Bewerbungen bitte nur online
2007-11-25, von Claus Kossmann
Gestern war wieder so ein Umschlag in unserer Firmenpost. Schon beim Öffnen des Briefkastens kam mir so ein unangenehmer Geruch entgegen. Erstaunlich, wie sich so was tagelang in einem Pappumschlag hält. Gefühlsmäßig war ich versucht, den Umschlag samt Inhalt sofort wegzuwerfen, weil dieser widerliche Gestank einfach abtournt.
Es konnte jedoch nur eine Bewerbung sein und so was wirft man als Personalberater nicht weg.
Da gibt sich jemand so viel Mühe, stellt eine ansprechende Mappe zusammen und hat trotzdem direkt einen dicken Minuspunkt, weil seine Unterlagen stinken.
Ja, stinken, und zwar noch kalten, abgestandenem Rauch. Ich assoziiere sofort einen mit alten ausgedrückten Kippen gefüllten Aschenbecher, einen dunklen, verqualmten Raum mit Gardinen, die nach dem Rauch tausender Zigaretten stinken.
Das kann nur ein Kettenraucher sein, der dauernd hustet, gelbe Finger hat und nicht belastbar ist.
So einer ist kein guter Kandidat, wie soll der ein Unternehmen nach vorne bringen?
Was ist, wenn der beim Vorstellungsgespräch im Unternemen auch nach abestandenem Rauch stinkt?
Ich denke, dass Bewerbungsunterlagen einfach nicht schlecht riechen dürfen, deshalb sollten sich starke Raucher lieber nur online bewerben, oder??





















Sonntag 25. November 2007 um 16:46
Hmm, ich habe eine Weile überlegt ob ich überhaupt kommentieren sollte, da Raucher ja nun “evil” sind… also ich finden die Einschätzungen etwas “heftig”. Raucher haben also gelbe Finger, husten laufend, sind nicht belaster und stinken grundsätzlich immer und überall und achja, Sie bringen ein Unternehmen auf keinen Fall nach vorn – aha!
Ich als Raucher kann nur sagen, dass ich von billigem Parfüm immer Kopfschmerzen kriege
Ansonsten rauche ich auch, gern und oft (los fallt über mich her).
Ich kenne mehr Alkoholiker, die Unternehmen “vernichtet” haben als Raucher. Ich denke, wer als Personalberater so denkt, wie da oben beschrieben, kann nur ein kleiner selbständiger Personalberater sein. Niemand aus einer großen Organisation mit Erfolg. Ich assoziere bei einem solch intoleranten Text jemand mit großem Frustrationsfaktor, der immer und überall das Haar in der Suppe findet… seis drum, zum Glück muss/werde ich mich DORT nie bewerben!
Schönen Sonntag noch!
Sonntag 25. November 2007 um 17:51
Ich hätte die Bewerbung wahrscheinlich auch zu den Akten gelegt. Gefühle sind nun mal eine sehr starke Komponente. Mit unserer angeblichen Objektivität ist es nicht weit her.
Ich erinnere mich daran, dass ich mal eine InformatikerIn-Stelle ausgeschrieben hatte. Nach Sichtung aller Bewerbungsunterlagen hatte ich dann eine Präferenz. Ich habe denjenigen anrufen, um einen persönlichen Termin abzusprechen. Aber schon nach zwei Sekunden wusste ich, dass wir nie zusammenkommen würden. Der Bewerber hatte eine so schreckliche Stimme, dass sich mir die Nackenhaare sträubten. Ich habe das Telefonat nach kurzer Zeit beendet. Und dazu stehe ich: Ich muss jemanden gut leiden können, um mit ihm zusammen zu arbeiten. Sympatie spielt eine zentrale Rolle.
@ Lutz: Wie war das mit der Blog-Netiquette?
