Das virtuelle Team von morgen
Im Rahmen der Entwicklung des Internets und der steigenden Bandbreiten sinkt die physische Mobilität und die virtuelle Mobilität steigt, obwohl in manchen Bereichen auch durch Billigflüge und durch global verteilte Teams die physische Mobilität steigt (Leider habe ich keine Quelle/Studie, die hier Zahlen auf den Tisch bringt).
Wie aber bereits Bert Mutsears in seinem Artikel Das virtuelle Team anschaulich zeigt, verändert das Internet unsere Berufsfeld nachhaltig: E-Mail, Instant Messaging, Skype und Co. gehören heute zu dem alltäglichen Werkzeugen eines Wissensarbeiters.
Wie aber sieht das virtuelle Team von morgen aus?
Hierzu möchte ich die Beobachtungen von Matthias Rückel aus dem Kommentar meines letzten Artikels aufgreifen:
” … Erst nach einiger Zeit beobachtete ich »unnötige« und seltsame Verhaltensweisen der User, die nicht so einfach zu erklären waren. Beispielweise setzen sich während der Wartezeit Avatare auf die Treppenstufen eines virtuellen Museums. Auf den ersten Blick vollkommen unsinnig. Warum setzen sich Avatare hin? Die digitalen Repräsentaten der Nutzer können nicht müde sein und die Nutzer vor dem Computer sitzen mit Sicherheit bequem vor dem PC. Warum dieses scheinbar unsinnige und unnütze Verhalten? … “
Was Matthias hier beobachtet hat, hat etwas mit der sogenannten Immersion zu tun. Der Begriff Immersion beschreibt im Kontext der virtuellen Realität das Eintauchen in eine künstliche Welt. Und ohne große Umschweife möchte ich hier auch auf das virtuelle Team von morgen kommen, welches sich im virtuellen dreidimensionallen Raum, also dem Web.3D abspielen wird, ähnlich wie wir heute die ersten Schritte in den Kinderschuhen innerhalb der Plattform Second Life beobachten können.
Eigentlich schon das virtuelle Team von heute, da wir dies ja – zumindest teilweise – bereits praktizieren. Die Form (also das Web.3D wie beispielsweise Second Life) ist der breiten Masse der Internetnutzer jedoch noch nicht geläufig. Das virtuelle Team von morgen wird über visuelle und auditive Komponenten (Kamera, Videokonferenz, Telefon, Skype, Voicechat) hinaus, die Vernetzung der Internetnutzer, um mindestens zwei Mehrwerte bereichern:
- Eine kinästhetische Komponente
- Eine Komponente, die es ermöglicht in einem geteilten virtuellen Raum gemeinsam und relativ frei zu interagieren
Kinästhetische Komponente
Bei der kinästhetischen Kompenente geht es um die kinästhetische Koppelung des Menschen an das Internet. Hierbei ist zu Unterscheiden zwischen der Koppelung mit und ohne Force Feedback. Streng genommen spüre ich bereits eine kinästethische Koppelung wenn ich gerade tippe, und zwar über den Anschlag meiner Tastatur. Dies ist eine Koppelung ohne Force Feedback. Im medizinischen Bereich, oder für das Fassen von Gegenständen, egal ob virtuell oder real ist ein Gegendruck notwendig, der heute schon über sogenannte Force Feedback Data Gloves möglich ist.
Hierzu ist dieses Video auf YouTube, das bereits über ein Jahr alt ist, interessant. Außerdem sind die Webseiten des CAIP-Centers interessant. In dessen VRLab kann man sich Prototypen der ersten Datenhandschuhe mit Force Feedback anschauen. Hier zwei interessante Links
Datenhandschuh 1
Datenhandschuh 2
Ein weiteres, aktuelles Projekt, dass sich in der letzten Phase befindet ist auch noch zu erwähnen. Es ist das Projekt CyberWalk der Max-Planck-Gesellschaft.
Mit der kinästhetischen Komponente wird also ein weiterer Sinneskanal, oder wie die NLPler sagen, das kinästhetische Repräsentationssystem mit eingebunden. Somit ist, um in der Sprache des NLP zu bleiben, ein “besserer Rapport” möglich, was wiederrum mit einer höheren Immersion einhergeht (siehe auch engl. Beitrag auf Wikipedia über Rapport).
