Eine Meinung zum Thema Innovation
Matthias Rückel
16 Dezember 2007
10 Kommentare
“Es wäre fatal, Kinder aufzuziehen, denen nicht mehr beigebracht wird, Anweisungen zu befolgen. Befehl und Gehorsam sind unbedingt nötig, um… Innovationen in einem Unternehmen durchzusetzen.”
Edmund Phelps, Wirtschafts-Nobelpreisträger in der FAS vom 11.11.2007 (gefunden in Wirtschaft+Weiterbildung 01/2008)
Das könnte Sie auch interessieren:








Befehl und Gehorsam???
Hört, hört…
tz.
Vielleicht sollte man auch noch die Verbraucher “zwingen” oder “abkommandieren”, die Produkte zu kaufen. Dann kann man sich auch noch auf dem Markt “durchsetzen”.
Und Edmund Phelps ist also Wirtschafts-Nobelpreisträger? Frage ich mich doch, wie er das geworden ist
Er hat eine für europäische Verhältnisse ziemlich wenig greifbare Meinung. Zum einen lobt er die gesetztliche Gesundheitssysteme der Europäer, zum anderen hat er eine sehr neoliberale Sicht auf die globalisierte Wirtschaft.
“Befehl und Gehorsam” verbinde ich immer mit Kasernenhof. Das hat mit liberal nix zu tun – auch nicht mit neo-liberal.
Machen wir uns nicht vor: faktisch funktioniert jede Organisation so. Unternehmen sind zweckgerichtete soziale System, in denen Vorstände und Geschäftsführungen ihr Direktionsrecht wahrnehmen (müssen!). Wer denn sonst? Ob “Befehl und Gehorsam” begrifflich in die Philosophie von Unternehmen passt oder nicht: Anweisungen (“Dienstanweisungen”, “Arbeitsanweisungen” o.ä.) sind inhaltlich nichts anderes als Befehle. Klingt nur besser. Hierarchien sind nicht nur Berichts- und Kommunikationskanäle, sondern tragen Entscheidungsvorbehalten Rechnung.
@ Holger:
Hinter “Befehl und Gehorsam”, “Dienstanweisungen” etc. steckt noch ein mechanisches Weltbild: Hebel umlegen, Getriebe, das große Zahnrad treibt das kleine an. Mit “Führer befiehl, wir folgen” haben wir extrem schlechte Erfahrung gemacht. Während im Führerbunker noch Armeen in Gang gesetzt wurden, waren die längst aufgerieben und vernichtet.
Die Rückmeldungen von der “Front” zu ignorieren, ist im Krieg fatal, in Organisationen auch. Jedes gut funktionierende System funktioniert anders: es gibt viel Autonomie (Herz und Magen arbeiten alleine ohne vom Gehirn gesteuert zu werden) und eine Vielzahl von Rückkopplungsschleifen. Höchste Zeit, dass wir das Führungsverhalten nach organischen Prinzipien organisieren: das hat sich im Laufe der Evolution als Bestes zum Überleben von Organismen und Organisationen bewährt.
Das mit “… sondern tragen Entscheidungsvorbehalten Rechnung” habe ich nicht verstanden. Was sind “Entscheidungsvorbehalte”? “Ich behalte mir vor die Entscheidung vor” oder “ich habe einen Vorbehalt gegen die Entscheidung”?
@ Wolff:
Mit den “Entscheidungsvorbehalten” sind die Vorbehalte höherer Hierarchieebenen gemeint, in wichtigen Fragen zu entscheiden. Auch im “organischen” oder “systemischen” Managementkontext müssen z.B. gewisse Arten von Entscheidungen getroffen und Regeln gesetzt werden, die das Unternehmen als Ganzes betreffen und einen Bezugsrahmen für Detailentscheidungen bilden. Ich sehe keinen Widerspruch zu der Tatsache, dass Unternehmen im übrigen zu einem sehr grossen Teil selbstregulierend oder sogar selbstorganisierend angelegt sein müssen. Gerade sich selbst organisierende und regulierende Systeme brauchen Regeln, denen permanent Geltung verschafft werden muss, damit das ganze System funktioniert, d.h. überlebt und seine Identität bewahrt. Und darum geht´s ja in der Kybernetik.
Zu der Aussage “Herz und Magen arbeiten allein ohne vom Gehirn gesteuert zu werden” fällt mir die Frage ein “… und was ist mit Herzinfarkt und Magenkrebs?” Da wird schnell klar, dass das Gesamtmodell offensichtlich viel komplizierter ist und für interessante Blogs wenig hergibt (gähn!).
Na ja, wie dem auch sei, eigentlich wollte ich mit meinem Beitrag aus der Mittagspause nur ausdrücken, dass auch in noch so “liberalen”, “organischen” oder “systemischen” Unternehmen die Dinge irgendwann ausdiskutiert sind und Entscheidungen getroffen werden müssen. Und die trifft vernünftigerweise nicht jeder Mitarbeiter/Soldat als “Element des Systems” für sich selbst.
Schlussendlich: meine Lieblingslektüre zum Thema: Fredmund Malik, Strategie des Managements komplexer Systeme, 6. unveränd. Aufl., Bern Stuttgart Wien 1996
@ Holger:
Danke für die Klärung. Mit den Ausführungen aus Kommentar #8 bin voll einverstanden.
[...] Eine Meinung zum Thema Innovation von Matthias Rückel [...]
Ihre Meinung!
Kategorien
Blogroll
Business-Club
Partner Blogs
Meta
Schlagwörter
Meistkommentiert
Letzte Artiel