Liebe Blogger,
ich freue mich, hier ein paar der Fragen, die mich in den nächsten Wochen beschäftigen werden, zur Diskussion stellen zu können.
Vorab einige Anmerkungen zum Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ). Die Deutsche Bahn AG hat diese GmbH zusammen mit dem Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) initiiert, um Mobilitätsthemen nicht nur aus der Schienenperspektive zu behandeln (dafür gibt es die Konzernzentrale), sondern aus verkehrsträgerübergreifender Sicht. Durch die Kooperation mit der Projektgruppe Mobilität des WZB wird der interdisziplinäre Anspruch des InnoZ umgesetzt. Fragen wie die, nach den Konsequenzen des demografischen Wandels für den Verkehrsmarkt werden nicht nur aus ökonomischer, sondern auch aus politischer und sozialwissenschaftlicher Sicht bearbeitet.
Mit der Gesellschaftsgründung im Februar 2006 stieß T-Systems zum InnoZ dazu. Da ich davon ausgehe, dass in den nächsten 10 bis 15 Jahren auch im öffentlichen Verkehr IuK-Techniken zu einem integralen Bestandteil der Angebote werden, war dies konsequent. Schlagworte sind hier z. B. e-ticketing oder local navigation. Insbesondere für die Bewältigung der heute noch viel zu komplexen Anforderungen an Kunden, Selten- oder Noch-Nicht-Kunden vor und nach der Zug- oder Busfahrt sollten u. a. die IuK-Techniken Lösungsbeiträge liefern. Klar sollte aber auch sein, dass es im InnoZ auch um organisatorische und institutionelle Innovationen geht.
Als (vorläufig) letzter Gesellschafter kam Mitte 2006 das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zum InnoZ, das sich u. a. auch in interdisziplinärer Form mit einer Gesamtoptimierung des Verkehrssystems auseinandersetzt.
Bevor ich in den nächsten Tagen von ein paar aktuellen Projekten schreiben werde, möchte ich über eine hochrangig besetzte Konferenz reden, an der ich gestern teilgenommen habe. Veranstalter waren u. a. der BDI, das Institut der deutschen Wirtschaft und Roland Berger. Inhalt einer Studie und Konferenztitel war ‘Systemkopf Deutschland Plus – Die Zukunft der Wertschöpfung am Standort Deutschland’. Zentrale These: Deutsche Unternehmen verfolgen zunehmend ‘Systemkopf’-Strategien: Sie konzentrieren sich in der Heimat auf hochwertige und dispositive Tätigkeiten, organisieren von dort komplexe Wertschöpfungsketten und lagern Einfacharbeiten aus. Das Plus bezieht sich dann auf ‘positive Abstrahleffekte auf die Beschäftigungssituation’.
Wenn in Diskussionen mit DB-Mitarbeitern die Rede auf den Anspruch kommt, Systemkopf für Mobilitätsdienstleistungen zu werden, kann ich mir meist nicht verkneifen zu fragen, wer denn dann wirklich und engagiert die anderen Körperteile eines Systems bilden will (je nach Gesprächspartner formuliere ich das etwas drastischer…). Und wer kann denn, z. B. bei einem Elektronikanteil von über 50 % am Wert eines Pkw die Funktion des Systemskopfs für sich beanspruchen?
Wie viel Kopflastigkeit darf sein?
Anfang vorigen Jahres hat eine nicht minder renomierte Adresse, nämlich die Deutsche Bank Research, eine Studie vorgelegt mit dem Titel ‘Deutschland im Jahr 2020 – Neue Herausforderungen für ein Land auf Expedition’. Darin wurde der Projektwirtschaft eine große Zukunft vorhergesagt. Danach hätten deutsche Unternehmen ‘um erfolgreich zu sein oder schlicht zu überleben, mit neuen, flexiblen Kooperationsformen auf die rapide gestiegenen Anforderungen ihrer Umfelder und Märkte’ zu reagieren.
Verwischt man die Unterschiede dieser beide Ansätze nicht zu früh, indem man z. B. über regionale Cluster redet, stellt sich die spannende Frage, wie viel ‘Kopflastigkeit’ es denn heute noch sein darf? Für’s InnoZ ist dies insofern keine nur akademische Frage, als ein Gestalten von Schnittstellen für einen Systemkopf ganz anders aussieht als für einen Expeditions-Teilnehmer…