Sonntag 25. November 2007 um 20:39
@Lutz Falkenburg:
Ich bin Nichtraucher und stimme Ihnen (trotzdem) zu. Ich finde die oft anzutreffende Hatz der Nichtraucher gegen die Raucher unerträglich. Ich stelle aber fest, dass die Raucher heute wesentlich mehr Rücksicht nehmen und nehmen müssen. Was der Raucher in seinen 4 Wänden macht, ist mir ohnehin egal, er kann ja am Arbeitsplatz rücksichtsvoll sein. Als Exraucher ist meine Assoziationen, die ich mit Rauchen verbinde, immer noch das Aroma meines damals heißgeliebten Pfeifentabaks, aber nie etwas Unangenehmes.
@Wolff Horbach:
Ich verstehe Blog-Netiquette nicht als Zustimmungspflicht.
Sonntag 25. November 2007 um 21:43
AGG?
Sonntag 25. November 2007 um 22:57
@ Michael (und natürlich Lutz):
Klar ist Blog-Netiquette keine Zustimmungspflicht. Aber “kleiner, selbständiger Personalberater” mit “intolerantem Text” finde ich ich nicht gerade sachlich, wie in der Netiquette gefordert. Es geht hier nicht um “wir haben uns alle lieb”, sondern um eine faire Diskussionskultur. Andere “klein” reden, geht in Richtung persönliche Angriffe.
@ Alexander:
Das Allgemeine Gleichbehandlungs-Gesetz (AGG) soll verhindern, dass Personen wegen ihres Geschlechts, ihres Alters, ihrer Rasse, sexuellen Orientierung etc. diskriminiert werden. Aber es heißt doch nicht, dass ich jetzt alles dulden und hinnehmen muss, was mir persönlich unsympathisch ist.
Ich habe mich kürzlich mit einem Amerikaner über dieses Thema unterhalten. Die USA sind mit ihren Gesetzen mittlerweile so weit, dass man einen Bewerber so gut wie gar nichts mehr fragen darf. Alles kann als diskriminierend ausgelegt werden. Wahrscheinlich auch schon die Frage: “Sind Sie Raucher?”. Also, was macht der amerikanische Personalleiter? Er fragt nur noch: “Wann können sie anfangen?” Und dann fliegt der Mitarbeiter bei der erstbesten Gelegenheit raus.
In dieser Hinsicht führt das AGG zwar zu offensichtlich fairen Stellenausschreibungen. Früher stand da “Junger dynamischer Mann gesucht”. Das ist heute in dreierlei Hinsicht diskriminierend: Erstens “jung” diskriminiert alle “Alten”. Die fangen heute schon bei 35 an. Zweitens diskriminiert “dynamisch” alle “Nicht-Dynamischen”. Und drittens diskriminiert “Mann” alle Frauen. Wie lautet also heute die Stellenausschreibung? “Person (m/w), belastbar, für xy gesucht”. Ein Wahnsinns-Fortschritt! Eingestellt wird dann doch der 25jährige Mann, weil seine Leistungsprofil die Anforderungen am besten erfüllt. Und alle anderen bekommen das übliche Schreiben “Leider müssen wir Ihnen mitteilen, … Wir wünschen Ihnen … blabla”. Geändert haben sich die Formulierungen in den Stellenausschreibungen und den Absageschreiben. Sonst nichts.
Frage: Wenn du jemanden einstellen möchtest, würdest du nicht auch die Person wählen, die dir am angenehmsten wäre? Die Person, von der du annehmen würdest, dass sie die Aufgaben am besten erfüllt? Würdest du dir vom Staat oder von sonst jemanden eine Person vorschreiben lassen, mit dem du zusammenarbeiten müsstest? Ich nicht.
Sonntag 25. November 2007 um 23:21
@Wolff Horbach:
“kleiner, selbständiger Personalberater†mit “intolerantem Textâ€
Sorry, nicht mein Text.
Montag 26. November 2007 um 04:36
@ Michael #6:
Das ist richtig. Das steht im Text von Lutz. Darauf stützt sich mein Hinweis mit der Netiquette.
Montag 26. November 2007 um 09:25
Interessante Reaktionen.
Übrigens rauche ich abends beim Bier in Gesellschaft auch schon mal eine (am liebsten draußen).
Im (beruflichen) Alltag finde ich es nicht angenehm, wenn jemand nach abgestandenem Rauch stinkt.
