floskeln könnten auch von ein und demselben Unternehmen stammen. Es klingt alles sehr ähnlich. Man sagt ja auch: Gelesen, gelacht, gelocht.
Ich glaube, die Leitbilder sind oft eine Formulierung des Wunsch-Zustandes. Ein Projektteam überlegt, wie es denn bitteschön zu sein habe. Das wird dann als Ist-Zustand formuliert, wie in diesen schönen Beispielen. Wir sind…
Die Realität bzw. wie das Unternehmen von den MitarbeiterInnen und der Umwelt wahrgenommen wird, welche Kultur tatsächlich da ist, wird ausgeblendet. So entstehen Leitbilder, die nicht gelebt werden.
Aber kann sich ein Unternehmen in unserer Welt voller Floskeln und Versprechungen die Wahrheit leisten? Ein Leitbild a la…
Wir sind in einer schwierigen Unternehmensphase. In der Vergangenheit haben wir viel umstrukturiert und zahlreiche MitarbeiterInnen entlassen. Deshalb herrscht bei uns momentan ein Klima der Verunsicherung. Unsere Mitarbeiterinnen haben Angst vor noch mehr Veränderungen und weiteren Entlassungen. Wir haben schwerwiegende Fehler in der Kommunikation gemacht. Einige MitarbeiterInnen haben innerlich gekündigt. Natürlich wirkt sich dies auch auf den Umgang mit unseren KundInnen aus. Es kommt immer wieder vor, dass der Kundenservice mangelhaft ist und Anrufer unfreundlich behandelt werden. Wir haben festgestellt, dass wir eine Fehlerkultur haben, die Innovationen eher verhindert. Liebe KundInnen, liebe MitarbeiterInnen, dies alles ist uns bewusst. Wir danken Ihnen, dass Sie uns trotzdem treu geblieben sind. Wir versprechen, dass wir an diesen Problemen arbeiten. Und zwar mit voller Kraft und mit ganzem Herzen. Für das nächste Jahr haben wir uns folgende Ziele gesetzt….. usw., usw
Wie würden Sie darauf reagieren? Ganz ehrlich. Ich bin sehr gespannt…
Donnerstag 25. Oktober 2007 um 20:10
Würde mich persönlich ansprechen – ich fühle dann mit, wenn wieder etwas schiefläuft und versuche selbst, dort mitzuhelfen, damit es dann doch noch klappt.
Donnerstag 25. Oktober 2007 um 20:25
Hallo Britta,
bezieht sich diese Frage etwa auf Euer Unternehmen? Kann ich mir gar nicht vorstellen – bei Eurer Vision! Habe eben Eure Fluxwork-Stories durchgelesen, einfach herzerfrischend!
Donnerstag 25. Oktober 2007 um 22:59
oder so (ein Beitrag aus dem satirischen bootcamp):
1. Gärtnerei xyz
2. IKEA
3. NSA (MLM company) – oder auch Avon
4. Schäuble & Co (ja, wer sind denn Eure Kunden..)
5. ALDI – oder auch Codex Alimentarius
Donnerstag 25. Oktober 2007 um 23:50
@Wolfgang
Hatte mir doch gedacht, dass Du googlest und die Unternehmen sofort findest. Deshalb habe ich bei Nr.4 einen kleinen Schwierigkeitsgrad eingebaut.
@Britta
Die Unternehmen Leitbilder sind (fast) alle austauschbar. Das Schlimme daran ist, dass die Firmen für das Bla-Bla Unsummen investieren.
Zu Deiner Frage, ob man sich die Wahrheit leisten kann: Deinen Text finde ich mutig – würde ich aber abschwächen. Fehler zuzugeben ist gut, aber zuviel Asche auf das Haupt kann das Ggenteil bewirken und würde mich als Kundin eher abschrecken.
@Sarah
Köstlich! Wir sollten Schäuble endlich ein LEIDBILD verpassen!
