Kunde? Kunden zuerst!
Liebe Blogger,
herzlichen Dank für die konstruktiven Kommentare der letzten Tagen. Ich werde versuchen, einige der Anmerkungen und Fragen im Rahmen meines heutigen Beitrags aufzugreifen.
Das sich ein Innovationszentrum auch mit Innovationen befasst, wird nicht überraschen. Nun besteht eine Innovation ja nicht nur – und vielleicht nicht mal hauptsächlich – aus einer Erfindung, sondern auch in deren Überführung in gesellschaftliche Praxis. Das ist Unternehmen, insbesondere in Deutschland, nicht immer so präsent, obwohl das spätestens seit Schumpeter bekannt sein könnte. Aber 1. ist der schon seit 1950 tot und 2. war der Österreicher.
Viele Produktentwicklungen resultieren eher aus der Orientierung an der Unternehmenslogik oder den Produktionsstrukturen oder dem technisch Machbaren und nicht aus der Orientierung an der Attraktivität für den Kunden. Viele Produktinnovationen fallen daher bei der Markteinführung durch. Andere machen eher zufällig Karriere, wie z. B. SMS. Erst die unerwartet breite Anwendung dieses ‘Abfallprodukts’ in zahlreichen persönlichen Kontexten der Konsumenten führte zu der weitreichenden Nutzung. Auf der anderen Seite schwächelt die anbieterseitig forcierte Innovation WAP immer noch.
Dies beherzigend leistet InnoZ Beiträge dazu, Kundenintegration in Entwicklungsprozesse zu verstärken. Dies passiert z. B. dadurch, dass wir Begleitforschung im Rahmen des Projekts ringandride.de durchführen. Dabei geht es um Feldversuche für die Entwicklung eines elektronischen Ticketing-Systems per Handy. Dies könnte m. E. schon als eine eher experimentelle Maßnahme angesehen werden, Herr Horbach.
Ich leite zur Zeit ein Projekt, das versucht, Kunden in einer noch früheren Phase der Produktentwicklung einzubeziehen und bitte um Verständnis, wenn ich jetzt etwas abstrakter bleiben muss, weil ‘it’s work in progress’. Kerngedanke des Konzepts ist eine partizipative Anforderungsanalyse, die versucht die technischen und sonstigen Machbarkeiten kooperierender Anbieter in einem Marktexperiment mit den tatsächlichen Nutzenerwartungen einer spezifischen Zielgruppe zur Deckung zu bringen.
Ich habe in den letzten Jahren gelernt, dass man solche Innovationen, die ja auch Prozess- oder organisatorische Innovationen auslösen, besser nicht gleich im Wohnzimmer eines Unternehmens beginnt, sondern in vielleicht nicht so zentralen Bereichen. Auch im richtigen Leben wird ja im Keller gebastelt, erst wenn die Kommode fertig ist, stehen kann und poliert ist, findet sie – hoffentlich schadensfrei – den Weg in die feine Stube. Liebe Frau Ruske, ich hoffe, Sie lassen das als meinen Beitrag zum Thema lernende Organisation duchgehen.
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Lieber Herr König,
lernen tun wir – gerade hier in diesem Netzwerk – wohl alle sehr gerne, auch und gerade voneinander. Die Synergieeffekte des Businessclubs sind schon sehr hilfreich. Schade also, dass wir nicht in die Entwicklungsschmiede mit hineinschauen dürfen! Viele der Mitglieder hätten bestimmt sehr gute Ideen… da fällt mir gleich Wolfgang Horbach ein – seine Ideen sind nicht nur reichlich vorhanden, sie sind auch direkt wissenschaftlich fundiert.
Der Begriff “Lernende Organisation” steht , anders als man zuerst vermuten möchte, für ein OE-Konzept, siehe auch:
http://www.innovativ-in.de/blog/2007/11/14/ist-der-business-club-eine-lernende-organisation/
Insofern: sorry, in diesem Sinne könnten wir uns leider nicht als lernende Organisation bezeichnen – lernen tun wir natürlich trotzdem.
Lieber Herr König, interessant zu lesen, dass Sie Kundenintegration in Entwicklungsprozesse forcieren. Da scheint ja die DB (auch wenn InnoZ nicht die DB ist) dazu zu lernen. In diesem Sinne sind Sie wahrscheinlich doch eine lernende Organisation, obwohl Peter Senge das viel umfassender versteht (Judita Ruske wahrscheinlich auch).
Ich kann mich da an zwei Dinge erinnern: Erstens an eine Fahrt mit dem superschnellen ICE von Köln nach Frankfurt. Ich hatte da Verbesserungsvorschläge bzgl. der Monitore in den Kopfstützen gemacht. Keine Reaktion der Bahn. Zweitens wollte ich der DB einen Verbesserungsvorschlag unterbreiten, wie sie dafür sorgen kann, dass bei defekten Fahrscheinautomaten die Verluste durch Zahlungsausfälle minimiert werden. Nach meiner Erfahrung sind die Automaten oft defekt und so steigen die Menschen (ich auch) ohne Fahrschein ein. Aber für meinen Vorschlag hat sich keiner interessiert.
Sie führen ja an, dass SMS ein Erfolg, WAP dagegen ein Flop ist. Das ist Evolution. Viele Menschen denken, Evolution war gestern. Nein, sie findet unentwegt statt. Durch die moderne Technologie ist sogar das Evolutions-Tempo dramatisch gestiegen. Evolution bedeutet fast immer: es muss viele Veränderungen (Mutationen) geben, bis eine davon zu einer Verbesserung führt. Diese wird dann weitervererbt. In bestimmten Bereichen kann man mit computergestützter Evolutionsstrategie Optimierungen erreichen, bei denen alle anderen Verfahren versagen. Etwas für Sie?
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