Zum Teufel mit den Pessimisten!

2007-11-26, von Wolff Horbach

Deutschland, ein Sommermärchen. Gute Stimmung im gesamten Land. Optimismus. Aufbruch. Kann sich noch jemand daran erinnern? Es ist gerade mal ein gutes Jahr her! Und jetzt …?

Jeden Tag wird abends in der Tagesschau die Befindlichkeit von Herrn Schell und Herrn Mehdorn ausgelotet. Bekommt die GDL jetzt einen eigenständigen Tarifvertrag? Fahren die Züge übermorgen pünktlich?

Und schon gibt es in jeder Nachrichtensendung mindestens einen Experten, der vorrechnet, dass dies die deutsche Volkswirtschaft an den Rande des Zusammenbruch führen wird.

Haben wir sonst keine Probleme? Neulich hat ein Kabarettist gesagt: Wenn in ganz Frankreich der Zugverkehr ausfällt, dann holen die Franzosen eben den Rotwein raus und feiern ein bisschen.

Der Euro ist stark wie nie. Und was machen wir? Wir jammern. Schon stehen die Wirtschaftspropheten auf der Matte und senken die Wachstumsaussichten für das nächste Jahr: Und die geringfügige Absenkung der Schätzung wird schlagartig zur gefühlten Rezession. Und alle sehen sich schon in Armut und Elend dahindarben. Dabei lagen die Wirtschaftsweisen in der Vergangenheit mit ihren Prognosen fast immer falsch.

Sind wir noch das Land der Dichter und Denker? Das Land des Aufbruchs? Des Optimismus?

Anstatt eine lebenswerte Zukunft zu schaffen, lassen wir davon in Bockshorn jagen, wenn in Indien ein Reissack umfällt.

Zum Teufel mit den Pessimisten! Es lebe der Optimismus!

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5 Kommentare zu “Zum Teufel mit den Pessimisten!”

  1. Horst Bressem sagt:

    Richtig ist, dass es ohne Optimismus keinen Aufbruch gibt!

    Die Frage ist, welche Aktivitäten und Maßnahmen zu Optimismus führen. Das sollte thematisiert werden.
    Solange deutsche Führungskräfte hierarchische Strukturen aufrechterhalten wollen (es geht immerhin um Einfluß und um Besitzstände) und solange im Presseklub stundenlang über Hartz 4 und die Pendlerpauschale diskutiert wird (und unsere Justizministerin vor laufenden Kameras frägt: was ist denn ein Browser?), wird es nicht viel Optimismus geben.

    Richtig ist leider auch, dass Deutschland durch seine (fast) Technikfeindlichkeit, in der Neuzeit noch nicht so richtig angekommen ist. Das hat nichts mit Pessimimus zu tun ! Wenn hier gehandelt wird, gibt es auch wieder Grund zum Optimismus.

  2. Wolff Horbach sagt:

    Eigentlich ist Optimismus ganz einfach: In die Richtung schauen, die mir am attraktivsten erscheint.

  3. Horst Bressem sagt:

    Hallo Wolff,

    wenn ich das richtig sehe, dann betreiben wir doch via Innovativ-in einen Erfahrungs-und Meinungsaustausch, um einen Beitrag zur allgemeinen Bewußtseinsbildung und Gegenwartsschärfe zu leisten.
    Du wirst mir sicher zustimmen, dass die Bilder in den Köpfen der Menschen manchmal etwas an “Tiefenschärfe leiden”.
    Ein unerschütterlicher Glaube an eine bessere Zukunft ist doch eine Voraussetzung, um einen positiven Einfluss zu nehmen.

  4. Daniel Backhaus sagt:

    Ich würde empfehlen die Zeitschrift brand eins zur Pflichtlektüre zu machen. Spätestens dann steht dem Optimismus nichts mehr im Wege.

  5. Wolff Horbach sagt:

    @ Horst:
    Das mit der mangelnden Tiefenschärfe erinnert mich an einen Freund, der immer den persönlichen Horizont empfiehlt. Wenn ich einen leuchtenden, lockenden Horizont vor mir habe, kann ich mich Schritt für Schritt darauf zubewegen. Das ist sozusagen “angewandter Optimismus”: Ich gehe auf das zu, was ich für erstrebenswert halte.

    @ Daniel:
    Danke für den Hinweise auf brand eins. Die Zeitschrift ist auch für mich Monat für Monat ein leuchtendes Beispiel für das Schaffen einer erstrebenswerten Zukunft.

    In diesem Zusammenhang wiederhole ich gerne noch einmal eines meiner Lieblingszitate von Alan Kay: “The best way to predict the future is to invent it.

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