Diese qualmenden Bewerbungen sind Einzelfälle und ich habe geschildert, wie sie auf Menschen wirken können. Natürlich landen die nicht im Paperkorb, denn als Profis sehen wir Bewerber ganzheitlich und nicht nur als Raucher oder Nichtraucher. Ein Top-Kandidat kann sich von mir aus krankrauchen, Hauptsache das suchende Unternehmen stellt ihn aufgrund seiner Qualifikationen ein.
Ob kleine erfolglose oder große erfolgreiche Personalberatungen; alle werden Ihnen empfehlen, eine Bewerbung abzuschicken, die nicht stinkt oder vor einem wichtigen Bewerbungsgespräch Ihre Klamotten auszulüften. Beste Grüße Claus Koßmann
Montag 26. November 2007 um 12:17
Gleich vorweg. Auch ich bin Raucher, finde es aber auch als solcher extrem unangenehm, wenn irgendetwas oder es irgendwo nach Rauch stinkt. Daher bevorzuge ich Open Air Rauchen, was natürlich nicht immer geht.
So oder so. Rauch, Parfüm oder sonstige körperliche Ausdünstungen in Übermaßen sind in allen Situationen unangenehm und unangebracht. Nicht umsonst heißt es: “Ich kann Dich nicht riechen”. Der olfaktorische Faktor ist also sehr wichtig und daher sollte man in jeder Situation darauf aufpassen.
Montag 26. November 2007 um 21:59
Wolff, niemand verlangt, dass Du alles hinnehmen mußt. Steht ja auch nirgends. Ich würde jemanden niemals aufgrund _eines_ Persönlichkeitsmerkmals nicht einladen. Claus Kossmann macht das ja auch nicht.
Montag 26. November 2007 um 22:50
@ Alexander:
Klingt theoretisch gut, ist aber m.E. nicht praktikabel: Wenn mich an einem Menschen _ein_ Persönlichkeitsmerkmal so enorm stört, dass ich mir eine dauerhafte Zusammenarbeit nur sehr schwer vorstellen kann, dann wird daraus wahrscheinlich nichts werden. Das ist sozusagen das Gegenteil von “Liebe auf den ersten Blick”.
Dienstag 27. November 2007 um 11:14
Klappt auch sehr praktisch und sehr gut.
Dienstag 27. November 2007 um 11:35
@ Alexander:
Schön, wenn du das für dich so praktisch hin bekommst.
Ich bin davon überzeugt, dass wir oft nach einzelnen Persönlichkeitsmerkmalen sieben; immer dann, wenn es ganz wichtig wird, wenn es um eine Partnerschaft geht: Falsche Haarfarbe, zu alt, zu dick, IQ 65, rechtsradikal, Zahnlücke, Toupet. Und zack, ist man draußen.
Und bei der Einstellung eines neuen Mitarbeiters soll das ganz anders sein?
Dienstag 27. November 2007 um 14:26
Schaut bei Interesse bitte auch gerne mal bei joBlog rein:
http://www.secretsites.de/joblog/?p=387
Dienstag 27. November 2007 um 16:26
@Wolfgang:
Bei meinem Text kommst Du auf die Netiquette zu sprechen?
Ich zitiere gern nochmal:
“Das kann nur ein Kettenraucher sein, der dauernd hustet, gelbe Finger hat und nicht belastbar ist.”
“So einer ist kein guter Kandidat, wie soll der ein Unternehmen nach vorne bringen?”
“…einen dunklen, verqualmten Raum mit Gardinen, die nach dem Rauch tausender Zigaretten stinken.”
Das ist also soweit ok?
Ich habe versucht adequat zu antworten. Hätte ich geschrieben, was mein Herz mir gebot, schriebe ich hier nicht mehr, weil Elita mich entfernt hätte.
Dienstag 27. November 2007 um 17:07
Interessant, dass hier soviel Bewegung ist und sich jemand offenbar sogar durch eine geschilderte Assoziation persönlich angesprochen fühlt.
Jeder von uns stellt bei bestimmten Gerüchen und Geräuschen gedankliche Verbindungen subjektiver Art her.