Freitag 26. Oktober 2007 um 00:55
@ Elita #17: LEIDBILD ist er doch selbst, der böse Wolf… und wir alle sollen unter ihm leiden… “Demokratie” halt…
LeiTbild wär er ja gern – mitsamt seinen Chergen incl. Angela und dem ganzen Rest, den wir so finanzieren…
Warum und wozu eigentlich?!?!?!
Freitag 26. Oktober 2007 um 01:06
ooops – wir waren erst bei #7 und nicht #17 – aber das kommt vielleicht noch….
Aus meinem beruflichen Alltag weiß ich jedenfalls von etlichen “Staaatsdienern” = Beamten zu berichten, die seit Jahren auf unsere Kosten bei 2/3 oder vollen Bezügen suspendiert sind, trotz Vorstrafen. Denn die Disziplinarverfahren im Anschluß dauern halt..
Wollen wir das?! Können und wollen wir uns das leisten ?!
Unser “Staat” könnt glatt alle Aussagen von 1-5 deklarieren – und erfüllt sie dann zu unseren Lasten..
Wonderful… ein *twinkle* aus dem satirischen bootcamp
Freitag 26. Oktober 2007 um 01:08
Hier also die Auflösung der unsäglichen Unternehmens Leitbilder. Wolfgang hat natürlich fast richtig geraten:
1. BMW
2. Vorwerk
3. Henkel
4. Siemens
5. E-Plus
Könnte aber auch in einer anderen Reihenfolge sein, weil eben beliebig und austauschbar.
Und übrigens “DER MENSCH STEHT IM MITTELPUNKT” – diese Floskel finden wir auch bei der AWO, der SPD, Business-School Heilbronn, ECO Bestattungen (besonders komisch), Club Vitalis, Thyssen Krupp, Diakonie – und, und, und – 2.020.000 Einträge bei Google – sollte uns doch zu denken geben, oder?
Freitag 26. Oktober 2007 um 01:19
BMW – Besitzer halte ich eh für imbezil und der halbjährlichen Führerscheinprüfung notwendig….
Gibts da eigentlich Unfallstatistiken zu, Wolff?!
Nu, die anderen sind nicht viel besser…
Ihr lest hier 5 Firmen, von denen ich niemals nicht nie ein Produkt kaufen würde. Warum wohl?!
Freitag 26. Oktober 2007 um 12:45
@ Innokaan
Möglicherweise zieht es dann uns Berater an und schreckt die Kunden ab?
@ Horst
Danke für die Blumen! Ich hoffe, dass wir niemals soweit kommen, so ein Leitbild zu formulieren. Allerdings habe ich mit Schrecken festgestellt, dass auch an einer Stelle auf unserer Website der Mensch im Mittelpunkt steht. Huch, wie konnte das passieren?
@ Elita
Genau, es kostet Unsummen. Ich beobachte aber, dass sich Unternehmen, Verwaltungen, Vereine lieber auf die Formulierung eines Leitbildes in Hochglanzprospekten stürzen, als sich mit echter Organisationsentwicklung zu befassen.
Ich vermute auch, dass die ungeschminkte Wahrheit die Kunden abschreckt. Abschwächen? Also ein Light-Bild?
@ Sarah und Elita
Als Vorlage für das neue Leidbild könnte vielleicht das aktuelle dienen
http://www.bva.bund.de/cln_051/nn_372236/DE/DasBVA/Leitbild/node.html?__nnn=true
In Hamburg gibt es gerade viele Stromwechselpartys. Wie wäre es mit Leidbildtausch- oder wechselpartys?
@ Wolff
Glückwunsch zum ersten Platz!
Freitag 26. Oktober 2007 um 16:10
@ Britta: LOL !!! Köstlich, diese site!
