“Ich komme in den Medien nicht vor!”

2007-12-04, von Elita Wiegand

Karriere, Erfolg und gute Umsätze sind für viele Männer erstrebenswert. Aber die Kinder? Der Managementberater Dr. Reinhard Sprenger bringt es auf den Punkt. Frage an Unternehmer: «Was ist Ihnen besonders wichtig?» Antwort: «Meine Kinder!» Frage: «Und warum verbringen Sie dann nicht mehr Zeit mit Ihren Kindern?» Schweigen…
Die meisten Väter sehen ihre Kinder kurz am Abend oder morgens beim Frühstück. Dass ein erfolgreicher Unternehmer, seine Arbeitszeit einteilt und seinen beiden Kindern viel Aufmerksamkeit widmet, ist eher selten.

jorg.jpgDer Chef des Handwerksbetriebes “Metall in Form”, Jörg Fuchs hat mich überrascht: Statt über neue Aufträge und Kunden zu berichten, erzählt er stolz über seine beiden Töchter Ronja und Mia. Er zeigt nicht nur die obligatorischen Fotos, sondern spielt mit ihnen, wechselt Windeln, holt die Größere vom Kindergarten ab. Morgens ist er bereits um 5.30 Uhr in seinem Betrieb und um 16 Uhr zu Hause. Abendtermine lehnt er ab. «Gleichberechtigung bedeutet, dass beide Ehepartner für die Kinder und den Haushalt Verantwortung tragen und ich meiner Frau Arbeit abnehme», sagt er. Väter und Karriere? Das ist immer noch ein Tabu. Darüber redet man nicht – und in den Medien kommt das Thema auch kaum vor. Das spürt Jörg Fuchs an jeder Ecke.

Mit seiner Einstellung stößt er bei anderen Unternehmern auf Unverständnis. Grund genug, ihn hier bei uns im Blog vorzustellen. Frauen finden den Chef sicherlich innovativ und unser Partner Hans-Georg Nelles von Väter und Karriere auch – und Sie?

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9 Kommentare zu ““Ich komme in den Medien nicht vor!””

  1. Ludger Freese sagt:

    Wow! Glückwunsch zu dieser Einstellung! Ich gebe zu, ein wenig neidisch bin ich schon! Keine Abendtermine – wie macht man das?

  2. Wolff Horbach sagt:

    “… komme in den Medien nicht vor!” Ab heute schon!

    Herzlichen Glückwunsch zu dieser Haltung! Ob das innovativ ist, weiß ich nicht, aber sicherlich mutig und gradlinig.

  3. Jörg Fuchs sagt:

    Hallo Herr Freese,
    Danke für den Kommentar. Keine Abendtermine zu vereinbaren geht nur in Absprache mit der Familie, einiger Zeit des Probierens und, tja, Konsequenz (habe ich bei meinen Kindern gelernt). Ich biete meinen Kunden konsequent immer nur Termine von 5.30 bis 16.00 an und mittlerweile funtkioniert das auch in 90% der Fälle. Auf die übrigen 10% muß ich bei Unverständnis dann wohl verzichten.
    Außerdem gibt es in unserer Familie eine Absprache, bei der ich und meine Frau einen Abend pro Woche haben, an dem derjenige machen kann, was er will (Freizeit, Kollegen/Freunde treffen oder einen Abendtermin vereinbaren), und da wird dann eben abgewogen, was mir wichtiger ist.

  4. Elita Wiegand sagt:

    @Wolff
    Ich finde Jörg sehr wohl “innovativ”. Wenn man von dem Wortbegriff im eigentlichen Sinne – Innovation = Erneuerung ausgeht, beschreitet er neue Wege.

    Kinder wachsen heutzutage viel zu sehr mit Frauen auf. Im Kindergarten betreuen Frauen die Kinder, in der Grundschule sind es Lehrerinnen und Scheidungskinder werden meist von Müttern erzogen -das heißt, das männliche Pendant fehlt. Erschreckende Zahlen: In den USA beschäftigen sich Väter im Schnitt ganze 37 Sekunden täglich mit ihren Kindern. 30% der amerikanischen Kinder wachsen ohne Vater auf. Bei Scheidungen verliert bei uns jedes zweite Kind den Kontakt zum Vater ganz. In Deutschland sind das zur Zeit etwa eine Million!!! Kinder.