Wer assoziiert mit Gegenständen (auch Klamotten), die nach kalten Rauch stinken, positive Erlebnisse?
Vermutlich keiner, deshalb bitte bei Bewerbungen immer Geruch neutral halten, sagt der kleine erfolglose Personalberater!
Dienstag 27. November 2007 um 17:13
@ Lutz:
Es ist hier eigentlich nicht meine Aufgabe, die Formulierungen von Claus Koßmann zu verteidigen. Aber er schreibt eindeutig: “Ich assoziere …”. Er beschreibt also, welche Vorstellungen bei ihm hochkamen, als er den verräucherten Bewerbungsbrief in Händen hielt. Hier ist keine konkrete Person angegriffen worden.
Ich kann ja verstehen, dass dich als Raucher diese Assoziationen ärgern. Du schreibst dann in direkter Antwort zu Claus Koßmann: “Ich denke, wer als Personalberater so denkt, wie da oben beschrieben, kann nur ein kleiner selbständiger Personalberater sein. Niemand aus einer großen Organisation mit Erfolg. Ich assoziere bei einem solch intoleranten Text jemand mit großem Frustrationsfaktor, der immer und überall das Haar in der Suppe findet…”
Du redest ihn klein, du sprichst den Erfolg ab, du bezeichnet den Text als intolerant. Das geht direkt gegen eine bestimmte Person und ist für mich ein Verstoß gegen die Blog-Netiquette. Daher habe ich noch einmal freundlich darin erinnert.
Ich denke, wir haben sprachlich genug Möglichkeiten auszudrücken, dass wir mit einem Inhalt oder Verhalten nicht einverstanden sind; ohne, dass direkt die Person angegriffen oder herabgesetzt wird. Ich kann doch ruhig sagen: “Ich finde Ihre Einstellung aus den und den Gründen für falsch”, “Ich sehe das ganz anderes”. Aber zu schreiben, “so etwas kann nur jemanden schreiben, der keine Ahnung hat; der doof oder sonst etwas ist”, ist nicht nur überflüssig, sondern heizt nur die Emotionen an. Ein gute Diskussionskultur respektiert nach meiner Meinung die Menschen und kämpft um die Argumente. Hart, aber fair.
Dienstag 27. November 2007 um 23:23
Genau so entstehen Mißverständnisse. Indem aus (in meinen Augen) übertriebener Höflichkeit oder falsch verstandenem “Businesscodex” nur noch in Rätseln geredet wird. Ich kann sagen “Das von Ihnen wirklich hervorragend vorgetragene Konzept ist an der ein oder anderen Stelle suboptiamal und bietet insgesamt Raum für Verbesserungen” oder ich sage “Tolle Show, aber scheiß Konzept”.
Ich bewege mich ausschließlich im IT-Beratungsbereich und bin gerade dafür “bekannt”, dass ich sage was ich denke und wie ich es denke. Überraschenderweise habe ich mich noch nie mit einem Kunden über das wie und warum streiten müssen. Denn ich versuche meine Nachrichten klar, nicht interpretationsfähig und einfach zu formulieren. Das wirkt auf manche ungehobelt und plump, so bin ich aber.
Nochmal, der Text dort oben wirkt auf mich denunzierend. Wurde garniert mit einem vollen Aschenbecher und hat meiner Meinung nach ebenso wenig mit Innovation oder dem Sinn und Inhalt dieses Blogs zu tun, wie meine Beiträge. Warum also nicht versuchen so zu antworten, wie man es empfindet dann weiß der andere, wie es auf einen gewirkt hat und hat die Chance ein mögliches “Sender/Empfänger-Problem” zu korrigieren.
Meine Meinung.
Dienstag 27. November 2007 um 23:39
Leider äußert sich Herr Kossmann nicht selbst dazu ob er sich “klein geredet” fühlt oder nicht. Meiner Meinung nach bringt es nichts darüber zu streiten, ob sich jemand beleigt fühlen könnte oder welche weiteren Konjunktive auch immer hier noch passen. Es geht hier vornehmlich um Herrn Kossmann und mich.