Freitag 26. Oktober 2007 um 16:22
Liebe Sarah zu deinem Kommentar #11: Ich wusste gar nicht was imbezil war und war entsetzt, als ich nachlas, was damit gemeint ist: “angeborenen oder früh erworbener Schwachsinn mittleren Grades”. Du kannst doch nicht allen Ernstes eine große Gruppe von Autofahren so bezeichnen, nur weil sie ein Auto einer bestimmten Marke fahren.
Überhaupt finde ich das Draufschlagen auf andere Firmen als nicht angemessenen Stil für unseren Business-Club. Elita ist im Begriff eine innovativ.in-Stiftung zu gründen, bei der die Förderung der Innovationskultur im Vordergrund steht. Das Draufschlagen auf angeblich schlechte Firmen wird bestimmt nicht deren Spendabilität erhöhen. Eine Zwei-Minuten-Recherche bei Google brachte z.B. folgendes zum Vorschein: Die Firma Vorwerk, über deren Leitbild wir uns hier herziehen, hat kürzlich Auszeichnungen für Innovationen und Familienfreundlichkeit bekommen.
Ich wünsche mir sehr, dass wir hier konstruktiv diskutieren und positive Beispiele nennen. Dann werden wir auch wieder mehr Beteiligung bekommen und müssen uns nicht fragen: Ist hier noch jemand??
Freitag 26. Oktober 2007 um 17:00
Zum Thema Leitbild fällt mir grad kein positives Beispiel ein. Aber ich habe kürzlich in einem anderen Blog die Geschichte eines Unternehmens gefunden, die mich sehr beeindruckt hat:
http://www.pott2null.de/cms/a75.det.Der-Unternehmer-mit-IG-Metall-Buch_8.htm
In Leitbildern steht oft nicht das, was von Mitarbeitern oder der Umwelt wahrgenommen wird. Und da sehe ich das Problem. Ich gehe wirklich davon aus, dass die Unternehmen ihre Leitbilder in bester Absicht entwickeln und dass sie das erreichen möchten, was drin steht. Das ist zwar jetzt etwas Spekulation, aber ich glaube z. B. dass das Bundesverwaltungsamt dieses Leitbild in der besten Absicht entwickelt hat, unternehmerischer zu handeln. Und weil Leitbilder in der Wirtschaft etabliert sind, wird dann vielleicht diese Methode übernommen. Oft wirken Behörden auf uns aber anders und schwupps entsteht ein komisches Gefühl. Möglicherweise wirkt es sogar unglaubwürdig. Das ist dann schade, weil viel Arbeit und Geld drinsteckt.
Vielleicht würde es helfen, öfter zu schreiben: Wir möchten… statt “wir sind”. Und genau zu schauen, welche von den gewünschten Eigenschaften und Verhaltensweisen schon da sind. Und die dann zu veröffentlichen. Das wirkt möglicherweise authentischer. Oder?
Freitag 26. Oktober 2007 um 17:38
@ Britta: Danke für den Glückwunsch. Wo stand das denn?
Freitag 26. Oktober 2007 um 18:28
@Britta
Dieses Beispiel von Thomas Wiese ist lesenswert. Ein authentisches Leitbild, eines, was Mut macht und bewegt. Danke für den Link!
@Wolfgang
Vorwerk ist ein innovatives Unternehmen, kein Zweifel. Und wenn das Unternehmen jetzt noch das Leitbild verbessern würde, wäre das doch optimal. Immerhin sind innovative Firmen bekanntlich lernfähig und darin liegt doch genau die Chance!
Freitag 26. Oktober 2007 um 19:38
@ Wolff: Wo stand: erster Platz? Öhmm, ich habe mir erlaubt, das aus den Ergebnissen zu schlussfolgern
Freitag 26. Oktober 2007 um 20:00
@ Wolff #14 – scheinbar helfen die “smileys” nicht immer, wenn´s ironisch wird… schade eigentlich.. Nun, ich war recht lange in der Unfallchirurgie – daher meine Kritik an den FAHRERN dieser Autos.. Ein Eindruck, den auch viele Kollegen teilen…
Frage ist: bewirbt da vielleicht eine Leitkultur eine besonders risikobereite Zielgruppe?! Wird in mancher Werbung zuviel “Sicherheit” suggeriert, die dann in unvorsichtigem Fahrverhalten ihren traurigen Niederschlag findet?!