    Die Auswirkungen der weiblichen Erziehung ist für meine Begriffe überall leider negativ zu spüren. Du erinnerst Dich sicherlich an das Buch von Alexander Mitscherlich “Auf den Weg zur vaterlosen Gesellschaft”. Mitscherlich hat damals sehr ausführlich über den Mangel an Männlichlichkeit geschrieben. Das drückt sich aus in Kriminalität und Autoaggression, Alkohol und Drogen.

    Habe ich dich überzeugt, dass Männer wie Jörg innovativ sind?

  5. Ludger Freese sagt:

    @Jörg
    Die Lösung ist wirklich gut. Sicher kann man das nicht 1:1 übernehmen. Wir arbeiten und wohnen zusammen im Betrieb, so dass wir sehr eng zusammen sind. Unsere drei Kinder sind ständig mit dabei. Dennoch – etwas mehr Freiraum würde uns gut tun.

  6. Wolff Horbach sagt:

    @ Elita:
    Ich finde die Haltung und das Handeln von Jörg toll. Ich habe nur gezögert, es innovativ zu nennen, weil die Abwesenheit der Väter geschichtlich gesehen, noch relativ neu ist. Dieses Phänomen ist wahrscheinlich erst in den letzten Jahrzehnten entstanden. Jahrtausende davor waren die meisten Väter fast immer anwesend, weil sie vorwiegend in der Landwirtschaft gearbeitet haben.

    Wenn Jörg jetzt davon wieder etwas herstellt, es er-neuert, dann ist das im eigentlichen Wortsinn innovativ. JA.

  7. Sabine Raiser sagt:

    Innovativ? Ja.
    Wenngleich ich mich der Meinung von Wolff anschließen möchte, dass es historisch gesehen eine “Re-Innovation” ist.

    Für mich noch wichtiger:
    Wertstiftend. Ja.

    Und da es bei uns ja nicht “nur” Innovatoren, sondern auch “Wertschöpfer” und “Querdenker” gibt, melde ich mich erfreut zu Worte. Ich vertrete im Club den Bereich Ethik & Werte. Daher möchte ich das Arbeits- und Familienleben wie es von Dir, Jörg vorgelebt wird, gerne auch unter diesem Aspekt beleuchten. Da gäbe es viele einzelne Ansätze, die gerade aktuell gerne von den Medien und damit der Öffentlichkeit aufgenommen werden.

    Ich bin optimistisch, dass es mit relativ geringem Aufwand möglich sein wird, Dein Thema zu platzieren. Das ist schon mal mit “Frauen, Karriere, Familie” gut gelungen.

    So habe ich beispielsweise die Trilogie “Talentschmiede” u.a. bei faz.net untergebracht. Da kamen ähnliche wertstiftende Aktionsformen zur Sprache(zu lesen unter http://www.raiser-komm.de/presse).

    Wenn Du Lust hast, ruf mich mal an. Vielleicht können wir gemeinsam mit Hans Georg Nelles was machen.

  8. Hans-Georg Nelles sagt:

    Guten Abend Herr Fuchs,

    im Beitrag von Elita und im letzten Kommentar bin ich genannt worden und melde mich jetzt hier auch selber zu Wort.

    Ich empfinde die Haltung und das Verhalten von Jörg Fuchs im besten Sinne vorbildlich und Werte orientiert.
    Erfolgreiche Vorbilder für aktive Vaterschaft kommen in den Medien bislang zu (noch) wenig vor, Aber ich bin ebenfalls optimistisch, dass wir daran etwas ändern können.

    Ich habe es ja immerhin auch schon ins Heute Journal geschafft.

    Frei nach Karl Valentin: Es ist schon alles gesagt worden, inzwischen auch schon von fast jedem. Es kommt jetzt darauf an zu handeln!!

  9. Jörg Fuchs sagt:

    Ich bin sehr erfreut zu sehen, das an meinem Verständnis von Vaterschaft offensichtlich Interesse besteht und freue mich, mit Ihnen, Herrn Nelles und auch mit Ihnen, Frau Raiser, demnächst näher in Kontakt zu treten.

    Leider darf ich zur Zeit mein Vaterschaftsverständnis aufgrund der NoroVirusinfektion meiner Frau direkt in die Tat umsetzen und bin daher diese Woche nur sehr unregelmäßig im Büro (ich habe ja auch noch heute morgen im Kindergarten meiner großen Tochter den Nikolaus gegeben). Ich würde mich freuen, wenn Sie mich kommende Woche nochmals kontaktieren würden. Vielen Dank.

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