Herr Kossmann, habe ich Ihnen gegenüber Grenzen überschritten?
Eine Erbse hätte ich da aber noch zu schleifen:
Wo ist der Unterschied zwischen “ich assoziere damit einen Personalberater, der…” oder “ich denke, wer so schreibt, muss ein…. sein”. Beides ist meine ganz persönliche Meinung/Gedanke/Empfindung in diesem Zusammenhang. Beleidigend wäre gewesen, wenn ich Ihne direkt angesprochen hätte “Herr Kossmann, Sie sind….” (die Beispiele werden jedem selbst einfallen).
Ja, wir Menschen sagen eben viel in dem wir nichts sagen und gerade das nicht gesagte wird meist falsch verstanden. Nur wenn ich etwas offen aussprocht dokumentiert man meiner Meinung, dass man auch wirklich dazu steht. Alles andere _assoziere_ ich mit Scheinheiligkeit.
Meine Person = Meine Meinung = Mein Statemant = Meine Devise
“Manchmal muss man anecken um Dinge in Bewegung zu setzen”.
Dienstag 27. November 2007 um 23:41
Entschuldigt meine Schreibfehler – ich habe ich grad ziemlich aufgeregt
Mittwoch 28. November 2007 um 08:44
Scheint ein heißes Eisen zu sein, das mit der Raucherei.
Mich interessieren hier die Reaktionen anderer, besonders aus fachlicher Sicht.
Konkret: Gibt es bei einer Bewerbung Gesichtspunkte, die den Bewerber benachteiligen, er sich dessen aber gar nicht bewußt ist?
Lieber Herr Falkenburg, irgendwie scheinen Sie sich angesprochen gefühlt zu haben und haben aus meiner Sicht unsachlich reagiert. Schwamm drüber!
Hat die Diskussion denn bei Ihnen etwas ausgelöst, würden Sie bei einer Bewerbung (oder einem Akquise-Kundengespräch!!!) jetzt doch mehr darauf achten, Zigarettengeruch zu vermeiden oder sagen Sie “Ich bin auch als Raucher authentisch und mir ist egal, was die anderen denken”?
Mittwoch 28. November 2007 um 10:56
Hallo Herr Kossmann,
meiner Meinung nach wirkt man immer – gerade im Akquise Gespräch oder bei einer Bewerbung. Es gibt dabei jedoch einen wichtigen Aspekt – wie lange kann man den Schein aufrecht erhalten. Beispiel: Ich bin damals Grundsätzlich im Anzug durch die Gegend gerannt. War immer rasiert und hatte kurze, hochgegelte Haare, blitzblank geputzte Schuhe und bin mit einem Designerkoffer für mein Designernotebook rumgelaufen. Mittlerweile gebe ich mich zunehmend so wie ich wirklich bin – was nicht heissen soll, dass ich mich völlig gehen lasse – aber, es macht keinen Sinn sich zu verbiegen. Ich bin Lutz Falkenburg, der Irrsinn und so trete ich auf – immer. Das heißt im Klartext, dass ich meist einen 3-Tage Bart habe, ansonsten trage ich bequeme Jeans und einen Pullover. Den Designerkoffer habe ich gegen einen Schlabberrucksack getaucht und als Schuhe trage ich zu dieser Jahreszeit Camelboots. Mein Firmensitz ist ein 4-Seiten-Hof im Thüringer Hinterland. Viel wichtiger sind mir heutzutage Authentizität/Persönlichkeit. Ich sage immer das Bild muss stimmen. Das erwarte ich auch von Bewerbern. Wenn einer Raucher ist, sollen seine Akten und er doch nach Rauch riechen. Wenn ich eine Büroschickse will, warum soll da das Papier nicht gleich nach Parfüm riechen? Je länger und enger man zusammen arbeitet umso mehr bröckelt die Fassade und was habe ich nicht schon alles für Ruinen hinter schicker “Farbe” entdeckt und war danach enttäuschter als wenn ich feststelle, dass der Schein trügt und hinter der abbröckelnden Fassade verbirgt sich ein kleiner Palast.