Komponente des geteilten Raumes
Die Komponente des geteilten Raumes, wie ich sie nenne, ist mindestens genauso spannend. Hier geht es, im Gegensatz zur Telefonkonferenz oder der Videokonferenz, um den Mehrwert, den ein gemeinsam virtueller Raum der Interaktion bietet. Ich habe dieses bereits einmal von einiger Zeit in diesem Beitrag herausgearbeitet. Die Mehrwerte eines solchen virtuellen Raumes sind in etwa ein gemeinsam digital geteiltes Whiteboard oder Flipchart auf Softwarebasis. Ein solches kommt bereits innerhalb Second Life zu E-Learning-Zwecken zum Einsatz. Ein weiterer Aspekt ist die räumliche Orientierung, die simulierbar wird. So zum Beispiel das virtuelle Training von Feuerwehreinsätzen für öffentlich stark frequentierte Plätze. Diese Plätze können virtuell nachgebildet werden, da reale Orte, die 24 Stunden pro Tag frequentiert werden, für reale Übungen ungeeignet sind (U-Bahn-Stationen, Flughäfen etc.)
Mein heutiger Alltag
Hier noch ein paar Worte zu meinem heutigen Tag. Was habe ich gemacht, außer zu bloggen? Nun, im Rahmen einer kybernetischen Zukunftsmarktanalyse bin ich 2004 auf Second Life gestoßen. Das war im Rahmen eines Auftrages für meine erste Firma, die 4th Arcanum GbR. Für diesen Job habe ich heute an einem Angebot für eine Kybernetische Kalibirierung gearbeitet.
Durch die Kybernetische Kalibirierung ermöglichen wir unseren Klienten eine neue Art der Wahrnehmung eines Marktes. Dies führt zu mehr Handlungsoptionen in einem komplexen Raum und dadurch steigern wir die Qualität der Entscheidungen, die Führungskräfte treffen müssen. Mehr darf ich wegen einem NDA inhaltlich nicht verraten
Ein paar Anwendungsbeispiele der Kybernetik im Management sowie einiges “über die Denke” findet man hier auf unseren Seiten. Die erste Phase einer Kybernetischen Kalibrierung, die Causal Loop Diagramm-Modellierung zeige ich auch in diesem Papier, danach kommt die Simulation auf Basis von System Dynamics. Einige Infos über System Dynamics findet ihr auch über Google auf meinem ersten Blog auf www.lawsofform.de. Ein etwas älteres Papier von mir über die Anwendung von System Dynamics findet man auch auf den guten alten Wissensnavigator von Artur P. Schmidt.
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Wenn man sich mit so komplexen Technologien beschäftigt, ist man schon etwas erschrocken dass selbst ein simpler Hyperlink und dessen Bedeutung den meisten Benutzern noch nicht so richtig bekannt ist.
Wäre Information Dynamics nicht ein interessantes Einsatzgebiet für virtuelle Welten wie Second Life?
In der Tat gibt es sogar Blogger, die Hyperlinks zu mager einsetzen, ich dagegen vielleicht schon etwas zu stark. Geht das?
Danke für den Hinweis auf Information Dynamics, ein neuer Begriff der auf mein “Radar” gekommen ist. Hier eine Frage, werden Information Dynamics-Modell mit der System-Dynamics-Methode modelliert? Ich arbeite gerade ein Angebot aus für eine kybernetische Kalibrierung. Hier kommt bereits System Dynamics zum Einsatz. Zusätzlich wollen wir das SD-Modell mit Realtime-Informationen aus dem Internet speisen. Ist das dann schon Information Dynamics? Das SD-Modell wird also durch Echtzeitdaten aus dem Internet parametrisiert.
Grüße,
Andreas
Ich hatte vor Jahren mal mit Sony zu tun. Da gab es damals schon tägliche Video-Konferenzen zwischen Europa, Amerika und Japan. Für alle Global Players ist es ein Muss, diese Strukturen zu nutzen.
Die Herausforderungen der Zukunft werden sein, dass auch alle Beteiligten das Gefühl haben, zusammen zu sein. Da hapert es heute noch an der Technik. Aber die 3D-Welten werden auch hier einen maßgeblichen Beitrag zur Verbesserung leisten. Wer einmal Cyberspace erlebt hat, wird bestätigen können, dass man ganz schnell das Gefühl bekommt, man wäre “mitten drin”. Bei fortschreitender Technik werden wir nicht mehr unterscheiden können, was real und was virtuell ist. Das wird dann zur “Neuen Realität”.
[...] Und wie Michael Wald schon in einen meiner vorherigen Beiträge kommentierte: [...]
… das wäre dann in der (nahen) Zukunft so ähnlich wie bei Matrix. Nicht im negativen Sinn gemeint. Ich projiziere diese Aussage allein auf die SIMULATION DER WELT.
Horst Heberle
Naja, die Augmented Reality-Sachen gehen ja schon in die Richtung, mann sehe sich folgenden Beitrag/YouTube-Videos auf SLTalk an.
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