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Gesundheit 2.0 – oder 007 oder doch nur 0815?!

Doc Sarah Schons 3 November 2007 8 Kommentare

oder auch

Akzeptanzmarketing durch interessengeleitete Desinformation

93 Prozent der Bürger wollen künftig medizinische Daten auf der Gesundheitskarte speichern lassen. Sagt jedenfalls der Industrielobbyist Bitkom und bezieht sich dabei auf eine Umfrage, die er selbst in Auftrag gegeben hat.

Ganz korrekt sind die Angaben des Lobbyisten aber nicht. Auf der Karte werden nämlich (ausser dem Notfalldatensatz) keine medizinischen Daten gespeichert. Die sollen irgendwann – in Form einer elektronischen Patientenakte – auf bundesweit verstreuten Servern landen, deren Ausfallsicherheit und Integrität hier nicht näher erläutert werden soll. Auch der Wunsch vieler Bürger, ihre Blutgruppe auf die Karte zu schreiben, wird sich nicht erfüllen: das ist erstens nicht vorgesehen und zweitens medizinischer Unsinn.

gefunden bei “die Krankheitskarte

Als ans Herz gelegtes follow up für interessierte BürgerInnen dieses Staates zum Thema “was wird ein Menschenleben wert sein“….

Was meint Ihr dazu?!


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8 Kommentare »

  • Wolff Horbach sagte:

    Ein gutes Gesundheitssystem stelle ich mir so vor: 1. effektiv im Sinne von Gesunderhaltung und Gesundheitswiederherstellung, 2. effizient im Sinne von niedrigen Kosten. Letzteres kann ich mir ohne ein irgendwie IT-gestütztes System nicht vorstellen. Was wäre denn ein guter Ersatz für die Gesundheitskarte?

    Ich habe vor zwei Tagen einen Radiobericht gehört, in dem über eine USA-Reise unserer Gesundheitsministerin berichtet wurde. Dort kamen mehrere hochrangige Gesundheitsexperten aus den USA zu Wort, die das deutsche System sehr gelobt und als beispielhaft für die USA angesehen haben. Die dortigen Standards sind wohl miserabel und viele Amerikaner sind nicht krankenversichert, weil sie sich das nicht leisten können.

    Ich habe keinen Überblick. Was ist denn das beste Gesundheitssystem der Welt? Was machen die anders und besser als wir?

  • Doc Sarah Schons (author) sagte:

    Wir hatten hier mal ein sehr gutes Gesundheitssystem – schon etwas her…. Das wird leider immer weiter demontiert…

    Aus dem offenen Brief an die Bundeskanzlerin vom März d.J. (lohnt sich, ihn ganz zu lesen!):

    Wir reden nicht in erster Linie von den Kosten.
    Als Ärzte wissen wir, dass es sich oft lohnt, in zukunftsweisende Technologien zu investieren. Übersteigen aber die Kosten einer Innovation mittel- und langfristig ihren Nutzen, so, wie es bei der „Gesundheitskarte“ der Fall ist, dann nehmen wir von weiteren Investitionen Abstand. Das gebietet allein der betriebs- und volkswirtschaftliche Sachverstand.

    Wir reden auch nicht in erster Linie von technischen Aspekten.
    Als Ärzte wissen wir mit technischen Schwierigkeiten konstruktiv umzugehen und effektive, effiziente und individuelle Lösungsstrategien zu erarbeiten. Die „Gesundheitskarte“ versperrt diesen Weg, da sie in erster Linie auf die Bedürfnisse von Verwaltungsangestellten, aber nicht auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten zugeschnitten ist.