Ich stelle zunehmend fest, dass immer mehr Unternehmer denken wie ich – oder es fallen mir nur immer diese auf.
Häufig wählen wir Personal (IT-Bereich) für Kunden aus, wenn wir die Netze reorganisiert haben und der Kunde die Verwaltung zurück erhält. Dabei verlasse ich mich schon lange nicht mehr auf die Arbeitsagentur und auf Personalvermittler. Das ist häufig so wie blankpolierte Gebrauchtwagen mit versteckten Mängeln kaufen. In unserem Bereich ist die Personalbeschaffung relativ einfach, wir “gehen ins Netz”, beschreiben die Stelle und unterhalten uns meist relativ schnell im IRC mit den Bewerbern – echte Nerds findet man eben am besten in Ihrem “Revier”.
Um auf Ihre letzte Frage zu Antworten: Ja, bis zu einem gewissen Bereich ist mir egal was andere denken, denn ich und meine Mitarbeiter werden nicht für guten Geruch und Aussehen bezahlt sondern ausschliesslich für fachliche Leistungen. Das mag überheblich klingen aber diese Haltung polarisiert und eine klare 1 oder 0 sind mir lieber als 0,irgendwas.
Donnerstag 29. November 2007 um 18:04
Lieber Lutz Falkenburg,
Ihre Einstellung mir sehr entgegen, da Sie authentisch sein können.
Das ist leider nicht in jeder Branche möglich, da es oftmals einen Dresscode gibt.
Die IT-Branche ist nach meiner Einschätzung eher ein Bereich, in dem der Kunde nicht auf Kleidung oder Outfit achtet.
Als Personalberater können Sie jedoch bei einer Kandidatenpräsentation im Unternehmen nicht in Jeans mit aus der Hose hängendem La Martina Hemd auflaufen.
Für mich gibt es jedoch noch genügend Freiräume, so rumzurennen, wie es mir passt. Und ich ihn nicht jeden Tag anziehen muss, macht es mir auch einmal Spaß, einen Anzug zu tragen, allerdings ohne Krawatte.
Allerdings mit dem Geruch bin ich wirklich pingelig und sehe das wie Wolf Horbach.
Mich interessiert sehr, wie das auch andere hier im blog sehen:
Halten Sie auch z.B. nach Rauch oder billigem Parfum riechende Klamotten für akquise- und karrierehinderlich??
Freitag 30. November 2007 um 15:54
Hallo Herr Kossmann,
wenn Sie erlauben würde ich gerne etwas dazu sagen.
Mein Mann ist Raucher und stinkt. Er arbeitet zwischen 13 und 15 Stunden täglich. Ist oft Krank, jedoch nie Krank geschrieben. Er hinterlässt seinen Arbeitsplatz immer Ordentlich, ist sehr zuverlässig und achtet peinlichst genau, das das Arbeitsmaterial immer an seinem Platz ist und vor allem geht er sehr sorgfältig damit um. Man kann sich Grund sächlich auf ihn verlassen.
Wenn er also eine Mappe geschickt hätte die nach Rauch stinkt, wäre das nicht angekommen, was er tatsächlich kann und ist.
Hätte er damals vor 21 Jahren einen Geruch gehabt der mich abgestoßen hätte, wäre er heute nicht mein Mann.
Es gibt Menschen deren Geruch mich derart abstoßen oder anziehen. Ohne besonderen Grund. Das ist bei Tieren nicht anders.
Sie sagen ja nicht:” Der Mensch ist schlecht” Sie sagen:” Er stinkt”
Sie hatten ein Instinkt/Impuls bei dieser Bewerbungsmappe. Das wird seinen Grund gehabt haben.
Die Frage die ich mir stelle ist:”Was macht Sie unsicher, wenn Sie einen Impuls haben und dem nicht vertrauen”?
Ich halte stinkende Bewerbungsmappen für die Karriere hinderlich.
Ich brauche in meinem Leben gute Gerüche.
Ich mache manchmal Menschen darauf aufmerksam, dass sie stinken.
Es kommt aber immer auf die Situation an und ich überprüfe auch immer, ob es mir zusteht das zu kommentieren.