3 der anderen 4 Firmen kenn ich aus meiner ärztlichen Praxis recht gut und weiß zuviel über mobbing dort, um alles nur schön zu finden. Und mobbing ist ja nun nicht wirklich innovativ, oder?!
Innovationspreise werden halt nicht von Mitarbeitern oder Kunden verliehen…
Kurzum: ich will hier keine Sponsoren vergraulen, sondern stelle ernsthaft die Frage: wieviel vom jeweiligen Leitbild wird denn umgesetzt?! Und wie lassen sich so schwammige Leitbilder überhaupt in positive Unternehmenskultur umsetzen?!
( Danke für #15 Britta!)
Da geb ich Elita recht: Leitbilder optimieren! …und dann auch realisieren…
Da mir wie Britta leider auch kein postives Beispiel einfällt: warum fangen wir nicht an und entwickeln mal eins für uns hier?!
ps: ich kenne übrigens viele tolle Unternehmen – aber LEBEN Leitbilder, statt sie zu schreiben…
Freitag 26. Oktober 2007 um 20:53
@ Wolff – noch was für Elita´s und unser aller Stiftung – falls Du´s noch nicht gesehen hast
Samstag 27. Oktober 2007 um 09:55
@ Britta #18
Ich glaube, wir reden hier über zwei Dinge. Was die Schwarmintelligenzexperimente angeht, lag ich beim ersten Experiment ziemlich daneben und beim zweiten habe ich nicht mitgemacht, weil ich das Bild ausgesucht hatte und daher das Gewicht schon kannte. Ich dachte der Glückwunsch zum ersten Platz hätte sich auf den Gewinn eines Redewettbewerbs am letzten Samstag bezogen und das wäre irgendwo im Netz aufgetaucht.
@ Sarah #19 + #20
Liebe Sarah, ein Smiley hilft m.E. nicht weiter, wenn du gleichzeitig zuschlägst. Elita betont immer, dass wir kein Jammerclub sind. Genau das passiert aber hier: Wir jammern über schlechte Leitbilder von irgendwelchen Konzernen. Wir jammern über schlechte Autofahrer. Jammern über …
Wo sind denn die tollen, mitreißenden, vorbildlichen Leitbilder, die uns begeistern? Ich wette, die allermeisten von uns, die hier schreiben, haben gar keines. Ich habe jedenfalls (noch) kein vorzeigbares.
Ich würde gerne positive Beispiele sehen. Anja Förster + Peter Kreuz haben beispielsweise bei ihrem “Alles, außer gewöhnlich”-Vortrag in Essen die amerikanische Naturkostladenkette Whole Foods vorstellt, die einen äußerst knappen und wirkungsvollen Leitspruch hat: “We make America eat better” (oder so ähnlich).
Wenn die Stiftung ein Erfolg werden soll, dann brauchen wir eine kraftvolle, leuchtende Vision mit attraktiven Projekten. Das Sammeln von schlechten Beispielen kann es nicht sein.
Du schreibst “.. kenne viele tolle Unternehmen – aber LEBEN Leitbilder, statt sie zu schreiben …”. Her damit!
Samstag 27. Oktober 2007 um 15:41
Bitteschön:
Ein positives Beispiel: keine Leitbilder, sondern Geschäftsprinzipien!!!
Und die werden eingehalten, was ich seit 10 Jahren als Kundin dort schätze: Land´s End
Ein anderes Unternehmen ist zB Kirstin´s Kelterei Walther…
Mittwoch 7. November 2007 um 10:34
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