    (…)

    Ärzte heilen. Daten allein heilen nicht.
    Mit der geplanten „Gesundheitskarte“ wird eine Struktur geschaffen, die ausschließlich den Verwaltern von Daten Nutzen bringen wird, während das vertrauensvolle Arzt-Patienten-Verhältnis durch dirigistische Einflussnahme untergraben werden wird.
    (…)Die geplante Struktur wäre ein Dammbruch in dieser Tradition, die ein vertrauensvolles Arzt-Patienten-Verhältnis überhaupt ermöglicht.
    Wir fordern Sie daher auf, das kostenintensive Akzeptanzmarketing des Gesundheitsministeriums, der gesetzlichen Krankenkassen und der Industrie zu stoppen und die geplante „Gesundheitskarte“ zu verhindern. Wir fordern Sie auf, den Blick auf die Menschen zu richten, die in diesem Lande leben und darauf vertrauen, daß ihr Leben und ihre Gesundheit einen höheren Stellenwert haben, als Milliardengewinne einer sogenannten Gesundheitsindustrie. Die Menschen wollen keine zentrale Datenverarbeitung intimer Daten.

    Machen Sie das menschliche und gesundheitliche Wohl der Menschen zu Ihrer Chefsache.

    Die Frage nach dem besten oder den besseren Gesundheitssystemen, die Du stellst, lieber Wolff, ist eine ganz interessante. Ganz wesentlich für Gesunderhalt ist Prävention (fängt nicht erst bei Ernährung an. Für die Finanzierbarkeit eines Systems sind imho individuelle Risikozuschläge unverzichtbar.

  • Horst Bressem sagte:

    Der “Dammbruch” ist doch schon vor Jahren passiert. Patienten-Daten waren die längste Zeit absolut geheim (sollten es aber doch sein!). Ärzte müssen sich immer öfter rechtfertigen und damit Patienten-Informationen preisgeben. Das beschwert in erster Linie die Patienten! Zu verstehen ist aber auch die Verdrossenheit der Ärzte über diese Entwicklung.

  • Ludger Freese sagte:

    Hallo Sarah,
    das Thema Gesundheit wird uns in Zukunft noch viel mehr beschäftigen. Die Menschen werden immer älter und die Gesellschaft überaltert. Logisch, dass sich die Schere immer weiter spreizt.
    Wir werden uns also mehr mit Prävention befassen müssen und mehr für uns tun. Vorbeugung und Absicherung sind meine Schlagwörter hier. Leider leben viele Menschen mit einer “Vollkasko-Gesundheits-Denke.”
    Hier etwas zu ändern, wird ein lange Weg werden…

  • Doc Sarah Schons (author) sagte:

    LUDGER!!! :-) ist Dein Urlaub schon vorbei?! ;-)

    Ja, so sehe ich es auch: die “Vollkasko-Mentalität” hier ist der größte pathogene Faktor.

    Drum bin ich sehr für individuelle Risiko-Zuschläge. Und wie alle wissen eine große Verfechterin der Prävention.

    Übrigens: an alle: am 25.11. findet im alten Bonner Bundestag der “erste europäische Präventionstag” statt, zu dem Ihr Euch hier informieren und anmelden könnt.
    Ersonnen und organisiert hat das nicht etwa die Politik, sondern eine liebe Freundin und Kollegin von mir: Dr. Claudia Hennig. Ich biete dort übrigens ein Raucherentwöhnungsseminar an… ;-)

  • Michael Lalk sagte:

    @Doc Sarah Schons:
    “Und wie alle wissen eine große Verfechterin der Prävention”.
    Das wäre DIE GESUNDHEITSREFORM!
    Wenn ich mir die personelle Zusammensetzung des Gesundheitsausschusses des Bundestag ansehe, liegt wohl noch viel Kärnerarbeit vor Ihnen. Solange für diese Politiker (einschl. der dort sitzenden Mediziner) Gesundheitspolitik = Reparaturbetrieb ist, sehe ich aber schwarz.

  • Doc Sarah Schons (author) sagte:

    @ Michael Lalk: ich seh wie Sie schwarz – schwarz-rot…. es müssten mehr von uns in diese Ausschüsse…. obwohl: Ausschuß wollt ich eigentlich niemalsnichtnie sein….. ;-)

  • Frank Hunck sagte:

    Prävention zahlt sich für die Industrie nicht aus, darum… Solange diverse Lobbies einen dermassen starken Einfluss auf die Gesetzgebung haben, wird sich nichts ändern, eher im Gegenteil.

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